Gibt es in Überlebens(Not-)situationen ein Sonderrecht?

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7 Antworten

Klingt für mich nach "entschuldigendem Notstand".

Beispiel: Nach Naturkatastrophe (sagen wir mal Erdbeben) stiehlt Person A Verbandsmaterial, ohne die sie nicht überleben würde.

Tatbestand des Diebstahls sei nun erfüllt. Rechtfertigungsgründe könnte man den rechtfertigenden Notstand aufführen (wobei ich da nicht ganz sicher bin, ob der da in Kraft tritt). Schuldausschließung durch entschuldigenden Notstand. Es war der Person in der derzeitigen Lage nicht zuzumuten, dieses spezielle Rechtsgut (Recht auf Eigentum) zu schützen, da dadurch zwangsläufig ein anderes Rechtsgut (Recht auf körperliche Unversehrtheit) verletzt worden wäre, der Diebstahl war aber auch verhältnismäßig, um dieses Rechtsgut zu schützen. Es war geeignet, notwendig und angemessen.

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Um für eine Tat bestraft werden zu können, muss a) ein Tatbestand erfüllt sein, b) muss die Tat rechtswidrig sein und c) muss man schuldhaft gehandelt haben.

Nun gibt es im deutschen Strafrecht Rechtfertigungsgründe (§§ 32, 34 StGB) und Schuldausschließungsgründe (z.B. § 35 StGB). Liegt einer davon vor, kann der Täter für die Tat nicht bestraft werden.

Frag mal Google nach dem "Brett des Karneades".

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Kommentar von furbo
14.02.2016, 18:54

Sehr gute Antwort.

Brett des Karneades

Finde ich toll, dass du das hier anbringst.

Auf gleicher Linie liegt der Mignonette-Fall.

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Kannibalismus ist nicht strafbar

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Kommentar von anima1998
14.02.2016, 17:56

Kannibalismuss ist am gesamten Europäischen Amerikanischen und
Australaischem Kontinent verboten selbst wenn der Tote gesagt hat damit
einverstanden zu sein.

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Kommentar von vitus64
14.02.2016, 17:57

Das steht wo genau?

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Kommentar von vitus64
14.02.2016, 18:05

Das steht eben nicht im StGB. Nenn doch die genaue Fundstelle

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Kommentar von vitus64
14.02.2016, 18:10

Par 211 Abs 1 und 2

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Es gab nur einen Fall des Kannibalismus nach einem Flugzeugabsturz. Das Verzehren der Verstorbenen könnte man nach deutschem Recht als Notstandshandeln rechtfertigen (nicht entschuldigen). 

Der entschuldigende Notstand (§ 35 StGB) ist für absolute Notsituationen geschaffen (nur bei Gefahr für Leib, Leben, Freiheit). Dabei handelt der Täter zwar rechtswidrig (was die Notwehr erlauben würde), aber nicht schuldhaft. 

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Ja. Das "Sonderrrecht" nennt sich "entschuldigender Notstand". Du könntest danach sogar in bestimmten (Not-) Situationen einen anderen Menschen töten, ohne dass er dir was getan hat. 

Robert Liebling hat dir schon das richtige Stichwort genannt. 

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Nein,man hat nicht "schon öfter gehört" - es gibt genau einen einzigen dokumentieren Fall dieser Art. Und der fand wohl vor deiner Geburt statt.

Erstens hat jedes Land andere Gesetze, zweitens darf man in so einer Situaltion alles essen, was das Überleben sichert.

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Kommentar von anima1998
14.02.2016, 18:15

Der 2te Teil des letzten Satzes genau sowas wollte ich höhren un nein ich war da schon am leben.

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Es gibt ein Recht auf Überleben, aber die Konsequenzen aus dem Flugzeugabsturz in den Anden wüde ich nicht als allgemeingültiges Verhaltensmuster durchgehen lassen.

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Kommentar von anima1998
14.02.2016, 17:58

Essen oder sterben diese zwei verhaltensmöglichkeiten haben Menschen und wenn nur tote Menschen da sind.

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Kommentar von furbo
14.02.2016, 21:30

Wobei der Kannibalismus in den Anden  -   so er überhaupt strafbar wäre - vermutlich als Notstandshandeln gerechtfertigt war. 

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