Frage von Spuky7, 22

Gibt es so etwas wie ein kollektives Kriegstrauma?

Antwort
von Vienna1000, 22

Ein spannendes Thema. Die Antwort dazu ist ein: "Jaein". Wenn die Folgen eines Ereignisses innerhalb einer bestimmten Gesellschaft - also einem Kollektiv von Menschen, die in einer halbwegs identen Gesellschaftsstruktur lebten - abgehandelt werden, kann mir hier durchaus von dadurch traumatisierten "Gruppen" sprechen. Schwer bis unmöglich wird eine darartige Aussage zum Thema "Traumatisiert" durch aussenstehende Menschen, die weder die eigentliche Gesellschaftsstruktur kennen, noch die Veränderungen DURCH ein bestimmtes Ereignis. Mit anderen Worten: Wenn jemand aus Nordkorea in Deutschland erscheint, wird der auch ohne Kriegseinwirkung als "Traumatisiert" bezeichnet werden. Wenn zusätzlich noch ein Kriegsereignis dazu kommt ist das nicht mehr einzuordnen und der Begriff "Trauma" ist eigentlich nicht mehr zu definieren. Dies spielt übrigens bei unserem aktuellen Flüchtlingsthema ebenfalls eine wichtige Rolle. In Medienberichten wird immer wieder von "Traumatisierten Flüchtlingen" gesprochen. Vergessen wird dabei, dass uns die eigentliche "Gesellschaft" in diesen Ländern.. Fremd ist.. Und die "Konstante" nur die Person sein kann, die diese "Diagnose" stellt und von jeher in einem anderen Umfeld lebte. < Bevor ob meiner Aussagen wieder jemand losjault und irgendwas unterstellen möchte: Nein, ich lasse mich politisch überhaupt in keine Richtung gruppieren.. Ich bin in social diversity ausgebildet, unterrichte dies und bin in diesem Zusammenhang in den Bereichen Psychologie und Soziologie weitergebildet. Darum erlaube ich mir auch in diesem Zusammenhang - was mir mehr als wichtig erscheint - die Aussage, dass die Gruppen die wir derzeit als "Traumatisiert" bezeichnen aus Ländern stammen, bei denen Gewalt bzw. das "Recht der Stärkeren" normal ist. Daraus resultierende "Gefährliche Merkwürdigkeiten" in den sichtbaren Kollektiven sind KEINE Traumatisierung per Definition, sondern normale Verhaltensweisen über Generationen. > 

Kommentar von Vienna1000 ,

Entschuldigung. Das war nun missverständlich: Nicht "über Generationen", sondern seit Beginn der Menschheitsgeschichte. Diese Menschen hatten keinerlei besondere Entwicklungen, keine "gesellschaftlichen höhen und tiefen", niemals produktive "Sozialstrukturen" bzw. befinden / befanden sich in einer an sich positiven Entwicklungsphase in die wir jetzt unberechtigsterweise eingreifen. Sorry, dass wurde jetzt zum Roman, aber ich gehe mal davon aus, dass dir die Kurzantwort "Jaein" nicht wirklich geholfen hätte ;-)

Kommentar von Spuky7 ,

Danke, Vienna, für die Antwort. Bei meiner Frage hatte ich nicht in erster Linie an die aktuell als Flüchtlinge bezeichneten Menschen gedacht. Ich könnte mir vorstellen, dass die deutsche Gesellschaft nach dem zweiten Weltkrieg ein kollektives Kriegstrauma entwickelt. hat. Gruß Spuky

Kommentar von Vienna1000 ,

Ich muss ehrlich sagen, der Begriff "Trauma" ist etwas.. "schwammiges".. Das wird - wie in der aktuellen Situation - immer hergenommen, wenn einem Psychologen nichts schlaues sonst einfällt. Die Herleitung habe ich schon angeführt. Man muss von einer Situation "vor einem Ereignis" und "nach einem Ereignis" ausgehen. Anders abgehandelt könnte man vielleicht auch sagen: Es wird nach einem Krieg einige Zeit dauern, bis man realisiert hat, dass man nichts mehr zu befürchten hat. "Es wird einige Zeit dauern, bis man wieder ruhig schlafen kann". Eine komplette Gesellschaft wurde in ein System hineinmanipuliert rsp. hineingezwungen, dass "fernab von allem" war. Ident zu dem, was jetzt läuft. Nur diesmal gehts in die andere Richtung. Wir bewegen uns weitestgehend und zunehmend (!) im Bereich des sinnbefreiten Linksextremismus und Menschen, die sachlichen Linien folgen werden als "Nazis" denunziert. Das ist alles sehr analog. Massenmanipulation .. Dinge die letztendlich als Traumatiserung angesehen werden können... DDR Bürger waren ebenfalls durch das System in Massen traumatisiert, auch wenn das im eigenen System sicherlich nicht als solche wahrgenommen wurde. Je länger man solchen Situationen ausgesetzt ist, desto mehr wird man sich verändern. Wenn man in "No go" Areas lebt wird man sicherlich auch selbst zunehmend aggressiver werden.. Auch das könnte man, wenn man so will, als "Gruppentraumatisierung" bezeichnen..   

Kommentar von Spuky7 ,

Das was wir erleben, nennt sich sozialistische Diktatur. Und der Gegenpol sind die Rechten, denen man nicht folgen darf. Sie klären auf, doch folgt man ihnen, kehrt man zu Hitler zurück. Sag deine Meinung, sachlich und beruf dich aufs Grundgesetz. Das ist die friedliche Mitte.

Kommentar von Vienna1000 ,

Ein kompliziertes Thema. Face to Face sicherlich etwas einfacher zu erörtern. Ich wollte das jetzt nicht im "politschen Rahmen" irgendwie "diskutieren" < Diskutieren wollte ich da jetzt gar nichts > sondern etwas möglichst sachlich erklären. ( Die Psychologie und Soziologie wird eben gerade auch irgendwie "ausgehebelt" :-) Ich gehe da gemäß meiner Ausbildung rein analytisch ran.. )  Eben das, was man als "Trauma" verstehen KANN.

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