Frage von Thelostboy342, 3.379

Gibt es eine Chance sein Geld für Rock am Ring wiederzukriegen?

Es war nach Disturbed. Der krasseste Sturzregen den ich je erlebt habe, bekannterweise Gewitter.
Zelt halb zerstört und überflutet.

Heute die Hälfte der Shows abgesagt. Ab 20 uhr evtl auch ausfall der konzerte.
Möglichkeit besteht auch dass der komplette morgige tag ausfällt, da eine noch größere Gewitterfront kommt.

Kann ich iwie meine 185€(!) zurückbekommen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von deimud123, 1.990

******ACHTUNG******

Zunächst: Ich bin Jurist, beanspruche also mehr Ahnung von der Materie zu haben, als manch lächerlicher Besserwisser hier.

Zu deiner Frage, Thelostboy342:

Ja, du hast Anspruch auf eine Rückerstattung.

Zum technischen (grob und laienhaft dargestellt): Du hast mit dem Konzertveranstalter einen Vertrag geschlossen, indem er dir versprochen hat, entspr. musikalische Unterhaltung nach dem Veranstaltungsprogramm darzubieten.

Kann er das nicht tun (oder nur teilweise, weil bspw. wie in deinem Fall das Veranstaltungsgelände am letzten Tag nicht mehr nutzbar ist), spricht ein Jurist von einer sog. objektiven Unmöglichkeit der Leistung gem. § 275 Abs. 1 Alt. 2 BGB.

Diese Unmöglichkeit hat zur Folge, dass derjenige dem es unmöglich ist zu leisten (hier: Veranstalter), seinen Anspruch auf die im Vertrag vereinbarte Gegenleistung (der Ticketpreis) verliert, vgl. § 326 Abs. 1 S. 1.. Wurde die Gegenleistung schon erbracht (wie bei Dir, du hast das Ticket schon bezahlt), kannst Du diese im Rahmen eines Rücktritts vom Vertrag zurückfordern, § 326 Abs. 4 BGB iVm. § 346 Abs. 1 BGB. 


Ich würde Dir raten, den Veranstalter zu kontaktieren und jedenfalls eine teilweise Rückerstattung einfordern. Diese steht Dir, und das möchte ich nochmal bekräftigen, nach deutschen Zivilrecht definitiv zu!

Zum Schluss: Bin mehr oder weniger zufällig hier gelandet, als ich mich über die aktuelle Nachrichtenlage informieren wollte. Bei den Antworten die hier bisher kamen ging mir so der Hut hoch, dass ich mich für diese Klarstellung extra angemeldet habe...

Solche Leute wie "Kirschkerze" (der Vergleich mit dem Urlaub hinkt völlig, weil bei einer Reisebuchung die Leistung auch mit "schlechtem Wetter" erbracht werden kann, gewöhnlich ist nämlich "gutes Wetter" kein vereinbarter Vertragsbestandteil) oder dieser "Messkreisfehler" fordere ich auf, bei Themen von denen sie keine Ahnung haben, ihren Mund zu halten und die Welt mit ihrer intelligenzressistenten Besserwisserei zu verschonen. 

P.S.: "Höhere Gewalt" ist ein Schlagwort, dass im Schadensersatzrecht eine Rolle spielen kann, das ist hier aber nicht das Thema. 

P.S. 2: Laut dem Beitrag von Hallihallo1409, ist hier selbst nach den AGB des Veranstalters eine Rückforderung möglich (hab die AGB jetzt nicht selber geprüft). Ein Rückgriff auf die allgemeinen Regelungen des BGB sind daher sogar entbehrlich.


Kommentar von SvenZimtstern ,

Klar gild deutsches Recht aber mit den AGBs ging der käufer einen Vertrag ein sind die unten genannten Punkte rechtskräftig oder anfechtbar? 15 ist dabei wohl eher von Interesse.

Denke dass dies die "wir zahlen nichts bei nem Abbruch"-Klausel ist

AGBs des veranstalters;

"14. Bei Festivals können Programmänderungen eintreten. Der Veranstalter bemüht sich im Falle der Absage einzelner Künstler(gruppen) um entsprechenden Ersatz, Ansprüche des Besuchers wegen der Absage einzelner Künstler(gruppen) bestehen nicht. Der Zutritt zu Veranstaltungsbereichen mit einem beschränkten Fassungsvermögen wird nur im Rahmen der behördlich genehmigten Zuschauerkapazitäten gewährt. Bei Erschöpfung des Aufnahmevolumens ist dem Veranstalter eine vorübergehende Beschränkung des Zutritts möglich, ohne dass dies einen Anspruch auf teilweise Rückerstattung des Kartenpreises begründet.

15. Aus Sicherheitsgründen kann der Veranstalter einzelne Park- und Campingplatzbereiche oder sonstige Bereiche des Festivalgeländes vorübergehend oder vollständig räumen und absperren ohne dass dies einen Anspruch auf teilweise Rückerstattung des Kartenpreises begründet. Den diesbezüglichen Anweisungen des Veranstalters oder den Anweisungen der von ihm beauftragten Personen und Firmen ist unmittelbar Folge zu leisten, um Gefahr für Leib oder Leben abzuwenden."

Kommentar von deimud123 ,

Hmm, interessanter Einwand. 

Die Frage ist eben, ob hier einzelne Aufführungen nicht stattfanden, oder ob die ganze Veranstaltung inkl. Camping, Toben in der Schlammwiese etc. abgebrochen wurde. In letzterem Fall wäre diese Klausel nach meinem Verständnis ja nicht mal einschlägig und eine Rückforderung sowieso möglich.

Darüber hinaus können AGB freilich ganz oder teilweise unwirksam sein -> finden dann auch ohne Anfechtung insoweit einfach keine Anwendung. 

Sofern man die von Dir zitierten Punkte 14. und 15. so versteht, dass bei einem kompletten Abbruch der ganzen Veranstaltung Rückerstattungen ausgeschlossen werden sollen, dann wären diese mMn. definitiv unwirksam (weshalb ist jetzt in der Kürze schwierig zu erklären).

Zitat aus der Süddeutschen: 
"Die Besucher wurden aufgefordert, das Gelände auf dem Flugplatz bis Sonntagmittag zu verlassen."

Kommentar von deimud123 ,

Damit wären wir beim Punkt von oben dass ja hier nicht einzelne örtliche und inhaltliche Teile der Veranstaltung "nicht nutzbar" waren, sondern die ganze Veranstaltung jedenfalls ab Sonntag nicht mehr dargeboten wurde. Der zeitliche Aspekt, also dass hier erst ab Sonntag die komplette Veranstaltung nicht mehr dargeboten wurde, wird hiervon ja nicht berührt (und wäre falls auch mitausgeschlossen, nicht standhaft.)

Kommentar von SvenZimtstern ,

Danke für deine antwort! Mich betrifft es zwar nicht, da ich nicht dort war. Aber als festival freund/fan mit unter anderem 2x RAR in der Vergangenheit finde ich es allgemein interessant.

Achtung, hier meine persönliche Meinung:

Ich habe selbst auf festivals Unwetter erlebt bei denen Menschen zu schaden gekommen und glaube sogar gestorben sind (Vor ein paar auf dem Melt! Besucher waren nicht betroffen aber irgendwo in ein paar Km entfernt ist ein Haus in einen Baggersee gerutscht) Ich finde es ganzschön überzogen vom Veranstalter die kohle zu fordern, weil er und die Behörden ihren job richtig machen und die Besucher vor weiteren Gefahren bewahren möchten. Man kann froh sein dass es so kommt. Schließlich könnte der veranstalter die besucher ja auch weiterhin feiern lassen, komme was wolle. 

Bei mir wurd damals fast Deichkind wegen einem Unwetter abgesagt da hat keiner auch nur im ansatz überlegt ob er seine Kohle wiederbekommt. Gut letztlich haben sie 1,5h verspätet gespielt aber in der Zeit wusste keiner ob es überhaupt noch weiter geht. Das ist halt das Risiko beim festival.

ist es nicht fraglich bei einem Restanspruch von vllt 50-80€ so ein fass aufzumachen?

Für 100%ige gewissheit müsste warscheinlich ein besucher oder mehrere klagen und ein Gericht entscheiden. 

Klar ist man enttäuscht aber freut euch drüber, dass ihr wohlbehalten, wenn auch früher nachhause kommt. Und ihr nicht in den medien landet weil ein unverantwortlicher veranstalter nichts gemacht hat und euch nen bühnenteil im sturm erschlagen hat.

Wünsche einen schönen sonntag abend

Kommentar von deimud123 ,

Das kann man durchaus so sehen. Für mich geht es in solchen Fällen aber auch etwas ums Prinzip: Warum soll eigentlich immer automatisch der Anbieter den Vorteil behalten (was ausweislich der anderen Beiträge hier ja offenbar öffentlicher Konsens zu sein scheint)? Weil er wirtschaftlich stärker ist? Weil er sich ja "bemüht" hat (würde ich auch bei solchen Eintrittspreisen^^) und einen Teil der Veranstaltung geliefert hat? Weil sich das halt so gehört, so nach dem Motto: Gezahlt ist geschenkt?

Ich habe mittlerweile auch über die Onlinemedien erfahren, dass angeblich einer der Organisatoren der Veranstaltung noch dort zu den Leuten durchs Mikrophon sagte, sie hätten keinen Anspruch auf eine Erstattung, wegen höherer Gewalt und so...-.- (wer meine anderen Beiträge hier gelesen hat, weiß was ich von dem Begriff in diesem Zusammenhang halte^^).

-> Da will also derjenige der die Kohle jetzt hat den Leuten mit einem pseudojuristischen Gehabe erklären (worin in meinen Augen auch immer eine kleine Überhöhung, vllt. sogar Drohung  ala "versucht es erst gar nicht" steckt), dass es von ihm nix gibt. Ein korrekter Typ der auch ein bischen zu seinem Publikum und seinen Gästen steht, hätte möglicherweise auch sagen können, "hört zu, am Ausgang bekommt jeder nen Kasten aufs Haus" oder "bei Vorlage des Tickets von 2016 kommt ihr nächstes Jahr 10% billiger rein". 

Wie gesagt, mir würde es in solchen Fällen auch ums Prinzip gehen. 

Zum Thema lohnt sich das?

Also erstens kostest es ja nichts außer etwas Zeit seine Forderung dem Anbieter erst mal selbst vorzutragen. Erfahrungsgemäß gibt es dann oft schon Geld (meistens mit der Begründung "Kulanz" / "allgemeine Menschenfreundlichkeit des Anbieters"). 

Für eine Klage ist in einem solchen Fall ein Rechtsanwalt ehrlich gesagt nicht einmal zwingend notwendig. Das nötige Wissen zur Einreichung der Klageschrift kann man sich mittlerweile auch Do-it-Yourself im Internet aneignen. Risiko wären dann natürlich die Gerichtskosten bei verlorenem Prozess (das dürften hier etwa 150 € sein) - ich sehe in diesem Fall aber eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit zu gewinnen. Ob jemandem dem das Prinzip egal ist und der nur den wirtschaftlichen Aspekt im Auge hat das Risiko und die Arbeit trotz mMn. hoher Gewinnwahrscheinlichkeit wert ist, bezweifle ich aber auch.

Deswegen! -> Besorgt euch eine Rechtsschutzversicherung! Damit kommen euch die Anwälte von selbst nur so zugeflogen wie die Fliegen auf einen Haufen Kuhmist^^...und die hätte sich für dieses Jahr alleine durch diesen einen Fall wahrscheinlich schon rentiert. Und anderen "Geldeinbehaltern" kann man bei Bedarf jederzeit auch noch ihre Grenzen aufzeigen.

Aber freilich kann man es auch einfach darauf beruhen lassen und wie Du angedeutet hast SvenZimtstern, einfach mit dem Gedanken "Shit happens" es dabei belassen und sich nicht "unnötig" aufregen. Ich glaube wie so oft, ist bei dieser Abwägung ein Mittelding das Beste.

Wünsche Dir auch noch einen schönen Abend!

Antwort
von MLieberberg, 259

        ****ENTSCHÄDIGUNG IST EINDEUTIG****

Kann mir schon vorstellen, weshalb Veranstalter Marek Lieberberg die Entscheidung kritisiert, und keinerlei Hinweise zur Rechtlage veröffentlicht.

Es wird den Veranstalter viel Geld kosten, da rechtlich gesehen den Besuchern eine anteilige Entschädigung für den entfallenen Sonntag inkl. nicht gesehener Headliner ganz eindeutig zusteht.

Dazu Thomas Waetke, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht und Experte für Eventrecht: "Extreme Unwetterlagen sind juristisch Höhere Gewalt. In diesem Fall tut man so, als ob sich die Vertragspartner nie gesehen hätten: Der Veranstalter verliert seinen Anspruch auf den Eintrittspreis, der Besucher verliert seinen Anspruch auf die Show. Hat der Besucher bereits bezahlt, kann er den Eintrittspreis erstattet verlangen. Hat der Besucher bereits Teile der Show erleben können, so kann er nur noch einen Anteil des Eintrittspreises erstattet verlangen.Bei einem mehrtägigen Festival hängt es davon ab, ob der Veranstalter pro Tag eigene Tickets verkauft hat oder nur Gesamttickets. Allgemein stellt man dabei nicht streng auf den Zeitablauf ab, sondern auch auf die Schwergewichte der bisher aufgetretenen Künstler: Fehlt der angekündigte Headliner, wird der Veranstalter einen höheren Betrag zurückerstatten müssen, als wenn eine unbekannte Vorgruppe fehlen würde.Letztlich ist das Wetter das Risiko des Veranstalters, wogegen er sich grundsätzlich versichern kann."Quelle: http://www.rundschau-online.de/ratgeber/finanzen/recht/-rock-am-ring--absage-anw...

Antwort
von Hallihallo1409, 2.049

3. Wird die Durchführung der Veranstaltung insgesamt aus Gründen unmöglich, die der Veranstalter nicht zu vertreten hat, so werden dem Besucher gegen Vorlage der erworbenen Eintrittskarte und der Kaufquittung bei der jeweiligen Vorverkaufsstelle der Kartenpreis sowie die Vorverkaufsgebühr zurückerstattet. Sofern der Veranstalter die Unmöglichkeit der Durchführung der Veranstaltung zu vertreten hat, bleibt dem Besucher das Recht vorbehalten, weitergehenden Schadensersatz zu verlangen.

Das sind die AGBs der Tickets... Also meiner Meinung nach war die Durchführung der Veranstaltung nicht möglich aus Gründen die der Veranstalter nicht zu vertreten hat (Unwetter). ;) würde es mal versuchen.

Antwort
von fiskus95ers, 45

Sehr geehrter Herr xxxxxxxx,

Wir hatten bei Rock am Ring in diesem Jahr mit einer absoluten Ausnahme-Situation zu kämpfen, die dem extremen Wetter geschuldet war. Trotz schwerwiegender äußerer Bedingungen haben wir alles Menschenmögliche getan und das Programm weitestgehend über die Bühne gebracht.

Aufgrund einer von den zuständigen Behörden und der Polizei festgestellten akuten Gefahrensituation wurde uns für den Sonntag zum Schutz für Leib und Leben der Besucher keine Spielgenehmigung mehr erteilt. Außerdem wurde die Räumung des Geländes angeordnet. Wir folgten selbstverständlich dieser Verfügung, weil die Wahrscheinlichkeit weiterer gravierender Unwetter mit Blitzeinschlag und Verletzten bestand.

Sie können sich vorstellen, wie traurig uns das gestimmt hat, insbesondere weil wir, die Technik und alle Gruppen spielbereit waren.

Im Vordergrund stand jedoch die Sicherheit aller Gäste. Die über 80 durch Blitzeinschlag verletzten Fans bereits am Freitagabend, haben uns betroffen gemacht und wir hoffen gemeinsam, auf ihre baldige Genesung.

Wir bitten Sie um Verständnis dafür, dass wir bei Unwettern dieser Größenordnung, die weite Teile von Deutschland sowie ganz Europa betrafen, schwerste Schäden verursachten und sogar zahlreiche Menschenleben forderten, keinerlei Alternative zur Absage der Veranstaltung am Sonntag hatten. Wir haben uns trotz der widrigen Umstände mit allen Mitteln für die gemeinsame Sache eingesetzt und unsere veranstalterische Verpflichtung zu 100 Prozent erbracht und dabei noch ein respektables Ergebnis erzielt. Aber die Naturkräfte bleiben leider unberechenbar und wir sind nur Menschen!

Nur aufgrund höherer Gewalt musste die Veranstaltung vorzeitig beendet werden. Trotzdem werden wir prüfen, ob wir etwas für Sie tun können und werden in einigen Tagen diesbezüglich wieder auf Sie zukommen.

Mit besten Grüßen Ihr

Marek Lieberberg Team

Kommentar von Thelostboy342 ,

Lächerlich! Lesen sie doch mal die ganzen bewertungen auf fb.
Die organisation war ein witz, die ordner erst recht.
Ein relativ junger Ordner fragte erstmal, nachdem wir nach den parkplätzen gefragt haben, wo er was zu kiffen herbekäme.
Die ordner haben sich überall verbarrikadiert als der sturm losging, obwohl leute an die türen klatschten.

Von der Unsinnigkeit des ortes mal abgesehen. Auf einem matschigen Feld. Auf welchem bei jedem kleinsten regen alles überschwemmt und voller stinkendem schlamm ist.

Tolles rock am ring! Das geld nicht zurückzuzahlen ist einfach nur erbärmlich, für diesen Mist die 185€ zu behalten.

Antwort
von Kirschkerze, 2.154

Veranstalter muss es jedenfalls nicht zurückzahlen, Wettereinflüsse sind "höhere Gewalt". 

Kommentar von Thelostboy342 ,

Was ein scheissdreck

Kommentar von Kirschkerze ,

Lebensrisiko. Siehs so: Auch wenn du die Auftritte zwar nicht bekommen hast: Das Geld hättest du so oder so nimmer, auch wenns ordnungsgemäß stattgefunden hätt

Kommentar von Thelostboy342 ,

Da beste ist wohl nicht zu den 81 verletzten zu gehören... Siehe nachrichten

Kommentar von deimud123 ,

So ein Schwachsinn, vgl. meine Antwort zur Hauptfrage.

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