Ich habe mal gehört, daß zu jedem Verurteilten eine Akte angelegt wurde - was aber schwer vorstellbar ist bei der geschätzten Menge an Verurteilungen. Wenn es diese geben sollte, dann auch wirklich für jeden? Kann man das einsehen oder kann das Archiv - wenn es das gibt - überhaupt jemand einsehen?

Die Akten der Inquisitionen in Spanien und anderswo wurden mit Sicherheit nicht nach Rom gesandt. Die sind irgendwo beim örtlichen Klerus verblieben.
Aber der Vatikan hat eine der größten Bibliotheken der Welt (wenn nicht sogar die Größte). Da liegen Relikte aus längst vergangenen Zeiten, möglicherweise auch solche Urteile. Aber diese Bibliothek ist nur zu einem ganz kleinen Teil der Öffentlichkeit zugänglich. Der weitaus größte Teil der Bibliothek / des Archivs wird so geheim gehalten, dass selbst nur ein ganz kleiner Teil des Vatikans Zutritt hierzu hat. Viele dieser Dinge sind auch in unterirdischen Geheimkellern versteckt.

Die meisten Verbrecher versuchen, einmal gemachte Spuren nachträglich so gut wie möglich zu verwischen.

http://www.zeit.de/1998/05/Frommer_Massenterror ,würde mich auch interessieren.Habe aber nur diesen Link gefunden.

Meines Wissens sind die meisten Akten erhalten und befinden sich im Archiv des Heiligen Offiziums. Die Zahl der Opfer ist übrigens weitaus niedriger als gemeinhin angenommen und diese sind nicht per se unschuldig, nur weil die Inquisition sie in den Klauen hatte. So wie es der Kirche um Christi willen gut ansteht, ihre dunklen Kapitel selbst anzusehen und sich ihrer zu stellen, so steht es uns an, nicht auf populäte Irrtümer hereinzufallen. In einer Dokumentation über die Hexenverfolgung wurde deutlich gemacht, dass am Ende die Inquisition sogar der nicht mehr zu beherrschenden Fanatisierung - die sie allerdings selbst initiiert hatten ("Hexenhammer") - entgegentraten und nicht jede angezeigte Hexe auch verurteilten. Scheinbar waren sie schlauer geworden.
Ich persönlich halte jedes Verbrechen für schlimm. Besonders heikel wird es aber, wenn Verbrechen im Namen Gottes vollbracht werden. Die hat es gegeben. Es gab in den langen Jahren der Inquisition aber auch Fälle, in denen ein kritisches Eingreifen der Kirche nötig war. Die Mischung von geistlicher und weltlicher Macht jedoch war und ist zu allen Zeiten problematisch. Und dass man seitens der Inquisition manche verbrecherische Dinge dann sozusagen an die weltliche Macht delegierte, war eine grenzenlose Scheinheiligkeit. Die Verbrennungen erfolgten z.B. unter der Regie der weltlichen Macht. Die Inquisitoren haben selbst keine Verbrennungen durchgeführt - aber veranlasst, gutgeheißen und waren als geistlicher "Beistand" zugegen.
Gruß Barnabas
Starbuck am 10. September 2007 09:48 Eine gute und differnezierte Antwort.

Die "sogenannten Gerichtsurteile"wurden eigentlich immer aufgeschrieben!Kann mir gut vorstellen,das viele Räume damit gefüllt sind .... aber wir werden es sicherlich nie erfahren das bleiben die 3 "G`s" "Gut Geheimgehaltenes Geheimnis"!!
Ich bin sicher, daß sich noch alle Akten im Vatikan befinden. Jeder Verurteilte wurde enteignet, die Hälfte für den Denunzianten, die andre Hälfte der Kirche. Ironie war, daß die Denunzianten wiederum angeschwärzt wurden... So kam die Kirche zu erheblichem Reichtum, natürliche Grundbesitz in rauhen Mengen. Der Nachweis über die Rechtmäßigkeit des Grundbesitzes ist wohl auch in diesen Akten festgehalten.