Frage von Bariumbromid, 27

Gibt es das Wort "Epifizierung"?

Hallo

Ich wollte gerne wissen, ob dieser Begriff "Epifizierung" in irgendeiner Form existiert. Unter Epifizierung soll eine Art Autoheroisierung verstanden werden, d.h. seine eigene Lebensgeschichte episch "mitteilen", sich selbst als einsamen Held darstellen, von dem niemand etwas mitkriegt, er aber trotzdem (für sich selbst) ein Held ist (wie z.B. Batman).

Mit dieser "Epifizierung" gehe auch eine gewisse Angst erhein, eine Angst, dass seine Geschichte, so grossartig, so episch, so ereignisreich sie auch sein möge, nie auch nur ein einzelnes lebendes Wesen wissen würde; man also vergebens gelebt hat, denn einem Tod eines nicht einsamen Menschen geht normalerweise eine weiterlebende Lebensgeschichte erhein, in der auch der Verstorbene als Erinnerung noch weiterlebt.

Nun, meine Frage, gibt es die "Epifizierung" oder wird dieser (übrigens eigentlich selbst erfundener Begriff) anders bezeichnet?

Danke

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von EinNarr, 14

Trennt man das Wort, dann ergäbe es "Epi", als Kürzel für "Episch" und "-fizieren" welches sich mit "machen" übersetzen ließe. Somit würde das Wort "Epifizieren" soviel bedeutet wie "etwas episch machen".

Der Begriff ist eine Neologismus, eine Neuwortschöpfung, zumindest kennt der Duden den Begriff nicht - ganz neu ist er allerdings trotzdem nicht. "Epifizieren" ist ein Begriff der sehr selten, es kam allerdings schon vor, im Videospielkontext aufgetaucht ist. "Episch" ist mittlerweile ein Homonym - ein Wort mit mehreren Bedeutungen. Zum einen "das erzählende", entnommen der Epik als literarischen Gattung, zum anderen die Bedeutung für "sehr besonders" oder "unglaublich gut". Im Kontext eines Videospiels wäre die Bedeutung also, wenn der Charakter "unglaublich gut gemacht wird" - Epifiziert. 

Gibt man den Begriff bei Google ein, findet sich auch ein Beitrag im Bezug auf Musik, wo dieser Begriff verwendet wird. Wie genau er dort zu verstehen ist, kann ich nicht beurteilen - dafür verstehe ich zu wenig von Musik und den Beitrag habe ich auch nicht gelesen. Ich verlinke ihn dir allerdings an der Stelle einmal:

http://thechewer.com/aktuell/warum-symphony-of-the-goddesses-so-viel-besser-haet...

An und für sich bleibt der Begriff ein Neologismus und hat bis dato noch keine gängige Bedeutung inne und ließe sich dementsprechend, solange man sich nicht zu weit von der Wortzusammensetzung und der Bedeutung dieser Worte entfernt, besetzten. 

Liebe Grüße.

Antwort
von Rosenblad, 8

Innerhalb der griechischen, wie sanskritischen Epen stellt die Epifizierung eine spezifische Form dichterischer Darstellung von narrativ behandelten Personen dar. „So kann [man] den Rechtskönig und Weltherrscher Yudhisthira übrigens weitgehend als eine Epifizierung des Utopisten Asoka auffassen, der mit seinen Idealen ja am Ende den Zerfall des Mauryareiches erlebte.“ (Walter Ruben „Die gesellschaftliche Entwicklung im alten Indien“, S.198)

Kommentar von suziesext08 ,

hi Rosenblad - bei dir würd ich gern mal ne Vorlesung hören dürfen, ehrlich :)

Kommentar von suziesext08 ,

nur, Walter Ruben - Maharaja Ashoka hat nicht den Zerfall seines Reichs erlebt, das waren erst seine inkompetenten Erben.

Die Erinnerung an Ashoka ist im Pali-Sutta vom 'Cakkavartin' festgehalten. Ashoka hatte den Traum, die blutigen Kriege beenden zu können indem er die Nachbarn, die Herrscher der 4 Himmelrichtungen überzeugen könnte, die Buddha-Lehren zu praktizieren.

Er schickte auch griechischsprechende Theravada-Mönche nach Antiochia. Die Spuren der buddhistischen Mission in -200 v.Chr finden sich in der Gnosis, bei den Essenern, Mandäern. Aber sie war insgesamt offensichtlich gescheitert. Den Mönchen gelang es weder, die Oberschicht noch die Unterschicht für die Buddha-Lehre zu begeistern. Nur in Sri Lanka hatte Ashokas Mission Resonanz. Dort wurde auch ein Ableger des Feigenbaums gepflanzt, unter dem der Buddha Erleuchtung erreichtet.

Aber das Scheitern lag auch wohl insgesamt an der Organisations-Struktur des Theravada-Buddhismus

Kommentar von Rosenblad ,

Zu dieser Vorlesung würde ich Dir mit Deinem Wissensreservoir dann den Vortritt lassen - das Auditorium wäre ja dann auch eher von Deiner jugendlichen Persönlichkeit begeistert als dem Mann aus längst vergangenen Zeiten.

Kommentar von suziesext08 ,

hi Rosenblad - du bist mit  Sicherheit kein Mann aus längst vergangenen Zeiten, im Gegenteil, du bist so aktuell und mächtig wie kaum ein Deutscher, du bist fühlbare Gegenwart

Kommentar von Rosenblad ,

"Wanderer zwischen Meer und Bergen, aller Dinge bar und eben dadurch reif geworden, in  allen Dingen stets nur eines zu empfangen, die ewige Wahrheit und die ewige Zier" (Bi Yän Lu)

Antwort
von Kamihe, 8

Ich hätte " Eigenmythos " gesagt.

Antwort
von Arlon, 11

Irgendwie kann man doch alles fizieren. Ein Schlachter zerlegt ein Schwein nicht, sondern betreibt Schnitzelfizierung. Ein Bäcker würde Mehl brötchenfizieren und ein Förster waldifiziert den Wald. Eigentlich könnte man dafür ein neues Wort erfinden. Ich schlage vor: Fizifizierung.

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