Frage von GreysCT, 113

Gibt es Dinge, die man beim Kappzaumkauf beachten sollte?

Ich habe bisher nur mit dem Halfter 'longiert' da ich es einerseits nicht besser wusste und andererseits es bei meiner RB erstmal darum ging, die Panik vor dem longieren zu mindern. Jetzt würde ich mir gerne einen Kappzaum zulegen, weil ich "richtig" longieren lernen und Babette Teschen's Longenkurs ausprobieren möchte.

Die neuen, hochwertigen Kappzäume sind mir mit den Kosten des Longenkurses zu teuer, also wirds wohl ein gebrauchter werden. Gibt es irgendetwas zu beachten (außer natürlich dass er dem Pferd passt) weil es gibt ja gefühlt hundert Arten von den Teilen, und ich möcht nicht durch meine Unwissenheit dem Pferd schaden. Außerdem bin ich blutiger Anfänger, habe noch nie mit einem Kappzaum longiert. Ist es da sinnvoll, gleich mit dem Longenkurs anzufangen?

LG Grey

Expertenantwort
von friesennarr, Community-Experte für Pferde, 47

Es ist sehr wichtig erst mal einen Kappzaum von jemand anderes bei deinem Pferd auszuprobieren. Es gibt Pferde, die den Kappzaum nicht mögen und sich mit dem Kappzaum sehr unwohl fühlen.

Mein Wallach konnte man nicht mit Kappzaum arbeiten, der ist immer gegen den Druck gelaufen und hat einfach nicht mehr angehalten. Für ihn habe ich eine andere Lösung gefunden.

Meine Stute hat eine Serreta das ist sowas:

http://www.hue-hott.de/shop/USER\_ARTIKEL\_HANDLING\_AUFRUF.php?javascript\_enab...

Der ist für sie o.k.

Bei Ebay gibt es massenhaft sehr gute Kappzäume günstig zu kaufen. Manchmal bekommt man da für 2 Euro einen fast neuen Kappzaum - hatte dort auch einen drin (Neupreis 119 Euro) bei Ebay für max. 3 Euro weggehen würde, also hängt er noch bei mir im Stall rum.



Kommentar von GreysCT ,

Oh, okay, hätte ich in so ähnlicher Form eh gemacht, erstmal im Umkreis nachfragen statt etwas übers Internet zu bestellen. 
Und was machst du mit deinem Wallach, hast du eine Alternative für den Kappzaum oder longierst du in der Form einfach gar nicht?

Hm, kann sein dass ich einem Vorurteil aufgesessen bin aber Serreta verbinde ich mit 'in Profihände'

Das klingt gut! Werde aber erst einmal bei mir in der Gegend fragen, auch wenn man Sachen die nicht passen zurückschicken kann mag ichs lieber wenn ich den Artikel in der Hand und am Pferd sehe.

Kommentar von friesennarr ,

Ich longierte beim Wallach anders - der war aber Nachzucht, der ist mittlerweile bei seinem neuen Besitzer.

Serreta ist nur andere Form - eben nicht der deutsche Kappzaum wie man ihn mit den 3 Eisen auf der Nase kennt. Ich persönlich halte diesen Kappzaum für zu schwer und mit zu krasser Einwirkung.

Bin eigendlich kein Fan von Kappzäumen - die Serreta habe ich mir auch nur angeschafft, weil ich dachte das es mal gut wäre. Longiere trotzdem weiterhin auf meine Art und benutze die Serreta nur ganz selten noch.

Expertenantwort
von MissDeathMetal, Community-Experte für Pferde, 63

Ja das ist auf jeden Fall sinnvoll, denn irgendwann muss man ja mal anfangen! ;) 

Ich persönlich achte beim Kappzaumkauf auf folgende Punkte:

Stabiles Material, Leder oder Biothane. Nylon usw kommt nicht in Frage, denn egal wie fest man das anzieht, es sitzt nicht. Und wenn ein Kappzaum verrutscht kann das wortwörtlich ins Auge gehen. 

Am liebsten nehme ich den Wiener Kappzaum, also einen mit 3 Gelenken. Der Deutsche hat nur 2. Mit 3 Gelenken kann sich der Kappzaum besser anpassen und wirkt sicherer als einer mit 2en. Beim Biothanekappzaum hat man diese Überlegung nicht, da dieser kein Naseneisen hat, sondern einfach direkt aufliegt. Es gibt auch Lederkappzäume die nur aus Leder bestehen und kein Eisen haben. Diese Kappis sind zwar etwas schammiger in der Wirkung, aber für sehr schmale Köpfe oftmals die beste Lösung wenn die Metallnasenteile einfach nicht passen wollen oder viel zu riesig sind (bspw bei schmalen Araberköpfen, Shettys, usw.)

Der Kappzaum muss einen Ganaschenriemen haben. Ohne diesen kann der Kappzaum nicht fixiert werden und bei seitlichem Zug rutscht alles ins Auge. Ein Kehlriemen ist unnötig, stört aber auch nicht falls vorhanden. 

Das Naseneisen muss auf jeden Fall passen. Eine gute Anleitung um das zu überprüfen gibts auf Babette Teschens Seite wege-zum-pferd.de :) Wenn das Eisen nicht perfekt passt frage einen Schmied ob er dir weiterhelfen kann 

Stirnriemen braucht man ebenfalls nicht, sollte einer dran sein, überprüfe ob er von der Länge her passt. Gequetschte Ohren sind unangenehm. 

Ich persönlich kaufe nur Kappis mit D-Ringen. Bei O-Ringen habe ich häufig den Fall, dass sie klappern. Das stört mich und das Pferd, die D-Ringe stehen alleine und klappern nicht rum. 

Gucke auf jeden Fall nach einem Kappzaum. Cavecons usw sind sehr scharfe Kappzäume, da sie oftmals nur eine (Fahrrad-)kette als Nasenriemen besitzen, oder Draht. Das ist nur etwas für sehr erfahrene Hände

Gebraucht bekommt man oftmals wirklich gute Kappis für 20-30€ also guck da ruhig mal :) 

Kommentar von MissDeathMetal ,

achja. Das Naseneisen muss 2 Finger unterhalb des Jochbeins liegen (so wie Halfter, Sidepulls usw auch). Das Jochbein ist der rausstehende Knochen seitlich am Pferdekopf (unterhalb der Augen). Diese Position ist sehr wichtig, da Druck weiter oben Kopfschmerzen bereiten kann, ein zu tief liegender Kappzaum hingegen das Nasenbein brechen kann 

Kommentar von GreysCT ,

Da hast du nun auch wieder Recht :)
Kann ein Pferd bei falscher Handhabung mit dem Kappzaum eigentlich auch abstumpfen (wie beim Gebiss)?

Vielen Dank für die Menge an Tipps, besonders das mit den Naseneisen wird bei meiner RB interessant, die hat ein schmales Köpfchen. 
Die empfohlene Seite von Babette Teschen hab ich schon durchgestöbert, danke :D

Kommentar von MissDeathMetal ,

Klar, ein Pferd (und auch Menschen) können auf alles abstumpfen. Daher setzt man auch am Kappzaum die Hilfen sehr fein ein. Auch wenn man es nicht glauben mag, ein Pferd merkt mit einem passenden Kappzaum wenn du am anderen Ende der 8m Longe die Faust fester schließt. Probiert das am besten mal aus und gucke, ob dein Pferd auf Faustschließen und -öffnen reagiert. Ich persönlich halte die Longe übrigens wie einen Zügel, also zwischen kleinem Finger & Ringfinger rein und über den Zeigefinger wieder raus mit Daumen drauf. Pferde sie unheimlich sensibel und am Kopf sind die nerven direkt auf den Knochen, nur von der Haut und dem Fell ummantelt. Da sind weder Fett noch Muskeln, der Nasenrücken ist sehr sensibel und wie gesagt: auch feinste Impulse kommen gut an :) 

Ich mache geraden den Biothanekappzaum selbst. Wenn du dich ein bisschen mit dem Material beschäftigst kannst du das auch tun, ist wirklich nicht schwer! :D 

Kommentar von friesennarr ,

Pferde sie unheimlich sensibel und am Kopf sind die nerven direkt auf den Knochen, nur von der Haut und dem Fell ummantelt.

Genau deshalb ist mir ein normaler Kappzaum fürs Pferd viel zu heftig. Mein Wallach ist mit Kappzaum schier verrückt geworden, weil der diesen Druck auf der Nase absolut nicht ab konnte.

Kommentar von GreysCT ,

Alles klar, ich hoffe meine RB verzeiht mir wenn ich ein bisschen rumprobiere. 

Klingt interessant! Werd ich mir mal anschauen, auch wenn ich normalerweise nicht so der DIYMensch bin :D

Antwort
von beglo1705, 39

Ich würde an deiner Stelle auch erst mal einen Kappzaum ausleihen, um zu sehen, wie dein Pferd darauf reagiert.

Nicht wenige Pferde reagieren über, wenn der Druck auf dem Nasenbein einsetzt. Ich hab derzeit auch einen Hengst in Beritt der nicht mehr konzentriert mitmacht, sobald nur ein wenig Druck auf die Nase und auf´s Genick einwirkt und geht dann meist rückwärts, was nicht als Erfolg zu verbuchen ist.

Kommentar von GreysCT ,

Danke, werd ich machen!

Kommentar von friesennarr ,

Schön, das das nicht nur bei mir so war. Mein Wallach ist einfach immer weiter gelaufen - denn konnte man gar nicht mehr anhalten - druck von der Art wie beim Kappzaum wurde von ihm mit gegendruck beantwortet - der hat vielleicht gedacht, das er da jetzt etwas ziehen soll.

Kommentar von beglo1705 ,

Womöglich hat der Kappa deinem Wallach zu sehr gedrückt und er hatte ein unangenehmes Gefühl dabei, was ihm Gewicht vermittelt hat und somit zum Ziehen animiert hat?

Es ist halt jedes Pferd individuell und nicht jedes Tier "steht" auf Kappzaum.

Antwort
von Ladybug92, 8

Hey :) Die Passform ist beim Kappzaum noch wichtiger bzw. muss noch genauer passen und auch richtig verschnallt werden als zB. beim Halfter, weil er rutschen kann und die Einwirkung dann ungenau wird, außerdem kann er auch ins Auge rutschen.

Empfehlen würde ich für den Anfang einen Kappzaum ohne Naseneisen, also nur gepolstertes Nasenteil mit Ringen dran. Funktioniert nicht ganz so präzise aber man kann auch nicht so viel Schaden anrichten.

Was das Material angeht, gibt es die meist in Leder, Biothane und Nylon. Anders als hier von jemand anderem geschrieben, kann aber auch ein Nylonkappzaum gut passen - ich habe einen und er passt meinem Pferd wie angegossen, sitzt gut und ins Auge rutscht da nichts. Aber es ist wirklich sinnvoll, zuerst verschiedene Kappzäume auszuprobieren, um einen mit der richtigen Passform zu finden und du solltest dir beim ersten Mal jemanden suchen, der dir die richtige Verschnallung erklärt. Falsch verschnallt sitzt auch ein 300€ Lederkappzaum schlecht. Weitere Vorteile von Nylon sind der günstige Preis (gibt es schon für unter 20€, selbst wenn er nicht passt und du ihn weiterverkaufst machst du nicht allzu viel Verlust) und dass das Material pflegeleicht und robust ist. 

Von einer Serreta würde ich erstmal die Finger lassen. Da muss das Naseneisen gut angepasst sein, um genau auf die Nase des jeweiligen Pferdes zu passen. Die Einwirkung ist sehr präzise, aber man sollte eine ruhige Hand haben und sehr einfühlsam damit umgehen können. Grade wenn du UND das Pferd noch wenig Ahnung vom Longieren habt, ist das mMn nicht das Richtige. Außerdem haben die teilweise eine gezackte Unterseite, dann wird es unfair, finde ich. Auch bei einem Profi kann das Pferd mal einen Satz zur Seite machen und dann wird es schmerzhaft. Genauso würde ich von einem Cavecon abraten, da ist im Nasenteil eine Kette, die auch fies drücken kann.

Kappzäume mit Metallgelenk auf dem Nasenriemen sind sehr schwer und das mögen auch nicht alle Pferde - meiner hat sich sehr heftig dagegen gewehrt, was er sonst nie macht. Das Gewicht kann aber auch positive Auswirkungen auf Haltung und Muskulatur haben, sollte jedoch sehr gut abgepolstert sein.

Kommentar von GreysCT ,

Vielen Dank! :)

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