Frage von Lyriker87, 388

Gibt es ein islamisches Land, in welchem die Gesellschaft offen und tolerant gegenüber Minderheiten ist?

Antwort
von meliglbc2, 56

Ich würde sagen der Iran, aber da gibt es natürlich auch extrem streng gläubige Schiiten, die andere Religionen nicht akzeptieren. Im Gegensatz zu Saudi Arabien ist der Iran dennoch am tolerantesten.

Kommentar von Zicke52 ,

Iran? Soll das ein Witz sein?

Kommentar von meliglbc2 ,

Was dagegen?

Warst du schon mal dort?

Lass mich raten, nein warst du wahrscheinlich nicht und dein Nutzername beschreibt wahrscheinlich auch noch deinen Charakter und wohlmöglich auch dein Alter.

Kommentar von Zicke52 ,

Nein, ich gestehe,  ich war noch nicht in allen Ländern der Welt,  deshalb muss ich mich auf Berichte des UN-Menschenrechtsrates,  Amnesty International, Human Rights Watch, IGFM, Reporter ohne Grenzen usw. verlassen.

Ich habe auch nicht die Welt umsegelt und muss mich deshalb auf die allgemeine Lehrmeinung verlassen, dass sie eine Kugel ist.

Was Iran betrifft, war die Situation schon katastrophal,  hat sich aber seit Amtsantritt des aktuellen ("gemässigten"!) Präsidenten Rohani noch deutlich verschlimmert - allein 2000 Hinrichtungen fallen in seine Amtszeit. Damit steht Iran an der Spitze der Anzahl der Hinrichtungen weltweit. Hinrichtungsarten: Hängen, Steinigung, Köpfen,  und theoretisch Kreuzigung...Auch Minderjährige werden hingerichtet, aktuell sitzen gemäss Amnesty Intl. 49 Minderjährige im Todestrakt.  Das Gesetz sieht Todesstrafe für Mädchen ab 9 und Jungen ab 15 vor. Daneben sind Auspeitschungen, Amputationen und Blendung gängige Strafmassnahmen. Todesstrafe steht unter anderem auf Regime- und Religionskritik (ist dasselbe), "unsittliches" Benehmen.

Es gibt keine Gewaltenteilung, Legislative,  Exekution und Judikative sind dem Obersten Führer unterstellt. Der bezieht seine Gesetze direkt von Gott. Kritik an Gesetzen ist Gotteslästerung und steht unter Todesstrafe. Keine Pressefreiheit. Verfolgung religiöser Minderheiten.

Einige Schicksale:

Politischer Dissident Gholamreza Khosravi: 2014 hingerichtet,  weil er für einen oppositionellen Fernsehsender gespendet hat.

Regisseur Jafar Panahi: Wegen seiner kritischen Filme (im Ausland preisgekrönt) zu 6 Jahren Gefängnis, 20 Jahren Ausreiseverbot, endgültigem Filmverbot verurteilt.

Anwältin und Menschenrechtlerin Narges Mohammadi: hat wegen friedlicher Ausübung ihrer Meinungs- und Versammlungsfreiheit jahrelange Gefängnisstrafen hinter sich. Letzte Arrestation 2015, ihr Prozess wird gerade neu aufgerollt.

Die Liste liesse sich endlos fortsetzen, aber lässt sich für jeden Interessierten leicht ergoogeln. 

So einen Staat zu den "tolerantesten" zu zählen, ist an Zynismus nicht zu überbieten.

Kommentar von meliglbc2 ,

Mein Fehler, der Iran ist ja wirklich das schlimmste und abscheulichste auf der Welt. 

Lass uns doch mal nach Saudi Arabien gehen. Dort ist es doch bestimmt wunderschön.

Mal im Ernst, welches Land ist deiner Meinung nach perfekt?

Es ist jetzt grad auch nicht so, dass Deutschland keinen 2.ten Weltkrieg angefangen hat und heute immer noch Probleme mit Rassisten hat. In Deutschland laufen viele Mörder, Kinderschänder, Vergewaltiger frei rum oder werden von unserer Justiz verhätschelt. Warum muss ein Obdachloser auf der Straße erfrieren, wenn ein Massen Mörder für 20 Jahre ins Gefängnis muss, Ärzte, warmes Essen, warmes Bett, Fitnessstudio und noch vieles Mehr hat?

Natürlich ist es nicht in Ordnung, wenn das eigene System die Todesstrafe als Gesetz ansieht aber was ist mit den USA, Saudi Arabien, Korea und noch vielen anderen Ländern?

Wenn du dir auch die Geschichte des Irans anschaust, dann wirst du erkennen, dass nur unser bester Freund schuld an dem Regime dort ist.

Antwort
von dataways, 115

Da Marokko selbst von einer Minderheit, den Alawiden regiert wird und mir keine Übergriffe gegen Christen und Juden bekannt sind, die vom Staat toleriert werden, werfe ich mal den Hut für dieses Land in den Ring.

Kommentar von Zicke52 ,

Dachte ich auch, da in der marokkanischen Verfassung Religionsfreiheit garantiert wird. Nach näherer Recherche musste ich aber feststellen, dass dieses Wort dort keineswegs die gleiche Bedeutung hat wie bei uns: es gilt nur für Ausländer, und auch die dürfen ihre Religion nur selbst ausüben, aber nicht mit einem Moslem über deren Inhalt sprechen oder religiöse Literatur verbreiten, denn der Versuch, "einen Moslem in seinem Glauben zu erschütten", steht unter Strafe.

Google mal "Fluchtgrund: Unglaube", da siehst du am Schicksal von Kacem El Ghazzali, wie es in Marokko um Religionsfreiheit bestellt ist.

Auch die Journalistin Zineb El Rhazoui verdankt ihrem Einsatz für Menschenrechte mehrere Gefängnissaufenthalte. Sie lebt heute in Frankreich und war unter anderem Mitarbeiterin bei Charlie Hebdo. Den Attentaten ist sie nur entkommen, weil sie zu dem Zeitpunkt auf Urlaub war. Einige freundliche Gläubige wollen sich aber damit nicht abfinden und überschütten sie mit Todesdrohungen - sie ist heute die bestbewachte Frau Frankreichs. In einem neulichen Interview sagte sie, dass sie als Frau in Marokko nichts wert ist, vor einem Gericht gilt z.B. ihr Zeugnis nur die Hälfte dessen eines Mannes.

Allein Tunesien scheint zur Zeit das Prädikat "tolerant" zu verdienen, aber ich weiss auch nicht, ob wir alle Information hierzu haben.

Kommentar von dataways ,

die dürfen ihre Religion nur selbst ausüben, aber nicht mit einem Moslem über deren Inhalt sprechen oder religiöse Literatur verbreiten, denn der Versuch, "einen Moslem in seinem Glauben zu erschütten", steht unter Strafe.

Die haben es nicht so gerne, missioniert zu werden, das machen wir Protestanten oder unsere katholischen Brüder eh nicht, das macht nur das evangelikale Gesocks. Und in Marokko verurteiltes Gesocks, das im Gefängnis verschimmelt - damit kann ich leben.

Kommentar von Zicke52 ,

Es geht nicht um Missionieren, sondern um Verbot, über seinen Glauben zu sprechen oder Literatur zu vertreiben - wäre so, als würde man in Europa den Verkauf des Korans und aller Bücher, die mit dem Islam zu tun haben, verbieten. Auch darf man Religion nicht kritisieren und nicht mal sagen, dass man Atheist ist - siehe Kacem El Ghazzali. Wenn das offen und tolerant ist, dann bist du ja nicht sehr anspruchsvoll. 

Kommentar von dataways ,

Glauben ist Privatsache, nein ich habe kein Bedürfnis, mit irgendjemand über meine Religion zu reden. Warum in aller Welt sollte ich das tun? Und wenn die Bibeln, die ich so brauche, alle sind, dann kaufe ich über Amazon neue, das ist auch in Marokko kein Problem.

Ansonsten sind mir Deine Argumente bekannt. Aber um auf die Frage zurückzukommen: Minderheiten werden in Marokko nicht verfolgt, aber es ist ein islamisches Land.

Kommentar von Zicke52 ,

Welches Bedürfnis DU hast, ist mir völlig egal.

Aber ich definiere Toleranz anders als du: für mich bedeutet Toleranz nicht Presse- und Literaturverbot,  Verbot der freien Meinungsäußerung, Zwang zum Doppelleben, falls ich der falschen oder keiner Religion angehöre.  

All dies gehört zu den unveräusserlichen Menschenrechten.

Antwort
von whabifan, 184

Das hängt von deiner Definition eines islamischen Landes ab. Ich würde jetzt Libanon sagen, obwohl dies natürlich kein islamisches Land im klassischen Sinne ist. 

Ansonsten, von einem Staat der lediglich auf der Religion basiert kannst du nicht wirklich Religionsfreiheit erwarten. Dies ist ein Widerspruch an sich (ein Blick in die deutsche Geschichte reicht da).

Kommentar von Lyriker87 ,

Ganz einfach: Islamische Bevölkerungmehrheit macht ein islamisches Land aus.

Kommentar von whabifan ,

Gut, dann zählt Libanon. 

Kommentar von AbuAziz ,

Nein, das stimmt nicht. Natürlich ist eine islamische Mehrheit wichtig, aber viel wichtiger ist, dass die Gesetze mit Koran und Sunnah übereinstimmen. Dann kann man von einem islamischen Land sprechen.

Kommentar von NoRegret ,

Im Osmanischen Reich, die mit Scharia geführt wurde, durfte jeder seine eigene Religion behalten. Es ist einem Muslim oder gar einem islamischen Land nicht gestattet jemandem den Islam aufzuzwingen oder ihn wegen seiner Religion zu diskriminieren. Wie viel die heutigen "islamischen" Länder wirklich mit Scharia zu tun haben, ist leider fraglich.

Kommentar von Karl37 ,

Das osmanische Reich hatte das Milletsystem. Hier mussten Religionsgemeinschaften, die sich dem Sultan unterwarfen eine besondere Steuer den Dschizya zahlen und erhielten im Gegenzug einen gewissen Schutz, waren aber keineswegs gleichwertige Bürger. Sie durften keine Waffentragen, keine Pferde reiten usw. auch ihre Religionsfunktionäre wie Patriarchen wurden von den Osmanen bestellt. Trotzdem kam es hin und wieder zu Christenverfolgung, so auch 1828 der Genozid an katholischen Armeniern

Kommentar von AbuAziz ,

Die Dschizya ist keine besondere Steuer. Sie entspricht der normalen Zakat(Armenabgabe) die jeder Muslim an den Staat zahlen muss. Dafür muss aber der Dschizya-Zahler Beispielsweise keinen Kriegsdienst leisten. 

Ja und keiner darf in Deutschland einfach so Waffen tragen. Was ist daran so schlimm, dass ich keine Waffen tragen darf, wenn ich niemanden angreifen will?

Antwort
von oli66, 66

So wie es gelesen habe war dar Osmanische Reich sehr tolerant. Es hat sich auf drei Kontinente verbreitet auf denen jetzt mehr als 60 Länder gegründet wurden. Sprich, ein mehr völker land, dass hauptsächlich von den türken regiert wurde. Die waren so gerecht, dass sogar der eroberer von Istanbul ein strafprozess gegen einen jüdischen normal bürger verloren hat, so dass laut sharia die hand des sultans abgehackt werden musste (jedoch wollte das der jüdische bürger nicht mehr). Es haben unter der herrschaft juden, christen und andere "regionale" religion gelebt. Es wird zwar behauptet, dass der osmanische reich "böse" war aber wenn man sich  bspw griechenland und bulgarien anschaut, wo die osmanen mehr als 400 jahre regiert haben, sieht man das die menschen nicht unterdrückt wurden um ihre religionen zu ändern. Ganz im gegensatz wurden viele muslime in andalusien von den kreuzzugritter getötet, sodass es heute keine "einheimische" muslime mehr in spanien gibt.

Ich weiß das ich jetzt zu tote gesteinigt werde weil ich pro türkisch oder muslemanisch geschrieben habe aber jeder sollte sich mit der geschichte befassen und sich auch mit objektiven quellen auseinandersetzen.

Kommentar von juergenmuller ,

danke für diese informative, ausführliche aber vorallem richtige antwort. ich habe selbst recherchiert und es stimmt. das osmanische reich war sehr tolerant

Kommentar von waitforit3 ,

haha muslemanisch hört sich schon ziemlich witzig an :) *muslimisch*

Kommentar von oli66 ,

Von mir aus muslimisch :)

Antwort
von ninamann1, 163

Die Türkei war es zumidest  vor Erdogan

Kommentar von Melanie0101 ,

Einfach nur loool... eher das Gegenteill

Kommentar von ninamann1 ,

Ich habe es anders erlebt , als ich als Deutscher in der Türkei lebte, das ist allerdings schon länger her , da war die Türkei Demokratisch und tolerant 

Kommentar von OnkelSchorsch ,

Die Türkei ist bzw war allerdings kein islamisches Land. Die Türkei ist an sich ein laiizistischer Vielvölkerstaat, eben KEIN islamisches Land.

Sollte es zumindest laut türksicher Staatsidee sein.

Kommentar von ninamann1 ,

Aber es leben doch die meisten Menschen die  Moslems sind dort 

Kommentar von Karl37 ,

Die Türkei war selbst zu Zeiten des Atatürk nicht tolerant gegenüber Andersgläubigen. Das erkennt man an den Behinderungen christlicher Religionen und daran hat sich seitdem nichts geändert.

Antwort
von Realito, 74

Ist mir nicht bekannt.  Das wird lange so bleiben wenn sich nicht die Muslime unter sich schnellstens überwinden, endlich eine Reformation durchführen und von Gottes Wort abstand nehmen. Da dies nicht möglich sein wird, werden sie mit ihrer Minderwärtigkeitsgefühlen sich selbst immer wieder ausgrenzen!

Kommentar von Digarl ,

Du musst bedenken das es den Islam noch noch soo lange gibt. Den Arabern haben wir sehr viel zu verdanken, alles was geschah als hier noch die Barbaren herrschten und es den Islam in Arabien noch nicht gab (generell nicht gab). Wir waren zur damaliger Zeit zwischen Zivilisationen, doch wir selbst? .. Eher nicht. Als der Islam entstand war Europa dann schon weiter, dass Christen sowie Judentum hatten schon seine Zeit auf dem Buckel und wetzten sich ab, nachdem ganzen religiösen Theater im Mittelalter.

Die menschen in Europa hatten viel mehr Zeit ihre Religion vom Staat zu trennen als die Araber, rein geschichtlich gesehen. Demnach sollten wir wohl lieber noch 1-2 tausend Jahre warten bevor wir sagen "schnellstens", denn erst dann würden sie unsere Geschwindigkeit erreichen.

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