Frage von fred123123, 99

Gibt es "geringe Sozialhilfe" für Geringverdiener?

Beispiel: Ich verdiene mit meinem Job um die 700€ Brutto. Selbst bei sparsamen Lebensstil lebt man damit ja ziemlich, wenn nicht schon unter, der Grenze des Machbaren. Gibt es in diesem Fall die Möglichkeit eine kleine staatliche Unterstützung zu bekommen, um die Existenz abzusichern? Oder wird einen das Amt einfach sagen: Dann müssen sie sich eben einen Job mit höheren Gehalt suchen.

Expertenantwort
von isomatte, Community-Experte für Arbeitsamt, Geld, Jobcenter, 46

Das kommt darauf an wie alt du bist und mit wem du zusammen wohnst,was du an KDU - Kosten für Unterkunft und Heizung ( Warmmiete ) zu zahlen hast und was du Netto bekommst !

Würdest du noch keine 25 sein und bei deinen Eltern / Elternteil leben,dann könntest du schon mal kein unabhängiges ALG - 2 vom Jobcenter beziehen,denn das wäre dann auch vom Einkommen / Vermögen der Eltern abhängig.

Erst mit 25 würdest du dann unabhängig vom Einkommen / Vermögen der Eltern ALG - 2 beziehen können,wenn du mit deinem anrechenbaren Nettoeinkommen deinen Bedarf nach dem SGB - ll ( ALG - 2 ) nicht decken könntest.

Sicher wird das Jobcenter dann von dir verlangen dein Einkommen zu steigern,dass du deine Bedürftigkeit verringerst oder besser noch beendest.

Vorrangig würde dir Wohngeld zustehen,wenn du Eigentümer / Mieter von selber bewohntem Wohnraum bist und das geforderte Mindesteinkommen erreichen würdest.

Könntest du dann mit deinem Nettoeinkommen + Wohngeld deinen Bedarf decken,der dir vom Jobcenter zustehen würde,dann müsstest du Wohngeld beantragen.

Einen kostenlosen Rechner findest du im Internet.

Würdest du ALG - 2 beim Jobcenter beantragen,dann hättest du auf dein Bruttoeinkommen Freibeträge nach § 11 b SGB - ll,dass würden dann vom Bruttoeinkommen erst mal 100 € Grundfreibetrag sein,ab 100 € - 1000 € Brutto 20 % und von 1000 € - 1200 € Brutto noch mal 10 % Freibetrag.

Dann würden diese Freibeträge addiert,theoretisch vom Nettoeinkommen abgezogen und das würde dann dein anrechenbares Einkommen ergeben,dass dann ggf.mit anderen anrechenbaren sonstigen Einkommen auf deinen Bedarf angerechnet würde.

Mal ein Beispiel :

Du bist Single und würdest für deine KDU - Kosten der Unterkunft und Heizung ( Warmmiete ) 300 € zahlen,dann stünde dir mit deinem derzeitigen Regelsatz ( für den Lebensunterhalt ) von 404 € min. ein Bedarf von 704 € zu.

Auf deine 700 € Brutto würdest du angenommen 560 € Netto bekommen,auf dein Brutto stünden dir dann erst mal diese 100 € Grundfreibetrag zu,es bliebe dann ein Überhang von 600 € ( 100 € - 1000 € Brutto ) und darauf stünden dir noch mal 120 € ( 20 % ) an Freibetrag zu.

Dein gesamter Freibetrag würde dann bei 220 € liegen,abzüglich von den angenommenen 560 € Netto blieben hier 340 € anrechenbares Einkommen,dein Bedarf läge aber bei min. 704 €.

Dir stünde dann also eine so genannte Aufstockung von min. monatlich 364 € zu.

Kommentar von fred123123 ,

Danke für die ausführliche Antwort, top!

Wie sieht das ganze denn aus, wenn ich unter 25 bin aber nicht mehr im Elternhaus wohne? Fällt der Anspruch dann in jedem Fall weg? Oder kann ich trotzdem Wohngeld oder Aufstockung bekommen?

Kommentar von isomatte ,

Wenn du nicht mehr bei deinen Eltern wohnst kannst du erst einmal nicht mehr auf die elterliche Wohnung verwiesen werden,hättest also erst mal dem Grunde nach Anspruch auf ALG - 2 als Aufstockung bzw.vorrangig dann Wohngeld,wenn du nicht mehr in Erstausbildung bist und somit dann vorrangig deine Eltern unterhaltspflichtig wären  !

Würde keine Leistungsfähigkeit bestehen,dann käme BAB - von der Agentur für Arbeit in Betracht,aber dann würde das Wohngeld schon mal flach fallen,wenn du alleine wohnen würdest.

Es würde dann darauf ankommen was du an Warmmiete zahlst,danach richtet sich erst mal so grob dein Bedarf nach dem SGB - ll.

Für das Wohngeld bräuchtest du dann von deinem Bedarf der dir nach dem SGB - ll zustehen würde ein Mindesteinkommen von 80 %.

Würdest du das nicht ganz erreichen könntest du nachweisen das du mit Vermögen deinen sonstigen Lebensunterhalt decken kannst,denn Wohngeld ist nur ein Zuschuss zur Miete und soll nicht den Lebensunterhalt decken,dazu ist dann das ALG - 2 vom Jobcenter da.

Kommentar von fred123123 ,

Ich meine mal gehört zu haben, dass bei unter 25 jährigen, nicht mehr im Elternhaus wohnenden, Leuten bei Antragstellungen auf ALG2 gesagt wird, dass man eben wieder in sein Elternhaus ziehen soll.

Kommentar von isomatte ,

Sagen und Fordern sind zwei verschiedene Sachen,es gibt keine Rechtsgrundlage die dies erlauben würde !

Anders wäre es wenn du aus einer bedürftigen Familie kommen würdest,also auch mal mit deinen Eltern zusammen ALG - 2 bezogen hast und dann ohne Zusicherung vom Jobcenter ausgezogen bist und jetzt deinen Bedarf nicht aus eigenem Einkommen sichern kannst.

Du müsstest dann unter 25 min. so viel Nettoeinkommen haben,dass du deinen Bedarf selber decken kannst,bedeutet,du müsstest dann derzeit min. 404 € für den Lebensunterhalt ( Regelsatz ) haben + deine KDU - Kosten der Unterkunft und Heizung.

Wenn du das dann hättest könntest du auch ganz normal einen ALG - 2 Antrag stellen und aufstocken.

Würde nämlich ein junger Erwachsener bei den bedürftigen Eltern ausziehen,ohne das es seinen Bedarf aus eigenem Einkommen decken kann und keine Zusicherung zur Kostenübernahme vom Jobcenter hätte,würde keine Kosten für die KDU - bekommen.

Dann gäbe es nur den gekürzten Regelsatz,also den was es bei den Eltern auch gab und wenn es noch Kindergeld geben würde wird auch das bis auf max. 30 € Versicherungspauschale auf den Regelsatz angerechnet.

Nicht den Fehler machen und beim Jobcenter nachfragen,auf jeden Fall einen Hauptantrag stellen,findest du alles im Internet,denn nur gegen einen Bescheid kannst du dann auch einen schriftlichen Widerspruch einlegen.



Kommentar von fred123123 ,

Auf Gutefrage habe ich folgenden Beitrag gefunden:

"Das Jobcenter kann Dich auf die Wohnung Deiner Eltern verweisen, wenn dem nicht schwerwiegende soziale Gründe entgegen stehen ( § 22 Abs. 5
SGB II)
Allerdings kann kein Jobcenter dieser Welt Deine Eltern zwingen, Dich wieder bei sich aufzunehmen. Mit dem Ergebnis, daß Dir dann am Ende doch wieder Hartz IV in voller Höhe und auch inklusive einer WOhnung zu gewähren wäre."

Ist das also falsch?

Kommentar von isomatte ,

Dann gib doch mal den § 22 Abs. 5 SGB - ll im Internet ein !

Ich habe doch schon geschrieben das du deinen Bedarf erst einmal selber decken können musst,dass ist insbesondere der Fall wenn du aus einer Familie kommen würdest die ALG - 2 bezogen haben bzw.beziehen.

Dann kannst du zwar unter 25 jeder Zeit ausziehen,aber wenn du mit dem Hintergedanken ausziehst um dann volles ALG - 2 inkl.der KDU - zu bekommen,dann sieht es schlecht aus.

Das trifft dann natürlich auch zu wenn du dir eine Unterkunft anmietest die du dir mit deinem Einkommen gar nicht leisten kannst und dann sind wir wieder bei deinem Bedarf den du erst einmal selber decken können musst und dann gibt es auch mit einer Aufstockung unter 25 keine Probleme mit dem Jobcenter.

Antwort
von walthari, 52

...du kannst eine Aufstockung z.B. vom ALG2-Amt bekommen wenn du trotz Job+Gehalt immernoch unter der Existenzgrenze lebst....Existenzminimum liegt bei etwa 1000Euro/Monat.


Kommentar von isomatte ,

Wenn das so wäre,könnte man als ALG - 2 Empfänger erst mal zufrieden sein,ist es aber nicht,denn das hängt davon ab was man an KDU - Kosten der Unterkunft und Heizung ( Warmmiete ) zu zahlen hat !

Die Regelleistungen sind in der ganzen Bundesrepublik gleich,so würde z.B. einem Single der eine KDU - von 266 € zu zahlen hat inkl.des derzeitigen Regelsatzes ( Regelleistung ) von 404 € ein Existenzminimum von 670 € zustehen.

Bei einer KDU - von 396 € würden es dann min. 800 € sein.

Antwort
von kevin1905, 41

Du kannst grundsätzlich aufstockend ALG II beantragen bzw. Wohngeld. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Antwort
von beangato, 77

Geh ins Jobcenter und beantrage aufstockendes ALG II.

Antwort
von kaffeeontour3, 44

klar....du kannst zb. einen antrag auf wohngeld stellen..

Kommentar von isomatte ,

Dazu muss man aber unter anderem Eigentümer / Mieter von selber bewohntem Wohnraum sein und dazu braucht man auch noch ein Mindesteinkommen !

Das der Fragesteller all diese Voraussetzungen erfüllt lässt sich aus der Frage nicht erkennen.

Kommentar von kaffeeontour3 ,

eine berechtigung prüfen- und ggf. einen antragstellen kostet nichts..

Kommentar von isomatte ,

Wenn man selber kein Eigentümer / Mieter von selber bewohntem Wohnraum ist,dann gibt es auch nichts zu prüfen und einen Antrag stellen kann man sich dann erst recht sparen !

Zeit ist bekanntermaßen auch Geld.

Kommentar von kaffeeontour3 ,

in wieweit was zu prüfen möglich ist, obliegt dem fragesteller..

nun ja, wer dann seine zeit damit verbringt in endlosschleife fragen zu beantworten/kommentieren, der hat wohl das privileg millionär zu sein^^

Kommentar von fred123123 ,

Ich sehe, das Problem wird wahrscheinlich erstmal sein, mit einem so geringen Gehalt eine Mietwohnung zu finden.

Ich ziele zwar auf kleine, günstige 1-Zimmer Wohnungen ab, der Vermieter jedoch wird sicher auch dort Leute mit höheren Gehalt haben, die Interesse an der Wohnung haben (Pendler z.B.).

Wären die Aussichten mit 700€Brutto auf Wohnungen im 300-350€ Warm bereich wirklich so düster?

Kommentar von kaffeeontour3 ,

wenn du eine wohnung im bereich dieses preissegments bekommen solltest, was bleibt dann noch zum leben? bei 700.- brutto ist dann netto ja kaum noch was zum leben übrig. da geht es den hartz4 beziehern schon finanziell besser..

Kommentar von isomatte ,

Bei 700 € Brutto bekommst du ggf.560 € Netto auf dein Konto,dann blieben dir evtl.vorläufig noch 260 € - 200 € und dazu kommt dann min. noch der monatliche Abschlag für den Haushaltsstrom,von den Rundfunkgebühren könntest du dich ja befreien lassen,oder zumindest eine Ermäßigung beantragen !

Aber du musst dann ja in der Regel noch eine Kaution von 3 Monats Kaltmieten an den Vermieter zahlen.

Davon abgesehen,es bliebe dir dann von deinem Netto nicht mehr viel zu Leben übrig,man muss ja auch immer mal mit einer Nachzahlung rechnen,wenn dann die Jahresendabrechnung erfolgt und man will sich ja außer Essen auch mal was neues an Kleidung kaufen und evtl.mal ausgehen und Urlaub machen.

Antwort
von AndreasSieg, 40

Dir steht ALG 2 zu, beantrage das bitte!

Kommentar von isomatte ,

Woher kommt deine Erkenntnis ?

Kennst du dir persönlichen Verhältnisse des Fragestellers ?

Denn diese sind entscheidend für eine evtl.ALG - 2 Leistung.

Kommentar von AndreasSieg ,

ok, geb dir recht, ich bin von einer normalen Warmmiete ausgegangen, aber da habe ich wohl über's Ziel hinausgeschossen

Kommentar von isomatte ,

Mit 700 € Brutto und einem Netto von angenommen 560 € kann man sicher nicht von einer normalen Miete ausgehen !

Den Vermieter möchte ich dann mal sehen,der einem dann mit diesem Einkommen eine Wohnung vermietet,ggf.ein Zimmer,aber es soll ja auch Ausnahmen geben,man weiß es eben nicht.

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