Frage von PMBDE, 66

Gibt es zwischen der humanitären Intervention und dem gerechten Krieg Unterschiede?

Hallo, ich habe überlegt und war mir jetzt unsicher, ob es überhaupt Unterschiede zwischen beiden gibt.

Danke im Voraus;)

Antwort
von Grautvornix16, 26

Hi,- wenn du den (definitorischen) Kern deiner Frage mal aus allen Formulierungshüllen politischer Interessenspragmatik herausschälst denke ich, dass der definitorische Unterschied schnell klar wird: es ist der zwischen Defensiv und Offensiv und dass wäre auch die adäquate Kategorisierung von Kriegshandlungen.

Eine "Humanitäre Intervention" wäre eine defensiv ausgerichtete Grenzüberschreitung und ggf. Kampfhandlung, vergleichbar mit einer Nothilfe z. B. zur Unterbindung systematischer Verfolgung., international gesehen z. B. die Besetzung eines Landstriches in einem Land und dessen Verteidigung zur Einrichtung einer Schutzzone. Sie entspräche einem stellvertretenden Verteidigungskrieg insofern als der, der die Macht dazu besitzt es für denjenigen tut der das Recht dazu hätte aber es nicht kann. Diese Aktion ist nicht auf die endgültige Beseitigung der gegnerischen Seite ausgerichtet. (siehe z. B. Balkanintervention). In diesem Zusammenhang wären auch weitergehende Schritte erlaubt wenn der Gegner seine Verfolgung nicht einstellt.

Humanitäre Intervention und Verteidigungskrieg sind der Definitionsbereich eines "gerechten" Krieges. Darüber hinaus kann es keinen "gerechten" Krieg geben.

Das die Realität politischer Interessensrhetorik uns täglich lehrt wie man Begriffe und Definitionen mißbrauchen kann ändert an dieser grundlegenden Unterscheidung aus meiner Sicht nichts.

Auch im zivilen Leben kann ich eine aggressive, von Eigeninteressen gesteuerte Angriffshandlung als Notwehr und Nothilfe verschleiern.

Gruß



Kommentar von PMBDE ,

Ok danke.Das hat mir schon mal etwas weitergeholfen

Antwort
von voayager, 13

Der Begriff "humanitäre Intervention" ist näher zu bestimmen. So wie er dasteht, ist er eher schwammig.

Kommentar von PMBDE ,

Wir haben den Begriff als Eingreifen von Staaten in das Autoritätsgebiet eines anderen Staates definiert, um Menschenrechtsverletzungen eben dieses Staates zu unterbinden.

Kommentar von voayager ,

Gewiß, das war mirt schon klar, hab mich absichtlich unwissend gerstellt, weil es mich ein wenig erbost, wenn jemand sich so ungenau ausdrückt.

Doch nun zu deiner Frage selbst. Ich habe Schwierigkeiten klar abzugrenzen, was eine bloße humanitäre Aktion ist und was nicht. Es wurden schon so einige "humanitäre" Aktionen als Deckmantel durchgeführt, um dann zum Eigentlichen, der Eroberung eines Landes überzugehen, so geschehen im Irak sowie auch in Libyen. Diese vorgetäuschten Flugverbotsdzonen waren stets der Auftakt für die volle Intervention.

Ein Schelm wer dabei Böses sah

Kommentar von PMBDE ,

Ja das stimmt  wohl.Ich habe ebenfalls Schwierigkeiten, dies zu unterscheiden.

Antwort
von schmidtmechau, 13

Hallo PMBDE!

Wo Du Deine sieben Voraussetzungen für die Definition eine "gerechten Krieges" bei wikipedia hernimmst, ist mir nicht klar geworden. Es werden dort historische Definitionsversuche nebeneinander gestellt, die ja nicht zu einem systematischen und allgemein anerkannten Rechtsverständnis geführt haben.

Ohnehin muss man sich darüber im klaren sein, dass beide Begriffe immer zur Rechtfertigung eines Handelns herangezogen werden, das der Rechtfertigung bedarf. Und der Verdacht, dass diese Begriffe eine euphemistische Darstellung eines eigentlich nicht zu rechtfertigenden Handelns sei, liegt zumindest nahe.

Die Abgrenzung der beiden Begriffe ist aber trotzdem relativ einfach: Der "gerechte Krieg" ist der Oberbegriff, die "humanitäre Intervention" ist ein Sonderfall des "gerechten Krieges". Übrigens geht es hier nicht um eine Unterscheidung von "defensiver" und "offensiver" Kriegsführung. In beiden Fällen kann es - zumindest theoretisch - beides geben.

Natürlich führt der Versuch, die Begriffe von ihren konkreten Erscheinungsformen abzulösen und sie als abstrakte juristische Begriffe zu verstehen und zu definieren, nicht unbedingt zu wirklichem Verständnis. Versucht man aber, die Begriffe, dort wo sie angewendet werden und wurden, an den konkreten Fällen zu überprüfen, so muss man doch feststellen, dass sie in jedem einzelnen Fall immer mit Lügen verbunden sind.

Dies führt dann doch zu den beiden Sätzen: "Es gibt keinen gerechten Krieg" und "Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst".

Gruß Friedemann

Kommentar von PMBDE ,

Ok danke erstmal.Soll ich die sieben  Prinzipien nochmals nennen?

Kommentar von schmidtmechau ,

Gerne!

Kommentar von PMBDE ,

Ok.Also 1.Eine richtige Autorität, die den krieg erlaubt.2.Eine rechte Absicht.3.Einen rechten Grund.4.Verhältnismäßigkeit der  Mittel.5.Aussicht auf Erfolg/Frieden.6Unterscheidung zwischen kombattanden und anderen.7.Krieg ist letztes Mittel.

Kommentar von schmidtmechau ,

Hallo PMBDE!

Vielen Dank für Deine Auflistung.

Jetzt sag mir aber noch:

Denkst Du, dass diese Liste von irgend jemand als Kriterienkatalog anerkannt wird?

Gibt es eine internationale Institution, die nach diesen Kriterien entscheidet, ob etwas ein gerechter oder ungerechter Krieg ist.

Denkst Du selber, dass dieser Kriterienkatalog für solch eine Abwägung genügt?

Das sind doch alles überaus zweifelhafte Forderungen!

Nimmt man nur den ersten Punkt:

Was ist eine "richtige Autorität"? "Gott", ein "König", ein "Führer", eine "Staatenkoalition"? Das Problem ist dabei doch, dass die Autorität desjenigen, der den Krieg erlaubt, durch den Streitpunkt, der zum Krieg führt, in Frage gestellt ist. Solange sich niemand der Autorität entgegenstellt, gibt es auch keinen Kriegsgrund. Also ist diese Forderung im Grunde tautologisch und es taucht die Frage auf, ob nicht der Grund für die Autorität selbst die Entscheidung dieser Autorität zu etwas ungerechtem macht, weil es ausschließlich um ihre eigene extra-soziale Stellung geht.

So und ähnlich kann man bei jedem dieser sieben Punkte argumentieren.

Gruß Friedemann

Kommentar von PMBDE ,

Hallo Friedemann,

diese Kriterien wurden,angefangen bei Thomas von Aquin,von verschiedenen Philosophen und philosophischen Lehren über die Jahrhunderte aufgestellt.Offiziell sind sie natürlich nicht.Naja ich denke,es sind gut gewählte Punkte, die allerdings um weitere Punkte ergänzt  werden sollten.Naja gut.Die Punkte sind natürlich auch etwas genauer erläutert.Beim ersten Punkt z.B. ist die Autorität der Staatsführer bzw. die Regierung eines Staates.

Antwort
von Mignon5, 30

Was ist eine "humanitäre Intervention" und was ist ein "gerechter Krieg"??? Definiere beides!!

Bei einem Krieg glauben übrigens immer alle Beteiligten, dass er nur aus ihrer ganz speziellen Perspektive gerecht sei.

Kommentar von PMBDE ,

Die kompletten Definition sind vielleicht etwas lang.Aber der gerechte Krieg folgt sieben Prinzipien(kann man auf Wikipedia nachlesen).Und nur,wenn diese Prinzipien eingehalten werden, ist der Krieg ein gerechter Krieg.(Aus Sicht dieser Theorie).Eine humanitäre Intervention ist das Intervenieren von Staaten in einem anderen Land,um dort Menschenrechtsverletzungen o.ä. zu unterbinden.Auch bei Wikipedia zu sehen.

Antwort
von AntwortMarkus, 36

Ein Krieg ist niemals gerecht und kennt nur Verlierer.

Kommentar von W4hrheitsf1nder ,

Immer solche pauschalen Aussagen die einfach nicht stimmen.

Natürlich gibt es Kriege die gerechter sind als andere und bei Kriegen gibt es eben nicht nur Verlierer. Bestes Beispiel ist die Rüstungsindustrie. 

Kommentar von AntwortMarkus ,

Die Rüstungsindustrie bzw die Menschen die mit dem Blutgeld Gewinne  machen werden auch merken, dass sie eigentlich  Verlierer sind. Sie begreifen es sehr spät. zu spät. Aber sie werden es merken.

Die gerechte Strafe wird kommen.

Kommentar von PMBDE ,

Es geht hier um die Theorie des gerechten Krieges, also bitte nicht mit moralischen Vorstellungen kommen,auch wenn du Recht hast.

Kommentar von voayager ,

Ein Befreiungskrieg ist durchaus gerecht.

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