Frage von koenigscobra, 38

Gibt es in der Mythologie ähnliche (tragische) Figuren wie Hyakinthos?

Hallo Community,

ich bin auf der Suche nach "tragischen" Sagengestalten der griechische Mythologie - es sollten junge Männer mit traurigem oder dramatischem Schicksal sein (egal ob Gott, Halbgott oder was auch immer)...

Vielleicht fällt ja jemanden etwas ein...

Vielen Dank im Voraus!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Albrecht, 22

In der griechischen Mythologie gibt es viele junge Männer mit traurigem oder dramatischem Schicksal. Welche für die Suche passend sind, hängt davon ab, was mit „tragischer“ Sagengestalt genau gemeint ist, ob es um einen Tod als junger Mann geht, welches Alterszeitraum damit gemeint ist, und an welches Ausmaß an Ähnlichkeit mit Hyakinthos gedacht ist.

Oidipous (Οἰδίπους; lateinisch: Oedipus) wird als Kind wegen eines Orakelspruches einem zum Aussetzen übergeben, aber aus Mitleid vor einem Tod bewahrt, vom Königspaar in Korinth adoptiert, erhält einen Orakelspruch, er werde seinen Vater töten und seine Mutter zur Frau nehmen, tötet seinen Vater Laios und heiratet (als Retter der Stadt Theben vor der Sphinx), seine Mutter Iokaste ohne Wissen, daß es sich um seine Eltern handelt. Später bricht eine Seuche aus, der Sachverhalt wird enthüllt, Oidipous blendet sich selbst, indem er sich die Augen aussticht. Er stirbt aber nicht sehr jung.

Bei den folgenden Kämpfen um Theben sterben viele junge Männer, so unter den Sieben gegen Theben z. B.: Hippomedon, Kapaneus, Parthenopaios, Tydeus.

Ein Streit zwischen Brüderpaaren führt zum Tod von Lynkeus (Λυγκεύς; lateinisch:Lynceus) und Idas (Ἴδας; lateinisch: Idas) sowie Kastor (Κάστωρ; lateinisch: Castor). Polydeukes (Πολυδεύκης; lateinisch: Pollux) bleibt am Leben bzw. wird - von einem Fels/Grabstein seines Vaters, den Idas wirft, am Kopf getroffen und niederfallend, wobei ihm dunkel um die Augen wird - von seinem Vater Zeus (der Idas mit einem Blitz erschlägt) in den Himmel geführt und bekommt Unsterblichkeit angeboten (die er nicht annehmen möchte, wenn Kastor tot ist), bekommt schließlich die Erlaubnis, zusammen mit Kastor abwechselnd einen Tag unter den Göttern zu leben, einen Tag unter den Sterblichen in der Unterwelt.

Im Troianischen Krieg sterben viele junge Männer, darunter der Halbgott Achilleus.

Allgemein enthalten die Mythen/Sagen viele Kämpfe, in denen junge Männer umkommen.

Eine umfassende vollständige Auflistung ist kaum möglich.

eine Anzahl von jungen Männern, die für die Suche in Frage kommen

Adonis: Adonis (Ἄδωνις; lateinisch: Adonis), aus Inzest hervorgegangen, nach manchen Erzählungen aus einem Myrrhenbaum geboren, an seinem Aufziehen sind Göttinen bzw. Nymphen beteiligt, wird zu einem schönen Jünghling, ist Geliebter der Göttin Aphrodite. Adonis wird bei der Jagd von einem Eber getötet (nach einigen Autoren vom eifersüchtigen Gott Ares gesendet bzw. Ares selbst in Gestalt eines Ebers).

Aias: Aias (Αἴας; lateinisch: Aiax), Sohn des Telamon, ist einer der herausragenden Kämpfer im Troianischen Krieg, unterliegt im Wettstreit um den Anspruch auf die Waffen des toten Achilleus dem redegewandtem Odysseus, fällt in der Nacht in einem Anfall auf Raserei über eine Schafherde her, die er für diejenigen Grichen hält, an denn er seine Wut auslassen will, begeht Suizid (stürzt sich in ein Schwert) , als er bemerkt, was er getan hat.

Akonteus: Als Perseus die von ihm gerettete Andromeda heiratet, erscheint Phineus mit einer Kriegerschar und erhebt Ansprüche auf Andromeda. Ein Kampf entsteht, bei dem Perseus das Gorgonenhaupt Medusas, einsetzt, dessen Anblick Versteinerung bewirkt. Akonteus (Ἀκοντεύς; lateinisch: Aconteus), der beim Kampf auf der Seite des Perseus steht, blickt das Gorgonenhaupt an und wird versteinert (Ovid, Metamorphosen 5, 200 – 203).

Aktaion: Aktaion (Ἀκταίων; lateinisch: Actaion) erblickt Artemis beim Bad. Die jungfräuliche Göttin verwandelt ihn in einer Bestrafung in einen Hirsch, der von seinen eigenen Jaghunden angegriffen und zerissen wird.

Chrysippos: Chrysippos (Χρύσιππος; lateinisch: Chrysippus), Sohn des Pelops und der Nymphe Axioche, ein schöner Jüngling, wird von Laios entführt und es kommt zu einem sexuellem Übergriff/Mißbrauch. Chrysippos tötet sich
selbst aus Scham. Andere fassung: Chrysippos wird von seinen
Stiefbrüdern Atreus und Thyestes ermordet (aus Eifersucht, weil er der
Lieblingssohn von Pelops ist, oder von ihrer Mutter, die eine Abneigung
gegen Chrysippos hat, angetrieben).

Eteokles und Polyneikes: Eteokles (Ἐτεοκλῆς; lateinisch: Eteocles) und Polyneikes (Πολυνείκης; lateinisch: Polyneices), Söhen des Oidipous (Οἰδίπους; lateinisch: Oedipus), töten sich gegenseitig im Kampf um die Herrschaft über Theben.

Haimon: Haimon (Αἵμων; lateinisch: Haemon); Sohn des Kreon und der Eurydike, wird von der Sphinx erwürgt oder ist Verlobter von Antigone und tötet sich selbst, nachdem die von seinem Vater Kreon zum Tod verurteilte Antigone, lebendig eingeschlossen, sich umgebracht hat.

Hippolytos: Hippolytos (Ἱππόλυτος; lateinisch: Hippolytus), Sohn des Theseus und der Amazone Hipplyte bzw. Antiope, weist das Liebesverlangen seiner Stiefmutter Phaidra ab, diese tötet sich selbst und bezichtigt in einem Abschiedsbrief Hippolytos, sie mit Begierde bedrängt zu haben, Theseus hetzt in blindem Rachewunsch Poseidon gegen diesen auf, Hippolytos stürzt tödlich, als ein auftauchendes Seeungeheurers die Pferde seines Wagens erschreckt.

Ikaros: Ikaros (Ἴκαρος; lateinisch: Icarus), Sohn des Daidalos (Δαίδαλος; lateinisch: Daedalus), entkommt von der Insel Kreta durch Fliegen mit künstlichen Flügeln, beachtet aber nach einiger Zeit in jugendlichem Leichtsinn und Übermut die Ermahnungen seines Vaters nicht, kommt der Sonne zu nahe und stürzt ab.

Iphitos: Iphitos (Ἴφιτος; lateinisch: Iphitus), Sohn des Eurytos, wird von Herakles getötet, weil sein Vater und seine Brüder nicht wie versprochen Herakles als Preis für einen Sieg im Bogenschießen Iole zur Frau geben oder weil er verlorene Pferde sucht und Herakles fragt, der von jemand anderen diese Pferde übergeben bekommen hat.

Kephalos: Kephalos (Κέφαλος; lateinisch: Cephalus), Sohn des Gottes
Hermes und der Königstochter Herse, tötet bei der Jagd mit einem
unfehlbaren Jagdspeer seine Frau Prokris, die in einem Gebüsch ist und
von ihm für ein wildes Tier gehalten wird. Nach Verteilung zu
dauerhafter Verbannung und Teilnahme einem Kriegszug stiftet er ein
Apollon-Heiligtum an einem Vorgebirge tötet sich zur Sühnung seiner
Tötungstat selbst, indem er sich vom Felsen stürzt.

Meleagros: Meleagros (Μελέαγρος; lateinisch: Meleager) tötet die Brüder seiner Mutter, als diese bei der kalydonischen Eberjagd nicht mit einer Ehtrung für die Jägerin Atalante einverstanden sind und ihn angreifen. Seine Mutter Althaia hatte ein Holzscheit bewahrt. Wenn dieses zu Asche wird, endet das Leben des Sohnes, wie die nach der Geburt erscheinenden Moiren verkündet haben. Althaia legt nach innerem Rinden das Holzscheit ins Feuer und Meleagros stirbt.

Menoikeus: Menoikeus (Μενοικεύς; lateinisch: Menoeceus), Sohn des Kreon, muß sich nach einen Seherspruch, dem Teiresias verkündet, töten, damit Theben einen Krieg gewinnen kann. Menoikeus stürzt sich entgegen dem Wusch seines Vaters von der Stadtmauer.

Narkissos: Narkissos (Νάρκισσος; lateinisch: Narcissus), ein schönerJüngling, verliebt sich in sein eigenes Spiegelbild, geht daran zugrunde.

Pentheus: Pentheus (Πενθεύς; lateinisch: Pentheus), junger Herrscher von Theben, will den Kult des Gottes Dionysos nicht zulassen. Dionysos bewirkt, daß seine Mutter Agaue und seine Tanten ihn als Mainaden in wilder Raserei mit bloßen Händen zereißen, weil sie Pentheus für ein wildes Tier halten.

Perdix: Daidalos hat in Athen seinen Neffen Perdix/Talos/Kalos
(griechisch: Πέρδιξ/ Τάλως/Kάλως; lateinisch: Perdix/Talus/Calus).
Dieser erweist sich als sehr begabt, könnte seinen Lehrmeister
übertreffen, erfindet Säge, Zirkel und Töpferscheibe. Daidalos stößt ihn
aus Neid von der Akropolis. Der Neffe stirbt bzw. wird von der Göttin
Athena/Athene (griechisch: Ἀθηνᾶ/ Ἀθήνη; lateinisch: Minerva) gerettet,
indem sie ihn in ein Rebhuhn verwandelt.

Phaëthon: Phaëthon (Φαέθων; lateinisch: Phaëthon), Neffe des
Sonnengottes Helios, bekommt von diesem einen Wunsch frei und will einen
Tag lang den Sonnenwagen lenken. Phaëthon verliert die Kontrolle über
das Pferdegespann, kommt von der richtigen Bahn am, löst gewaltige
Brände auf der Erde aus, wird von Zeus mit Werfen eines Blitzes gestoppt
und kommt ums Leben.

Phokos: Phokos (Φῶκος; lateinisch: Phocus), Sohn des Aiakos und der Meeresnymphe Psamathe, wird von seinen Stiefbrüdern Peleus und Telamon unabsichtlich oder absichtlich (weil diese wegen seiner Überlegenheit in Kampfübungen neidisch sind oder wegen der Liebe des Vaters zu ihm eifersüchtig sind) getötet (mit einem Diskus, Schwert oder Speer).

Kommentar von koenigscobra ,

Vielen Dank für den großartige Input - genau nach einer solchen Auflistung habe ich gesucht! Es ist selten geworden, dass man solche guten, ausführlichen und fundierten Antworten bekommt - es sei Dir auf jeden Fall für deine Mühe und die Zeit gedankt! 

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten