Frage von Schdurmi, 64

Gibt es überhaupt so etwas wie "Objektivität"?

Letztlich kann doch jede Art von vermeintlicher Objektivität zu Subjektivität "degradiert" werden, wenn man sie aus einem höheren System betrachtet.

So ist etwas nur in einem abgeschlossenen System objektiv. In einem anderen kann eine Regel möglicherweise nicht stattfinden oder anders gesehen werden.

So ist was wir Menschen als objektiv richtig oder falsch, als ja oder nein, als bestehend oder nicht bestehend empfinden, für eine vermeintlich außenstehende oder übergeordnete Lebensform nichtig oder eben nur wie o.b. subjektiv objektiv.

Letztlich beherrsche die Subjektivität alles, und nur was Masse aus Molekülen und kleineren Bauteilen besitzt wäre objektiv. Und ich vermute, oder habe Sorge, dass man sogar irgendwie Masse eine Subjektivität nachweisen kann, was ich mit meinem begrenzten Fassungsvermögen noch gar nicht wahrnehmen kann.

Antwort
von Enzylexikon, 25

Man könnte auch die alte Frage stellen, ob es ohne den Betrachter überhaupt ein Objekt gibt, das objektiv "dort" ist oder subjektiv wahrgenommen wird.

Ein Baum fällt im Wald um. Das wissen wir, weil wir den umgestürzten Baum sehen. Vielleicht sehen wir ihn auch nicht, aber wir können seine Auswirkungen feststellen.

So misst ein Seismograph die Erschütterung, wenn er aufschlägt und protokolliert das. Andere Geräte zeichnen das Geräusch des stürzenden Baums auf, oder erfassen sonst irgendwelche Informationen.

Wir werten die Daten aus und stellen fest "dort ist vermutlich ein Baum umgefallen, alle Informationen sprechen dafür". Aber, wenn es keinen Techniker gibt, keinen der Daten erfasst und auswertet...

Gibt es das Objekt der Beobachtung überhaupt, oder ist seine Existenz vom Beobachter abhängig? Bedingen sie sich so stark, dass das eine vom anderen abhängig ist und nicht unabhängig existieren kann?

Das sind philosophische Fragen, die sich die Menschen schon sehr lange stellen. Manche meinen, Antworten zu haben, andere Verneinen die Möglichkeit einer absoluten Antwort.

Mir persönlich ist das herzlich egal.

Meine augenblickliche Realität ist mein Arbeitsplatz mit einem Monitor, einer Tastatur und einer Tasse Tee.

Ich mag den Monitor subjektiv anders wahrnehmen, bediene die Tastatur anders und auch den Geschmack des Tees nehme ich subjektiv wahr.

Trotzdem reicht es mir, dies als meine momentane Realität anzusehen, denn der vorige Moment ist eben vergangenen und der künftige Moment noch nicht da.

Ich bin halt gerade hier.

Das ist meine Realität und sie genügt mir, auch wenn sie zutiefst subjektiv sein mag. Ob es Objektivität gibt? Vielleicht wenn es kein Subjekt gibt.

Ich trinke jedenfalls einen Tee.

Kommentar von Schdurmi ,

Die Frage des Daseins ist natürlich auch eine interessante Frage, kein Zweifel.

Und die Frage der Resignation gegenüber oder der Wichtigkeit einer Diskussion, wie du sie implizierst, ist wieder eine andere.

Hier in diesem System "Thread" sei sie objektiv wichtig. In deinem deinem System sei sie es nicht. Warum ist ihre Wichtigkeit in diesem System Gesetzmäßigkeit? Aus dem Anspruch Wissen zu schaffen. Zudem sei ein resignatives System dieses Anspruchs abträglich. Ein weiterer Grund für diese Gesetzmäßigkeit, sei Glücksschaffung derjenigen, die in dieser Weise (in dieser Frage) gerne in Interaktion mit anderen Individuen treten. Ein natürlicher Drang gegeben durch ein übergeordnetes System. (Der vielleicht nur subjektiv vorhanden sei.) ;D

Somit wünsche ich dir noch viel Glück und Gesundheit in deinem System. ;D

Antwort
von Suboptimierer, 32

Die Naturkonstanten (und -gesetze) dürften unabhängig von der subjektiven Wahrnehmung sein und für alle gelten.

An der Geschwindigkeit des Lichts gibt es zum Beispiel nicht viel zu interpretieren und ins Verhältnis zu setzen.

Und Pi ist auch immer gleich, egal wer wann und wo Pi betrachtet.

Kommentar von Schdurmi ,

Was wenn aber selbst das nur ein abgeschlossenes System wäre, indem diese vermeintlichen Gesetzmäßigkeiten gelten. Etwas höheres oder paralleles nicht nach diesen Gesetzmäßigkeiten leben bzw. existieren muss? Ist es dann noch objektiv? Objektivität wäre immer mit dem Fassungsvermögen eines Individuums verbunden. Denn bis wir mehr entdecken, wäre es Fakt, bzw. objektiv. Also wäre jemand, der versucht Objektivität festzulegen beschränkt?

Kommentar von Suboptimierer ,

Da sind mir zu viele Wenns und Wäres drin.

Sagen wir mal so: Ein Gott könnte vielleicht das Licht bremsen oder doppelt so schnell machen.

Kommentar von Schdurmi ,

Naja... theoretisch besteht deine Aussage auch nur unter dem gegenteiligen Aspekt "wenn unser System das einzige sei". Das wäre das gleiche: "zuviel wenn und Vermutung". Heißt, du gibst zu, dass du dich selbst (auf ein System) beschränkst. Damit wäre meine Aussage zutreffend. Objektivität sei also Beschränkung auf ein System und Festlegung auf Gesetzmäßigkeiten innerhalb dieses. Kurz: Wer sich auf Objektivität beruft, ist beschränkt. (Kleiner Scherz am Rande.) Bzw. bei Berufung auf Objektivität, fängt die Beschränkung an. Oder Objektivität sei nichts anderes als beschränkt oder Beschränkung.

Antwort
von dompfeifer, 8

Das ist schlicht so ein ideologischer Schmarren, mit dem Du heutzutage leider in guter Gesellschaft bist.

Wenn die USA und der Mond nur subjektive Scheinhaftigkeiten sind, dann gab es keine Mondlandung und keinen Vietnamkrieg. Hier reden wir von Objektivitäten.

Mein ärgerliches Verhältnis zu den USA samt Vietnamkrieg und mein romantisches Verhältnis zum Vollmond dagegen sind Subjektivitäten.

Antwort
von Clear8, 38

Ich denke du hast völlig recht. Objektivität ist eine Illusion. Alles, auch die Masse und Teilchen sind Subjektiv. Ich kann mir ja nicht sicher sein, ob meine Sinneseindrücke die ich darüber vernommen habe, korrekt/objektiv sind.

Kommentar von Schdurmi ,

Dann wäre Objektivität festzulegen in jedem Fall eine Anmaßung. Und ein menschentypisches (Fehl- (?))-verhalten. Wie empfindest du das?

Kommentar von Clear8 ,

So wie es der Mensch verwendet, wäre es aus philosophischer Sicht falsch. Der Mensch ist nur fähig eine durch seine inneren Filter getrübte Abbildung der Realität wahrzunehmen.
Fehlverhalten... Naja. Es ist zumindest falsch eingesetzt, ein Fehlverhalten ist es jedoch nicht, da es in unserem "System" irrelevant ist, ob die Objektivität nun existent ist oder nicht.

Kommentar von Schdurmi ,

Wie es der Mensch verwendet. Wie genau? Geht es da weiter darum, dass es einfach wie von mir beschrieben, Anmaßung, Hybris, oder sonstiges derartiges wäre?

Antwort
von gottesanbeterin, 12

"Letztlich kann doch jede Art von vermeintlicher Objektivität zu
Subjektivität "degradiert" werden, wenn man sie aus einem höheren System
betrachtet." So gesehen gibt es wahre Objektivität dann, wenn man fähig ist, etwas aus
der höchstmöglichen Position zu betrachten.

Antwort
von Crysali, 25

Eine sehr interessante Frage, die ich persönlich ( schon präsentiere ich eine subjektive Meinung) mit Nein beantworte. Es geht einfach nicht.

Was ist Objektivität überhaupt ? Etwas ohne Beeinflussung zu betrachten ? Keine Beeinflussung erfahren ?

Selbst Moleküle sind subjektiv, oder nicht ? Da sie bestimmte Eigenschaften haben, die andere nicht haben. So wie ein Mensch eine andere Meinung hat.

Kommentar von Schdurmi ,

Dann wäre Objektivität einfach nur eine Festlegung von Gesetzmäßigkeiten innerhalb eines Systems? (Auch wenn es durch subjektive Wesen oder Massen, etc. gesetzt wird.)

Kommentar von Crysali ,

Hm, Beispiel:

"Ein Polizist muss objektiv sein, wenn er einen Verdächtigen verhört."

Würde sich der Polizist von dem Verdächtigen beeinflussen lassen, dann könte das fatale Folgen haben. Die "objektive" Gesetzmäßigkeit verhindert also eine subjektive Fehlentscheidung.

Ich finde man kann schon sagen, dass Objektivität eine Festlegung von Gesetzmäßigkeiten ist, ähnlich wie Moral und Ethik.

Das ist allerdings etwas, worüber man sich lange streiten kann.

Kommentar von Schdurmi ,

Dann stellt sich weniger die Frage nach Objektivität, sondern eher die Frage nach Gesetzbildung. Und eig. könnte man nie wieder eine Diskussion basierend auf "Objektivität" als durchdacht geltend machen, denn Objektivität sei nichts anderes als fest verankerte Subjektivität. Gesetzt seien subjektiv. Und niemand kann objektiv sein. Bzw. sich dieser bemächtigen. Es sei denn er beherrsche das übergeordnete System. Somit sei ja wieder jeder Programmierer in seinem System objektiv, denn er macht Gesetze. Ebenso ein Monarch in einer Monarchie.

(Ein Glück gibt es die Gewaltenteilung. xD)

Kommentar von Crysali ,

Ganz genau DAS ist es. Du bringst es auf den Punkt. Meinungen, Gesetze, alles beruht auf pseudo-objektiven Entscheidungen, die mal aus subjektiven Meinungen heraus gefällt wurden. Es gibt keine totale Objektivität, genau wie es keine totale Moral gibt.

Auch ein Programmierer/ übergeordneter Herrscher ist nicht objektiv. Er fällt vielleicht Entscheidungen aus Klugheit, Weisheit, aber er ist niemals objektiv. Er handelt nämlich, weil er, er selbst, er persönlich, es für das Richtige hält, egal wie viele pseudo-objektive Beweise ihn  bewegen.

Kommentar von Schdurmi ,

Ich weiß auch nicht, ob ich die Begründung zum Thema "Moleküle seien subjektiv" so annehmen kann. Moleküle sind schließlich vorhandene Masse. Es gibt sie in verschiedenen Arten, aber dass sie subjektiv sind, nur weil sie anderen Aufbau und Eigenschaften haben, erschließt sich mir noch nicht so ganz.

Kommentar von Crysali ,

Meinungen sind auch vorhandene Gedankenströme. Gerade weil die Meinungen verschiedener Menschen unterschiedlich sind, sind sie subjektiv. Hätten sie eine Übereinstimmung und würden sich nicht unterscheiden voneinander, zu 100%, wären sie dann subjektiv oder objektiv ? Wenn man versucht politisch korrekt heutzutage zu sein, dann steht genau das im Fokus: Trotz gleicher Meinung versuchen, die pseudo-reale Meinung eines Unbekannten nicht zu verletzen.

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