Frage von Tiury, 51

Gibt es gute Zusammenfassungen der Parteiprogramme und Gesinnungen?

Hallo zusammen. Das ist meine erste Frage also seid nett. ;P
Aktuell lese ich recht viel zu politischen Themen (Zeitungen etc) und will wissen, welche Partei welche Ziele verfogt? Parteiprogramme findet man wohl nur zu Wahlen. Landesprogramme sind mir weniger wichtig, da es mir eher um "das Ganze" geht. Auf den Seiten der Parteien sind Informationen recht verstreut. Berichte zu Parteien aus den Medien sind veraltet (Wahlen 2013, Landtagswahlen etc.). Daher frage ich mich, gibt es keine Politik-Seiten oder unabhängige Institutionen, die alle Parteiprogramme und vergangene Taten (durchgesetze Gesetze, Debatten, wichtige Äußerungen) verständlich liefern und so einen guten Überblick gewähren? 
Je mehr ich versuche, mich in das ganze politische Geschehen einzulesen, desto mehr fühle ich mich erschlagen. Ich finde einfach keinen "roten Faden" für mich, um mich zielführend über "alles" zu informieren.

Danke im Voraus =)

Expertenantwort
von Unsinkable2, Community-Experte für Politik, 11

Gibt es gute Zusammenfassungen der Parteiprogramme und Gesinnungen?

Nein, die Parteien sind daran nicht interessiert. Das würde ihre wahren Interessen (= nur Macht & Geld) und vor allem ihr Versagen in der Gesellschaftspolitik allzu plakativ offenlegen.

Aktuell lese ich recht viel zu politischen Themen (Zeitungen etc) und will wissen, welche Partei welche Ziele verfogt?

  • Falls du "theoretische Wahlkampf-Ziele" meinst, bist du bei den Partei-Programmen - sie nennen sie gern "Wahl-Programm" oder "Regierungs-Programm" - gut aufgehoben.
  • Falls du "realistische bzw. reale Ziele" meinst: Die gibt es nicht. Parteien sind vor Wahlen grundsätzlich populistisch, um so Wählerstimmen zu fangen. Das schlägt sich in eben diesen "Wahl-Programmen" nieder, indem man Profis ransetzt, die hochgradig weichgespülte und nichtssagende Phrasen basteln.

Parteiprogramme findet man wohl nur zu Wahlen. Landesprogramme sind mir weniger wichtig, da es mir eher um "das Ganze" geht.

Nein, Partei-Programme findest du auch zwischen den Wahlen. Sie werden auf Partei-Tagen beschlossen.

Wenn es dir aber "um das Ganze" geht, dann suche nach "Grundsatz-Programmen". Jede Partei hat so eine Art "Master-Plan", an dem sie sich auszurichten behauptet. (Das ist zwar schlicht gelogen, aber es soll Leute geben, die daran glauben.)

Auf den Seiten der Parteien sind Informationen recht verstreut. 

Auch, wenn ich gern und laut gegen die Parteien wettere: Das lässt sich nicht ändern.

Politik ist ein extrem komplexes und vielfältiges Gebiet. Das kannst du nicht mit BILD-haften Schlagzeilen in 10-Punkte-Listen abhaken. Da brauchst du schon umfangreiche Erklärungen; ganz besonders, wenn du dich an "Normalsterbliche" wendest, die eben nicht bis zum Hals in den Themen stecken, sondern sich normalerweise ganz andere Gedanken machen.

Berichte zu Parteien aus den Medien sind veraltet (Wahlen 2013, Landtagswahlen etc.).

Das ist kein größeres Problem: Politik veraltet nicht so schnell. Selbst das, was vor 10, 15, 20 oder sogar 30 Jahren gesagt wurde, hat heute noch Gültigkeit. 

Daher frage ich mich, gibt es keine Politik-Seiten oder unabhängige Institutionen, die alle Parteiprogramme und vergangene Taten (durchgesetze Gesetze, Debatten, wichtige Äußerungen) verständlich liefern und so einen guten Überblick gewähren? 

Wie gesagt: Nein.

  • Die Parteien haben daran nicht das geringste Interesse. Adenauer (CDU) sagte es mal so treffend, dass ich es hier zitieren will: "Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?
  • Andere "Institutionen" wollen es ebenfalls nicht, weil sie oft eng genug mit der Politik verflochten sind. 
  • Und "unabhängige Institutionen" machen es durchaus, stehen dabei aber vor dem Punkt, den ich oben schon nannte: Politik ist komplex. Es ist fast völlig unmöglich, eine x-beliebige Frage, beispielsweise die nach der "Atompolitik der CDU", mit einem einfachen "Ja, hat sie nach Programm gemacht" oder "Nein, hat sie nicht", abzuhaken. Folglich ist alles, was sich nach "Übersicht" anhört, eigentlich unmöglich. Stattdessen wirst du zu einzelnen Punkten der Arbeit sehr umfassende und informative Hintergründe erfahren können, musst dir aber am Ende selbst eine "Übersicht" stricken.

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Je mehr ich versuche, mich in das ganze politische Geschehen einzulesen, desto mehr fühle ich mich erschlagen. Ich finde einfach keinen "roten Faden" für mich, um mich zielführend über "alles" zu informieren.

Ich kenne dieses Gefühl nur zu gut.

Mein Rat: Lass die Idee mit dem gleichzeitig horizontalen und vertikalen "Gesamt-Überblick" los! Konzentriere dich stattdessen auf für dich selbst wichtige Einzelthemen.

Informiere dich zu Einzel-Themen und verschaffe dir "nur" einen horizontalen Überblick zu den Parteien. Also etwa: "Thema Integration: Welche Partei macht hier was?" ... und daraus ableitend: "Was finde ich daran - und zwar unabhängig vom Namen der Partei - gut? Was nicht?"

... dann das nächste Thema. Und dann das nächste, und so weiter...

Das erleichtert das Verständnis, weil du dich so besser "einarbeiten" kannst. Und wenn du die Themen NACH DEINER EIGENEN WERTIGKEIT sortierst, bekommst du ziemlich schnell einen guten Abriss zu den Parteien. Nicht "über alles", aber sehr wohl "über alles Wichtige".

Kommentar von Tiury ,

Vielen dank für die ausführliche Antwort. Damit kann ich definitv etwas anfangen.
Da du dich selber mit den Themen auseinandersetzt hätte ich noch eine Folgefrage. Hast du "Lieblingsseiteien" oder Medien die du weiterempfehlen würdest? Neben den großen wie Zeit, Focus etc. ?

Kommentar von Unsinkable2 ,

Hier - http://www.nachdenkseiten.de/ - findest du IMMER einen guten Ausgangspunkt für weitere Recherchen und kritische Fragen.

Antwort
von Philippus1990, 13

1. Es gibt keine unabhängigen Institutionen. Nirgendwo. Keine Organisation, kein Verein, kein Mensch ist nicht irgendwie doch interessengeleitet. Was es gibt sind Medien, die versuchen objektiv zu berichten - aber auch diese gehören jemanden und sind somit irgendwie doch interessengeleitet.

2. Es bietet sich daher an sich zu wichtigen Sachverhalten immer aus mehreren Quellen, die politisch unterschiedlich orientiert sind, zu informieren. Bei streitigen Punkten sollte man beide Seiten anhören, abwägen und sich dann nach für eine Seite entscheiden.

3. Politisches und historisches Wissen eignet man sich nicht an einem Tag an. Das braucht Zeit. Regelmäßig Zeitung lesen hilft. Was ich zudem ganz gut finde ist der Wahl-O-Mat. Dort werden einzelne Positionen der Parteien verglichen: http://www.bpb.de/politik/wahlen/wahl-o-mat/

Kommentar von Tiury ,

1. Das eine objektive Meinung praktisch unmöglich ist ist mir klar. Ich hatte eher an eine Art "Faktenbringer und nicht mehr" gedacht.

2. Werde ich wohl so machen, die Sachverhalte sind wohl alle komplizierter als ich es gerne für mein Verständnis hätte.

3. Ein politisches Nachschlagewerk für einzelne Parteien währe echt gut. (Neben Wikipedia o.ä.) >.<

Antwort
von soissesPDF, 12

Parteiprogramme nutzen Dir nichts, dieses blabla ist Papier nicht Wert auf dem zu gedruckt wird.

- CDU = Mathäus Evangeleium "wer hat dem wird gegeben werden, wer
  nichts hat dem wird genommen werden.
  Wirtschaftshörig bis auf die Knochen

- SPD = nicht sozial, sondern neoliberal "wenn jeder an sich selber denkt ist
   am Ende an jeden gedacht"

- Grüne = Utopisten, heillose Träumer, die ihre Ideen nicht selbst bezahlen,
  sondern das Leben teurer machen

Bleiben nich AFD und Die Linke muss man sich nicht näher anschauen, werden beide keine Regierungspartein.
Die einen drehen rechtsherum, die anderen linksherum.

Antwort
von pritsche05, 20

Du soltest lernen bei der schreibenden Zunft zwischen den Zeilen zu Lesen. Ist nicht einfach aber man kann es lernen. Glaube nicht alles was dir die Medien als " Nachrichten " verkaufen, ich habe den Verdacht, das vieles von dem was wir über die Medien zu höhrem sehen und Lesen bekommen zensiert ist ! Bilde dir deine eigene Meinung !

Kommentar von Tiury ,

Das nicht alles von Medien gesagt wird was gesagt werden könnte ist wohl normal, Die Frage hier wäre ob es Medien gibt (wahrscheinlich dann "Aussenseiter") die möglichst Meinungsfrei (ja, geht wohl nicht zu 100%) Fakten liefern

Kommentar von pritsche05 ,

Ja, das ist leider so, die Bevölkerung könnte ja zu viel erfahren !

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