fatuglynerd am 03.11.2009 um 19:47 Uhr
Schuld gibt es als Verantwortlichkeit für etwas Schlechtes (erlittener Nachteil, Verstoß gegen Werte).
Voraussetzung ist eine vorhandene Willensfreiheit. Wer daran nicht glaubt und einen harten Determinismus vertritt, kann nicht auf eine folgerichtige Weise anderen einen Schuld vorwerfen, weil ihr Handeln dann ja nach seiner Überzeugung vorbestimmt und völlig durch von ihnen nicht abänderbare Ursachen notwendig gesteuert gewesen ist. Erforderlich ist auch eine Zurechnungsfähigkeit (bei Bewußtsein und geistig zu Einsichten fähig). Eine Rolle spielen die Gründe des Verhaltens. Eine schlechte innere Einstellung kann vorkommen, ein Unrechtsbewußtsein (kann sich als Stimme des Gewissens nachträglich melden) oder eine mangelnde Beachtung einer verlangten Pflicht zur Prüfung von Folgen (es war möglich, Kenntnis oder Einsicht in das Schlechte/Falsche/Verbotene einer Handlung zu gewinnen, was aber aus Gleichgültigkeit oder Nachlässigkeit unterblieb).
Schuld kann abgestuft werden. Zwischen einer schlechten Absicht und Fahrlässigkeit bestehen Unterschiede. Es gibt Mitverantwortung mit im Einzelnen unterschiedlich großen Schuldanteilen.
Es gibt Beispiele unterschiedlicher Art:
Im Straßenverkehr kann rücksichtslose Raserei zu Unfällen mit Tod oder schweren Verletzungen von Menschen führen.
Mangelnde Kontrolle und Sorgfalt in einem Betrieb oder aus Profitgier vorkommende Schlamperei bei Giftmüllentsorgung kann zu Umweltkatastrophen führen durch die Menschen sterben bzw. dauerhafte gesundheitliche Schäden erleidend und Natur zerstört wird.
Verrat an Sicherheitskräfte (Polizei, Geheimdienst) kann Menschen einer grausamen Behandlung durch ein ungerechtes Herrschaftssystem ausliefern.
Entscheidungen aus Machtgier oder Aufhetzen zum Hass können zum Ausbruch von Kriegen führen, die viel Unglück bewirken.

so dämlich und altbacken das klingt: Tu niemandem das an, was Du nicht willst, dass man Dir antut
fatuglynerd am 3. November 2009 19:49 ...und was hat das mit Schuld zu tun?!
stefanpeter am 3. November 2009 19:53 Schuld lädt man sich auf, wenn man jemandem antut, was man nicht möchte, dass einem jemandem antut
stefanpeter am 3. November 2009 19:54 'jemand' antut
konnte nicht editieren

Ein Beispiel. Du hast das Ziel,dass es kein Aids mehr auf der Welt gibt.Sehr ehrenwert dieses Ziel. Handelst du jetzt nach dem teleologischem Ansatz (d.h. nur das Ziel interessiert dich) könntest du z.B. alle Menschen mit AIDS töten-die Krankheit kann sich nicht mehr ausbreiten.(ACHTUNG:Dies dient nur als BEISPIEL!!)->eig. hast du doch richtig gehandelt,oder?Denn du denkst so. Anderes Beispiel. Zwei SS-Männer stehen vor der Tür,du hast einen Juden versteckt und wirst gefragt,ob du einen (Juden) in deiner Wohnung hast. Wenn du jetzt nach Kant handelst (d.h. du musst IMMER recht handeln)Müsstest du ja sagen-Konsequenz->Ihr beide werdet getötet. Trotzdem trägst du (nach Kant) keine Schuld,denn du hast richtig gehandelt.(Und wieder:Das dient nur zur Veranschaulichung) D.H. Schuld hängt von deiner Grundeinstellung ab.Verstehst du ?:)
fatuglynerd am 3. November 2009 19:58 Kant?! Den kann ich gar nicht ab!
1337King am 3. November 2009 20:10 Das Beste ist ein Misch aus deontologisch bzw teleologisch zu nehmen :)
wieso sollte es denn philosophisch keine schuld geben?
fatuglynerd am 3. November 2009 20:02 Bin Determinist.

Aber so etwas wie Verantwortung.
kann nicht dein ernst sein, oder?..wenn es keine schuld gäbe, dann wären z.b. die 6 mill toten Juden, die von H.itler über dritte umgebracht worden sind, aus hitlers sichtweise gerechtfertigt umgebracht worden. Wie sehen es aber die ermordeten? Aus deren sichtweise, ist ihnen ihr leben genommen worden, weil ein einzelner geisteskranker, gegen eine bestimmte person rachegelüste empfindet, und auf dieser basis ihr ganzes volk ausrotten will...die schuld richtet sich also gegen den, der aus idiotischen gründen, menschen die nichts mit seiner sichtweise zu tun haben, als unschuldige umbringt.

...weder eine Schuldzuweisung, noch das Gefühl von Schuld, irgend jemanden dienen, oder gar etwas ungeschehen machen. Es gibt einen schönen Satz: "Wem ich die Schuld gebe, gebe ich die Macht!"... Sich für sein Leben, in all seinen Aspekten, selbst zu verantworten, ist effektiver!
Die Handlungen eines Menschen sind Ergebnisse äußerer Umstände und innerer Veranlagungen. Die äußeren Umstände resultieren aus vielen verschiedenen früheren Handlungen, die wiederum Resultat anderer Kombinationen von Umständen und Veranlagungen sind. Die inneren Veranlagungen wiederum liegen in den Genen und der Sozialisation begründet. D. h., ich kann prinzipiell für jede Handlung sowohl den Menschen als auch die Umstände als auch das, was dafür gesorgt hat, dass der Mensch so ist, wie er ist, als auch das, was dafür gesorgt hat, dass die Umstände so sind, wie sie sind, verantwortlich machen. Denn eine Änderung einer dieser Faktoren hätte eine Veränderung in der Kombination von Veranlagung und Umständen zufolge und damit eine andere Handlung. Welchem Faktor ich letztlich die Verantwortung zuschreibe und welchem nicht, ist willkürlich.
Ein Beispiel: Bei wem liegt die Verantwortung dafür, dass der letzte Dominostein fällt? Beim vorletzten Stein? Beim ersten Stein? Bei den Steinen dazwischen? Bei dem, der den ersten Stein angestoßen hat? Bei dem, der diesen Menschen dazu überredet hat, Domino zu spielen? Man kann es sich aussuchen, weil für jedes dieser Ereignisse gilt, dass, wenn es nicht geschehen wäre, der letzte Dominostein nicht gefallen wäre. Und Verantwortung von A für B wird ja darüber zugeschrieben, dass, wenn es A nicht gegeben hätte, B nicht eingetreten wäre.

Die Schuldgefühle und die Schuld hat die Kirche mit dem Adel gemeinsam erfunden, damit sie die Menschen besser manipulieren und ausbeuten kann. Es gibt nur Ursache und Wirkung, doch keine Schuld. Es gibt und gab genug Völker, die lange Zeit ohne solchen Psychoterror auskamen, das Christentum hat sie aus dem Paradies missioniert.
weil ich denke, daß die voraussetzung schuldgefühle zu entwickeln, im menschen selbst begründet ist. weil der mensch empathiefähig ist, ist er in der lage leid, das einem anderen widerfährt zu bewerten und mit ihm mitzufühlen, obwohl er nicht der betroffene selbst ist. der mensch erkannte zu einen zeitpunkt, daß er sicherer und dadurch besser lebt, wenn es regeln für ein zusammenleben gibt (z.b. den mitmenschen nicht zu töten). die einsicht daß herrschende regeln sinnvoll sind, führt dazu, daß der mensch schuldgefühle entwickelt, wenn er entgegen seiner überzeugung handelt und diese regeln nun bricht.