Frage von orion91, 28

Gibt es digitale Messsucherkameras?

Gibt es aktuell bezahlbare digitale Messsucherkameras zu kaufen - also abgesehen von der Leica M- Serie? Ich habe mal nach sowas gesucht aber bisher keine gefunden. Warum ist das so wenig verbreitet?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von IXXIac, Community-Experte für Kamera, 8

Hallo

aktuell gibt es ausser den Leica M nur die Fuji X Pro 1 (seit März die 2) sowie die Fuji X100 Serie. In Japan werden auch noch neue Epson RD1 (Basis; Cosina CT / Voigtländer Bessa / Zeiss Ikon) verkauft die hat bis heute einen Fankreis obwohl technisch veraltet (Aber das ist ja das schöne dran).
Die Fujis haben aber einen Hybridmesssucher ohne mechanisch gekoppeltes Messwerk. Dieser wurde mal zusammen mit Leica und Hasselblad entwickelt. Leica hat aber von Fuji auf Panasonic gewechselt (Panasonic hat einfach viel Geld auf denn Tisch gelegt), Blad ging vollends Pleite und hat einfach eine Fuji Mittelformatkamera umgelabelt und das Thema Kleinbild/X-Pan (auch von Fuji) Ad-Acta gelegt. Das Hasselblad/Leica/Fuji Projekt wurde dann zur Fuji X100 und später zur Trans-X Serie weiterentwickelt (BZW vereinfacht).

Deswegen fühlen sich dort Fotografen bei der Bedienlogig und Haptik "@Home" und bei der Bildqualität gibt es im APS-C Bereich noch nichts "besseres". Im Kern ist es der bis zZ immer noch "beste" Sony APS-C Imager (16MP) nur das Fuji eine eigene Bayer Matrix entwickelt hat und die Mikrolinsen zum Rand hin Winkelkorregiert orientiert sind.

Als Bonus arbeitet Fuji X mit einem eigenem Adapter problemlos mit Leica M (ROM Versionen, sonst gibt es keine Entfernungseinblendung im Hybrid Messsucher) Optiken und hat keine Abbildungsleistungsprobleme wie bei anderen APS-C oder Vollformat Systemkameras (Sony !)
Andererseits sind die Fuji Festbrennweiten wie das 35/1.4, das 24/1.4 oder 90/2 in der Abildungsleistung mit denn aktuellen Leica M Optiken vergleichbar kosten aber nur 1/5 und haben auch noch Autofocus mit brauchbarer FTM Funktion. Nur das Fuji 18/2 "schwächelt" etwas.

Beim Thema AF Speed ist man mit der X Pro 1 auf dem Niveau der 90er Jahre Canon SLR (EOS 1n, EOS3) und seit der T1 hat man an Sony, Samsung oder Olympus CSC angeschlossen (aber nicht das rasante Tempo einer Lumix GH oder Olympus M1)

Der X Pro 1 Hybridmesssucher hat aber auch einige Macken.

- Im EVF Modus reicht die Auflösung nicht zur manuellen Scharfstellung also braucht man die Focuslupe
- der EVF ist technisch aus der zweiten Generation also hat etwas Lag (Zeitverzögerung), geringe Video Frequenz und zieht Spitzlichter nach. Bei Dunkelheit griesselt das Bild, zudem gibt es beim Auslösen einen kurzen Frezze/Blackout.
- der EVF zeiht immer Strom weil der auch im OVF Modus denn Sucherrahmen und Informationen einblendet.
- die EVF/OVF Kombination ist nur bis "Normalbrennweite" brauchbar ab leichtem Tele wird der OVF eigentlich nutzlos wenn man Ausschnitt und Schärfe gleichzeitig im Auge haben will. Gerade bei Portraits mit 50-60mm wo man dann selber freistellen will (weil der AF denn Focuspunkt "falsch" setzt)
Fuji hat aber seit dem ich eine X Pro1 ausprobiert habe einige Updates in der Firmware gehabt und seit der X100T gibt es einem neuen/aktuellen EVF der 3ten oder 4ten Generation (der selbe wie in E2, T1)

Messsucher;

- sind mechanisch Aufwändig und brauchen teueres Sonderglas, hohe Präzission bei der Mechanik und Steuerkurve der Optik (keine Luft bei der Umkehr), dem Auflagemass und bei der Messmechanik. Ein Autodooffocussystem ist viel billiger und kompakter herstellbar, mit "Glasbausteinsucher" kombinierbar und lässt auch noch "teuer" verkaufen.
- brauchen für Teleoptiken und/oder superlichstarke Optiken eine grosse Messbassis womit sich diverse Zielkonflikte ergeben. Grosse Kameragehäuse sind heute schwer verkaufbar
- Paralaxenfehler und Abschattungen durch Streulichtblende sind auch Nachteilig aber kompensierbar.
- haben kein Mattscheibe und zeigen kein TTL Abbild wie SLR an. Bedeutet der Fotograf muss sich noch viel tiefer in die Abbildungseigenschaften der Optiken "reinarbeiten" bzw eben reindenken.
- haben den Vorteil da wo SLR zu langsam (Der Klappspiegel muss ja erst hochklappen da sind Leica M mit dem Fotografieren schon fertig) zu laut (In denn meisten US Gerichten sind nur Kameras zugelassen die maximal so "laut" wie eine Leica M sind, also kein Autofocusgeräusch und kein Verschlussgeräusch).
- bleiben immer gleich hell und man kann auch bei Dunkelheit noch focusieren wo SLR Mattscheiben zu dunkel sind und auch Mikroprismen und Messkeile versagen. Zudem gibt es keine Dunkelphase
- Weiterhin hat man im Sucher ja meist genug Umfeld und man kann Stereoskopisch also mit beiden Augen offen arbeiten (geht ja auch mit SLR und Normalbrennweiten)

Gerade bei Fotoreportage und Streetfotografie sind Messsucher vom Handling unschlagbar (frei nach dem Moto wenn die Bilder nicht gut sind war man nicht nah genug dran) und für 99% der Fotografierten noch nicht "obstrusiv".

Bis in die 90er waren Messsucherkameras bei Fotoreportage unverzichtbar und deckten meist denn Weitwinkelbereich ab wo Messsucher (bis heute) denn SLR Abbildungstechnisch weit überlegen sind und dabei auch noch viel weniger wiegen.  SLR benutzte man nur für Telefotografie oder Makroarbeiten. Deswegen ist bei heute eine Leica M mit einem 35er Summicron die Kombination mit denn meisten Preisgewinnern bei Reportage oder Wettbewerbsfotografie. Die Kombination war halt 50 Jahre der Standard der Reportagefotografen und die "Immerdabeikamera".

Antwort
von PhillipD00, 15

Epson hatte mal eine Messsucherkamera produziert, ist aber ausgestiegen. Ansonsten ist Leica meines Wissens der einzige Produzent von Messucherkameras. Fujifilm hat mit der X-Pro1/2 bzw X100(-S/-T) zwar ähnliche Kameras, die zwar so aussehen wie Messucherkameras, aber keinen Mischbild sucher wie Leica haben.

Ja, woran der Niedergang von Messsuchern lag, kann man nur mutmaßen. Eine Rolle spielt sicher, dass die Mechanik von Rangefindern sehr kompliziert ist (hab mal was von 300 Einzelteilen für den Sucher gehört) und deshalb die Kameras auch teurer werden als SLR. Außerdem hat man bei einer SLR den Vorteil, dass man direkt durch das Objektiv schaut und damit nicht die falsche Perspektive der Messsucherkameras hat.

Hoffe, dass ich dir weiterhelfen konnte, LG

Kommentar von orion91 ,

Danke für deine Antwort!

Nun, so kompliziert sind Messsucher eigentlich nicht. Im Grunde fährt ja nur eine Art Ring vom Objektiv (aktuelle Position der Linse) gegen einen Hebel in der Kamera, der wiederum einen kleinen Spiegel bewegt. Zumindest bei den alten Schraubleicas und deren Kopien von FED, Zorki, Canon ist das im Grunde sehr simpel gelöst. Aber ich vermute, wie du auch, dass man heutzutage keinen Vorteil mehr in der Messsuchertechnik sieht - außer, dass man das Motiv zu jedem Zeitpunkt im Blick hat und somit sehr präzise innerhalb von Sekundenbruchteilen Fotografieren kann

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