Frage von GXleif, 104

Gilt man in Deutschland unter 892 Euro Brutto oder Netto als arm ( fuer alleinstehende)?

Wenn man im Internet Nachforscht nach den Armutsgrenzen in Deutschland, findet man ( alles von unterschiedlichen Seiten) nur diese Angaben:

Alleinstehend Weniger als 892€

Alleinerziehend mit 1 Kind Weniger als 1.015€

Alleinerziehend mit 2 Kindern Weniger als 1.250€

Ehepaar mit 1 Kind Weniger als 1.606€

Ehepaar mit 2 Kindern Weniger als 1.872€

  1. Ist das Brutto oder Netto Angabe ( denke Brutto aber muss das zu 100% wissen)

  2. Koennen diese Angaben so stimmen? Weil einiges habe ich mir anhand der anderen Angaben selbst errechnet.

Antwort
von Grautvornix16, 21

OK. Diese "Ihr-seid-doch nur verwöhnt-Parolen", "Bangladesh-Vergleiche" und "Arm-aber-glücklich-Verklärungen" gehen einem in ihrer intellektuellen Substanzlosikeit schon ziehmlich auf den Senkel. -

Wer so argumentiert wird Armut - vor allem in ihrer absoluten Form - dann ja auch eher als "Herausforderung einer Erlebnistour" sehen und sich für ein halbes Jahr mit seinem Schlafsack zwischen 22.00Uhr und 07:00Uhr in den Eingangsbereich von Aldi, KaDeWe oder C&A legen und danach sich die romantische Freiheit der Armutund das ursprüngliche Gefühl der Eigenverantwortung "ertippeln".

Aber es geht auch eine Nummer kleiner und bleibt doch das Gleiche: Ich glaube, dass ein Arbeiter im Niedriglohnbereich oder ein Hartz-IV - Empfänger (und die meisten davon sind eben nicht selbst daran "schuld") einschll. deren Kinder diesen "Jeder-ist-seines- eigenen-Glückes-Schmied"- und "Jammern-auf-hohem-Niveau"-Quatsch sehr begründet anders sehen wird.

Armut ist immer relative Armut im Verhältnis zu den ökonomischen und sozialen Umgebungsbedingungen in Bezug auf Teilhabe- und Entwicklungsmöglichkeiten - Punkt.

Niemand betreitet Selbstverantwortung aber niemand (der reflektiert und sorfältig denken kann) bestreitet auch ernsthaft, dass das Märchen vom gerechten Staat, der sowas wie Chancengleichheit und Teilhabegerechtigkeit (auch einkommenstechnisch) ideal organisiert ein Märchen ist. Insofern ist auch die Einrichtung von Solidarsystemen zur Sicherstellung grundlegender Teilhabe- und Entwicklungschancen ein logisches Kernelement einer politischen Ordnung und politischen Handels. Und entweder ist es da oder nicht.  Alles andere ist Polit-Rhetorik zur Verschleierung von Ungerechtigkeit und politischer, interessensgeleiteter Ignoranz.

Und natürlich basieren die Armutsberichte der Wohlfahrtsverbände alle nur auf einer naiven "Gutmenschentum-Perspektive" und zu den Tafeln gehen vor allem diejenigen, die sich von ihrem üppigen "Schmarotzergeld" noch den Anteil für Bier, Zigarretten und den Großbild-HD-Fernseher raussparen wollen.

Deshalb hier einfach mal eine sachliche Beschreibung aus dem Netz:


"Was ist Armut? Mit wenig Einkommen auskommen?

Neben positiven Export- und Wirtschaftsnachrichten wird in den
letzten Monaten vor allem ein Thema immer wieder diskutiert: Armut
in Deutschland
. Mehr als zwölf Millionen Menschen
leben heute an der Armutsgrenze
und sind damit stark von
Armut gefährdet. Wer an der Armutsgrenze lebt, gilt noch nicht als
arm, kann seinen Lebensunterhalt aber nur noch knapp bestreiten. An
der Grenze zur Armut lebt, wer lediglich 60 Prozent des
durchschnittlichen Nettoeinkommens
zur Verfügung hat.


Auch Haushalte, die immerhin noch 70 Prozent desdurchschnittlichen Einkommens beziehen, gelten heute bereits alsarmutsgefährdet. Echte Armut wird mit einem Nettoeinkommen von 40bis 50 Prozent des Durchschnitts definiert. Wenn in Deutschland vonder sogenannten Armutsgrenze gesprochen wird, sind Einkommen von 60Prozent des mittleren Einkommens (inkl. staatlicher Sozialleistungenwie Kinder- und Wohngeld) gemeint. Heute leben in Deutschlandrund 16 Prozent der Bevölkerung, das sind 13 Millionen Menschen, ander Grenze zur Armut. Dieser Wert ist in den letzten Jahren leicht gestiegen.

Aktuelle Zahlen
In Deutschland liegt der Anteil der Kinder unter 15 Jahren, die von Armut betroffen sind, bei 15,7 Prozent.
In der Altersgruppe der 17-bis 64-jährigen sind knapp 18 Prozent der Frauenarmutsgefährdet, aber nur 16 Prozent der Männer.
Bei Alleinerziehenden liegt die Armutsgefährdungsquote bei 35,2 Prozent.
Bei Arbeitslosen sind 69,2 Prozent von Armut bedroht, während diese Quote bei Erwerbstätigen nur bei 8,6 Prozent liegt.

Wer lebt an der Armutsgrenze?
Als Armutsgrenze gilt in Deutschland für eineallein stehende Person ein Einkommen von  979 EUR monatlich (11.749 EUR im Jahr). Für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren liegt der Schwellenwert bei 2.056 EUR im Monat (24.673 EUR im Jahr). Hierbei werden staatliche Leistungen mit einbezogen. Die Anzahl aller Personen, die in Armut leben, wird als Armutsquote bezeichnet. Weltweit lebt jeder sechste Mensch in Armutund verdient weniger als einen US-Dollar am Tag. Auch in Deutschland lebt jeder Sechste an der Armutsgrenze – in anderen europäischen Ländern wie Spanien liegt die Armutsquote sogar noch höher.
Wenn das Thema Armut thematisiert wird, ist immer von einerrelativen Armut die Rede: Das Einkommen wird mit dem sozialen Umfeld ins Verhältnis gesetzt. Das Nettoäquivalenzeinkommen zur Ermittlung der relativen Armut lag 2003 in Deutschland bei etwa 1.500,- Euro und ist in den letzten Jahren gestiegen. Es gibt statistisch gesehen immer mehr einkommensstarke Haushalte, eine schrumpfende Mittelschicht und deutlich mehr armutsgefährdete Personen als noch vor einem Jahrzehnt. Besonders hoch ist die Armutsquote in Städten wie Berlin.

Relative Armut

Die relative Armutsgrenze wird von den weltweiten OrganisationenWHO und OECD für Personen festgelegt, die weniger als 50Prozent vom Mittelwert des jeweiligen Nettoeinkommens zurVerfügung haben. In der Europäischen Union gelten Personen, dieweniger als 40 Prozent vom Mittel des Nettogehalts verdienen, als arm und Personen, die weniger als 50 Prozent dieses Wertes zur Verfügung haben, als relativ einkommensarm.
Bei einem Wert von 60 Prozent gelten Personen laut Statistik alsarmutsgefährdet. Die Armutsgrenze in den USA liegt 2013 für Alleinstehende bei einem Jahreseinkommen von 11.490 US-Dollarund für eine vierköpfige Familie bei 23.550 US-Dollar. In der Schweiz gelten Einzelpersonen mit einem Einkommen von 1.000 Franken als arm, wobei hier bereits die Mietkosten und Krankenversicherungsbeiträge abgezogen wurden."


Gruß

Kommentar von Grautvornix16 ,

PS: Die Angaben stammen aus 2016.

Kommentar von Grautvornix16 ,

PSS: Und bevor jetzt jemand von den "Logikern" meinen Tipfehler bemerkt und entsprechend kommentiert hier die Richtigstellung der entsprechenden Textpassage:

"Niemand betreitet Selbstverantwortung aber niemand (der reflektiert und sorfältig denken kann) bestreitet auch ernsthaft, dass das Märchen vom gerechten Staat, der sowas wie Chancengleichheit und Teilhabegerechtigkeit (auch einkommenstechnisch) ideal organisiert eben tasächlich nur ein Märchen ist."


Antwort
von barfussjim, 17

In etwa stimmen die Zahlen, mittlerweile ist die "Armutsgrenze"  sogar noch etwas angehoben worden.

http://www.cleanenergy-project.de/soziales/7113-armutsbericht-2016-deutschland-e...

Was bei uns als "arm" gilt, entspricht in den meisten Ländern dem Gehalt von Besser- und Gutverdienern.

Kommentar von voayager ,

Unsinn, in vielen Ländern sind dafür die Lebenshaltungskosten sehr viel geringer als hier, was von all den Gesundbetern geflissentlich verschwiegen wird.

Antwort
von Parnassus, 40

Alles unter 1.800€ Netto ist /gilt als Geringverdienst... also fast der ganze Osten. (sorry musste jetzt sein)

Kommentar von joheipo ,

Ist im Westen auch nicht viel besser.

Ich hab mal nachgerechnet, was rauskäme, wenn das Einkommen von 892 brutto wäre:

Ledig, Wohnort Niedersachsen, über 25, Steuerklasse I/0, Kirchensteuerzahler.

Steuern: keine

Soz.-Versicherung: 185,75

Bliebe zum Leben: 710,25

Deshalb ist der Betrag von 892 schon das "Armutsentgelt".

Wer davon eine Wohnung mit allen Nebenkosten, Lebensmittel und Bekleidung bewältigen kann, ist ein Künstler.

Kommentar von supersuni96 ,

hahahaha, dann bin ich ein Künstler. Ich lebe von 630 Euro im Monat. Und das nicht mal sooo schlecht.

Kommentar von Parnassus ,

Wenn du jung bist geht das alles eine Weile, ich bin während meiner Ausbildung auch mit ca. 400DM im Monat ausgekommen (einschließlich Miete in einer WG)

Antwort
von supersuni96, 40

Das sind netto-Beträge.

Wenn das wirklich so stimmt, dann bin ich ein ganz armer Schlucker. Denn ich lebe von deutlich weniger Geld. Merkwürdig, wie schnell sich in Deutschland jemand schon "arm" nennen darf. So kann man die Statistiken natürlich auch schlecht machen.

Kommentar von GXleif ,

Dann koennten es villeicht doch Netto Betraege sein, weil solche Angaben lassen sich nicht auf 08/15 Seiten finden, sondern bei Statista, Der Zeit, Frankfurter Allgemeinen, dem Familienbund Paderborn oder sogar dem Statistischen Bundesamt.

Kommentar von supersuni96 ,

Ich hab es auch ergoogelt. Es sind tatsächlich netto-Beträge. Dann ist arm sein offensichtlich ein Luxus-Problem :-))

Antwort
von voayager, 9

Wer als Einzelperson weniger als 979 € an mtl. Einkommen hat, ist arm.

https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd...

Antwort
von berieger, 34

Das mit der Armut in D geht mir als Amerikaner allmählich auf die Nerven. Ist das was von den der SPD oder den Linken um irgendwie für die nächste Wahl ein Thema hochzukochen?

Eigentlich ist es doch so: Wer 3000€ im Monat hat und 2500 davon ausgibt (für was auch immer) hat 500 übrig zum Leben und ist ne arme Sau.

Wer 1000 im Monat hat und sonst nix ausser Essen braucht und ist soweit zufrieden, kann sogar noch was sparen und ist gut dran, oder? Eine Freundin meiner Frau ist so eine und kriegt nix vom Sozialamt.

Also, wir müssen weg von dem Denken über Armut in Deutschland. Für mich ist der arm der hungert und kein Dach über dem Kopf hat. Und das gibt es in D nur selbstverschuldet, meine ich. Ich halte mich an die uralte Regel: Jeder ist seines Glückes Schmied, wirkliche Pechvögel ausgenommen.

Kommentar von supersuni96 ,

Da hast du vollkommen recht. Ich bin Studentin und komme mit 630 Euronen im Monat aus. Und ich jammere auch nicht. All die Jammerlappen, die sich über ihr zu geringes Einkommen beklagen, sind es selber schuld. Man kann sein Leben auch billiger leben, wenn man denn will.

Kommentar von berieger ,

So ist es. Natürlich haut man so manches auf den Putz wenn man es denn kriegt vom Steuerzahler oder sogar selbst verdient. Und es gibt zig Leute die mit Geld nicht umgehen können und kaufen Sperrmüll weil ihnen das Geld zwischen den Fingern juckt und so  jemand ist bei mir in der engen Verwandtschaft....

Kommentar von voayager ,

Studierende sind aber nur kurzzeitig arm, können zudem z.T. nebenher jobben. Natürlich sind sie nicht zu beneiden.

Kommentar von voayager ,

Unsinn, nur weil ein Mensch ein Dach über den Kopf hat und nicht verhingert, bleibt er doch arm. Das ist ja die reinste Gesundbeterei, die du da betreibst. Fehlt nur noch der Vergleich mit Bangladesh oder einem völlig unterentwickelten afrikanischen oder lateinamerikanischen Staat als Beschwichtigung. Man muß doch schließlich die hohe Produktivität des hiesigen Landes sehen und was dann eigentlich möglich wäre.

Kommentar von berieger ,

voyager, danke das mit dem Schmied stimmt trotzdem. Ne kleine Geschichte weil du auch Afrika erwähnst: Als Junge war ich mal Messdiener. Damals hielt der Pfarrer uns an alle Edelmetalle zu sammeln u.a. auch das Silberpapier aus Zigarettenpackungen. Das ginge nach Afrika zu den Armen, sagte er. Das ist jetzt schon für mich "tausend Jahre" her. Heute sammeln wir immer noch für Afrika und den Armen dort. Geändert hat sich offenbar nichts.

Noch ne story: Da war vor Jahren mal ne Sendung im TV über Entwicklungshilfe aus D. In Niger, glaube ich. Es ging um Wasserleitungen und Brunnen in Dörfern gebaut von deutschen Entwicklungshelfern. Nach ein paar Jahren kam das TV team dorthin zurück um zu gucken wie es so ging: Alles war kaputt, abmontiert and geklaut. In den Brunnen lagen tote Ziegen. Die Frauen trugen die Pötte wieder auf dem Kopf zum Fluss.


Kommentar von dan030 ,

Es gibt ein paar ganz große Unterschiede zwischen den USA und Deutschland. Ich will mal die größten zwei Brocken nennen:

1. Wohn(raum)kosten: In Deutschland ist die Wohneigentumsquote niedriger als in den USA. Das bedeutet, es fallen einige hundert Euro pro Monat für Miete an.

2. Pflichtabgaben: Krankenversicherung, Rundfunkbeitrag usw.

Das interesante ist nun, dass die ganzen "Armuts"berechnungen auf Basis des sogenannten "verfügbaren Nettoeinkommens" vorgenommen werden. Und da zählen - je nach Erhebungsmethode einer konkreten Statistik - dann Miet- und KV-Kosten teilweise sogar mit rein (nehmen wir z. B. einen selbstständig tätigen, der zur Miete lebt, und dem z. B. die KV nicht von einem Arbeitgeber in Abzug gebracht wird bei der Lohnabrechnung).

Bedeutet in Konsequenz, dass der "Armut"-Begriff in DE überhaupt nicht aussagekräftig ist. Ein Hartz-IV-Empfänger kann mit seinen 400 Euro bar auf Konto "überleben", weil das Amt ihm Miete, KV usw. bezahlt. Ein selbstständig tätiger Mensch würde mit 400 Euro verhungern, und/oder obdachlos werden usw.

Gleiche Betrachtung gilt auch noch bei einem Einkommen von 1000 Euro/Monat. Wenn z. B. 400 Euro Fixkosten (Miete usw.) runtergehen, besagter Solo-Selbstständiger dann noch 300 Euro KV zahlen muss (wohlgemerkt MUSS, in DE kannst Du diesen Vertrag nicht einfach kündigen!), dann bleiben 300 Euro im Monat bar übrig. Und da fängt es dann an, schon ernstlich problematisch zu werden.

Wenn jemand aber 1000 Euro/Monat als Auszahlungsbetrag netto verdient, angestellt ist, zusätzlich noch 2 Kinder hat, dann bekommt er vom Staat nochmal 400 Euro obenauf und evtl. sogar noch den Kindergeldzuschlag für sozial schwache, hat dann schon 1700 Euro zum Ausgeben. Und ist dann plötzlich in einer verhältnismäßig komfortablen Situation.

Antwort
von soissesPDF, 26

laut statista https://de.statista.com/statistik/daten/studie/510/umfrage/einstufung-in-arm-und... schaut's so aus.

Da der durchschnittliche Regelsatz + KDU im HartzIV bei 671€/Monat liegt, leben HartzIV Empfänger unter der Armutsgrenze.

Kommentar von GXleif ,

Mit 700 Euro Netto kann man aber eig ziemlich gut klarkommen. Oder wird von dem Geld noch irgendwas abgezogen ( Miete, Steuern, Heizkosten etc. ) ?

Kommentar von voayager ,

nein, so kann man das nicht sehen, denn der H-4 Empfänger hat nach Abzug der Miete nur noch 400 €, davon zahlt er Strom, Gas, Telefon, Essen, tgl. Pflegemittel usw. und wenn dann noch was übrig bleibt ein ganz klein bißchen für Kleidung.

Kommentar von GXleif ,

Also wird doch noch was abgezogen

Kommentar von soissesPDF ,

Nein, nicht abgezogen, es gibt den Regelsatz + KDU (Kosten der Unterkunft).

Das ist nichts weniger als Armut per Gesetz.

Antwort
von joheipo, 35

Gemeint sind immer die Nettobeträge, also das Geld, das man tatsächlich zur Verfügung hat.

Nach der Tabelle bin ich übrigens superarm.

Kommentar von GXleif ,

Deshalb denke ich auch dass es Brutto ist...

Kommentar von voayager ,

Nein, es sind immer die Nwettobeträge gemeint, sonst sähe es ja noch düsterer aus.

Kommentar von supersuni96 ,

So do I.

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