Frage von Triangel74, 36

Gibt es bei euch ein JOb-ich und ein Privat-ich oder nicht?

Manchmal denke ich mir, dass es viel leichter wär mit den Wogen des Arbeitslebens umzugehen, wenn ich mir wirklich mehr ein berufliches Ich zulege und sobald ich zuhause bin mein etwas verletzlicheres Privat-ich bin. Also in gewisser Weise eine gesunde Schizophrenie. Was meint ihr? Dementsprechend wäre es dann ja auch egal, was Kollegen über einen denken...meine Kollegin meinte z.B. sie wär privat genau das Gegenteil.

Antwort
von tachyonbaby, 21
Sonstiges

Was für eine Frage!!! Du bleibst doch immer derselbe Mensch!!!

Du kannst nur versuchen, mit Dir selbst im Einklang zu sein. D.h. sowohl im Beruf als auch im Privatleben ein integerer und anständiger Mensch zu sein und als solcher stets ethisch und moralisch einwandfrei zu leben, zu handeln und eben auch zu arbeiten.

Ich habe auch schon Jobs geschmissen, weil von mir eine unethische Haltung erwartet wurde, damit der Profit stimmt. Nicht mit mir! Ich will mich nicht vor mir selbst schämen müssen.

Diesbezüglich gibt es keine "gesunde Schizophrenie". Entweder bist Du ein anständiger Mensch oder nicht.

Kommentar von Triangel74 ,

Es geht mir nicht um anständig oder nicht. Ich meine nur, dass beruflich oft auch Werte wie Durchsetzungsvermögen, Selbstdarstellung, Robustheit und Fachwissen usw. eine Rolle spielen, die privat nicht wichtig sind.

Kommentar von tachyonbaby ,

Doch - natürlich geht es darum. Wenn ich ein integerer, redlicher Mensch bin, zu mir selbst stehen kann, dann habe ich auch Durchsetzungsvermögen und meine Selbstdarstellung ist souverän, kompetent und vertrauenserweckend. So ein Mensch strahlt eine nätürliche Autorität aus und kann sich mit Leichtigkeit behaupten, denn er hat einen wahrhaftigen und damit festen Grund, auf dem er steht.

Mit solchen Eigenschaften lassen sich Mitarbeiter und Untergebene auch viel leichter führen. Nichts ist schlimmer, als ein A... als Chef zu haben, der menschlich eine Null ist und eine Autorität / Robustheit hervorkehrt, die nur aufgesetzt ist.

Es geht sowohl im Privat- als auch im Berufsleben um ein soziales Miteinander. Wenn ich mir als Vorgesetzter nicht die Sympathie, Loyalität und Einsatzfreudigkeit meiner Mitarbeiter sichern kann, bin ich arm dran. Ebenso ergeht es mir im Familien- und Freundeskreis.

Glaubst Du denn, daß z.B. eine Pflegeperson / Arzt / Polizist / Staatsanwalt / Richter / Beamter etc. "menschlich wächst", wenn eine Robustheit / Verrohung einsetzt? Dienst nach Vorschrift geleistet wird?

Eine wohlwollende Menschlichkeit sollte IMMER im Vordergrund stehen - und da ist es vollkommen egal, ob ich als Privatperson oder dienstlich unterwegs bin.

Das Problem in dieser Welt sind niemals die charakterlich starken, sondern die schwachen Menschen!

Kommentar von tachyonbaby ,

PS: Wenn ich lese: " ... meine Kollegin meinte z.B. sie wär privat genau das Gegenteil." dann kann ich nur sagen: Was für ein verlogenes Weibsstück! Mit solchen Leuten wollte ich nichts zu tun haben - weder privat noch beruflich!

Kommentar von Triangel74 ,

Aber den Luxus sich die Kollegen auszusuchen, den hab ich nicht...und glücklicherweise sind die meisten in Ordnung! Mit der wohlwollenden Menschlichkeit, die im Vordergrund stehen sollte, gebe ich dir voll und ganz recht, aber dennoch glaube ich, dass ein gewisses dickes Fell nicht schlecht ist, um nicht zu "erfrieren"...

Kommentar von Triangel74 ,

aber Freunde glücklicherweise schon;)

Kommentar von tachyonbaby ,

Ach, liebe Triangel, man braucht kein "gewisses dickes Fell" um da draußen nicht zu "erfrieren".

Ich habe in jüngeren Jahren auch immer gedacht, daß man im Berufsleben ein "dickes Fell" braucht und deshalb ein Mehr an Gefühl, Mitgefühl, Empathie und Intuition nur hinderlich ist und einen noch verletzbarer macht. Wenn man sich aber mit ganzem Herzen darauf einläßt, dann tritt erstaunlicherweise genau das Gegenteil ein: Man wird viel härter, belastbarer und gleichzeitig humorvoller und wesentlich flexibler.

Verluste, Trauer und Verletzungen treffen einen nicht mehr so tief, man steckt das viel leichter weg und kann manchmal, zum Erstaunen des Anderen, lauthals loslachen und verfahrene Situationen mit einem humorvollen Spruch entschärfen. Man lernt zu unterscheiden, ob der andere ein Problem hat oder man selber. Die meisten Menschen projizieren ihre Probleme auf andere und bekritteln genau das am Anderen, was ihr eigenes Manko ist.

Zunehmend erkennt man die Beweggründe, die Verbitterung und die Verletzungen der Menschen und kann diesen in der Finsternis Lebenden oft auf die Sprünge helfen: Ein aufmunterndes Lächeln hier, ein tröstender Handgriff da, ein klares Wort dort. Ein Weiberheld wird ein treuer Ehemann, eine gehässige Klatschbase wird zum zahmen Häschen und zur besten Mitarbeiterin oder der tobsüchtige Chef wird ein freundlicher, verständnisvoller Vorgesetzter. Auf diese Weise kann man durch geistige Bewußtwerdung und Weiterentwicklung, durch Änderung des eigenen Verhaltens sehr positiv auf seine Umgebung einwirken und tatsächlich profunde Änderungen hervorrufen.

Es geht hier nicht um Gefühlsduselei oder das saudumme Esoterik-Nachgeplappere von Loslassen und positiv denken, von dem die meisten ohnehin nicht wissen, was das wahrlich bedeutet. Es geht hier darum, eine Einstellung zum Leben und auch zum Tod zu entwickeln, die natürlich ist. So kann man trotz aller Liebe auch unglaublich hart agieren und damit einem anderen Menschen
ganz klare Grenzen setzen, die ohne Wenn und Aber dann auch respektiert werden.

Man lernt Achtung vor jedem Lebewesen zu haben, aber auch den Unterschied zum Respekt zu erkennen, denn Respekt muß man sich verdienen. Man lernt auch, Menschen genau einzuschätzen und kann dann leichten Herzens Vertrauen schenken oder weiß, wann man ein Schlitzohr, Lügner oder gar Psychopathen vor sich hat.

Natürlich ist das ein Entwicklungsprozeß der seine Zeit dauert, aber ich verspreche Dir: Der Weg lohnt sich!

Dann kannst Du Dir den Luxus leisten, Deine Kollegen so zu nehmen wie sie sind und damit überhaupt kein Problem zu haben.

Kommentar von Triangel74 ,

Nun ja, die Sache mit dem dicken Fell habe ich erstmal auf Eis gelegt, denn ob sich das noch ändert bleibt fraglich, aber deine Antwort hat mich zum Nachdenken gebracht und ich arbeite dran;) Der Vorteil am Leben ist ja, dass es ein Fluss ist und stetig in Bewegung, genau wie das Selbst sich kontinuierlich und manchmal auch unmerklich verändert....wenn du aber ein dickes Fell irgendwo im Ausverkauf bekommst, dann denk an mich, vielleicht wächst es mir ja auch mit etwas Düngung.

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