Frage von OffTheRanch, 102

Gibt es eigentlich auch andere autistische Säugetiere neben dem Menschen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Fuchssprung, 40

Autismus gibt es beim Menschen in ganz unterschiedlicher Ausprägung. Meine Tochter hat eine ganz leichte Form des Autismus. Sie ist unglaublich klug, hat aber ihre Schwierigkeiten mit menschlichen Interaktionen. Wer sie nicht kennt, bemerkt es jedoch nicht. 

Wenn man Autismus nicht bei allen Menschen sofort bemerkt, dürfte es bei Tieren noch sehr viel schwerer sein. Es ist ganz sicher möglich dass auch Tiere darunter leiden. Aber wer sich damit nicht auskennt, wird ganz sicher eine falsche Diagnose stellen. 

Kommentar von Naydoult ,

Bitte lasst doch den Begriff "leiden" weg. Autisten leiden nicht durch ihre Andersartigkeit, sondern durch die Umgebung. Würdest Du in einem Haus voller Irren wohnen, dann wärst Du da letztendlich der/die Gestörte und dann würde man sagen Du leidest unter Deiner "Störung". Im Endeffekt ist es die Individualität, was gut ist.

Kommentar von Fuchssprung ,

Wortklauberei

Kommentar von OffTheRanch ,

@Naydoult du widersprichst dir in eineinhalb Zeilen selbst:

Bitte lasst doch den Begriff "leiden" weg. Autisten leiden nicht durch ihre Andersartigkeit, sondern durch die Umgebung.

Also bist du doch ebenfalls der Meinung, dass sie leiden. Ende der Haarspalterei.

Kommentar von Naydoult ,

Ich sehe keinen Widerspruch. Ich meine das der Begriff "Leiden" an der falschen Stelle angesetzt ist, oder wie seht ihr das?

Kommentar von Lea1984 ,

Ich denke schon, dass die Mutter von der Tochter weiß, dass sie leidet.

Ich leide nicht an meinem Autismus. Ich leide an der Reaktion anderer darauf. Besonders, wenn es Menschen sind, die von AS wissen. Ich leide auch an vielen mit AS einhergehenden Problemen- wobei "Leid" da das falsche Wort ist, aber ich keines weiß, welches ich an dieser Stelle stattdessen verwenden könnte. Ein Overload ist schlimm, ein Meltdown. Mein Stimming (ein Verhaltensmuster davon) richtet sich gegen mich- es ist sichtbar und ich kann es nicht lassen- ja, darunter leide ich. Nicht wie ein verletzter an Schmerzen leidet oder wie ich an Migräne leide- aber ich leide schon daran.

Was mich hier mehr stört ist, dass Fuchssprung die Diagnose der Tochter als "leichte" Form bezeichnet. Autismus ist Autismus und ich bezweifle, dass man mit AS z.B. weniger unter Reizüberflutung leidet als ein Autist mit LFA. Nur, weil man spricht, sich mitteilt und intelligent ist, bedeutet es nicht, dass man weniger Autist ist.

Kommentar von Fuchssprung ,

Ich weiß nicht wie ich eine leichte Form von Autismus anders bezeichnen soll als eine Form. 

Kommentar von Lea1984 ,

@ Fuchssprung: Deine Tochter ist Autistin. Auch wenn man jetzt Diagnosen weg lässt- früher hat man Autismus noch unterteilt- und einige Diagnostiker tun es auch jetzt noch.
Es gibt das Asperger-Syndrom, den a-typischen Autismus und das Kanner-Syndrom, auch frühkindlicher Autismus genannt, welcher sich nochmal in hochfunktionalen Autismus (HFA), mittelfunktionalen Autismus (MFA) und niederfunktionalen Autismus (NFA) unterteilt. Gelegentlich liest man für NFA auch LFA, das englische Kürzel (lowfunktion-autism).
AS ist keine leichte Form von Autismus, sondern nur eine Form davon. Nur, weil man keine Intelligenzminderung hat und spricht bedeutet es nicht, dass man weniger Autist ist als alle anderen. Leider meinen viele Nicht-Autisten (darunter leider auch mancher Diagnostiker, wenn man Berichten von Autisten trauen kann), AS und/oder HFA sei weniger schlimm als MFA oder LFA. Das ist grausam- man bekommt selbst nur bewusster mit, was mit einem los ist und- wie das Umfeld wegen einer angeblich milden Form von Autismus mehr und mehr Druck aufbauen über Dinge, die sie meinen, die man als "milder Autist" können muss...

Kommentar von Fuchssprung ,

@Lea Diesen Fehler habe ich früher bestimmt auch oft gemacht. Lange Zeit wussten wir ja gar nicht, warum sie so ist wie sie ist. Am Ende hat sie selbst Psychologie studiert um heraus zu finden, was mit ihr los ist. Jetzt arbeitet sie als Psychologin in der Statistik. 

Kommentar von Naydoult ,

Genau, bin ebenfalls autistisch und kann das so wiedergeben, hätte es nicht besser beschreiben können. Deshalb wird ja jetzt hoffentlich auch global diese Unterteilung vermieden und das Autismus-Spektrum eingeführt. Man sagt dann nicht mehr jemand ist Asperger Autist, oder jemand hat eine leichte Form des Autismus, sondern nur noch Autist bzw man kommt aus dem Autismus-Spektrum.

Um mal ein Beispiel zu geben. Ich finde es nicht schlimm wenn ich mich zurückziehe und stundenlang mit meinen Hobbys verbringe, oder ich draußen oft nach Nummernschildern draußen gucken muss und sie mir ins Auge springen. Aber wenn dann andere meinen man würde sie nicht mögen weil man sich zurückzieht, wäre eingebildet weil man "exakt" ist, dumm indem man Dinge wörtlich nimmt oder zu nichts fähig weil man schnell verwirrt werden kann (durch viele Menschen, Streit oder anderem). Darunter leide ich.

Antwort
von Grimwulf78, 43

Originelle Frage! ;)

Worte und Bezeichnungen wie Autismus sind nur Etiketten um etwas gedanklich einsortieren zu können.

Es gibt auf jeden Fall Tiere, die bei der sozialen Interaktion mit ihrem Rudel oder ihrer Herde ein untypisches Verhalten zeigen, sich selbst isolieren, die Signale ihrer Artgenossen nicht verstehen... wie Autisten.

Da Tiere aber nicht mit uns kommunizieren, können wir nicht im Gespräch herausfinden wie wir die jeweilige Störung denn nun nennen sollen.

In unserer Massentierhaltung wär's sowieso egal, da wir die Tiere ohnehin aufessen bevor sie erwachsen sind.

In der freien Wildbahn regelt sich das selbst, indem diese Tiere z.B. keinen Partner finden um sich fortzupflanzen und somit ihre Gene nicht weitergeben oder indem sie als erstes vom Bären gefressen werden, da sie die Warnsignale des Rudels nicht verstehen.

Antwort
von JackBl, 32

Wenn, dann könnte so etwas höchstens bei Haustieren vorkommen und untersucht werden, denn Wildtiere wären wohl aufgrund dieses Umstandes kaum fähig, in freier Wildbahn zu überleben.

Gewisse Stereotypen, die bei Hunden oder auch Katzen vorkommen, liegen aber meist an Degenerationen, die auf Überzüchtung zurückzuführen sind. Diese Mängel sind aber oft noch schwerwiegender. Also diverse Spasmen etc.

Antwort
von Naydoult, 32

Zumindest habe ich als Beobachter bei unseren Tieren schon verschiedene Verhaltensweisen entdeckt. Ein Küken verhielt sich recht komisch, hatte Schwierigkeiten mit der sozialen Interaktion, lief immer den eigenen Weg und war etwas tollpatschig. Auch ein Kater von uns war überwiegend schüchtern und mochte Berührungen nicht. Er ist auch generell sehr ruhig und hat seinen eigenen Kopf. Außerdem scheint er sehr schlau zu sein.

Das kann keinesfalls etwas mit dem Leben zu tun haben. Da der Kater ein Kind von unserer anderen Katze ist (Vater jedoch unbekannt) und sie ein gutes Leben hat. Sie ist sozusagen frei. Das andere Kind ist direkt zu Menschen gekommen und verhielt sich ähnlich wie ihre Mutter, passt sich generell an andere Katzen an. Die Küken kommen auch von unseren Hühnern, Futter ist größtenteils "selbstgemacht", also aus Nudeln mit anderen Zeugs.

Deswegen glaube ich auch nicht das Autismus eine Störung/Krankheit ist, das haben sich schließlich die Menschen ausgedacht. Vielmehr ist es einfach die Andersartigkeit, was ohnehin jedes Lebewesen ist, was auch gut so ist.

Kommentar von Fuchssprung ,

Dass meine Tochter autistisch ist hat sich niemand ausgedacht, das ist eine Tatsache. Sie ist schon weit über dreißig Jahre alt und hatte noch nie eine Beziehung. Darunter LEIDET sie sehr.  

Kommentar von Naydoult ,

Aber ist es denn direkt der Autismus? Wären alle Menschen autistisch, würde sie dann immer noch leiden? Alles eine Frage des Bezugspunktes.

Kommentar von Fuchssprung ,

Was wäre wenn? Wem soll das helfen? Das ist nur philosophisches Geschwafel.

Kommentar von Naydoult ,

Meine ja nur. Ist im Endeffekt wie Du ja sagtest "Wortklauberei", solange man weiß was dahinter steckt und man weiß was man meint. :)

Kommentar von Fuchssprung ,

So so... dann hätten wir uns diese Debatte also sparen können?

Kommentar von Naydoult ,

Ich finde Klarheit ist wichtig.

Kommentar von Lea1984 ,

@ Fuchssprung

Tröste sie. Ich wurde oft von Männern ausgenutzt oder es passierten schlimmere Dinge. Besser keine Beziehung als solche Erfahrungen gemacht zu haben, denn sowas erschwert eine Beziehung ungemein.
Ich habe AS und seit mehr als 4,5 Jahren einen Freund. Besondere Menschen, die es "mit einem von uns" aushalten, sind selten. Aber es gibt sie. Mein Freund war Anfang 30 und ich seine erste Freundin. Er ist kein Autist.
Wichtig ist, dass sie daran arbeitet, frei von dem Leid zu sein, noch keine Beziehung gehabt zu haben. Vielleicht eine Therapie oder gezielte Fragen diesbezüglich in Foren, wo andere Autisten sind- wenn sie es "lockerer" sieht, Single zu sein, nicht mehr traurig ist, wirkt sie auch so auf andere und wird interessanter für potentielle Partner.
Viele Autismusforen haben auch Bereiche, wo interessierte Autisten nach Partnern suchen.
Sie darf sich keinen Druck machen.

Antwort
von Revic, 39

Konnte bisher nicht eindeutig bestätigt werden. Man munkelt, dass auch unter Hunden und Katzen Autismus ähnliche Störungen vorkommen sollen, aber naja. Vielleicht wollen sich da auch nur wieder irgendwelche Leute mit ihren Tieren wichtig machen.

Antwort
von DevourYou, 39

Soweit ich weiß gibt es keine Studien darüber, aber Ideen.

Theoretisch ist das sicherlich möglich, nur glaube ich nicht, dass es mit dem Autismus den wir als solchen kennen und beschreiben, direkt vergleichbar ist.

Vermutlich würden autistische Züge beim Tier auch einfach ganz anders interpretiert werden.

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