Frage von Charly353, 10

Gibt es gute Alternativen für eine lange, vollstationäre Behandlung von Anorexia nervosa in Bielefeld oder NRW?

Eine sehr gute Freundin von mir (17 Jahre) ist seit einigen Tagen wegen akuten Untergewichts infolge einer Essstörung im Krankenhaus. Eigenen Angaben zufolge hat die Magersucht ihren Auslöser nicht in Magerwahn oder ähnlichem, sondern in psychischen Belastungen. Sie hat das lebensgefährliche Risiko nicht gesehen, ist nun aber sehr einsichtig und isst alles auf, was man ihr gibt. Man hat ihr 1 Woche Schonfrist eingeräumt, da sie partout nicht in ein Anorexie-Programm aufgenommen werden will, das sie aus allen Strukturen rausreißen würde. Solange ist sie also unter dem Status "lebensbedrohlicher Zustand" im Krankenhaus, macht aber kein Anorexieprogramm mit. Für die Zukunft möchte sie, wenn überhaupt, eine kurze stationäre Behandlung, lieber aber eine ambulante Therapie, regelmäßige ärztliche Kontrollen etc etc. Da sie aber minderjährig ist und die Ärzte ihr Gewicht als lebensgefährdend einstufen, könnte das schwierig werden.

Meine Frage: Gibt es ambulante THerapieeinrichtungen oder Individuallösungen oder nicht ganz fremdbestimmende stationäre Behandlungen in Bielefeld oder NRW, die man als Kompromiss anführen könnte, sodass sie nicht in das ihr vorgeschlagene Programm (auf unbestimmte Zeit) muss, die Ärzte sie aber nicht per Klage gegen die Eltern wegen Kindeswohlgefährdung irgendwo reinzwängen. Unsere Sorge ist, dass sie dann erst recht Esstörungen entwickelt, da sich bei ihr die Problematik nicht primär ums Essen dreht, sondern um psychische Belastungen, durch die sie das Essen quasi vergessen hat und außerdem hat sie ihren Zustand schlichtweg verkannt. Es wäre echt toll, wenn jemand noch ein paar Adressen wüsste. Vielen Dank im Voraus!

Antwort
von moopel, 5

Also eine stationäre Behandlung ist durchaus immer das beste. Ich merke es selbst an mir... mit 17 entscheiden die Eltern noch und die sollten eine vernünftige Entscheidung machen. Viele erkrankte Menschen wollen erst nicht in eine Klinik, aber nah einiger Zeit akzeptieren Sie dies und lassen sich darauf ein. Je nach Patient kann man nach 3 Monaten raus, manche sind aber auch über 1 Jahr drin. Der Nachteil daran ist, dass man einen ganz anderen Alltag erlebt und sobald man nach hause darf, sind manche mit diesem Alltag wieder überfordert. 

Eine ambulante Therapie wäre auch eine Möglichkeit. Das kann unterschiedlich ablaufen. Sicherlich wird sie regelmäßig zum Hausarzt zum wiegen müssen, zum Therapeuten zur psychologischen Behandlung. Ich musste noch zur Ernährungberatung und wurde in einer Tagesklinik noch betreut. Der Vorteil ist sicherlich, dass man nicht aus dem Alltag gerissen wird. Allerdings ist die Behandlung bei weitem nicht so intensiv und dauert durchaus länger.

Wenn Sie den weg einer ambulanten Therapie wählt, dann werden die Ärzte sie nicht verklagen, denn die Eltern haben ja einen Weg der Heilung gewählt. So schnell klagen die nicht. Kindeswohlgefährung liegt nur vor, wenn sie keine weiteren Schritte einleiten oder ihre Tochter nicht kontrollieren, dass sie an den Maßnahmen teilnimmt.

Ich weiß das von vielen mitpatienten, die auch mit sehr niedrigen gewichten eine ambulante Therapie machten. Wenn der Hausarzt das kontrolliert und sie sich darauf einlässt, ist das kein Problem. Es ist schließlich auch eine Art der Therapie. Zudem würde es ja nichts bringen sie stationär einzuweisen, wenn sie sich darauf nicht einlässt. Dann würde sie da keine Erfolge machen und man würde sie wegen nicht-therapierbar ausweisen im schlimmsten Fall.

Viele machen es wirklich so, dass sie eine ambulante Therapie machen um eine Klinik zu umgehen. Sich aber nach einiger Zeit doch in eine Klinik begeben, weil mit der Behandlung die Einsicht kommt. Oder sie überbrücken die Wartezeit bis sie einen Klinik Platz haben  so (und das kann durchaus lange sein). Ich habe mit 38 kg bei 161 cm mehrere Monate gewartet...

Adressen aus deiner Umgebung habe ich leider nicht. Aber du kannst mal nach Tageskliniken in deiner Umgebung suchen und dort nach Informationen fragen. Ansonsten gibt es auch Beratungsstellen in jeder größeren Stadt, die auch Angehörige und Freunde beraten. Hier auf dem Links kannst du auch ein wenig finden

https://www.anad.de/informationen/?gclid

http://www.bzga-essstoerungen.de/index.php?id=29

Kommentar von Charly353 ,

Vielen Dank für die ausführliche Einschätzung. Das war sehr hilfreich!

Kommentar von moopel ,

Kein Ding :) 

Antwort
von Playermuc, 4

Also ich denke eine richtige stationäre Therapie wäre wichtig. Weg von den Problemen daheim oder der Umgebung. Wie lange das dann dauert ist von Person zu Person unterschiedlich. Sie sollte sich dir Zeit nehmen und es einmal anständig machen. Es ist bei jedem Essgestörten so, dass der Grund in einem psychischen Problem oder einer Belastung gründet. Das Aussehen ist nur der Schrei, den man nicht verbal äußern kann. Die Klinik am Korso in Bad Oyenhausen ist ein Kompromiss. 

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