Frage von ollikanns, 84

Gibt es hier Rollstuhlfahrer. Wie habt ihr euch in der ersten Zeit an die Unbeweglichkeit gewöhnt. Tipps?

Ich sitze jetzt seit 4 Tagen im Rollstuhl und werde fast wahnsinnig, weil ich mich nicht wirklich fortbewegen kann. Ich habe den Arm und den Fuß gebrochen und kann das Ding nicht mal richtig manövrieren. Meine Frau ist den ganzen Tag arbeiten und ich krieg langsam die Krise in meinen vier Wänden. Ich muss hier noch mindestens 6 bis 8 Wochen drin verbringen und brauche unbedingt ein paar Tipps, wie ich mir das Leben leichter gestalten kann.

Antwort
von abibremer, 28

ALLES was Fußgängern als "Stolperfalle" dient, muß weg: Läufer Teppiche und ähnliches Zeug sind nur hinderlich. Am Besten fährt es sich auf glatten Böden..Bei Linkskurven kannst du den rechten Arm unterstützend am Greifreifen nutzen, längere Wege, sofern nicht alles mit Möbeln vollgestellt ist, fährst du am Besten rückwärts, das gesunde Bein verwendend. GAANZ WICHTIG: Niemals vergessen, beim Umsteigen die Bremse(n) einzulegen: So mancher hat sich schon durch eine gerade wegrollende Sitzgelegenheit Knochen gebrochen. Wenn du in absehbarer Zeit wieder laufen kannst wirst du ja langfristig nicht solche "Sitzprobleme" haben, wie sie langjährige Rollifahrer oft bekommen: Nach einem HALBEN Tag bekomme ich Schmerzen im "Sitzfleisch" und im Lendenwirbelbereich. Eine rollifahrende Nachbarin hat durch das ständige "eingeknickt" sitzen Probleme mit Magen und Darm- AUCH NICHT so besonders schön. Als ich meinen ersten Rolli bekam, war ich begeistert, weil ich diese Dinger schon als Kind"toll" fand: Damals fuhren noch jede Menge sog. Kriegsversehrte in großen "Holzkästen" herum, bei denen sie die noch vorhandenen Beine gestreckt vor sich hatten. Als Antrieb hatten diese Apparate zwei lange Armhebel, deren Boxbewegung auf kleine Kurbeln an den großen Hinterrädern wirkten und so für Vortrieb sorgten. So bin ich heute absolut zufrieden, was meine Fortbewegung anlangt: Mein E-Rolli hat eine ordentliche Batteriekapazität, ich weiß, welche Probleme es im öffentlichen Raum, sowie in Verkehrsmitteln gibt und kann es locker "wegstecken", wenn mal etwas nicht so funktioniert, wie es es mir wünschte.


Antwort
von Procter74, 53

Hallo! Das ging mir am Anfang auch so, aber ich dachte dann über eines nach: Es gibt Menschen die müssen den Rest ihres Lebens darin verbringen! Ich hatte das 8 Wochen und habe mich schnell daran gewöhnt! Der Rollstuhl ist nicht Dein Feind, sondern eine große Hilfe in Deiner Situation! Oder willst Du den ganzen Tag nur im Bett liegen? Ist doch auch nicht schön, oder? Du wirst Dich daran gewöhnen, eine andere Lösung gibt es im Moment doch eh nicht! Bitte Freunde darum mit Dir raus zu gehen und Dich zu schieben wenn es geht! Wenn Du "nur" ein Bein gebrochen hast dann lerne mit dem anderen den Rollstuhl zu steuern! Nutze die Zeit zum "üben", es dauert nicht lange dann kannst Du das Teil auch einigermaßen gut bedienen! Mitleid hilft keinem, also SORRY für meine direkten Worte :)! Gute Besserung!

Antwort
von Meerspinne, 27

Weiss nicht ob ich da berechtigt bin zu Antworten, aber mein Sohn sitzt von Geburt an im Rollstuhl. Geh und Steh unfähig.

Wir alle in der Familie haben uns zum üben mal 1 Tag freiwillig in einen gesetzt und auch in der Stadt und beim Einkaufen. War ne krasse Erfahrung.

Klar es gibt unterschidlich gut verarbeitete Modelle mit etwas mehr Komfort, auch beim lenken.

Kann nur raten üben, üben üben und danach mehr Toleranz und Hilfe gegenüber Rollifahren und ihren Begleitern. - Liebe Grüße

Antwort
von Furzer, 42

Durch eine OP wäre ich unter schlechten Umständen ein Rollstuhlfahrer geworden. Man muss sich da echt umstellen. Die Leute tun mir leid.

Kommentar von abibremer ,

ICH möchte NICHT "bemitleidet, sondern WAHRGENOMMEN werden. Wenn mir Leute entgegenkommen, die NICHT mal nach Vorn gucken, sondern NUR auf ihr Smartphone, werde ich langsam aggressiv, weil ich nicht weiß, ob und in welche Richtung einer von uns beiden  ausweichen sollte. Genauso nervig finde ich Leute mit völlig zugestöpselten Ohren, weil die gern im Zickzack vor mir herlaufen und ich oft längere Zeit keine Möglichkeit zum Überholen habe. Die hören das Geklapper, was mein Rolli macht, genausowenig, wie meine schwache Elektrotröte.

Antwort
von YStoll, 39

Im Rollstuhl sitzen und einen Arm nicht benutzen können schränkt die Beweglichkeit echt massiv ein.

Habt ihr Treppen im Haus oder was für Hindernisse bereiten dir die meißten Probleme?

Kommentar von Furzer ,

Wenn ich nach der OP einen Rollstuhl gebraucht hätte, wäre ich wohl aus der Wohnung ausgezogen. Man sollte viel Sport mit Rollstuhl machen und in eine Selbsthilfegruppe gehen.

Kommentar von YStoll ,

Sport im Rolli ist echt gut und wichtig, aber in eine Selbsthilfegruppe muss nun wirklich nicht jeder.

Kommentar von abibremer ,

ICH helfe mir auch GANZ OHNE GRUPPE gut selbst!!!

Kommentar von ollikanns ,

Das schlimmste ist die Toilette. Durch den beschädigten Arm kann ich mich nicht richtig auf die Schüssel heben. Die ganze linke Seite ist außer Betrieb. Daher verliere ich dauernd das Gleichgewicht.

Kommentar von YStoll ,

Man könnte einen Haltegriff neben die Toilette montieren, solche findet man auch bei den meisten Behindertentoiletten.

Stell dir den Rollstuhl möglichst nah vor die Toilette und such nach festen Gegenständen, an denen du dich festhalten und hochziehen kannst. Stelle aber sicher, dass diese wirklich nicht lose kommen können.

Kommentar von ollikanns ,

Da ist nur das Waschbecken. Das hat mich bisher noch ausgehalten. Hoffe, das hält noch eine Zeitlang durch :-)

Kommentar von abibremer ,

Die "Sache mit dem Gleichgewicht" bekommst du mit der Zeit in den Griff: Ich lebe schon seit1997 mit nicht nutzbarer linker Seite. Das Bein reicht gerade so eben aus, dass ich mich Selbstständig umsetzen kann. An der Toilette habe ich einen großen Haltegriff, auf den ich mich stützen kann. In den ersten Tagen (als dieser Griff noch nicht montiert war) nutzte ich einen stabilen großen Heizkörper als Umsetzhilfe. Zum Duschen habe ich einen speziellen Duschstuhl mit Armlehnen rechts und links. Auf einem Hocker OHNE Armlehnen fühle ich mich sehr unsicher. Zusätzlich ist in der Duschecke ein langer Haltegriff "über Eck" montiert.

Kommentar von abibremer ,

Das gibt sich im Laufe der Zeit: ich bin seit 1997 ohne linke Seite und komme weitgehend allein zurecht.

Kommentar von abibremer ,

ärgerlich sind für MICH Türen mit automatischem Schließmechanismus: Ich kann zwar eine Hälfte mit ordentlichem Schwung weit aufstoßen, allerdings knallt mir die dann meist (nur1S(!) gegen den Rolli, sobald ich die "freie Fahrt" nutze .Innerhalb "meines" Wohngebäudes befinden sich Fahrstühle, weil hier nur "Kaputte" wohnen, von denen die meisten froh sind, wenn sie sich noch in der Ebene auf eigenen Beinen vorwärts bewegen können. Bei einigen Geschäften, die eine oder mehrere hohe Stufen im Eingangsbereich haben, frage ich mich immer, ob die Inhaber Geld von Rollifahrern vielleicht nicht gebrauchen können... Zum Glück gibt es immer wieder fleißige Menschen, die sich die Mühe machen, Verzeichnisse über die Rolligängigkeit von Läden, Arztpraxen und öffentlichen Einrichtungen zu erstellen. BEVOR ich mir einen Facharzt für ein mich betreffendes Problem im Internet\Telefonbuch heraussuche, schaue ich in ein solches Verzeichnis: Was nützt mir ein Zahnarzt, bei dem ich zwar einen Termin bekomme, dessen Praxis aber für mich unerreichbar ist?

Antwort
von Shalidor, 25

Och du armer. Kannst dann ja nicht mal zocken. Naja, nen Netflix-Abo tuts auch. ;)

Kommentar von abibremer ,

"arm" bin ich NUR finanziell, ansonsten verfüge ich über einen SEHR reichhaltigen Schatz an Erfahrungen und Wissen. Nebenbei bin ich derart eingebildet, dass ich mich selbst als Dr.Sheldon Cooper auf gewissen Gebieten sehe.

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