Frage von Kanada11, 53

Gibt es eine kollektive Ignoranz?

Wie kommt diese zustande, und wie funktioniert, passiert der Aufbau einer solchen kollektiven Ignoranz?

Antwort
von frederick, 36

"Kollektive Ignoranz" ist wohl das psychisch ausgelöste Gegenteil der kollektiven Intelligenz: Was in der von Dir beschriebenen Situation (siehe: „zerstreut“ und Kommentaraustausch) die Anwendung kollektiver Intelligenz behindert, ist wohl mehr die individuelle, aber überwiegende Überzeugung, hinreichende Kenntnisse (z. B. in der Ersten Hilfe) nicht zu besitzen und sich also eher zu blamieren. Diese Angst, SOZIALE ÄCHTUNG (Blamage) zu erleiden, hemmt sogar eine sinnvolle Abwägung, ob durch aktives, aber fehlerhaften Eingreifen oder durch die bloße Passivität ein größerer Schaden für das begaffte Opfer entstehen könne. Die Anonymität, die mit wachsender Größe der gaffenden Gruppe wächst, bietet Schutz: Die anderen tun ja auch nix! Ergo: Wenn man nichts tut, aber nur anonymer Teil der Gruppe war, dann trifft einen auch kein (individueller) Vorwurf – tut ein Einzelner etwas, dann wird dieser auch individuell angreifbar. 

Die Angst davor, etwas Falsches zu tun, wird durch das Anwachsen der gaffenden Gruppe nur mehr verstärkt: Obgleich mit jeder weiteren Person, die auf die Gruppe aufmerksam wird und sich der Neugier anschließt, die Möglichkeit größer wird, dass einer endlich wirklich Hilfe leistet, wird andererseits die Angst vor kollektiver Ächtung größer.

Die (individuelle) unterstellte Erwartungshaltung ist dabei der Hemmschuh. Es kann ausreichen, wenn einer von hinten, der vllt gern helfen möchte, aber nicht kann (weil er nicht durch die Gruppe gelangt oder weil er sich selbst als inkompetent einschätz) oder noch nicht einmal weiß, worum es geht, weil er gar nichts sehen kann, ausruft: „Jetzt tu’ doch endlich einer was!“ Denn diese Aufforderung reduziert die Erwartungshaltung schlagartig: Plötzlich wird jeder Versuch, auch nur das Geringste zu tun – Hauptsache, es ist eine aktive Haltung – der Gruppe gegenüber legitimiert. Eine Lösung und kollektive Hilfe wäre angestoßen… Und dann bist Du wieder oben: kollektive Intelligenz, denn zur kollektiven Intelligenz gehört auch, dass eine Gruppe zur Problemlösung schreitet. Selbst wenn nun einer vortritt, der überhaupt keine Ahnung hat, so kann sein Geständnis – „Aber ich weiß doch gar nicht, was ich tun kann!“ – den nächsten enthemmen, der vllt glaubt, dann wenigstens etwas mehr beitragen zu können.

Antwort
von Dahika, 37

Natürlich gibt es kollektive Ignoranz. Guck dir Pegida und die anderen Flachpfeifen an.

Antwort
von NAMBDO, 41

kollektive Ignoranz entsteht durch Gruppenbildung und äußert sich durch eine Person die eine Außenseiterrolle einnimmt

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