Frage von DBKai, 10

Gibt es Schulen in denen gute Gesprächsführung gelehrt wird?

Mir kommt es ja so vor, als würden sehr viele weltweite Probleme an der mangelnden Kommunikation liegen. Viele Menschen können sich kaum ausdrücken und keine "richtigen" Gespräche führen.

Was ist - meiner Ansicht nach - ein richtiges Gespräch?

  • Person A: "Ich habe da eine Frage.." "Ich verstehe nicht, warum wir das so machen und nicht so." "Warum hast du mich letztens darauf angesprochen?"
  • Person B: "Dann frag mal..." "Wir haben das bisher so gemacht, weil... - wenn wir es so, wie du es vorschlägst, machen würden, könnte folgendes Problem entstehen... bzw. - das ist ein guter Vorschlag, den du da machst - den solltest du bei der nächsten Teamsitzung einbringen." "Ich habe das angesprochen, weil mir aufgefallen ist, dass dies und das letztens gemacht worden ist - ich weiß nicht, ob du das warst - aber wenn dir das auffällt, achte bitte darauf, dass das so und so gemacht wird...Ok? Verstehst du?"

Ein Gespräch funktioniert so, dass eine Person etwas sagt und dann die andere Person auf das Gesagte reagiert... sich erklärt... ihren Senf dazu geben kann... und wenn mal keine Zeit für ein Gespräch ist, sagt man das auch so: "Ich habe nur 5 - 10 Minuten Zeit - wir können in einer Stunde reden/ morgen reden/ uns einen Termin ausmachen um uns auszuquatschen."

Ich mache oft die Erfahrung, dass Gespräche frühzeitig abgebrochen werden... und keine Klärung ausgemacht wird - die Sache steht also weiterhin im Raum... Auch sind einige Leute, wie im Absolutismus: "Mein Wort ist Gesetz" - viele sind auf dem: "Das war so und das wird auch immer so sein"-Trip... aber der ist ja wohl eher albern... denn enorm viele Dinge waren nicht immer so und werden auch sehr wahrscheinlich nicht immer so sein... Jetzt ist es so...Das finde ich jedenfalls schlecht, wenn Leute Dinge steif und fest behaupten, für die ihnen Beweise/Fakten fehlen... Es könnte dann ja sehr wohl auch so sein, dass sie sich irren. An bestimmte Sachen kann man auch nur "glauben", weil man das eine oder andere erlebt hat und es einem deshalb als schlüssig erscheint...

Wie sieht für euch ein gutes Gespräch aus? Wie sind eure Erfahrungen bei Gespräche mit anderen Menschen?

Expertenantwort
von rotesand, Community-Experte für Kleidung, Auto, Mode, Schule, 4

Hallo :)

Ein gutes & zielführendes Gespräch lebt für mich von einer freundlichen, dezenten & höflichen Atmosphäre, in der keiner dem anderen was vorwirft, es keine Vorverurteilungen gibt, jeder den anderen ausreden lässt & jeder das Gefühl hat, ernstgenommen zu werden. Außerdem sollte man bereit sein, seine Standpunkte zu vertreten aber auch die der anderen als gleichwertig zu akzeptieren. 

Von mir (m, 25) aus bin ich immer bestrebt & dazu bereit, diese Maßstäbe umzusetzen. Normalerweise klappt das auch ----------> wenn jmd. nicht dazu bereit ist fruchtbare Gespräche zu führen, abblockt, herumpöbelt oder laut wird, verweise ich ihn gern mal feinsinnig aber effektiv (so dass er es merkt, sich aber nicht beleidigt fühlt) im die Schranken. Funktioniert meistens auch: Man sollte schon zeigen, dass man den anderen ernstnimmt aber auch selbst kein Bittsteller ist. Mit diesem "Rezept" habe ich immer gut gelebt.

Wenn jmd. allerdings partout nicht zu fairer Atmosphäre bereit ist, warum auch immer in Gottes Namen, lasse ich ihn nicht im Raum stehen wie das manche machen oder unterwerfe mich, sondern sage ihm auch das & erkläre ihm, unter diesen Umständen nicht zu einem Gespräch bereit zu sein. Das tue ich nicht frech, sondern ganz direkt & neutral.. einfach um zu demonstrieren, dass ich nicht alles mitmache. Bei einer Person wirkte das Wunder --------> wir sind mal dermaßen zusammengerasselt deswegen, dass der eine merkte, wie er mit dem anderen umzugehen hat & jetzt sind wir seit 4-5 Jahren beinahe Freunde ;)

Hat jmd. ein Problem damit, die Meinung anderer als gleichwertig zu erkennen, versuche ich solange ihn vom Gegenteil zu überzeugen, bis er einlenkt. Normalerweise merken das die Leute auch bald, nur geben es die wenigsten zu. Anhand meiner "Menschenkenntnis" (in meinem Job habe ich täglich mit unterschiedlichsten Menschen zu tun) gelingt mir das recht gut.

Und arrogante Selbstüberschätzer ziehe ich mental gerne mal total aus ohne dass sie es merken ;) Ist für alle Beteiligten immer ein Riesenspaß, vor allem da ich dabei nicht mal unter die Gürtellinie gehen muss.. ich kann Leute durchaus auf die niveauvolle Art runterlaufen lassen, und das sitzt viel mehr als ein derbes Schimpfwort. Aber das mache ich ungern, weil ich eig. kein Schimpfer bin & nur in Extremfällen, wenn mir echt die Hutschnur bald platzt. Was selten passiert, da ich 'ne extrem hohe Hemmschwelle habe über die sich andere oft nur wundern^^

Ich schicke außerdem nahezu keinen weg, sondern nehme mir auch dann die Zeit, wenn ich eigentlich keine habe -------> der Ausspruch "hab keine Zeit", oft als Vorwand gebraucht, existiert bei mir nicht. Jeder soll das Gefühl bekommen, dass ich ihn nicht abfertige sondern ernstnehme, egal was er will von mir.. eine Fußnote von Gesprächskultur wie ich finde & das ist mir super super wichtig ...... erst recht wenn es um vllt. persönliche oder komplexe Dinge geht, die man nicht zwischen Tür und Angel klären kann. Bei mir können Freunde & Verwandte sowie liebe Kollegen jederzeit anrufen, auch um 3 Uhr nachts wenn es ihnen brennt. Passiert so gut wie nie, aber die die es wissen, wissen es & wissen, dass es ehrlich gemeint ist von mir.

Übrigens, an der Berufsschule gab es bei uns tatsächlich 'nen "Debattierclub", in dem ich zeitweilig Mitglied war^^ dort wurde auch Gesprächsführung unterrichtet, ebenso gab es in Deutsch "Betriebliche Kommunikation", wo man ebenfalls in die Richtung gehende Hinweise in abgespeckter Form erhielt :) Ob es mir half weiß ich nicht... mir hat mein Opa viel vorgelebt, das ich dann (auch auf meine mentale Haltung) fast 1:1 übernommen habe.

Ich hoffe, dass ich dir helfen konnte/kann mit meinen Zeilen :)

Kommentar von DBKai ,

Ja - doch. Finde deinen Beitrag recht hilfreich - gut geschrieben.

Stimme dir zu.

Ausreden lassen ist wichtig - das Problem ist nur, dass manche Leute teilweise im Gespräch vom Thema weit abweichen...ganz lange reden und gar nicht mehr aufhören - der anderen Person gar nicht die Gelegenheit geben, zu den Dingen, die sie da so erzählen und ev. auch unterstellen, Stellung zu beziehen... und da neige ich auch dazu mal zu unterbrechen oder, wie in der Schule - aufzuzeigen... und zu sagen: "Das war aber nur so, weil... das war eigentlich nicht meine Schuld... bzw. das wusste ich noch gar nicht..." usw. Dann sagt mein Gesprächspartner manchmal mit Strenge: "Lass mich ausreden!" Und stellt mich als negativ hin... aber ich komm ja gar nicht richtig zu Wort... ich bin ja nur am zuhören bei diesen Leuten...

Sonst lasse ich andere eigentlich ja schon ausreden... aber bei einigen müsste ich mitschreiben und bestimmten Leuten muss man für ein Gespräch regelrecht hinterherlaufen, denn sie haben ganz einfach niemals Zeit dafür - und wenn doch ist es oft eher eine "Einwegkommunikation"... immer beschäftigt - immer ist etwas anderes wichtiger... keine einzige Sekunde bleibt dafür frei... komische Sache.

Gespräche bestehen ja aus reden und zuhören... der eine sagt was und der andere reagiert auf das Gesagte... Damit die beiden auf einen grünen Nenner kommen können, müssten sie der anderen Person bei Uneinigkeiten sagen, was sie gerade verstanden haben und welche Bedenken sie bei dieser Sache haben... Dann kann die andere Person wieder sagen, warum diese Bedenken grundlos sind, weil... bzw. dass sie an das ja noch gar nicht gedacht hat... oder auch, dass sie etwas ganz anderes gemeint hat.. usw.  

Genau wie du bin ich sehr offen für Gespräche... nehme mir gerne Zeit dafür... und wenn es gerade nicht geht, dann eben in 10 Minuten - in der Pause oder es wird ein Termin vereinbart, wenn es nicht so dringend ist... 

Antwort
von Maimaier, 5

https://de.wikipedia.org/wiki/Schweigespirale

"Die meisten Menschen empfinden „Isolationsfurcht“, wollen nicht sozial isoliert sein („Soziale Natur des Menschen“).
Menschen machen sich ständig ein Bild von der Verteilung der
Meinungen in der Öffentlichkeit und von der Entwicklung dieser
Verteilungen (mittels eines „Quasi-Statistischen Wahrnehmungsorgans“)."

So viele Vorurteile, die den Menschen nicht bewusst sind. Spricht man sie darauf an, ist es ihnen peinlich. Sie lenken ab oder werden aggressiv.

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