Frage von WennDuFrisst, 72

Gibt es in den USA echt soviele Arbeitslose?

In den USA hör ich immer wieder ist die Wirtschaft am Ende. Es gibt sau viele Arbeitslose. Eins großartige Industriestädte wie Detroit blühten auf und heute soll es wohl massenhaft Arbeitslosigkeit und Armut geben. Doch ich frage mich, ist das wirklich so? Ist die Lage wirklich schlimmer als in Deutschland?

Antwort
von MrHilfestellung, 24

Dritte Welt Verhältnisse sind dort nicht.

Die Arbeitslosenzahlen liegen nur leicht über den deutschen Zahlen (USA 4,9; Deutschland 4,2).

Das ist im Vergleich zu anderen europäischen Staaten gar nichts.

Das Problem in den USA ist, dass es so gut wie keine Sozialhilfen gibt. Das heißt Arbeitslose rutschen dort viel leichter in die Armut als in Deutschland.

Auch gibt es natürlich viele Menschen, die im Niedriglohnsektor arbeiten und sich ihr Leben auch nicht leisten können. In beiden Staaten, aber in den USA ist die Wirtschaft viel zügelloser.

Problematisch sind in den USA auch die enormen Kosten für Studium, medizinische Versorgung und anderes, was in Deutschland durch Steuern und Beiträge finanziert wird und deshalb nicht nur durch Schuldenmachen finanzierbar ist.

Kommentar von Grautvornix ,

Wobei ich mich mich frage wie genau die Zahlen aus USA sind, unsere Zahlen sind "bereinigt", das ist bekannt.

Aber wie sieht es in USA aus, wenn ich sowieso keine oder nur kurzfristige Unterstützung zu erwarten habe, warum soll ich mich dann arbeitslos melden?

Weiterhin sieht eine Bewerbung, der "einfachen Arbeiter" oft so aus, das ich zu einer Firma gehen kann, meine Kenntnisse schildere, und dann wenn Stellen frei sind, beweisen kann ob ich halte was ich geschildert habe.

Dieses Jobsuchsystem finde ich nicht verkehrt, hier muss ich erstmal eine neue Sprache (Zeugnisgeheimkode) erlernen, und dann einen Kurs in Word, und Anschreiben/ Lebenslauf Techniken, beherschen um dann igenwo einen Job zu bekommen, bei dem in der Stellenausschreibung stand: Schulabschluss nicht erforderlich, stand.

Antwort
von juergen63225, 13

man kann das nur schwer vergleichen, und offizielle Zahlen sind nicht "gefälscht" aber natürlich definitionsabhängig.

wenn es bei uns 43 Mio Erwerbstätige gibt, also ca. 50 der Bevölkerung .. hat man natürlich nicht 50% Arbeitslose. Aber auch wenn man Rentner, Kinder und Kranke (Erwerbsunfähige) rausrechnet, gibt es natürlich Grauzonen (in beide Richtungen), Bezieher von ALG die Schwarz arbeiten, nicht Anspruchsberechtigte, z.B. Hausfrauen, die jahrelang nicht gearbeitet haben, die gerne abeiten würden, oder MiniJobber die eigentlich einen Vollzeitjob suchen. 

Das ist in den USA auch nicht viel anders, die Zahlen dort: 4,9 % Arbeitslosenquote, längjähriger Tiefstand, was den soliden Zustand der Wirtschaft beschreibt, aber regional grosse Unterschiede, und nochmal so viele die schon Arbeit annehmen würden aber nicht als Arbeitslos registriert sind.

Dass es in USA kein Sozialsystem gibt, ist auch ein Vorurteil, gibt es sehr wohl, mag schlechter sein als bei uns aber verhungern muss dort auch keiner oder am Blinddarm sterben, wenn kein Geld für die OP da ist. Und ledige Mütter bekommen auch genug Geld, dass sie die Kinder ernähren können und zur Schule schicken. 

Was anders ist, ist die Flexibiltiät drüben und das Anspruchsdenken hier. (ich weiss, Linke würdem mich für die Ausage verdammen). Aber genau da liegt der grosse Unterschied ... aber allein das Studium der Fragen zu Job und Jobsuche hier erklärt vieles: für Arbeits- oder Ausbildungsplatz 100km weit wegziehen ?? Als Aushilfe im Supermarkt arbeiten, wo man doch was bessers gelernt hat ?? Vom blöden Chef Überstunden auf Auge gedrückt bekommen ?? dafür findet man aber auch viel leichter eine Job, der Arbeitgeber muss nicht mit Subventionen überredet werden einen Arbeitslosen einzustellen, er braucht jemand, zahlt das Gehalt  (Mindestlohn gibts drüben auch) und wenns nicht passt, muss der Kanditat wieder gehen, hat aber ein paar Wochen oder Monate wieder im Arbeitsleben verbracht. Wenns Passt, kann er zeigen was er kann, behält den job, bekommt mehr Geld wenn seine Arbeit mehr wert ist. 

Hier ist der Anteil der Langzeitarbeitslosen viel höher, nicht gut für die Betroffenen, teuer für die Gesellschaft die es finanziert, und auch schlechter für die Wirtschaft.

Kommentar von Grautvornix ,

Biste in der richtigen Gewerkschaft, kann es sein das du mit 2000$ mit 58 nach Hause gehen kannst, bist in der falschen haste Pech.

Antwort
von wfwbinder, 14

Die Lage in den USA ist nicht schlimmer, sondern erstmal anders.

Die USA haben:

1. ein ganz anderes Sozialsystem

2. eine andere Grundeinstellung

Wer in den USA arbeitslos ist, stellt sich praktisch von einen Tag auf den anderen wie hier ein ALG II Empfänger, weil es die Zwischenstufe wie bei uns ALG I, dort nicht gibt.

Das es zur Verslumung wie in Detroit gekommen ist, liegt auch an den üblicher Weise geringeren staatlichen Eingriffen und der sehr hohen Mobilität.

Als in Detroit eine ganze Reihe von Autowerken Dicht machten, weil die Hersteller die geringeren Produktionszahlen auf die anderen, moderneren Standort verteilten, blieben in Detroit eben die zurück, die nicht so mobil waren.

Die Facharbeiter gingen von dort einige TausendKilometer entfernt zu den Werken von VW, Honda Toyota, BMW, Mercedes, oder auch den anderen Standorten von Ford, GM und Chrysler.

Das war so schlimm, das sogar die öffentliche Verwaltung und Infrastruktur zum Teil dicht machte.

Antwort
von Interesierter, 9

Die Arbeitslosenzahlen in den USA sind ähnlich hoch wie bei uns in Deutschland. Nur schafft Deutschland das mit einem ausgeglichenen Staatshaushalt, während den USA über 1 Billion Dollar in der Kasse fehlen. Das heisst, die USA halten die Arbeitslosenzahlen auf Pump künstlich niedrig.

Problematisch in den USA ist auch, dass es dort keine kostenlose Kranken- oder Arbeitslosenversicherung gibt, wie wir sie kennen. Es gibt dort auch kein Kindergeld.

In den USA gibt es auch kein Hartz IV. Was bei uns vielfach als unmenschlich betitelt wird, wäre für die USA ein Segen.

Das heisst unterm Strich, dass gerade Langzeitarbeitslose und chronisch Kranke große Probleme haben.

Das eigentliche Problem der USA ist aber die Schuldenlast. Sowohl die Schulden der öffentlichen Hand, als auch die der privaten Konsumenten. Durch die Aufnahme dieser Schulden wurde über Jahrzehnte Konsum betrieben, der die Wirtschaft stärkte. Heute stehen die USA vor einem riesigen Schuldenberg, der kaum noch bedient werden kann und dessen Zinsen sehr viel des wirtschaftlichen Potentials des Landes auffressen.

In dieser Hinsicht ist Deutschland sehr viel weiter. Bei uns hat man erkannt, dass auf Pump leben irgendwann immer mit dem Bankrott endet. Deswegen wurde bei uns gegengesteuert.

Kommentar von macqueline ,

Da habe ich mich wohl jahrelang betubben lassen, denn ich habe hier Beiträge für Krankenversicherung und Arbeitslosenversicherung gezahlt. Wo kann ich mir diese offenbar zuviel gezahlten Beiträge zurückholen?

Kommentar von Interesierter ,

Die Krankenversicherung und die Arbeitslosenversicherung sind Versicherungen. Du bist gegen das Risiko der Krankheit und der Arbeitslosigkeit versichert. 

Das ist wie mit jeder anderen Versicherung auch. Du bezahlst Beiträge in guten Zeiten, um die Versorgung zu geniessen, wenn der Fall der Fälle eintritt. Wenn du dein Auto gegen Diebstahl versicherst, kommst du ja auch nicht nach 10 Jahren ohne Diebstahl an und verlangst deine Beiträge zurück. Vielmehr stehst du bei der Versicherung auf der Matte, wenn sich ein Langfinger deinen fahrbaren Untersatz gekrallt hat und bekommst dann das Geld von der Versicherung. Das ist dann im Regelfall deutlich mehr als die Beiträge, die du einbezahlt hast. 

Eine Versicherung ist keine Sparbüchse sondern eine Absicherung. 

Antwort
von Grimwulf78, 16

Die Wirtschaft ist nicht am Ende aber viele Amerikaner sind wirtschaftlich am Ende. Der Wirtschaft geht's prima, sie denkt nur nicht im Traum daran den Wohlstand nach unten weiterzugeben. Die Profite behalten die reichen 1 Prozent, denen die Produktionsmittel gehören.

Statt sich zu fragen: Was wäre eine angemessene Bezahlung für die Arbeit? Fragt der Kapitalist: Wie billig kann ich denn Arbeitskräfte für den Job bekommen?

Dem Gesetz von Angebot und Nachfrage folgend, haben die USA in den gering qualifizierten Tätigkeiten ein Überangebot an Arbeitskräften, so dass sich immer noch jemand findet, der den Drecksjob für noch weniger Geld macht. Grund dafür ist, wie Du bereits andeutest, die Verlagerung der "einfachen" Arbeiten ins Ausland.

Dabei ist der Druck auf den US-Bürger durch fehlende soziale Sicherungssysteme enorm groß, wenigstens irgendeine bezahlte Arbeit zu haben. Du weißt ja was Verzweiflung mit Menschen macht.

Die Antwort aus meiner Sicht: Es gibt dort viele Arme. Arbeit zu haben bedeutet in den USA (und mittlerweile auch in Deutschland) nämlich nicht automatisch auch von dem Ertrag dieser Arbeit seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Statistische Zahlen über Arbeitslosigkeit haben demnach einfach keine Aussagekraft darüber wie es den Menschen geht. Wenn ich mit UND ohne Arbeit kein Geld habe, dann ist es reine Kosmetik in welcher Statistik ich lande.

Der Begriff dafür ist: working-poor und ist längst als fester Bestandteil unseres Wirtschaftssystems in den Medien und an den Universitäten gelandet.



Antwort
von Uulzos, 14

Du wirfst hier ja schon einiges durcheinander.

1. "Wirtschaft am Ende" und Arbeitslosen zahlen gehen nicht zwingend hand in hand. Die Grenze zwischen Arm und Reich ist in den USA enorm gross.

Das Bruttoinlandsprodukt der USA ist enorm hoch, wirtschaftlich am Ende ist die USA nicht. Hohe Arbeitslosenzahlen haben sie dennoch.

Glaube es sind ca. 5% in den USA und 4,2% in Deutschland aktuell. ?!

Was nun Studiengebühren hiermit zu tun haben verstehe ich zwar nicht ganz, aber, ja, auch das ist ein enormer Unterschied.

In Deutschland wurden 2014 Studiengebühren abgeschafft. (Private Hochschulen können zwar was verlangen, aber das ist nichts offizielles)

In den USA kostet das Studium PRO JAHR etwa 12-40.000 Dollar.

Das sind enorme Kosten. Müssen diese selbst getragen werden, so verschulden sich Studenten oft für zig Jahre.

Kommentar von WennDuFrisst ,

Ich suche keine blanken Zahlen, die finde ich auch im Internet. Eher Erfahrungen von Leuten die dort waren oder sogar gelebt haben! Vielleicht kam dies nicht ganz rüber. Dennoch danke für die Antwort.

Kommentar von Grautvornix ,

Dort waren.

Ich war bis 2000 einige Male dort auf Montage, in verschiedene
Firmen der Druckbranche, was ich da gesehen und erlebt habe, lies
mich zu dem Schluss kommen, das die der Maschinebaubranche in Europa nichts, oder nicht viel entgegenzusetzen haben.

In Ohio hat mir jemand erzählt, das er in der Weihnachtszeit nach
Detroit geht um dort drei Wochen zu arbeiten, weil dann anscheinend
alle Autowerke Wartung und Reperatur machen.

Er würde dort soviel arbeiten und so gut verdienen, das er davon
einige Monate leben könne ohne zu arbeiten.

Andere haben mir das auf Nachfrage, weil mir das unglaubwürdig
vor kam, bestätigt.

Es gibt, oder gab, dort Vorgänge die hier unvorstellbar sind.

Der Zuständige für die Montage einer neuen Anlage , kam montags
mit dem Flugzeug von Florida nach Chicago, und flog Donnerstag wieder zurück, über einen Zeitraum von drei Monaten.

Ich war immer gerne dort, und habe viele sehr nette Menschen
kennen gelernt, und wir wurden auch von manchen zum Essen nach Hause eingeladen, die Amerikaner die ich dort kennen gelernt habe würde jederzeit Willkommen heißen, aber das System als solches ist nicht so, das ich dort leben wollte.

In anderen Schichten mag es anders aussehen, das kann ich nicht
beurteilen.

In Detroit war ich nur einmal, schön war es da nicht, aber wie
ich es jetzt in TV Berichten gesehen habe, ist es wohl eine
Katastrophe.

Wie gesagt, ist mehr als 15 Jahre her.

Kommentar von WennDuFrisst ,

Danke für die Antwort. Mus ich ersteinmal verdaun. :D

Antwort
von howelljenkins, 26

dritte welt verhaeltnisse und hohe arbeitslosigkeit ist ja nun noch ein himmelweiter unterschied.

bestimmte regionen in den USA sind von arbeitslosigkeit so stark betroffen, dass die leute an der armutsgrenze oder tatsaechlich in armut leben. das ist freilich nicht ueberall gleich.

studium kostet in den USA meistens erheblich mehr als in deutschland. es kann dort aus finanziellen gruenden nicht jeder studieren.

der amerikanische traum ist weitgehend ausgetraeumt.

Antwort
von N0Nentity, 11

Gestern Abend, 25.09.2016,  hat auf einer Talk-Show mit Anne Will der Amerikaner und Trump-Unterstützer Roger Johnson interessante Ausführungen zu Arbeitslosigkeit und Armut in den USA gemacht. (Er sprach von 30. Millionen)
von 321,6 Mill. Einwohnern insgesamt.

Ist etwas lang, aber lohnt sich:

Kommentar von WennDuFrisst ,

Danke für die Antwort. Werde mir angucken.

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