Frage von loorencheen2, 84

Gibt es diesen Zerfall an Traditionen auch in anderen christlichen bzw. nicht-christlichen Gruppen?

Wie man unschwer erkennen kann, zerfallen die Traditionen an Weihnachten mit den Jahren immer mehr. Viele Umfragen ergeben, dass nur wenige Menschen am Weihnachtsfest in die Kirche gehen, um dort die Geburt Jesu zu feiern. Mich interessiert es, ob es diesen Zerfall der Traditionen auch in anderen christlichen bzw. nichtchristlichen Gruppen gibt? Was sind eure Erfahrungen dazu?:)

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Religion, 31

Ich würde nicht unbedingt von einem Zerfall sprechen - denn wenn etwas altes durch etwas neues ersetzt wird, ist das ja nicht zwangsläufig schlecht.

Meiner Meinung nach würde solch ein "Update" vielen Weltanschauungen gut tun und zur Endradikalisierung religiöser Ansichten beitragen.

Tatsächlich ist der "Verfall der Sitten" ein Argument, das von vielen Gruppen genutzt wird, um sich von der übrigen Gesellschaft abzugrenzen und sich als "Auserwählte" zu sehen, da man sich diesem System widersetzt.

Dieser "Zerfall" wird dann auch gerne als Hinweis darauf verstanden, dass wir in einer Art von finaler "Endzeit" leben und die bestehende, "sündige" Gesellschaft nicht mehr lange überleben wird.

Diese Vorstellungen sind nicht nur auf christliche Gruppen beschränkt, sondern finden sich in eschatologischen New Age Sekten genau so, wie beispielsweise in bestimmten Formen des Buddhismus.

Im China wurde dem indischen Buddhismus das Konzept der "Drei Zeitalter" (der japanische Begriff lautet "Sanji) zugefügt.

Demnach soll es ein Zeitalter geben, in dem die Erleuchtung möglich ist ("Shobo") ein Zeitalter, in dem der Buddhismus zwar erlernt werden kann, aber keine Erleuchtung mehr möglich ist ("Zobo") und das Zeitalter des totalen Niedergangs in dem niemand mehr aus eigener Kraft erleuchtet werden kann ("Mappo")

Das Konzept des Niedergangs der Lehre nach dem Tod des Buddha gab es aber offenbar schon im älteren Theravada-Buddhismus.

Buddha soll gesagt haben (Vinaya II, 259 (Cullavagga X,1), dass die Ordination von Frauen dazu führen werde, dass seine Lehre nicht mehr 1.000 sondern nur noch 500 Jahre Gültigkeit haben werde.

Du siehst also, solche "Niedergangstheorien" gibt es nicht nur im Christentum.

Ich sehe diese Schwarzmalerei eher kritisch - jeder Niedergang ist schließlich auch die Chance für einen neuen Anfang.

Irgendwelcher "Sittenverfall" wird meist eben von konservativen Gläubigen gesehen, die Angst haben, ihre gewohnten Strukturen verlassen zu müssen - und von manipulativen Predigern, die durch solche Angstszenarien ihre Macht über ihre Anhänger festigen

Antwort
von Netie, 35

Zu deiner Frage setze ich dir mal eine Leseprobe rein:

http://clv-server.de/pdf/256303.pdf

Ab S. 105 "Emotionaler Zerbrechlichkeit entgegenwirken"

lg

Antwort
von Accountowner08, 47

Ja, zum Glück, denn viele Werte, die als "christlich" verkauft und praktiziert werden sind nicht unbedingt wünschenswert, z.B: Intoleranz gegenüber anderen Religionen, Missionseifer, strikte Vorschriften im Bereich der Sexualität, wo Verstösse rigoros geahndet werden, Abtreibungsverbot (auch für vergewaltigte Frauen) etc.

Kommentar von loorencheen2 ,

Das stimmt, das ist sehr wichtig, dass Traditionen dieser Art abgeschafft werden. Aber ich meine vor allem auch, ob es in anderen Gruppen auch einen Zerfall der Traditionen gibt wie beispielsweise dem Zerfall der Traditionen an Weihnachten und dadurch auch am christlichen Glauben.

Kommentar von Accountowner08 ,

Na ist doch schön für die Christen, dass die Leute weiterhin Weihnachten feiern, obwohl sie an die christliche Glaubenslehre nicht mehr glauben...

Dass immer weniger Leute an die christliche Glaubenslehre und auch an andere religiöse Erzählungen glauben (die tw. auch von der Wissenschaft widerlegt bzw. nicht bestätigt wurden) scheint mir unbestreitbar eine Entwicklung unserer Zeit, seit ca. 100-200 Jahren zu sein...

Liegt wohl unter anderem auch an den Fortschritten der Wissenschaft, die viele religiöse Postulate widerlegt hat...

Antwort
von Misrach, 24

Ja im Jundentum gibts das auch. Ich zum beispiel bin keine "richtige" Jüdin weil mich nicht an alle 613 Gebote, auch nicht an die 39 Verbote zum Sabbat. (generell nehmen ich es mit dem Sabbat nicht immer so ernst (oder feier ihn so wie man es machen soll))

Also, ich bin schon gläubig aber für die streng gläubigen, die orthodoxen uns bin ich eigentlich keine richtige Jüdin. ich finde man muss nicht an jeder Tradition festhalten und sie zu 100 Prozent so ausführen wie es sein sooll, gerade weil das auch alles eine Auslegungssache  ist. Und ich lege manches anders aus ;-)

Kommentar von Patchouli ,

Da hast du Recht.

Kommentar von loorencheen2 ,

Da stimm ich dir auch zu.:)

Antwort
von hertajess, 15

Vielleicht magst Du Dich mal mit der Zeit Kanzler Schebnas im AT beschäftigen. An diese Zeit erinnert mich die unsere. 

Es wird an uns liegen wie wir aus dieser Phase heraus kommen. 

Dazu ist nötig sich zunächst zu fragen Was bitte denn tatsächlich Traditionen und christliche Werte sind in unserem Staat. Ohne sich dieser Frage nicht ausführlich gewidmet zu haben erscheint mir die Behauptung von einem Zerfall denn doch bemerkenswert. 

Lasse mich das Thema Kinder nehmen:

Tradition ist in unserer Gesellschaft sexueller Missbrauch vom Babyalter an. An dieser Tatsache kann keine Maus einen Faden abbeißen bis Tatsachen das Gegenteil beweisen. Da wir uns aber als Gesellschaft beharrlich weigern dieses Thema auch nur in unmittelbarem Umfeld wahrzunehmen fehlt es an Fakten. Doch je länger wir keinen Krieg führen je lauter melden sich die Opfer als Erwachsene zu Wort. Und ich schreibe hier nicht von den Vorfällen in kirchlichen Institutionen. Sie sind nur der sichtbare Teil des Eisberges. 

Immerhin hat sich unser Recht bezüglich der Arbeit von Jugendämtern in den letzten Jahren sehr zu seinem Vorteil verändert, mehr hin zur Beachtung christlicher Werte. Tatsächlicher christlicher Werte. 

Wir haben einen Bundesbeauftragten sexuelle Gewalt gegenüber Minderjährigen. Er hat viel zu wenig Personal aber immerhin. 

Vor ca. einem Jahr erlebte ich das erste Mal - wohl in der gesamten Geschichte der Menschen die nach den Neandertalern hier siedelten - einen Bundesminister Familienrichter öffentlich drohend an die Rechte von Minderjährigen erinnern. 

Seit etwa Mitte letzten Jahren haben wir auf EU-Ebene eine kostenlose Telefonnummer, einheitlich und ohne Vorwahl nutzbar damit Minderjährige sich Rat holen können. 

2002 wurde in Westdeutschland das letzte Kinder-Konzentrationslager geschlossen. 

Ja, Gut. Weihnachten. Eine menschliche Erfindung die Du nicht in der Überlieferung findest. Und manches andere Fest, manche andere Vorstellung. 

Nur weil ich als Baby getauft wurde bin ich noch lange keine Christin. 

Nur weil ich vor der Pubertät zu Kommunion und Firmung gezwungen wurde bin ich noch lange keine Christin. 

Nur weil ich an irgendwelchen Zeremonien teilnehme in dafür bestimmten Häusern bin ich noch lange keine Christin. Vor allen Dingen dann nicht wenn ich mich weigere die ganze Überlieferung zur Kenntnis zu nehmen, es bevorzuge mir von Menschen einreden zu lassen wie ich die Überlieferungen zu verstehen 

Wir haben noch sehr viel Arbeit vor uns wollen wir tatsächlich christliche Werte in unsere Gesellschaft implantieren. Und sie nach und nach zu Traditionen werden zu lassen.

Kommentar von loorencheen2 ,

Die christlichen Traditionen beziehen sich bei meiner Frage hauptsächlich auf Weihnachten. Das heißt, Weihnachten mit christlichem Glauben zu feiern, in die Kirche zu gehen und eben die Geburt Jesu zu feiern und nicht andere Dinge in den Vordergrund zu stellen. Soweit es durch Umfragen  bzw. Interviews herauskristallisiert werden konnte, gibt es immer mehr Menschen die eben dieses Weihnachtsfest ohne christlichen Hintergedanke feiern, natürlich gibt es immer noch genügend gläubige Menschen, jedoch kann man schon von einem Zerfall reden, wenn der Anteil derer zurückgeht und langsam sinkt. Die Frage ist, ob es diesen "Zerfall" auch in anderen Gruppen gibt.

Kommentar von hertajess ,

Da bin ich überfordert. Denn ich verstehe nicht Was Du genau unter anderen Gruppen verstehst. 

Solltest Du darunter z.B. den Islam verstehen so beobachte ich da dass sich der Wahabismus mit Gewalt durchzusetzen versucht. Der Wahabismus ist im Islam so hoch angesehen wie bei uns die Zeugen Jehovas. Er finanziert hauptsächlich jene kriminelle Vereinigung die die Glaubensbezeichnung missbraucht. Er hat Regeln erfunden die so nicht im Koran zu finden sind. ..... Und doch, ja: Auch der Wahabismus betet nach meiner Wahrnehmung Gott Mammon ganz schön an. 

Kommentar von loorencheen2 ,

Ja beispielsweise die Gruppe der Muslime.:)

Antwort
von Dummie42, 30

Weihnachten ist in diesem Kulturkreis das wichtigste Familienfest. Ich kann nicht sehen, dass das bröckelt, eher im Gegenteil. Ob man da zusätzlich in die Kirche geht, finde ich dabei völlig unerheblich.

Kommentar von loorencheen2 ,

Klar wird es immer noch gefeiert und gehört zu einem der wichtigsten Familienfeste. Jedoch geht es eben darum, dass der Glaube dabei immer mehr zerfällt.:) Natürlich kann das Weihnachtsfest auch ohne Glauben oder auch ohne einen Kirchengang schön und besinnlich sein. Verglichen mit anderen Kulturen stellt sich eben nun die Frage, ob es dort ähnlich ist, oder ob andere Traditionen bestehen bleiben?:)

Antwort
von Andrastor, 31

Tradition bedeutet das Feuer weiterzugeben und nicht die Asche am Leben zu erhalten.

Natürlich gibt es immer und überall einen Traditionsverfall. Das ist ganz natürlich, alte Traditionen werden durch neue ersetzt, weil die jüngeren Generationen mit den alten Traditionen weniger verbinden als die alten.

Antwort
von 1988Ritter, 29

Als orthodoxer Christ kann ich Dir dies nicht bestätigen. Tatsächlich steigt die Anzahl der Gläubigen bei uns stetig an.

Antwort
von Nunuhueper, 23

Was sollen denn die hier angesprochenen Christen und Nicht-Christen unter "Zerfall" verstehen? Traditionen wandeln sich. Halloween oder Ostern, alle Feste haben ihre Feiernden.

Oder meinst Du die christlichen Werte im Glauben?

Kommentar von loorencheen2 ,

Ich denke, dass an Weihnachten immer mehr die Geschenke und andere Komponente die Überhand an Weihnachten gewinnen und somit die eigentliche, christliche Bedeutung immer mehr "zerfällt", da eben andere, kommerzielle Interessen in den Vordergrund rücken. Meine Frage ist jetzt, ob dieser "Zerfall der christlichen Traditionen" mit einem Zerfall in einer anderen christlichen bzw. nicht-christlichen Gruppe verglichen werden könnte.:)

Kommentar von Nunuhueper ,

Du kennst sicher keine Armut. Unseren Wohlstand haben wir uns alle mühsam errungen und dann sind Geschenke in der Weihnachtszeit nur ein liebevolles Dankeschön an unsere Nächsten.

Christen vergessen dabei nicht, was mit der Geburt Jesu geschah. Ob sie nun in die Kirche gehen oder zu Hause musizieren und Weihnachtslieder singen, macht sie zu keinen schlechten Menschen.

Kommentar von loorencheen2 ,

Das habe ich auch so direkt nicht gemeint. Natürlich ist man nicht sofort ein schlechter Mensch, es ist immerhin jedem selber überlassen wie und wo er sein Weihnachtsfest feiert. Der eigentlich Ursprung von Weihnachten ist jedoch die Geburt Jesu. Ich behaupte nicht, dass Christen nur ihren Glauben verlieren, weil sie nicht in die Kirche gehen, man kann eben auch christlich sein, ohne den Kirchengang, genauso wie man nicht sofort zum Christ wird, nur weil man eben die Kirche besucht. Es wurde dennoch schon des Öfteren durch Umfragen oder Interviews belegt, dass immer weniger Menschen das Weihnachtsfest ohne christlichen Glauben feiern, dass niemand mehr die christliche Bedeutung im Blickfeld hat, ist dabei nicht gesagt. Trotzdem lässt sich demnach diese Tradition als einen "Zerfall" bezeichnen, da es eben so ist, dass sich die Traditionen und evtl. auch der Glauben gewandelt hat. Dass dies mit den Geschenken zu tun hat, ist nur eine Vermutung. Es stehen eben Konsum und Glauben gegenüber. 

Kommentar von Nunuhueper ,

Zunächst: man wird zum Christ durch die Taufe.

Einen Zerfall des Christentums sehe ich nicht. Der Markt mit seinen Geschäften ist ausgerichtet auf Weihnachten. Das ist doch gut für alle Seiten. Wer sollte das beklagen?

Also ich "konsumiere" an Weihnachten das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Diejenigen, die die Bedeutung von Weihnachten nicht kennen, interessieren sich für andere Dinge und feiern nicht. Lass sie.

Kommentar von loorencheen2 ,

Ist eben Ansichtssache.:)

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community