Frage von turk61, 330

Gibt es in der Türkei Meinungsfreiheit für Nicht-Muslime?

Können Aleviten, Atheisten, Christen, Tengristen etc. ihre Meinung öffentlich in der Türkei präsentieren?

Antwort
von suziesext06, 141

die uneingeschränkte Religionsfreiheit, die türkischen Sunnitenverbände hier in Deutschland so offensiv für sich einfordern, wird in ihrer Heimat Türkei niemandem gewährt, weder de jure noch de facto. In der Türkei gibt es eine Art sunnitisches Staats"kirchen"tum, das Religionsministerium verfügt über 1 Mrd € Etat zur Finanzierung von staatlich angestellten Imamen, Neubau und Unterhalt von sunnitischen Moscheen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat die Türkei wegen der massiven Diskriminierung der Aleviten 04/2016 rechtskräftig verurteilt. Christen unterliegen ebenfalls starken staatlichen Repressionen: zb wurde seit 1923 die Erlaubnis zu einem Kirchenneubau erst EIN EINZIGES MAL erteilt.

Diese Verfassungsrealität muss zwingend von einer Bundesregierung, die deutsche Interessen vertritt, natürlich berücksichtigt werden, wenn es darum geht, die aggressiven Forderungen türkischer Verbände in Deutschland zu zu bewerten. Es kann ja wohl nicht sein, dass die Türkei hier 970 Imame unterhalten darf in über 200 Moscheen und ständig Neubauten nachfordert, während in der Türkei selbst innerhalb von 90 Jahren 1 christliche Kirche errichtet werden durfte.

Hier ein Überblick zur Christenunterdrückung in der Türkei:

https://www.orientdienst.de/muslime/analyse/religionsfreiheit-in-der-turkei/

Antwort
von 35turk35, 192

Erdogan ist gegen jeden der auch gegen ihn ist. Auch Muslime von der Gülen Bewegung (bin gegen diese Bewegung) werden stark eingeschränkt. Viele kemalisten  sind auch Muslime und deren Meinung wird noch am ehesten öffentlich gemacht aber die Journalisten sind dann am nächsten Tag vor Gericht. Von den Atheisten hat man eine Zeitlang etwas gehört aber die haben kein Recht mehr auf Meinungsfreiheit und die Anzahl der Christen in der Türkei ist so gering dass man sie nicht wahrnimmt.

Antwort
von MrHilfestellung, 163

In der Türkei gibt es für alle Religionsgruppen Einschränkungen in der Meinungsfreiheit.

Antwort
von OnkelSchorsch, 86

Es gibt in der Türkei gar keine Meinungsfreiheit mehr. Weder für Moslems noch für Christen noch für sonstwen.

Antwort
von KaeteK, 90

Grund für mich, dort niemals Urlaub zu machen, obwohl die Türkei ein schönes Land ist.

Mir tun die Türken leid - denn sie waren schon dabei, etwas aus ihrem Land zu machen.

Ich habe mich früher immer gefragt, wie es sein kann, dass fast ein  ganzes Volk sich von einem Adolf hat so beeinflussen lassen - Heute weiß ich, dass das geht und wie das geht.  LG

Antwort
von Checkmate81, 113

Klar, wobei es um die Meinungsfreiheit derzeit nicht gut steht.

Kommentar von earnest ,

Dein "klar" ist klar wie ein Asphaltsee.

Dass es um die Meinungsfreiheit "derzeit nicht gut steht", halte ich für die Untertreibung der Woche.

Antwort
von ThomasNiemt, 92

"Article 26 of the Constitution of Turkey guarantees the right to "Freedom of Expression and Dissemination of Thought". Moreover, the Republic of Turkey is a signatory of the European Convention on Human Rights and submits to the judgments of the European Court of Human Rights. The constitutional freedom of expression may be limited by provisions in other laws, such as Article 301 of the Turkish Penal Code, which outlaws denigration of the Turkish Nation, while also providing that "expression of thought intended to criticize shall not constitute a crime".

https://en.wikipedia.org/wiki/Freedom_of_speech_by_country#Turkey

Die Türkei ist nach wie vor ein laizistischer Staat, in dem Religion und Staat getrennt sind. Seit Ata Türk ist das der Fall. Wie in allen Ländern gibt es auch in der Türkei einen Gegensatz zwischen dem, was geschrieben steht, und dem, was ist, beim CensorShipIndex fällt die Türkei aber nur auf, weil manche Journalisten etwas barsch angefasst werden, nicht, weil Religionsgruppen die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird. 

Kommentar von earnest ,

"Etwas barsch angefasst" finde ich eine, nun ja, interessante Formulierung.

Sie mag für deutsche Journalisten zutreffen, die unsanft wieder zum Flughafen expediert werden; sie trifft nicht zu für türkische Journalisten, die im Knast sitzen, weil sie den Sultan vom Bosporus kritisiert haben.

Kommentar von ThomasNiemt ,

Als da wären?

Kommentar von DottorePsycho ,

z.B. Can Dündar und Erdem Gül

Kommentar von ThomasNiemt ,

Wenn ich mich richtig erinnere, wurden beide nach einem Urteil des Supreme Court wieder auf freien Fuss gesetzt, so wie das in einem Rechtsstaat üblich ist - oder?

Kommentar von DottorePsycho ,

Sie wurden aus der U-Haft entlassen. Der Prozess wird ihnen derzeit trotzdem gemacht. Es droht lebenslange Haft.

Kommentar von ThomasNiemt ,

Auch Prozesse sind dann, wen ein Staatsanwalt etwas Verfolgbares findet, also einen Verstoß gegen ein Gesetz wie im Fall Böhmermann, ein Zeichen eines funktionierenden Rechtsstaates, so lange die Unabhängigkeit der Richter gewährleistet ist.

Kommentar von DottorePsycho ,

Im Fall Böhmermann hat noch kein Staatsanwalt etwas Verfolgbares identifiziert. Lediglich hat die Bundesregierung die Zulassung zu einer staatsanwaltschaftlichen Überprüfung erteilt.

Zurück zu Can Dündar und Erdem Gül:

Gibt es da etwas "Verfolgbares"? Das wissen wir beide nicht genau. Die Pressefreiheit in der Türkei ist aber nicht zufällig ins Visier geraten. Offensichtlich ist, dass jegliche Erdogan-kritische Publikation unerwünscht ist und den betreffenden Autoren das Leben schwer gemacht wird.

Nunja, wenn wir erst die Schariah in der Türkei haben, ist das unsere kleinste Sorge.

Kommentar von ThomasNiemt ,

Wenn kein Anfangsverdacht besteht, eröffnet ein Staatsanwalt kein Ermittlungsverfahren. Übrigens kann auch ein Freispruch drohen. Warum immer das Schlimmste annehmen? Shar'ia ist übrigens nicht gleich Shari'ia. Da gibt es Unmengen von Spielarten und die Hand-Ab-Shar'ia ist eher eine Randerscheinung. Kann fast jeder Londoner bestätigen.

Kommentar von earnest ,

Bezeichnest du die Türkei denn noch als einen Rechtsstaat, Thomas? 

Das ist doch ein Rechts-Staat, in dem die Unabhägigkeit der Justiz gerade abgeschafft wird. 

Und nun droht eine islamische Verfassung.

Kommentar von ThomasNiemt ,

In earnest? Woher nimmst Du diese Überzeugung? (Belege?)

Kommentar von earnest ,

Die hat dir DottorePsycho gerade geliefert. 

In Sachen islamische Verfassung hat der Sultan vom Bosporus meines Wissen inzwischen zurückgerudert. Aber sicher nicht aus Überzeugung, sondern weil ihn ein gutes Dutzend Stimmen im Parlament für die zur Änderung der Verfassung notwendige Zweidrittelmehrheit fehlt. 

Aber da wird ihm sicher bald was einfallen ....

Kommentar von earnest ,

-upps: weil ihm ... fehlt

Antwort
von 1988Ritter, 68

Schon seit Jahren und Jahrzehnten nicht.

Wie die Türkei tatsächlich mit anderen ethnischen Gruppen und Glaubensrichtungen vorgeht, kann man prima anhand dem Schicksal der Griechen sehen, und natürlich auch dem griechisch orthodoxen Glauben.

Tip:

  • Pogrom von Istanbul
  • Pontos-Griechen

Im Aussenverhältnis stellt sich die Türkei immer sehr großzügig und liberal dar, was sich im Innenverhältnis nicht bestätigt.

Tip:

  • Christenverfolgung in der Türkei
  • Enteignung christlicher Einrichtungen in der Türkei

http://www.christenverfolgung.org/tags/tuerkei

Antwort
von DottorePsycho, 85

Die meisten Aleviten sehen sich selbst schon noch als Muslime. :-)

Um Deine Frage zu beantworten: Offensichtlich NEIN. Wozu stellst Du diese Frage, deren Antwort so offensichtlich und bekannt ist?

Kommentar von KaeteK ,

Muslime waren sie doch immer schon...Für mich besteht da kein Unterschied..

Kommentar von earnest ,

Na, erzähl das mal einem erzkonservativen Sunniten ...

Kommentar von KaeteK ,

Ja, ich weiß, aber dazu wird es in meinem realen Leben sicher nicht mehr kommen. lg

Kommentar von DottorePsycho ,

Wozu wird es nicht mehr kommen? Liegst Du im Sterben?

UND - falls ich Dich richtig verstanden habe - der Unterschied zwischen sunnitischen Muslimen und alevitischen Muslimen ist gigantisch. So ziemlich nichts, was Du über den sunnitischen Islam weisst, trifft auf die Aleviten zu.

Antwort
von Bartstoppel1902, 96

Die Türkei versucht sogar die Meinungsfreiheit außerhalb Ihrer Staatsgrenzen in Nich- Muslimischen Ländern zu verbieten. Beantwortet das deine Frage?

Kommentar von Flashbong ,

Ist das dein ernst? Denn es ist ziemlich genau das gegenteil. Das hat er sogar in einer öffentlichen ansprache verkündet. Selbst vor verletzung der grundrechten macht er nicht halt

Kommentar von Bartstoppel1902 ,

Ich vermute du hast meinen Kommentar nicht richtig verstanden.

Antwort
von 3plus2, 72

Set Erdogan das sagen hat nicht mehr.

Antwort
von josef050153, 35

In der Türkei existiert nicht einmal Meinungsfreiheit für Muslime.

Antwort
von Weinberg, 78

Nachdem nicht einmal Deutsche in Deutschland ihre Meinung über Erdogan äußern dürfen, ohne auf Betreiben türkischer Behörden verfolgt zu werden, ist diese Frage wohl nicht wirklich ernst gemeint. 

Kommentar von KaeteK ,

Ja, da ist wohl ein Stein ins Rollen gekommen - Der Schuss ging aber nach hinten los und das weltweit. Warten wir das Urteil über Böhmermann ab. Nun geht die Türkei auf eine islamische Verfassung zu. Noch streitet Erdogan das ab - aber es ist deutlich zu erkennen wohin der Weg Erdogans führt.  Für das türkische Volk hoffe ich nur, dass es noch rechtzeitig aufwacht...lg

Antwort
von NoRegret, 82

Du darfst sogar den Islam/Allah beleidigen, so wie es von Seiten der CHP ja auch getan wird. Du darfst jeden und alles kritisieren und öffentlich beleidigen, aber dieser Spaß hört auf, wenn es um Atatürk geht, denn dann wirst du festgenommen. 

Schon komisch oder ? Man darf die beste Person (Muhammed s.a.v.) öffentlich beleidigen, ohne jegliche Konsequenz, aber auf gar keinen Fall Atatürk.

Und alle die meinen Erdoğan sei ein Diktator. Wenn er ein Diktator wäre, dann würde jeder, der ihn in der Türkei Diktator nennt, am gleichen Tag noch ein Kopf kürzer sein.

Sammle wieder negative Bewertungen, bedanke mich im Voraus.

Kommentar von 35turk35 ,

Ja klar chp beleidigt den Islam :D

Kommentar von NoRegret ,

Aussagen wie "Wir fürchten Allah nicht", bekommst du wohl nicht mit. Da sind deine Ohren ganz schnell mal schwerhörig.

Kommentar von DottorePsycho ,

Ich fürchte Allah auch nicht. Wie könnte ich meinen Gott fürchten?

Kommentar von 35turk35 ,

Was hat das mit beleidigen zu tun? Ich fürchte Allah nicht ich respektiere ihn. Und außerdem beleidigen eure Journalisten Tag täglich Atatürk im Fernsehen aber wenn einer mal etwas religionskritisches rausbringst, ist er morgen vor Gericht.

Kommentar von NoRegret ,

@DottorePsycho

Allah s.w.t fürchten bedeutet nicht, Angst vor ihm zu haben, sondern seine Pflichten und Verboten einzuhalten, zu respektieren, Angst davor zu haben, Sünden zu begehen. Und selbst wenn man eine Sünde begeht, in Hoffnung und Gedanke an Allah's s.w.t. Barmherzigkeit Tawba zu machen.

Außerdem sagt Allah s.w.t. in einigen Versen im Kur'an, dass man (nur) ihn fürchten soll, also woher nimmst du dir das Recht, ihn nicht zu fürchten ? Das stünde im Widerspruch zum Kur'an.

Kommentar von DottorePsycho ,

Wenn ich nur ihn fürchten SOLL, heisst das nicht, dass ich ihn fürchten MUSS. Es heisst lediglich, dass, wenn ich irgendwas fürchte, dann ihn.

Furcht ist übrigens nicht steuerbar. Wo ich keine verspüre, kann ich mir keine einreden.

Kommentar von NoRegret ,

Du verstehst immer noch nicht, was mit Furcht gemeint ist. Außerdem du sollst ihn nicht fürchten, du musst. Und mit Furcht ist nicht Angst gemeint.

Kommentar von NoRegret ,

@35turk35

Wie bereits gesagt, muss man Allah s.w.t. fürchten, wie es auch im Kur'an steht. So sind Aussagen wie "Wir fürchten Allah nicht" eine Beleidigung.

Außerdem ist Atatürk gesetzlich geschützt. Beleidigt man ihn, wird man eingesperrt, beleidigt man aber den Propheten (s.a.v.), so passiert nichts, denn Atatürk sah es anscheinend nicht als notwendig, die beste Person, die je gelebt hat, zu schützen, aber die eigene unbrauchbare Birne schon.

Kommentar von Zicke52 ,

@NoRegret: Nein. Man beleidigt jemanden nicht schon dadurch, dass man keine Angst vor ihm hat. Ich würde mich eher beleidigt fuehlen, wenn jemand sagte, ich floesse ihm Furcht ein.

Was bringt dich auf die Idee, Mohammed sei die "beste Person", die je gelebt hat? Nach welchen Kriterien beurteilst du fss? 

Kommentar von 35turk35 ,

Wenn du Allah fürchtest ist es deine Entscheidung ich respektiere Allah mehr auch nicht. Und hier der Link wie Atatürk beleidigt wird: https://youtu.be/18RiLnEhGOg
Der Journalist ist der Meinung dass der kemalismus und Atatürk für den Krieg in palästina zuständig ist. Und man darf nicht mal religionskritisches schreiben wo man nicht Allah oder muhammed beleidigt.

Kommentar von NoRegret ,

Das sind keine Beleidigungen, sondern Wahrheiten. Geh mal in öffentliche Gebäuden und beleidige Atatürk, mal schauen wie lange es dauert dich einzusperren. Es gibt Gesetze, dass sein Kopf in jedem öffentlichen Gebäude hängen muss. Wozu ? Bringt den Staat doch auch nicht weiter. 

Kommentar von 35turk35 ,

Ihr seid zum totlachen :D Die araber haben gegen eure Osmanen gekämpft :D

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