Frage von Langerlulatsch, 58

Gibt es neben Callcentern noch noch andere Jobs für Leute über 50, damit ich nicht ins Jobcenter abrutsche?

Ich habe lange in der Verlagsbranche gearbeitet und als Übersetzer. Ich wäre auch bereit, freiberuflich zu arbeiten. Als Übersetzer kann ich nicht mehr arbeiten, der Markt ist zu schwierig, da kann ich mich nicht durchsetzen beim Kampf und Kunden.

In der Security Branche geht nicht wegen einer Gehbehinderung.

Andererseits bin ich immer noch lernfähig und -bereit.

Wo kann ich anfangen zu suchen? Netto sollten aber 1400 EUR das Minimum sein.

Antwort
von Parhalia, 26

Mit " 1400 Netto "könnte es dann aber grundlegend schwierig werden in der allgemeinen Zielsetzung.

Sicherheitsbranche KÖNNTE aber trotz Gehbehinderung noch klappen, wenn Du neben den entsprechenden Schulungsnachweisen ( Fachwissen für Sicherheitsleute ) dann z.B. in einer Video-Überwachungszentrale eingesetzt werden könntest. 1400 könnte in VZ zwar auch dann etwas schwierig werden, aber zumindest näherungsweise erreichbar.

Aber da musst Du auch erst einmal drankommen. Bist Du schon erwerbslos ? Wenn ja und mindstens bereits seit 6 Monaten, so spreche mal mit Deinem Arbeitsvermittler bei der Agentur für Arbeit, ob man Dir dann noch die passenden Fortbildungen für Sicherheits-Fachkräfte bewilligen könnte.

Bist Du denn wenigstens noch (Auto-) Mobil ?

Kommentar von Langerlulatsch ,

Führerschein ja, Auto nein.

Die Sicherheitskraft-Fortbiludungen bezahlt nicht das Unternehmen, sondern ich selbst?

Ist 1400 EUR netto denn so viel Geld? Eine 2-Zi-Wohnung ist doch heute in den Großstädten schon nicht mehr unter 650 EUR zu bekommen ...

Aber ich schaue mich jetzt in dem Bereich mal um ...

Kommentar von Parhalia ,

Manche, aber nicht viele Security-Unternehmen finanzieren teilweise sogar diese Schulungen, bzw. schulen selber. Aber ohne Auto wird DAS leider schwierig in dieser Branche generell mit einem Job. Die Arbeitsagentur KÖNNTE diese Schulungskosten für Dich aber ggf. als "Massnahme der Wiedereingliederung" für Dich übernehmen. Eventuell sogar dann auch Unterstützung für die Anschaffung eines Autos. Das muss natürlich dann auch wirklich fundierte Einstellungschancen bringen. ( Am besten dann ein Unternehmen vorweisen können, welches Dir dann auch garantiert einen passenden Job anbieten kann )

Das musst Du allerdings mit Deinem Arbeitsvermittler mal ganz gezielt besprechen

Nun noch zu Deiner Frage, ob 1400 Euro Netto "so viel Geld" sind.  Da muss ich Dich in Anbetracht des heutigen Arbeitsmarktes leider in der Tat "ernüchtern". 

Wenn Du keine direkte Anstellung in einem ordentlich tarifgeführten Betrieb und zudem in einer Anstellung gemäss Deiner aktuellen beruflichen Qualifikationen findest, so werden "Helferstellen" in der Masse von Leiharbeit und Werkverträgen hier wirklich ein massives Problem für Deine Vorstellungen.

Rechne Dir doch einfach mal aus, was Du für Anstellungen ausserhalb Deiner beruflichen Qualifikationen zwischen etwa 8,50 Euro ( Mindestlohn ) und etwa 10 - 12 Euro bei einem wirklich gut zahlenden Betrieb als "unqualifizierte Kraft" erreichen kannst ?

Die 10-12 Euro (Brutto) könntest Du im groben Mittel in einer Leihfirma nur dann erreichen, wenn Du auch als fachlich qualifizierter Mitarbeiter ( z.B. der studierte "Übersetzer" ) angestellt werden würdest. Da weisst Du ja ohnehin, wieviel "Brutto" Du pro Monat auf STKL I benötigst, um Netto 1400 zu haben.

Aber Deine grundlegende Angst vorm "Jobcenter" verstehe ich durchaus. Versuche aktuell mal ganz einfach, nach Abzug Deiner Warmmiete für den gesamten Rest Deiner Lebenshaltung ( Essen / Trinken,  Strom & Telefon... Pflegeartilel, Kleidung und "kultureller Teilhabe" an der Gesellschaft ) dann insgesamt nur ~ 370 Euro auszugeben....denn wenn mal was kaputt geht, so bildest Du Dir pro Monat etwa 30 Euro Rücklagen.

Probiere es halt einfach mal freiwillig für Dich selber aus. Wenn Du das ein paar Monate lang schaffst, so kennst Du die aktuelle Situation von Leuten mit ALG II selbst in mies bezahlten Vollzeit-Jobs. Dann u.U. noch zum Aufstocken trotz Arbeit beim Jobcenter vorsprechen.

Nun verstehe ich halt auch Deine Angst vorm Jobcenter und zudem den Sinn Deiner Lohnvorstellungen. Und wenn Deine aktuelle Wohnung ~ 650 Euro "warm" kostet, dann macht Deine Vorstellung von ~ 1400 Euro in der Tat Sinn für eine in Vollzeit arbeitende Person.

Aber es ist halt schwer, wenn Du erst einmal "raus" bist und nicht mehr direkt in Unternehmen als Fachmann eingestellt wirst, bzw. DORT zumindest als "fachlich versierte Hilfskraft"

Als (Fach-) Helfer musst Du bei Leiharbeit und Werksverträgen trotz Deiner Graduierung schon froh sein, gerade mal eben die 10 Euro Brutto-Stundenlohn zu erreichen.

Aber mit den entsprechenden Qualifizierungen KANNST Du auch im Sicherheitsgewerbe zumindest diese "Schwelle" übertreffen und Deine Ziele noch zumindest annähernd erreichen.

Kommentar von Langerlulatsch ,

Hmm, früher habe ich immer so 30 EUR/Stunde verdient plus Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

Mit 370 EUR käme ich nicht aus, bei einer Miete von 650 EUR, wovon das Jobcenter nur 350 übernehmen würde.

Das ist ja wie im 19. Jahrhundert heute - warum lassen sich die Leute das alles gefallen?


Und seit wann braucht man ein eigenes Auto für die Arbeit???

Kommentar von Parhalia ,

Beschränken wir uns dann mal auf den letzten Teil Deiner Frage :

"Arbeit ums Eck" oder zumindest mit dem "ÖPNV" erreichbar ist in den meisten Branchen heutzutage halt "Utopie". Es soll ja nicht bedeuten, dass Du nirgendwo einen Firmenwagen bekommen könntest, aber andererseits musst Du prinzipiell auch ohne Firmenwagen stets an Deinem Arbeitsplatz erscheinen können.

Wie wolltest Du DAS machen ohne Auto und ÖPNV. 

Und nun dennoch etwas mehr :

Warum könntest Du mit ~ 370 Euro p.M. nicht auskommen ? Hast Du es schon mal probiert ? ( wie zuvor beschrieben, so ist für diesen Test die Miete bereits "rausgerechnet".

Aber 30E /h wirst Du abseits Deiner fachlichen Qualifikationen im Angestellten-Verhältnis nicht mal annähernd bekommen.

Kommentar von Langerlulatsch ,

370 EUR: Ich kann die Miete ja nicht rausrechnen. Meine Wohnung ist zu teuer und umziehen an den Stadtrand kommt aus diversesten Gründen nicht in Frage.

Dann müsste ich meine privaten Zahn-, Pflege- und Rentenversicherungen aufgeben - die wären aber bei so wenig Einkommen erst recht wichtig. Und Anteil am sozialen oder Kulturleben könnte ich dann auch nicht mehr nehmen.

Nein, das wäre das Ende.

Kommentar von Parhalia ,

Je mehr Du sagst, umso mehr ergibt Dein Wunsch nach 1.4K "Netto" selbst abseits Deiner aktuellen Wohnung aber Sinn.

Diese privaten Versicherungen dürftest Du dann ( leider ) streichen müssen. 😕

Sie dienen ja nicht der "allgemeinen Altersvorsorge" ( Rente / Wohneigentum )

Antwort
von conzalesspeedy, 41

Das wirst du aber nicht in einem Callcenter verdienen.

Was sagt das Arbeitsamt,haben die keine Jobs, Umschulung usw.?

Kommentar von Langerlulatsch ,

Nein, die Arbeitsagentur sagt, mit über 50 bekommt man nur noch im öffentlichen Dienst was. Und da passt mein berufliches Profil nicht so richtig.

Wieviel wäre netto im Callcenter möglich? Telefonieren kann ich gut :)

Kommentar von conzalesspeedy ,

Kann ich nicht sagen,ruf doch mal an. Und sage das du Intresse hättest. Arbeiten dort nicht fast nur Studenten.?

Kommentar von Langerlulatsch ,

Es gibt auch Callcenter, in den 50plus-Leute arbeiten.

Kommentar von conzalesspeedy ,

Ich habe es mal Gegoogelt für Dich, Gehalt liegt bei 1224 - 2740 Euro!

Das hätte ich nicht gedacht,da fange ich auch an.:))

Kommentar von Langerlulatsch ,

2740 EUR netto aber bestimmt nur, wenn ich wildfremden Leuten täglich 100 neue Handy-Verträge oder Weinkisten aufschwatze. Dazu bin ich wohl zu nett und artig.

Kommentar von conzalesspeedy ,

Googel es Mal; Ich habe "Callcenter Lohn" eingegeben.

Wie sich der Lohn zusammen stellt und was du dafür tun mußt, wird sicher auch beschrieben sein.

Kommentar von Langerlulatsch ,

Mehr also 1600 bis 1700 gibt des da auf keinen Fall, bei den meisten nur 1500, jeweils brutto übrigens.

Kommentar von Parhalia ,

Obwohl...welche Fremdsprachen beherrschst Du überhaupt flüssig in Wort und Schrift ?

In manchen international tätigen Unternehmen KÖNNTEST Du dann als "mehrsprachlicher" Sachbearbeiter im "Kundendienst" durchaus noch etwas als studierter Fremdsprachen-Fachmann erreichen.

Eventuell sogar aktuell auch im Bereich der Unterstützung für Flüchtlinge und "Migranten". Wenn Du die "richtigen" Fremdsprachen beherrschst, so KÖNNTE sogar auf behördlicher Ebene eine Arbeit in Deinem Fachbereich als "Übersetzer" zumindest befristet "drin" sein.

Kommentar von Langerlulatsch ,

Arabisch kann ich nicht, nur Englisch und Französisch.

Auf jede Stelle im öffentlichen Dienst kommen derzeit 100 Bewerbungen, und die meisten sind viel jünger als ich.

Die großen Unternehmen hier wie Zalando wollen nur 25 bis 35-jährige haben. Das bin ich ja nicht mehr. (Obwohl die ja auch gleichmäßig älter werden, die werden sich noch wundern :)

Kommentar von Parhalia ,

Mit diesen beiden Fremdsprachen in sicherer Auslegung wäre eine Bewerbung an die passenden Behörden aber dennoch einen Versuch für Dich wert.

Auch danach mal Deinen Arbeitsvermittler "löchern". 

Richtig "handlungssicher" Französisch und Englisch ist durchaus schon viel wert und gefragt. Denn neben den Flüchtlingen gibt und gab es ja nach wie vor Migranten, wo zumindest diese "Weltsprachen" neben ihren eigenen Landessprachen noch zumindest rudimentär beherrschen.

Und da kommst DU ins Spiel. Wer könnte gebrochenes Fanzösisch oder Englisch besser verstehen und vermitteln ?

Du als langjährig und routinierter Übersetzer, oder ein Mensch vom Gymnasium mit auch diesen beiden Fremdsprachen und sogar "sehr gut"...

Lass' Dir bei sowas nicht die "Butter vom Brot" nehmen von den "Jungspunden".  Du KÖNNTEST sogar DAMIT noch etwas mehr draufhaben, wie manche derer Lehrkräfte.

Siehst Du...NOCH ein mögliches Betätigungsgebiet. ( Aushilfslehrer oder freiberuflich "Nachhilfe" in ENG & FRZ )

DENN ehrlich gesagt hast Du viel zu viel ( Fachwissen ) um ( dich selbst jetzt )  "aufzugeben". 😉

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