Frage von joker42, 236

Gibt es Länder wo der Kommunismus funktioniert hat oder noch funktioniert?

Antwort
von alashatt, 235

Der Kommunismus ist kein System oder Programm, das man versucht umzusetzen, sondern eine Bewegung. Die Frage ist schon ungünstig gestellt, weil sie von einer falschen Auffassung von Kommunismus ausgeht. Und zwar ist es egal, ob du unter Kommunismus die repressiven Strukturen eines stalinistischen Regimes oder die von Marx und Engels beschriebene zukünftige Gesellschaft verstehst, weil beides Abstraktionen sind, Ideen ohne Kontext. Ideen haben keine Geschichte. Wenn man will, kann man das Leben der Wächter im platonischen Idealstaat oder Thomas Morus' Utopia als "kommunistisch" bezeichnen, aber das funktioniert nur nach willkürlichen Maßstäben. Die Negation von Privateigentum, Aufhebung der Familie etc. hatte bei Platon eine ganz andere Bedeutung als heute. Was den Kommunismus einzigartig für unsere Epoche macht, ist seine Bedeutung als Aufhebung der jetzigen (kapitalistischen) Verhältnisse.

Es hat definitiv Gemeinschaften und Regionen gegeben, in welchen Vergesellschaftung der Produktionsmittel, Staatenlosigkeit, Produktion ohne Geld, politische und ökonomische Gleichheit etc. erfolgreich funktioniert hat. Da können wir mit Jäger-Sammler-Gesellschaften anfangen und bei der Anarchie in Spanien 1936-39 aufhören. Wir können auch die ganzen semi-"kommunistischen" (im Sinne von Abstraktion oder Idee) Ansätze erwähnen, in welchen soziales Miteinander unter Menschen bewiesen wurde - ob nun Punjab von 1849-51, wo die Menschen gemeinsam wirtschafteten und sich die Erzeugnisse aufteilten oder die Pariser Kommune von 1871, von Marx höchstpersönlich als Beispiel für die "Diktatur des Proletariats" bezeichnet, wo die communards einen sozialistischen Lebensstil führten. All diese Gesellschaften sind wohlgemerkt nicht zusammengebrochen, weil sie an einer "Natur des Menschen" oder "sozialistischen Misswirtschaft" scheiterten, sondern äußere Umstände (oder, bei den frühen Jäger-Sammler-Gesellschaften, Entwicklungen zu höheren Produktionsformen) dazu zwangen. Der Vorwurf, eine kommunistische Gesellschaft sei nicht "umsetzbar" oder eine Utopie, ist einfach haltlos und ideologisch wesentlich verblendeter, als die "Träumereien" heutiger Kommunisten.

Da ist natürlich die Frage berechtigt: Warum mündete der sogenannte Realsozialismus in diktatorische "Schreckensregimes"? Abgesehen davon, dass nicht alles, was sich das Etikett "Kommunismus" verpasst, es auch berechtigterweise trägt (ich stelle mal die Rote Khmer und die Juche-Ideologie in den Raum), standen Länder wie das damalige Russland in einem ganz anderen historischen und politischen Kontext als z.B. Naturvölker. Die materiellen Umstände waren noch nirgendwo so weit, dass eine Transformation zur kommunistischen Gesellschaft, eine völlige Negation des Kapitalismus überhaupt möglich war. Die Sowjetunion degenerierte deswegen zur Abscheulichkeit, weil sie anders nicht überleben konnte. Marx liegt nach wie vor richtig mit der These, dass der Kommunismus in einem Land nicht "funktioniert", d.h. die Entwicklung zu einer postkapitalistischen Gesellschaft bedeuten kann, sondern eine weltweite Revolution nötig ist.

Kommentar von berkersheim ,

Eine eigentlich sehr ehrliche Antwort. Sie verschweigt nicht, dass positive Versuche höchstens mal 3 Jahre funktioniert haben. Das mit den Jäger-Sammler-Gesellschaften der Steinzeit ist wohl etwas übertrieben.

Kommentar von alashatt ,

Ich habe auch keinen Grund zu lügen. Der aufmerksame Leser wird verstanden haben, dass die tatsächlich geringe Dauer nicht ein Prozess der inhärenten Degeneration war, sondern äußeren Umständen geschuldet ist. "Übertrieben" ist der Vergleich mit den Jäger-Sammler-Gesellschaften "der Steinzeit", obwohl es im Übrigen heute auch noch welche gibt, insofern nicht, als sie sich von uns in nichts anderem als der ökonomischen Entwicklungsstufe unterscheiden. Wir sind nicht weniger einem immanenten Determinismus unterworfen, als es die Jäger und Sammler waren - nämlich gar keinem. Gerade in Zeiten, in welchen die Steinzeitmenschen als Entschuldigung für sexistische Verhaltensweisen und bürgerliche Ideologie hinhalten müssen (Stichworte: evolutionäre Psychologie, "menschliche Natur"), kann man sie nicht provokant genug heranziehen.

Antwort
von uyduran, 196

Kommunismus hat es noch nie gegeben. Kommunismus ist die Gesellschaftsform, die aus dem Sozialismus hervorgeht und ohne Staat auskommt. Das, was viele Menschen als "Kommunismus" bezeichnen, ist eher "Realsozialismus". Zum Sozialismus muss man hinzufügen, dass bis dato alle Versuche, einen demokratischen Sozialismus zu errichten, zerschlagen wurden. Einen gab es 1871 in der Commune de Paris - der ist damals militärisch zerschlagen worden. Den zweiten gab es in Prag 1968, der ist von der Sowjetunion zerschlagen worden. Und den dritten Versuch gab es unter Allende in Chile, und der ist 1973 von der Armee und dem amerikanischen Geheimdienst zerschlagen worden.

Es gibt aber Völker, die seit Jahrhunderten einen Lebensstil führen, der dem Kommunismus ziemlich nahe kommt, so zum Beispiel die Piraha-Indianer am Amazonas:



Kommentar von berkersheim ,

z.B. die Piraha-Indianer - als Modell für unsere Massengesellschaft mit 80 Millionen Menschen allein in Deutschland?????

Kommentar von uyduran ,

z.B. die Piraha-Indianer - als Modell für unsere Massengesellschaft mit 80 Millionen Menschen allein in Deutschland?????

Alleine aufgrund der klimatisch-geographischen Gegebenheiten lässt sich die Lebensweise der Piraha kaum auf Deutschland übertragen. Dies bedeutet aber nicht, dass das Erreichen einer kommunistischen Gesellschaftsordnung in einem Land wie Deutschland partout unmöglich ist.

Kommentar von earnest ,

Hat DAS denn jemand vorgeschlagen, berkersheim?

Da würd ich doch glatt noch ein sechstes und siebtes Fragezeichen bemühen ...

Kommentar von uyduran ,

Tja, da fühlte sich wohl einer provoziert :-)

Antwort
von voayager, 126

Den Kommunismus hat es bis dato nirgendwo in der Welt gegeben, denn dieser ist die Fortsetzung eines entwickelten Sozialismus. Der Kommunismus kann nur entstehen, wenn die Produktivkräfte ein sehr hohes Niveau erreicht haben, so dass die materillen Springquellen für Alle reichlich fließen können. Folglich kommen dafür nur hochentwickelte kapitalistische Staaten in Frage, die bereits technisch-industriell so weit fortgeschritten sind, dass sie den Menschen bei einer Transformation auch was bieten können. Dies allein genügt aber auch nicht, so lange es ein mächtiges feindliches Lager des Kapitalimus, genauer gesagt des Imperialismus gibt. Der Kommunismus kann niemals mit einem waffwenstarrenden eigenen Arsenal existieren,ergo muß der Hauptfeind USA selbst zum Sozialismus überschwenken, dann erst wäre die Bahn für den Aufbau zum Kommunismus frei.

Da all diese Prämissen bis jetzt nicht vorlagen, haben es lediglich einige wenige Habenichtsstaaten, (solche mit kleiner Warenproduktion, bzw. ursprünglicher Akkumulation des Kapitals) auf den Weg zum Sozialismus begeben und sind in diesem steckengeblieben. Die Diktatur des Proletariats, eigentlich nur für eine kurze Weile gedacht, wurde zur Dauererscheinung, was dann den Sozialismus stets ranzig macht/e.

Antwort
von OhneRelevanz, 112

Während der spanischen Revolution funktionierte eine Mischung aus Kommunismus und Anarchismus, der vor allem von den internationalen Brigaden beeinflusst wurde, sehr gut, obwohl er nicht den Wunschvorstellungen der sowjetfreundlichen Stalinisten gefiel und sie versuchten ihn gegen ein System auszutauschen, welches zur selben Zeit in der Sowjetunion existierte. Schließlich haben die putschenden Nationalsozialisten Francos das System wieder zerstört, als sie den spanischen Bürgerkrieg für sich entschieden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Spanischer_B%C3%BCrgerkrieg

Antwort
von Dryadravisher, 87

Nein. Der Kommunismus ist immer gescheitert. Er kann auch gar nicht funktionieren, da er nur eine Idee ohne Kontext oder Bezug zur Realität ist. Er wird aber von Menschen mit eigenen Interessen propagiert. Man sieht ja, wie sich kommunistische Führer selbst bereichern. Auch Marx hatte wohl eher seine massiven Schulden im Blick und das Wohl der Arbeiter war nur vorgeschoben. Zumal er selbst seine Haushälterin finanziell und sexuell ausgenutzt hat.

Antwort
von ahkeineahnung, 130

In Kuba ist er recht gut und am funktionieren. Viele Leute aus dem Westen reisen nach Kuba zB vor allem aus den USA um dort zB medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen die dort für jeden kostenlos ist

Kommentar von uyduran ,

Naja. Es stimmt, dass die Kubaner ein glückliches Volk sind, das Gesundheitsweisen erstklassig ist und das Bildungssystem zu den besten Lateinamerikas gehört. Dass an allen Ecken gesungen und Musik gespielt wird, ist ebenfalls kein Klischee. Aber das idyllische Bild, das wir aus dem Fernsehen kennen, mit den nostalgischen Autos in etwa, weist eben auch ihre Kehrseite auf. So fühlen sich die Kubaner auch in ihrer Freiheit beschnitten: Die alten Autos sind in teilweise schrottplatzreifem Zustand und müssen mehrmals täglich repariert werden. Die Internetverbindung ist sehr langsam. Die Polizei spaziert mit kritischem Blick überall herum.

Was falsch an Deinem Kommentar ist: In Kuba herrscht kein Kommunismus, sondern eher etwas, das man als "erblichen Staatssozialismus" bezeichnen könnte. Auf Fidel Castro folgte sein Bruder Raul Castro und irgendwann übernimmt vermutlich ein Castro-Sohn das Ruder. Im Prinzip handelt es sich also um einen Erbfeudalismus statt um einen Sozialismus, wie ihn sich Marx und Engels vorgestellt haben.

Kommentar von mineralixx ,

Medizinische Hilfe ist dort nicht "für jeden" kostenlos, sondern nur für Kubaner. Das Niveau ist aber keinesfalls mit dem in Europa vergleichbar.

Kommentar von Unsinkable2 ,

... wenn man bedenkt, was sie seinerzeit von den USA/Batista übernommen haben, liegen Welten dazwischen. 

Im Übrigen ist das medizinische Niveau so gut, dass auch die USA (u.a. Krisenversorgung nach dem Katrina-Orkan & Hilfsversorgungen für Obdachlose und Arbeitslose) die Erfahrungen und Möglichkeiten gern nutzen und ausschlachten.

Dass man dabei nicht auf neueste Technik zurückgreifen kann, hängt vor allem damit zusammen, dass die USA es bisher erfolgreich verhiindert haben. Wohl auch, um den Abstand nicht noch größer werden zu lassen. 

Schließlich ist es auch so schon ziemlich peinlich, wenn ein Dritt-Welt-Land seiner Bevölkerung eine bessere medizinische Versorgung angedeihen lässt, als es eine der "fortschrittlichsten Demokratien der Welt" (die Amerikaner nennen es auch gern "DIE fortschrittlichste Demokratie der Welt") zu leisten willens ist...

Antwort
von Modem1, 75

Die sagen oft "kommunistische Länder" ...eher Propagandasound.Den hat es nicht gegeben und den gibt es nicht. Der Kommunismus muss erst aufgebaut werden,alle Egos müssen dann abgelegt werden. Fällt uns das leicht?

Antwort
von suziesext04, 93

hi joker42 - also strenggenommen, kann es keinen Kommunismus geben bloss in einem Land. marx hat vermutet, dass nach der Weltrevolutuon, wenn wirklich alle Ausbeuterregime zerschlagen sind, dann kommt ne 1. Phase Sozialismus, und wenn die Mehrheit der Leute hohes soziales Bewusstsein hat, dann ist das Tor zum Kommunismus offen.

Es gibt n paar Länder, in denen die Eigentumsfrage nicht mit "nur privat" beantwortet ist, Kuba, China, Vietnam, aber es sind keine erfolgreichen Länder. Bis jetzt, weil se zu schwach sind gegen die internationalen Multimilliardäre. Aber da ist auch nicht das letzte Wort gesprochen.

Antwort
von Lohengrimm, 92

Bei manchen Naturvölkern. 

Antwort
von Herb3472, 96

In China und in Vietnam scheint er ganz gut zu funktionieren.

Kommentar von OhneRelevanz ,

Das ist kein Kommunismus.

Kommentar von Herb3472 ,

Wie kommmst Du zu der Annahme, dass das kein Kommunismus ist?

Kommentar von gnhtd ,

Es gibt bedeutende Unterschiede zwischen Maoismus und Kommunismus...

Kommentar von Herb3472 ,

Der Maoismus wird sehr wohl als kommunistische Strömung angesehen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Maoismus

Und so genau will's eigentlich eh niemand wissen, der nicht in die Kaderschmiede einer Linkspartei geht.

Kommentar von OhneRelevanz ,

Und so genau will's eigentlich eh niemand wissen, der nicht in die Kaderschmiede einer Linkspartei geht.

Verlangt ja auch keiner von dir. Den Unterschied zu machen, ist dennoch sehr wichtig, gerade wenn man sich mit dem Thema beschäftigt. 

Kommentar von OhneRelevanz ,

China ist kapitalistischer als so manch westlicher Staat. Wo kommen den die ganzen Klamotten und die Handys bzw. Smartphones her und unter welchen Bedingungen werden sie hergestellt? Kommunismus bedeutet "Diktatur des Proletariats", ich denke nicht, dass eine Diktatur von Ausbeutern und Nicht-Arbeitern einer Arbeiterregierung entspricht. Kinderarbeit und wenige Cent Stunden- manchmal Tageslohn entsprechen nicht unbedingt dem sozialistischen Merkmal der "Gerechtigkeit", genauso wenig, die nicht existenten Sozialsysteme in China.

Im Übrigen führt ein Ein-Parteien-System niemals zu einem nicht-Diktatorischen Staat.

Der Vietnam ist inzwischen auch nicht mehr kommunistisch. Dort gibt es ebenfalls keine Sozialleistungen und Schulen müssen von SchülerInnen bzw. dem/den Erziehungsberechtigten bezahlt werden. Kann man es nicht finanzieren, dann bleibt man eben auf der Strecke. Generell ist das ganze Bildungs- und Gesundheitswesen sehr vernachlässigt worden.

Mit anderen Worten halten sich beide Staaten nicht wirklich mit den sozialen System auf, vom Umweltschutz muss ich glaube ich gar nicht erst anfangen und beide Nationen versuchen nach und nach den Anschluss an den kapitalistischen Weltmarkt zu finden. Im Falle China klappt das inzwischen überaus gut.

In beiden Fällen ist der Deckmantel des "Kommunismus" wohl eher eine weitere Art und Weise die Menschen von der Richtigkeit eines Systems zu überzeugen und vor allem kann man (in China sowieso nicht öffentlich) einfach von einer Diktatur reden. Realpolitisch sind beide Staaten aber nicht kommunistisch, egal welcher Zusatz im Parteinamen steht. Das Ganze ist wohl eher ein Versuch das Beste aus beiden System herauszuholen - allerdings ist das "Beste" nur gut, wenn es für die Mächtigen und Reichen im Staat von Vorteil ist. Was eine Partei tut, kann weit entfernt von dem sein, was ihr Name verspricht.

Kommentar von Herb3472 ,

Einen gelebten "Realkommunismus" im Sinne von Marx und Engels hat es sowieso nie gegeben. Der gelebte Kommunismus war nie was anderes als die Diktatur einiger weniger, die sich dadurch Vorteile verschafft haben. Also was soll dieser lange Aufsatz? Vergiss doch im Zusammenhang mit "Kommunismus" hehre Ideale und Ziele, es geht dabei um brutale Machtausübung einer herrschenden Parteielite, die damit ihre eigenen Ziele verfolgt - und sonst um nichts!

Kommentar von Annox ,

Schwachsinn. Kommunismus funktioniert ohne Staat und geht aus dem Sozialismus hervor. Realsozialismus ist, was heute fälschlicherweise als Kommunismus bezeichnet wird. Beispiel: Sowjetunion, oder eben die von dir aufgeführten Beispiele für vermeintlichen "Kommunismus".

Antwort
von Interesierter, 80

Nein!!

Antwort
von mineralixx, 72

Er "funktioniert" in Nord-Korea.

Kommentar von Annox ,

Dort herrscht kein Kommunismus!!

Kommentar von mineralixx ,

Sie nennen es "Kommunismus".

Kommentar von uyduran ,

Sie nennen es "Kommunismus".

Mag sein. Kim Jong Un nennt seinen Wahlsieg mit 100% der Stimmen auch "demokratisch" und behauptet, das Ergebnis zeige die "vollständige Unterstützung des Volkes".

Die im Deckmantel kommunistischer Rhetorik eingehüllte Diktatur Nordkoreas hat mit dem Kommunismus nach Marx und Engels wenig bis gar nichts zu tun.

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