Frage von YDerKellerY, 38

Gibt es die geplante Obsoleszenz?

Ich habe bisher gedacht, die einen wissen bescheid und die anderen haben sich nicht damit beschäftigt. Aber letzthin hab ich bemerkt, dass das Thema doch ein wenig umstritten ist.

Dieser Artikel z.B "Böswillig eingebaute Mängel, mit denen der Hersteller die Lebenszeit von Produkten absichtlich verkürzt, fanden die Forscher folglich nicht." http://www.focus.de/digital/multimedia/grosse-studie-zur-obsoleszenz-elektrogera...

Was denkt ihr darüber? Ich finde es ein wichtiges Thema, da die geplante Obsoleszenz einen sehr perversen Trend aufzeigt auch wenn es nur die Spitze des Eisbergs ist.

Antwort
von Franz1957, 5

Meine Blue Jeans gehen immer durch die Löcher in den Hosentaschen kaputt. Die Taschen sind aus extra dünnem minderwertigem Stoff. Schon der Haustürschlüssel, den man täglich dabei hat, macht sie kaputt. Zu flicken sind die Löcher nur schwer. Man kann Bügelflicken draufbügeln, eine oder zwei Schichten. Das hält aber nicht lang. Dann ist eine neue Jeans fällig, obwohl die alte noch zum größte Teil heil ist.

Daß die Näherinnen in Asien von dem Geld, das mich das kostet, nur ein paar lumpige Cents bekommen, ist nur ein Teil dessen, was mich ärgert.

http://www.br.de/nachrichten/arbeitsbedingungen-textilindustrie-schwellenlaender...

https://netzfrauen.org/2013/09/24/fuer-billigjob-sterben-in-bangladesch-ist-taeg...

Ebenso böse macht mich der Anblick der Landkarte von Zentralasien, auf der ein großer See verschwunden ist, weil jahrzehntelange Bewässerung von Baumwollplantagen dort alles Wasser aufgebraucht und eine Wüste hinterlassen hat - für die Wegwerfklamotten in unseren Läden und für die Bankkonten der paar Geschäftsleute, die damit reich wurden.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/aralsee-satellitenbild-zeigt-wie-der-ar...

http://www.zeit.de/video/2014-09/3811314238001/umweltkatastrophe-groesster-teil-...

Antwort
von unlocker, 17

Leider gibt es die (die Glühbirnen sind nur ein altes Beispiel), aber auch bei aktuellen Geräten, und nicht mal nur bei billigen sind oft Teile so konstruiert, dass sie gerade mal die Garantiefrist oder eine bestimmte Betriebsstundenanzahl überleben. Elkos in Netzteilen, mechanische Bauteile in Haushaltsgeräten usw. Oft gibt es dann keine Ersatzteile, oder sie sind unverhältnismäßig teuer. Ich kenne das auch von Bürotechnik, repariere da beruflich was noch zu reparieren ist. Auch Kleidung zählt dazu. Möglichst billig und zum bald wegwerfen hergestellt

Antwort
von dan030, 11

Die Frage ist halt immer "was ist böswillig?", und "was ist ein Mangel?"

Ich will mal ein Beispiel aus dem Nicht-Computerbereich geben:

Klassische, ältere Nähmaschinen haben ein Nähwerk, in dem die diversen Zahnräder und Wellen vollständig aus Metall ausgeführt sind. Schwere, solide Technik, die aber durch die größere Masse auch einige Watt Antriebsleistung braucht.

Moderne Tischnähmaschinen, gerade im unteren Preissegment, haben sehr oft Zahnräder aus Plastik drin, und teilweise sind die sogar ziemlich filigran ausgeführt. Leichte Technik, die das ganze Gerät handlicher und kompakter macht, zudem sind die Geräte stromsparender ausgelegt.

Das moderne Gerät mit dem ganzen Plastikkrempel drin geht natürlich nach einigen wenigen Jahren regelmäßigen Gebrauchs kaputt. Das alte Gerät aus den 1950ern hingegen läuft heute immer noch. Und wenn nicht, dann wird irgendwo ein Einzelteil ausgetauscht. Ersatzteile für die Plastikdinger von heute sind hingegen nicht verfügbar.

Das moderne Gerät kostet - in realer Kaufkraft betrachtet - heute einen Verbraucher vielleicht 5 % eines Monatseinkommens. Das schwere Gerät seinerzeit hat früher einen ganzen Monatslohn gekostet oder sogar noch mehr.

Beide Geräte - alt wie neu - tun aber grundsätzlich sehr vergleichbare Dinge.

Frage nun: ist es "geplante Obsoleszenz", wenn man heute eine Plastikkonstruktion zu einem Bruchteil dessen verkauft, was das solide Gerät früher kostete? Ist es "böswillig", wenn man erhöhten Verschleiß gegen massive Energieeinsparung aufwiegt? Wer beurteilt sowas?

Das Thema ist alles andere als einfach.

Kommentar von YDerKellerY ,

Klar ist es nicht einfach und man kann nicht alles (zB die Nähmaschine) immer auf die g.O. schieben. Trotzdem gibt es offensichtliche Beispiele wie zB Drucker.

Mir geht es aber auch nicht darum zu eine Grenze zwischen g.O. und "nebensächlicher Verschleiss" zu ziehen. Das führt zu nichts, in der Praxis wird das sowieso mit dem Preis beurteilt. 

Mich führt das zu Fragen wie: Was ist die Ursache, dass sowas überhaupt möglich ist? Lässt sich die Ursache verändern? 

Aus meiner Sicht ist die g.O. nicht das eigentliche Problem, sondern deutet nur auf ein tiefer liegendes Problem hin.

Kommentar von dan030 ,

Das tiefer liegende Problem ist, dass Kunden die Produkte immer billiger und schneller haben wollen. Und gleichzeitig die Unternehmen immer mehr Profit einfahren wollen.

Das war jetzt einfach.

Kommentar von YDerKellerY ,

Gratuliere :) Natürlich ist es einfach ein Problem zu benennen wenn man nicht anschliessend nach der Lösung sucht ;)

Schwieriger wirds dann bei der zweiten Frage: Wie  lässt sich die Ursache verändern?

Kommentar von dan030 ,

Die Ursache lautet schlicht "Kapitalismus", bzw. das Endstadium desselben. Es gibt nicht nur in Drittweltländern, sondern auch hierzulande, dermaßen viele Menschen, die ziemlich genau mit ihrem Geld rechnen müssen. Und da ist der Endpreis dann halt ausschlaggebend, selbst wenn offensichtlich ist, dass ein billiges Produkt nicht qualitativ hochwertig und auch noch langlebig sein kann.

Die "globale Lösung" wäre eine Anhebung des Lebensstandards für alle (arbeitenden) Menschen. Das wäre politisch möglich, ist in der Praxis aber wohl eher nicht umsetzbar. Maßnahmen wie z. B. die erfolgte Einführung des Mindestlohns reichen da bei weitem nicht. Es müsste ein fundamentaler Paradigmenwechsel her. Den werden wir aber nicht erleben.

Kommentar von YDerKellerY ,

Naja von selbst wird er sicher nicht kommen. Aber ein Versuch ist es allemal Wert, oder?

Ich halte es praktisch eher für möglich als politisch. (Wobei dann die Politik auch kein Problem sein würde)

Antwort
von syncopcgda, 15

Das beste Beispiel für Obsoleszenz ist die Glühlampe. Die Hersteller haben damals viel Aufwand getrieben, die Lebensdauer der Lampen zuverlässig auf 1000 Stunden zu begrenzen, die Lampen hatten ursprünglich eine vielfach längere Standzeit. Dann habe ich gehört, dass bei manchen Druckern ein Zählwerk eingebaut sein soll, das das Gerät nach einer bestimmten Anzahl von Druckvorgängen zerstörerisch außer Betrieb setzt.

Antwort
von BTyker99, 17

Ich denke schon dass es sie gibt, auch wenn die Übergänge fließend sein könnten. Z.B. kann der Hersteller seine Komponenten so auslegen, dass sie mindestens 2 Jahre halten (weil die Gewährleistungszeit so lang ist), und gleichzeitig möglichst billig sein sollen. Daraus ergibt sich automatisch, dass diese Komponenten kurz nach den zwei Jahren den Geist aufgeben, obwohl man das nicht unbedingt als geplante Obsoleszenz bezeichnen kann.

Geplante Obsoleszenz kann aber auch bedeuten, dass ein Produkt einfach überflüssig wird, weil z.B. die Technik veraltet ist, oder es bessere Nachfolger gibt und deshalb niemand mehr das alte Gerät verwenden möchte. Wenn ein Gerät nicht mehr mit neuen Betriebssystem kompatibel ist, weil die Treiber nicht mehr aktualisiert werden, kann das sowohl vom Kosten-Aspekt hinsichtlich des Herstellers begründet werden, als auch als geplante Obsoleszent ausgelegt werden.

Eine eindeutige g.O. liegt meiner Meinung nach aber bei den Druckern vor, die nach einer einprogrammierten Seitenzahl nicht mehr funktionieren, obwohl das Gerät sonst kein Problem hat.

Kommentar von YDerKellerY ,

Ich sehe das auch so, die Übergänge sind nicht klar definierbar. G.O. ist nur das Extrem, aber das macht das Problem nur noch grösser.

Das Endziel ist nicht Qualität, sondern Geld -> also möglichst viel Verkaufen. Langlebigkeit ist also grundsätzlich negativ, ausser sie wirkt sich drastisch auf den Ruf aus.

Antwort
von FoxundFixy, 25

Die Forscher fanden keine bößwillig eingebaute Mängel?

Was auch immer das heißen mag.

Wenn eine Firma Schwachstellen einbaut wie Zahnräder aus Plastik statt Metall ,finde ich schon, daß Obsolenz geplant ist

Kommentar von dan030 ,

Man sollte aber immer auch im Hinterkopf halten, dass zum Beispiel Geräte am unteren Ende der Preisskala vielleicht nur für Gelegenheitsanwender gedacht sind. Siehe mein Nähmaschinenbeispiel in der anderen Antwort. So ein Plastikteil kann für jemanden, der die Maschine nur alle paar Monate mal für kleinere Nahtreparaturen nutzt, trotzdem noch etliche Jahre halten. Nur halt nicht für jemanden, der wirklich jede Woche näht und auch größere Arbeiten an der Maschine ausführt.

Muss jedes Gerät auch für einen Gelegenheitsanwender so ausgelegt sein, dass es auch ein halbes Jahrhundert heftigen Gebrauch überleben kann? Warum sollte der Kunde für technische "Überdimensionierung" (bezogen auf seine Ansprüche) ein Vielfaches ausgeben wollen? Ist eine derartige Überdimensionierung in der Ökobilanz vielleicht sogar ungünstiger als das, was die Hersteller aktuell machen?

Kommentar von FoxundFixy ,

Nach deinen Beispiel sollten also nur Gelegenheitsanwender das Billigste vom Billigsten kaufen.Es gibt auch Leute die sich nichts teureres leisten können und bei denen das Gerät von Morgens bis Abends läuft. Soll das Teil dann regelmäßig alle 6Wochen ersetzt werden ?

Wobei die Firma sich hierbei selbst ins eigene Fleisch schneidet,wenn das Teil wegen der Garantie laufend in die Werkstatt muß,wegen einem Zahnrad,daß in der Herstellung 2Cent mehr kostet

Antwort
von Solix99, 22

Geplante Obsoleszens gibt es, die Frage ist nur wo.

Bei Handys und Technik würde es das eher geben als bei Gartenpflanzen.

Kommentar von YDerKellerY ,

Gartenpflanzen (F1 Hybride) lassen sich auch nicht Fortpflanzen. Wobei das in dem Fall auch ein Nebeneffekt sein könnte.

Antwort
von Fielkeinnameein, 9

Hallo,

ja so etwas gibt es definitiv. Man will ja verkaufen und zwar nicht alles ein mal sondern am besten alles 100 mal.

Mfg 

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