Nochmal eine Weinfrage: Mir ist aufgefallen, dass es Weinflaschen mit klassischen Korken und solchen aus, ich vermute mal Plastik, gibt. Sagt mir das etwas über die Qualität des Weines? Wenn nicht, welche Vorteile hat der eine oder andere?

Mittlerweile werden bei der Abfüllung auch Korken aus Glas verwendet, die quasi mit einem "Klickverschluss" ausgestattet sind.

Der klassische Korken ist eine Naturprodukt, er wird aus der Rinde der Korkeiche gewonnen, wobei die Rinde immer wieder (langsam) nachwächst. 90% der weltweit produzierten Naturkorken kommt dabei aus Portugal! Weil dies alles so ist und immer mehr Menschen immer mehr Wein kaufen, wird echter Kork langsam knapp! Die Winzer sind also gezwungen, sich nach Alternativen zum Althergebrachten umzusehen, als da wären: Kunststoffkorken und Schraubverschluss.
Der Kunststoffkorken erlaubt immerhin noch das sinnliche Erlebnis des Entkorkens (und die showmäßige Einlage des Hausherrn beim Bedienen des Axel-Schulz-Superkorkenzieherdings), während mit einem Schraubverschluss eher Billig-Wein der Marke "Pennerglück" assoziiert wird, nur knapp oberhalb von EU-Vergorenem in Tetrapacks angesiedelt...
Das dies allerdings nur ein hartnäckiges Vorurteil ist, habe ich bei einem Besuch eines Winzers in der Pfalz erfahren dürfen. Ein Schraubverschluss ist die lebensmitteltechnisch sauberste Art, eine Flasche zu verschliessen. Zudem kann bei einem Schraubverschluss oder einem Korken aus Kunststoff ein Wein kaum je "korken", also Luft durch einen undichten Naturkorken ziehen und damit den Geschmack des Weines verderben.
Allerdings hat eben genau dieses Vorurteil auch reale Auswirkungen: weil viele Menschen Schraubverschlüsse ode Kunststoffkorken als minderwertig ansehen, werden große Weine i.d.R. immer noch mit Naturkorken verschlossen. Aber immer mehr Winzer versuchen (nicht auch zuletzt aus Kostengründen) die Verbraucher an Kunststoffkorken oder Schraubverschlüsse zu gewöhnen.
Kräuseln Sie beim Anblick eines Schraubverschlusses also nicht gleich die Lippen, sondern lassen Sie Ihre Zunge entscheiden!
Plastik-"Korken" oder Schraubverschlüsse haben noch einen weiteren, nicht ganz unerheblichen Effekt. Der Geschmack des Weines wird nicht durch den Kork verfälscht. Der gleiche Wein, einmal mit Naturkork und einmal mit Plastik verschlossen, wird unterschiedlich schmecken.
Der Unterschied ist hauptsächlich deswegen,weil manchmal bei Korkverschluss der Wein Luft zieht und dann schmeckt der Wein nach Kork.In feinen Restourants schnüffelt der Kellner auch vor dem Einschenken am Korken.Der Vorurteil,dass nur billige Weine mit Kunststoffkorken versehen sind hat sich in letzter Zeit gewandelt.In vielen Weingütern werden Schraubverschlüsse mit flachen Kunststoffplättchen verwendet.Der Geschmack verändert sich da nicht und dem Winzer bleiben Reklamationen wegen Korkgeschmack erspart.
Bei den natürlichen Korken gelingt es nicht immer Bakterien abzutöten bzw. es entsteht irgendwo im oder nach dem Herstellprozezess Trichloransiol (TCA. Das ergibt dann einen leicht "modrigen" "Kellergeschmack". Der Wein ist auch deshalb nach einer relativ geringen Lagerzeit "umgekippt". Das auskochen der Korken tötet die Bakterien nicht ganz im Innern ab, da dort - wegen der guten Isolierfähigkeit des Korkens - gerade eine angenehme Temperatur für die Bakterien entsteht. Später hat man dann auch Mikrowellen benutzt, was das Problem sicher besser angeht. Vor Jahren sagten die Weinhändler: Der Trend gehe mehr nach jungen Weinen. Evtl. deswegen? Der Kunstkorken ist eine wunderbare Lösung. Auch kommt es nicht mehr zu Flüssigkeitsverdunstung bei guten Weinen, die lange gelagert werden. Heute gleicht man durch "Umkorken" (alle paar Jahre) den Verlust durch längere Korken oder durch Einbringen von Glaskugeln aus, damit nicht zuviel Luft über dem Wein zu stehen kommt.