Frage von colacoca2, 75

Gibt es ein Wort für meine psychische Lage?

Bei uns (10. Klasse) steht bald Schullandheim an, um nicht mit zu müssen benötige ich jedoch ein Attest, da es eine Schul- und somit Pflichtveranstaltung ist. Doch ist es für mich extrem schlimm, die ganze Zeit Menschen um mich zu haben. Länger wie ca. 8 Stunden am Stück unter Menschen zu sein macht mich total fertig, ich werde dann immer total wütend auf Alles und Jeden und ohne einen Ort, wo ich mich zurückziehen kann halte ich das nicht aus. Ich bin zwar überhaupt nicht schüchtern und habe meiner Meinung nach auch keine soziale Phobie, aber ich kann meine Mitmenschen einfach nicht über einen längeren Zeitraum ertragen. Mit einem Rückzugsort wäre ich ja noch einverstanden, aber ich unternehme den ganzen Tag etwas mit Menschen, dann freut man sich am Abend auf Ruhe und Alleinsein, aber nein, wieder Meschen um mich herum. Gibt es vielleicht ein Wort, das meine psychische Lage beschreibt? Ich bin glücklich und vollkommen zufrieden mit meinem Leben, ich bin auch ziemlich beliebt und komme mit jedem zurecht, nur zu viel Kontakt mit Menschen überfordert mich maßlos. Von Relevanz wäre vielleicht noch, dass bei mir vor 3 1/2 Jahren** Anpassungsstörungen** diagnostiziert wurden.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Mucker, 40

Ob man deine psychische Lage mit nur einem Wort erfassen kann – bezweifle ich. Darauf kommt es auch nicht an.

Wesentlich ist, dass du dich durch zu viel Kontakt überfordert fühlst – und deine Stimmung dann sehr stark ins Aggressive umschlagen kann. Und das kann keiner wollen. Daher denke ich, dass du einen Rückzugsort brauchst – und wenn du die Reise mitmachen solltest – unbedingt ein Einzelzimmer benötigst, wo du dich dann bei Bedarf zurückziehen kannst.

Da bei dir Anpassungsstörungen diagnostiziert wurden, dürfte der verantwortliche Lehrer auch Verständnis für eine solche Forderung aufbringen. Dazu müsstest du aber ein vertrauliches Gespräch mit ihm führen. Eigentlich müsste er positiv reagieren. Wenn nicht, dann wende dich bitte an den Vertrauenslehrer oder den Rektor deiner Schule.

Traurig, dass deine Eltern trotz der vorliegenden Diagnose wenig Verständnis für dich haben.

Alles Gute !

Kommentar von colacoca2 ,

Ich kann kein vertrauliches Gespräch mit einem Lehrer führen, ich kann mich generell niemandem öffnen. Meine Freunde und Familie bzw. Bekannten denken auch nur, dass ich ganz normal bin, weil ich ihnen unwichtigen Schrott aus meinem Leben erzähle, den sie dann, so oberflächlich wie die meisten Menschen halt sind, für eine wichtige Sache in meinem Leben halten. Dazu bin ich noch komplett bindungsunfähig. Mir bedeutet fast niemand etwas, was ich aber alles nicht schlimm finde, da das Leben meiner Meinung nach mit Gefühlen nur unnötig verkompliziert wird. 

Übrigens bin ich sehr gut im Schauspielern, wahrscheinlich der Grund, warum mich die Leute für einen Durchschnittsmenschen halten.

Kommentar von Mucker ,
Sowohl dein jetziger Entwicklungsstand als auch deine Einstellung zu dir selbst, anderen und das Leben ist nach deiner Selbstdarstellung hier leider eher traurig.
Warum ?

Du hast das Wesentliche einfach (noch) nicht

begriffen. Die Ursache: Angst, Unterdrückte Emotionen, unklarer Verstand, verzerrte Wahrnehmung. Einfach (noch) nicht clear !

Der Mensch kann sich selbst was vormachen und sich selbst belügen – auch ohne das zu durchschauen – und sich (vorübergehend) auch noch toll dabei fühlen. Genau
das machst du z.Zt.

Manche Zeitgenossen merken erst sehr spät oder überhaupt nicht, dass sie sich auf dem Holzweg befinden. Ich kann dir nur wünschen, dass du bald aufwachst und eher dahinter
kommst, um die Realität - auch deine - klarer zu erkennen.

Allerdings wird das solange nix werden, wie du dir gebetsmühlenartig selbst dies "ICH KANN....NICHT" suggerierst.

Natürlich kannst du

– wenn du willst. Ehrlicher wäre also "ICH WILL...NICHT" zu sagen.

Verzichte mal auf das KANN und benutz dafür das Wort
WILL– und spür – wie sich das anfühlt und mit dir macht. Überraschungen sind möglich !

Und erzähl den Leuten keinen Schrott, sondern steh mal zu dem, was du denkst und fühlst – sonst bekommst du kein stabiles "Rückgrat". Schrott zu erzählen, ist reine Zeitverschwendung !

Es

kommt auch nicht so sehr darauf an, gut schauspielern zu können,

sondern eher darauf, authentisch, liebevoll, liebenswert  und zuverlässig zu sein. Dann wirst du eher glücklich und erfolgreich.

Deine Angst vor Gefühlen sowie dein blockiertes Herzchakra führen dich gedanklich in die Irre. Da bräuchtest du effektive Hilfe.

Denn wie wichtig das Herz und die Gefühle wirklich sind, kannst du vllt. (???) aus den Zitaten der folgenden Persönlichkeiten erkennen. Und die hatten alle nicht nur im Gegensatz zu vielen Zeitgenossen  was in der Birne, sondern auch einen voll entwickelten und klaren Verstand als sie das erkannten und formulierten:

Das Schwierigste am Leben ist es, Herz und Kopf
dazu zu bringen, zusammenzuarbeiten. In meinem Fall verkehren sie noch nicht mal auf freundschaftlicher Basis.

Woody Allen

Laßt uns sagen, was wir empfinden, und empfinden, was wir sagen. Laßt die Rede mit dem Leben übereinstimmen.

Seneca

Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken
soll.

J.W. von Goethe

Die Natur muß gefühlt werden.

Alexander von Humboldt

Menschen zu finden, die mit uns fühlen und empfinden, ist wohl das schönste Glück auf Erden.

Carl Spitteler

Nicht (so sehr), was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus.

Marie von Ebner-Eschenbach

Jeder sieht, was du scheinst. Nur wenige fühlen, wie du bist.

Macciavelli

Es gibt keine Grenzen. Weder für Gedanken, noch für Gefühle. Es ist die Angst, die immer Grenzen setzt.

Ingmar Bergmann

Es gibt kaum ein beglückenderes Gefühl, als zu spüren, dass man für andere Menschen etwas sein kann.

Dietrich Bonhoeffer

Kommentar von colacoca2 ,

Danke für die Antwort, die beste übrigens :) Entschuldige, ich sehe sie erst jetzt. Aber ich versuche wirklich, normal mit anderen Menschen umzugehen, aber ich kann die Gesellschaft anderer einfach nicht ab. Und immer wenn mal ein Funke von Gefühlen für jemanden kommt, schotte ich mich emotional sofort ab - unwillentlich! Da ist dieses Gefühl und ich bekomme gleich so Angst vor Verletzlichkeit, dass ich mich total zurückziehe.
Ich habe auch angefangen, mich selbst zu verletzen, warum weiß ich nicht so genau, aber es verschafft so eine Erleichterung und Entspannung, vergleichbar mit Schmerztabletten (ich bin nicht süchtig) ...
Ich sehne mich nach Geborgenheit und gleichzeitig habe ich Angst vor ihr. Jedes mal, wenn mir jemand näher kommt, spüre ich diesen dezenten Ekel. Ich kann(will?) nicht mal Leute umarmen, ohne eine halbe Panikattacke zu bekommen.
Und was am allerschlimmsten ist, ist mein schlechtes Gewissen. Ich kann(will?) nicht über mein eigenes Leid weinen. Beim Verlust eines Angehörigen, fühle ich nichts... Das ist einfach nur krank, das weiß ich, aber ich kann(will?) es nicht ändern, egal wie sehr ich es versuche.
Zudem wurde mir vor ein paar Wochen etwas klar. Es ist möglich, dass ich einmal von einem Erwachsenen missbraucht wurde, kann aber auch sein, dass das einfach nur zufällige Berührungen waren. Jedoch kann ich mich an diese Zeit gar nicht mehr erinnern, bis auf einen einzigen Moment. Sollte man sich mit 8 Jahren nicht an mehr aus seinem Leben erinnern können? Zeugt das möglicherweise von Verdrängung? Ich kenne mich damit nicht aus, aber ich habe recherchiert, klingt das plausibel?

Kommentar von Mucker ,

" Sollte man sich mit 8 Jahren nicht an mehr aus seinem Leben erinnern können? Zeugt das möglicherweise von Verdrängung? Ich kenne mich damit nicht aus, aber ich habe recherchiert, klingt das plausibel? "

Man kann sich nicht an alles erinnern. Insbesondere traumati- sche Ereignisse werden verdrängt. Das ist ein psychischer Mechanismus zum eigenen Schutz, weil man in dem Moment mit dem Vorfall überfordert war.

Das Problem ist nur, dass es im Unbewussten weiter rumohrt und den Alltag oder den Schlaf, die Träume belasten und stören kann.

Mitunter kömmen solche Ereignisse auch wieder hoch - werden von allein halb oder voll bewusst..

Am besten ist es, traumatische Ereignisse mit Hilfe einer Psychotherapie wieder ins Bewusstsein zu bringen und zu be- und verarbeiten.

So kann man solche Störeinflüsse los werden.

Genauso wie die Ängste, die damit zusammen hängen.

Die Ängste - wie Berührungsängste etc. - hemmen deine Entwicklung. Von daher wäre es von Vorteil und Nutzen für dich, wenn du es schaffen könntest, deine Widerstände gegen eine Therapie zu überwinden.

Psychotherapeuten sind nicht unsere Feinde, sondern professionelle Helfer, mit denen wir uns verbünden können.

Alles Gute !

Kommentar von colacoca2 ,

Ich werde es versuchen, danke für die Hilfe :) 

Antwort
von Pyrut, 57

Hey mir geht es genauso ! Du bist introvertiert wie ich. Sag deinem Arzt dass du Panik hast in fremden Better zu schlafen und dass du es nicht aushälst so lange Zeit Menschen um dich herum zu haben. Ich finde das man Leute wie dich nicht noch unnötig Quälen muss.

Kommentar von colacoca2 ,

Das Problem ist, dass meine Eltern, nur weil sie an solchen Dingen Spaß haben, mich nicht ernst nehmen und so komme ich weder an meine Krankenversicherungskarte ran, noch unterstützen sie mich, weil es ja eine "Erfahrung, die zum Leben dazu gehört" ist. Ich habe definitiv für mein Alter genug Lebenserfahrung, dessen bin ich mir absolut sicher, deswegen bin ich denke ich auch reifer, als der größte Teil meiner Altersgenossen, aber das kann ich meinen Eltern natürlich nicht erzählen. Wenn die wüssten was ich in meinem Leben schon alles gemacht habe (worauf ich übrigens nicht stolz bin) gäbe es eine riesen Standpauke.

Kommentar von Pyrut ,

Deine Eltern haben zwar schon recht, aber sie wissen nicht wie du dich dabei fühlst. Weil dein Mutter und dein Vater ein anders Gefühlserleben haben als du. Jeder Mensch hat ein anderes Gefühlserleben. Ich weiss nicht wie die Beziehung zwischen dir und deinen Eltern ist aber probier mal deine Situation ihnen zu schildern und erkläre es wie schwer es dir fällt solche Situationen zu überstehen. Ich glaube dir dass du reifer bist als deine Artgenossen aufgrund dessen willst du ja einen Ort wo du dich zurückziehen kannst, weil dir dass ewige Bla Bla Bla auf den Sack geht also so geht es mir zumindest. Im schlimmsten Fall werden sie dich nicht verstehen. Darf ich fragen wie alt du bist?

Kommentar von colacoca2 ,

Das Verhältnis zwischen mir und meinen Eltern ist sehr gut, sehr viel besser als die Meisten Eltern-Kind Beziehungen meiner Altersgenossen. Ich bin übrigens 15 1/2.

Kommentar von Pyrut ,

Dann wird es schwierig selbstständig zum Arzt zu gehen...

Antwort
von Furzer, 52

Frustration. Aber es ist eine Form der soz. Phobie.

Soziale Phobie muss nicht immer totale Schüchternheit bedeuten.

Man hat ebenfalls eine Abneigung gegen zu viele Menschen um sich.

Sowas kenne ich auch. ab 2 Menschen um mich herum, verliere ich den Überblick und fühle mich belästigt.

Antwort
von DesbaTop, 54

Introversion

Antwort
von KayneAnunk, 47

Ich glaube, du bist einfach nur introvertiert.
Ist nichts Schlimmes

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