Frage von HanzeeDent, 77

Gibt es Handlungen, die grundsätzlich schlecht sind?

Dieses Thema haben wir heute im Ethik-Unterrricht besprochen. Nach meiner Ansicht gibt es keine Handlung, die bedingungslos gegen meine Moral verstößt.

Beispielsweise ist für mich Mord legitim, wenn dadurch Menschenleben gerettet werden.
Rassismus ist in Ordnung, wenn das Opfer selbst rassistisch ist und dadurch erfährt, wie es ist, die andere Position inne zu haben.
Ich will damit sagen, es lässt sich immer einen Fall finden, in dem schlechte Taten das bessere Übel sind. Und manchmal gibt es Fälle, in denen Unzurechnungsfähigkeit zu Unfällen und ungewollten Handlungen führt. (Krankheit)
Die Schwierigkeit liegt darin, zu differenzieren, aus welcher Intention eine Handlung geschieht.

Grundsätzlich wird m. E. ein negativ behaftetes Mittel dadurch geheiligt, dass weiteres Übel verhindert werden kann. Ansonsten ist reine "Rache" und "Bestrafung" unzweckmäßig, weil zusätzliches Leid konstruiert wird, auch wenn das Opfer schlimme Dinge getan hat. (Wobei das nicht häufig der Fall ist. Oft dienen Konsequenzen der Abschreckung.)

Unterscheidungen würde ich bei der Frage nach der Intention sinnvoller finden.
Delikte, die aus Gier, Egoismus und Fahrlässigkeit (Grauzone) entstehen, aber keinen Nutzen für das Allgemeinwohl haben (wie auch immer man das definieren will), sind für mich moralisch verwerflich und verdienen keine Rechtfertigung. Das ist allerdings nicht auf spezifische Handlungen bezogen.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Suboptimierer, 31

Wer die Wörter gut und schlecht / böse in den Mund nimmt, muss eigentlich immer dabei sagen, für wen soll untersucht werden, soll sie gut sein oder für wen schlecht.

Es gibt einige Handlungen, die für ein Individuum direkt schlecht sind (z. B. Folter). Erst im zweiten Schritt kann man schauen, ob dies einem höheren Zweck dient, zum Beispiel Foltern, um einen Gott glücklich zu machen, der die ganze Menschheit dafür belohnt oder Foltern, um die Wahrheit zu finden, die viel Leid der Welt erspart oder oder oder. Da kann man sich beliebig viele Szenarien ausdenken.

Aber für mich gilt, dass wenn jemand einen anderen foltert, mobbt, beklaut,... dass dies direkt, für den Moment gesehen schlecht ist.

Kommentar von HanzeeDent ,

Ja, hier würde ich die Ethik auch, wie du, in 2 Kategorien unterteilen. Die Auswirkungen auf das Individuum und die Allgemeinheit sind einfach zu unterschiedlich.

Kommentar von Suboptimierer ,

Die ganze Ethik ist auf die Allgemeinheit ausgelegt.

Der Egoismus kann nie gut sein, wenn er für die Allgemeinheit schlecht ist.

Ohne den Bezug zur Allgemeinheit ließen sich gar keine Normen und Maximen aufstellen.

Die Ethik lehrt nicht, wie du als Individuum am besten klar kommen kannst. Hier sind wir ab von der Urfrage der Glückssuche, es sei denn, man versöhnt sie mit dem Allgemeinwohl.

Die Schwierigkeit in der Praxis ist, dass nicht sauber getrennt werden kann zwischen guter und schlechter Tat, denn die Taten lassen sich von unterschiedlichen Standpunkten aus betrachten, die meisten Taten bringen sowohl Vor- als auch Nachteile oder haben unkalkulierbare, dem Schmetterlingseffekt ähnelnde Nebenauswirkungen. 

Menschen zu Töten kann gut sein, wenn dadurch die eigene Sicherheit erhöht wird, wenn dadurch die Nicht-Mensch-Natur aufblühen kann oder andere Menschen besser satt werden können. Das mal als krasses Beispiel. Wenn man nach einer durch und durch guten oder schlechten Tat sucht, dann darf man noch nicht werten oder vergleichen. Eine durch und durch schlechte Tat dürfte absolut keinen einzigen positiven Effekt beinhalten und wenn er noch so minimal wäre.

Antwort
von TUrabbIT, 34

Wie steht es mit gewaltsamen sexuellem Missbrauch eines Kindes. Ich sehe kein Szenario in dem dies zu etwas guten Dienen kann, der nachhaltige Schaden der dadurch entsteht kann mMn nicht mit Menschenleben gemessen werden.

Auch bin ich von dem Szenario der Verhaltensspiegelung zur Selbsterkenntnis nicht überzeugt, es mag in einigen Bereichen funktionieren, aber zum Beispiel bei Gewalt nicht.

Kommentar von HanzeeDent ,

Mir fällt es hier auch schwer, den gesellschaftlichen Nutzen zu sehen. Allerdings kann man immer sagen, dass der Täter zu dieser Handlung gezwungen wird, oder es nicht anders kennt. Kann er als "böse" bezeichnet werden, wenn er glaubt im Guten zu handeln?

Anderes Beispiel für Rassismus: (Extremer) Gruppenzwang. Ich denke jeder Mensch kann an einen Punkt gebracht werden, ab dem eine Handlung nicht mehr seiner Kontrolle obliegt.

Kommentar von TUrabbIT ,

Das ist eine gute und schwierige Frage.
Meiner Meinung nach Entschuldigt weder das eine noch das andere die Handlung, macht es doch für das Opfer auch keinen Unterschied. Gut gemeint ist nicht gut gemacht.

Wenn der Täter gezwungen wird, ist es dennoch seine Entscheidung dem Zwang nachzugeben statt selber den Schaden auf sich zu nehmen. Es ist keine leichte Entscheidung und wenige werden diese Entscheidung treffen (können?) aber dennoch wäre es die Richtige Entscheidung.

Kennt er es nicht anders? Ich denke dennoch gibt es im Menschen ein Erkennen ob er jemanden direkt Leid zufügt, auch hier ist es mMn wieder eine Entscheidung oder besser nicht-Entscheidung.

Antwort
von ulrich1919, 13

Ein Beispiel einer Handlung, die grundsätzlich schlecht ist: Eine Vergewaltigung durch ein Täter, der HIV positiv ist.

Kommentar von HanzeeDent ,

Und wenn er gezwungen wird?

Kommentar von ulrich1919 ,

Dann wird jemand zu einer schlechten Handlung gezwungen. Die Handlung wird durch den Umstand des Zwingens nicht weniger schlecht (Das Opfer leidet genauso) Worauf Ihre Frage zielt, ist die Schuldfrage des Täters. Das ist ein separates Problem! Die Schuld wird durch Zwang natürlich verringert; der Charakter der Handlung ändert sich nicht.

Kommentar von ulrich1919 ,

Ich muss noch hinzufügen, dass die Schuld des erzwungenen Täters reduziert ist; die Gesamtschuld aber grösser ist, weil derjenige der die Tat erzwungen hat, jetzt zwei Menschen Leid zugefügt hat. Auch hieran kann man sehen, dass die Tat immer grundsätzlich schlecht ist.

Antwort
von Unarbeiter, 2

Nicht Deine Moral ist ausschlaggebend, sondern die beste Moral, die notwendige Moral. Gut ist, was dazu beiträgt, dass möglichst gutes und gleich gutes Leben für alle entsteht. Schlimm ist, dass dazu beiträgt, dass möglichst gutes und gleich gutes Leben für alle, nicht entsteht. Es geht nicht um die Allgemeinheit, sondern um jeden Einzelnen. Es geht also nicht darum, was ist gut für wem, sondern was ist gut für die Entstehung des Zustandes, in dem alle möglichst gut und gleich gut leben.

Der Milliardär muss teilen. Er muss Geld abgeben. Er hat zu viel gestohlen. Er persönlich profitiert nicht vom Idealzustand (in dem alle möglichst gut und gleich gut leben), aber der Idealzustand profitiert davon, dass der Dieb das viele gestohlene Geld zurückgeben muss. Dieser Idealzustand (Wohlzustand) heißt Gerechtigkeit.

Der Milliardär behauptet, "für mich ist diese Art Gerechtigkeit nicht gut". Den Anderen Fehlt aber das gestohlene Geld. Es geht nicht darum, wessen Interesse ist wichtiger, sondern es geht darum, ob der Wohlzustand entsteht oder nicht. Wer den Wohlzustand (Gerechtigkeit) verhindert, ist niederträchtig. Niedertracht zerstört im Hightech-Zeitalter die Welt. Je entwickelter die Technologien sind, um so gefährlicher sind sie, umso weniger Niedertracht kann sich die Menschheit leisten. Entweder bessert sich die Menschheit (moralisch) 100 prozentig, oder sie stirbt 100 prozentig.

Gut ist, was gut Folgen und hat. Gut ist, wer gute Absichten hat. Gerechtigkeitswillige haben gute Absichten, Gerechtigkeit ist eine sehr gute Folge. Rache ist immer schlimm. In ferner Zukunft wird es keine Abstrafungen mehr geben. Es gibt kein gutes Verbrechen, keinen guten Angriffskrieg, keine gute Rache, keinen guten Mord, keine gute Siegerei, .... weil sie alle Gerechtigkeit verhindern.

Antwort
von Ohyeeees, 29

Erstmal Lob an den Schreiber. Auf diesem Niveau geschriebene Texte sind hier ja nicht gerade Alltag. Betrachtet man den Grundsatz stimme ich dir in jedem Punkt zu. Aus dieser Sicht habe ich das selbst noch nicht betrachtet weswegen es mir schwer fällt eine Antwort auf die eigentliche Frage zu finden. Sollte mir aber etwas einfallen ergänze ich das.

Antwort
von tobiase01, 40

Nicht moralisch wäre halt, wenn man eine Person ohne Grund töten.

Kommentar von HanzeeDent ,

Das wäre aber meiner Meinung nach eine Unterscheidung nach Intention.

Antwort
von catweasel66, 20

Beispielsweise ist für mich Mord legitim, wenn dadurch Menschenleben gerettet werden.

mord wird anders definiert ,was du meinst ist eine tötung.mord kann nicht legitim sein

Kommentar von HanzeeDent ,

Danke für den Hinweis! :)

Ich meinte damit lediglich die Handlung einem anderen Menschen das Leben zu nehmen.

Inwiefern kann man einen Menschen belangen, der zu einer Handlung genötigt wurde? Ich denke jeder Mensch kann zum Mord gezwungen werden, wenn man ihn psychologisch bearbeitet.

Ich denke einer Handlung kann kein moralischer Wert zugewiesen werden, solange die Absicht nicht bekannt ist.

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