Frage von ElseStrufe, 133

Gibt es bei der Beihilfe keine Höchstgrenze für selbst zu leistende Zuzahlungen?

Mein 83jähriger Vater hat sich vor inzwischen sechs Monaten den Unterschenkel gebrochen, der Verlauf ist, gelinde gesagt, nicht komplikationslos. Versichert ist er über die Beihilfe (KVB). Nun sind im Laufe der letzten Monate bislang 27 (!) Rechnungen angekommen, von Kliniken, verschiedenen Chefärzten der Kliniken, Labors und ambulanten Ärzten. Diese Rechnungsflut überfordert meinen alten Herrn völlig, also habe ich die Organisation übernommen (oder versuche es). Die Beihilfe erstattet bislang im Schnitt etwa 80% der Kosten, den Rest muss mein Vater selbst zuzahlen. Diese Zuzahlungen haben sich aber inzwischen auf etwa 5000,- Euro aufsummiert, das ist etwa ein Viertel seiner jährlichen Pension! Kann es sein, dass es hier wirklich keine Höchstgrenze gibt, ab der die Beihilfe die Kosten zu 100% übernimmt? Das würde ja heißen, dass mein Vater tatsächlich durch seine Krankheit verarmen kann. Gibt es eine Stelle, an die ich mich wenden kann?

Antwort
von Apolon, 60

@ElseStrufe,

diesen Ärger haben ehemalig Bundesbahn-Beamte, die als Absicherung nicht die Bundesbeihilfe, sondern die ergänzende Absicherung über die KVB gewählt haben. In jungen Jahren haben sie Beiträge gespart und im Alter zahlen sie einen Teil der Kosten selbst.

Eine Möglichkeit wäre allerdings schon von Anfang an gewesen über die DBV bzw. DEVK einen Ergänzungsversicherung für ein paar Euro abzuschließen. Nur viele Bahnbeamte sahen dies nicht für erforderlich.

Ohne eine Ergänzungsversicherung, muss der Bahnbeamte zwischen 10 - 30 % der Kosten selbst übernehmen.

Wenn weitere Fragen dazu bestehen, kannst Du dich mal hier schlau machen:

https://www.kvb.bund.de/kvb/Start.htm

Gruß Apolon

Kommentar von ElseStrufe ,

Vielen Dank, auch für den Link. Ich kämpfe mich seit gestern durch die Seite. Das heißt dann aber, dass es wirklich keinerlei Obergrenze gibt? Dann wäre doch für diese ehemaligen Bahn-Beamten, welche die Ergänzungsversicherung nicht abgeschlossen haben, der Zugang für kostenintensive Behandlungen versperrt. Mein Vater könnte sich doch beispielsweise niemals eine Chemotherapie leisten, wenn er 20% davon selbst tragen müsste. 

Kommentar von Apolon ,

Hast Du schon mal deinen Vater gefragt, ob er nicht doch einen Zusatz-Tarif abgeschlossen hat, der über den Rahmen der KVB hinaus geht ?

Die privatärztlichen stationären Kosten, wie z.B. Chefarztbehandlung + 2-Bett-Zimmer wären im Krankenhaus ohne solch einen Zusatztarif - also nur mit Beihilfe und KVB zu 80 % abgedeckt.

Von Einschränkungen bei den Regelleistungen im Krankenhaus (ohne Chefarztbehandlung und im Mehrbettzimmer) sind mir keine Lücken bekannt.  Aber da solltest Du dich mal auf der Internetseite der KVB schlau machen. Die Mitarbeiter sind dir auch behilflich und beantworten dir alle Fragen.

Gruß Apolon

Antwort
von DolphinPB, 70

Dein Vater hat ein Problem, er müsste nämlich eigentlich die fehlenden 20 % entweder freiwillig gesetzlich oder privat abgesichert haben. Es gibt eine 100%ige KV-Pflicht in Deutschland.

Die Beihilfe wird nur die 80 % leisten, mehr nicht. Und eigentlich hätte die Beihilfestelle auf dieser zusätzlichen 20%igen Absicherung bestehen müssen.


Kommentar von ElseStrufe ,

Das heißt dann, dass er wirklich ohne jede Grenze zuzahlen muss? Eine private Versicherung für die fehlenden 20% zu finden, scheint mir utopisch.

Kommentar von Zumverzweifeln ,

Natürlich findet du jetzt keine Möglichkeit mehr, ihn zu versichern. Aber es muss irgendwann einmal eine Versicherung gegeben haben. Nimm doch mal Kontakt zu seinem ehemaligen Arbeitgeber auf, zumindest kann man dir dort sagen, ob es tatsächlich möglich war, ohne Krankenkassenbeitrag dort zu arbeiten! 

Kommentar von Apolon ,

Dein Vater hat ein Problem, er müsste nämlich eigentlich die fehlenden 20 % entweder freiwillig gesetzlich oder privat abgesichert haben.

Sorry - aber dies ist bei einem Bundesbahn-Beamten mit Ergänzungsabsicherung über die KVB nicht möglich.

Ist vergleichbar wie für einen Postbeamten über die Postbeamten-Krankenkasse.

Antwort
von DerHans, 64

Für Pensionäre beträgt die Beihilfe normalerweise 70 %. Deswegen sind Beamte und Pensionäre angehalten die Differenz über eine private Krankenversicherung abzudecken. Woher soll denn da noch eine Selbstbeteiligung kommen?

Wenn er einen Krankenversicherungstarif mit Selbstbeteiligung gewählt hat, zahlt er ja auch einen entsprechend geringeren Beitrag.

Dieser "Rabatt" macht normalerweise erheblich mehr aus, als die vereinbarte Selbstbeteiligung.

Außerdem wird er bei 20.000 Pension im Jahr nicht gleich verhungern.

Kommentar von ElseStrufe ,

Verhungern wird er überhaupt nicht, soviel steht fest. Aber 5000 Euro eigene Zuzahlung finde ich recht happig. Zumal das noch nicht beendet ist, die Behandlung geht ja weiter. Und auch ohne Verhungern hat er jetzt aufgrund der Zuzahlungen kein Geld mehr. Die private Krankenversicherung, welche die Differenz abdecken soll gibt es, wie erwähnt, nicht.

Kommentar von DerHans ,

Dann hat er ja auch sein Leben lang den Beitrag für eine Krankenversicherung gespart. Von diesem Geld muss er jetzt seine Kosten decken.

Wieso soll denn jetzt jemand anders (oder der Staat) dafür aufkommen?

Dann müssen alle anderen, die ihrer Krankenversicherungspflicht nachgekommen sind, ja blöd sein

Kommentar von ElseStrufe ,

Er hat überhaupt nichts gespart, wovon er jetzt etwas decken könnte. Und meine Frage war nicht, ob der Staat dafür aufkommen soll, sondern ob es nicht so etwas wie eine zumutbare Höchstgrenze gibt. Es gibt im Gesundheitswesen durchaus Behandlungen, die ein Vielfaches von dem kosten, was mein Vater derzeit erleben muss. Diese Behandlungen (bei Krebs, Immunkrankheiten) wären dann für ihn nicht erreichbar, was ich mir eigentlich in unserer Gesellschaft nicht vorstellen möchte.

Aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass Sie nicht wirklich die Frage beantworten, sondern Ihre Meinung mitteilen wollen?

Kommentar von Apolon ,

Für Pensionäre beträgt die Beihilfe normalerweise 70 %. Deswegen sind Beamte und Pensionäre angehalten die Differenz über eine private Krankenversicherung abzudecken.

Was in dieser Form aber für Bundesbahn-Beamte nicht zutrifft, denn über die KVB besteht schon eine ergänzende Absicherung.

Antwort
von Zumverzweifeln, 92

Außer der Beihilfe hat er aber doch bestimmt noch eine Krankenkasse, bei der er mit den restlichen 20 % versichert ist.

Kommentar von ElseStrufe ,

Nein, es gibt keine private Zusatzversicherung.

Kommentar von Zumverzweifeln ,

DAs ist ungewöhnlich. Dann sprich am besten mit der Beihilfestelle, ruf sie an. Ich kenne es tatsächlich nur so, dass die Beihilfe 70 % übernimmt und eine KK den Rest!

Kommentar von DerHans ,

selbst schuld

Kommentar von Apolon ,

@DerHans + Zumverzweifeln,

hier handelt es sich um Bundesbahn-Beamte und da gibt es eine spezielle ergänzende  Absicherung über die KVB.

Also nicht immer mit solchen Scheißhausparolen wie z.B. "selbst schuld" kontern, denn hier laufen die Zeiger der Uhr etwas anders.

Kommentar von Zumverzweifeln ,

????????????

Kommentar von Apolon ,

????????????

Es gibt vieles im Beihilferecht, was nicht jedem bekannt ist!

Kommentar von DerHans ,

Wer Beihilfeanspruch hat, muss sich für die Differenz versichern. Wenn er das unterlässt, hat er eben tatsächlich selbst schuld.

Antwort
von martinzuhause, 77

das kommt drauf an ober er privat oder gesetzlich versichert ist. bei den gesetzlichen kk gibt es höchstgrenzen für die zuzahlungen

Kommentar von ElseStrufe ,

Beihilfe.

Kommentar von DolphinPB ,

Wir sprechen hier doch nicht von den allgemeine Zuizahlungen bei einem gesetzliche Versicherten (10,- Euro hier und da, usw.) sondern von einer fehlenden 100%igen Abdeckung zusätzlich zur Beihilfe.

Kommentar von Apolon ,

Ich glaube ich muss ein wenig weiter ausholen.

Der Bundesbahnbeamte hatte früher 2 Möglichkeiten.

1. er konnte sich als Bundesbeamter mit Beihilfe und PKV absichern.

2. alternativ in Ergänzung zur Beihilfe mit einer Zusatzversicherung KVB und zwar im ambulanten Bereich von 80 - 90 % / bei zahnärztlicher Behandlung zischen 70 - 85 % / bei stationärer Behandlung Chefarztbehandlung im 2-Bett-Zimmer von 80 %.

Dies galt auch schon für Ledige Bundesbahnbeamte die normalerweise 50 % Beihilfe erhielten.

Als Ergänzung war dann noch eine Zusatzversicherung über die DEVK / WWK / DBV möglich - Tarif EVK.

Diese 3 Versicherungsunternehmen waren früher zusammen als APK bekannt, die dann später nach Auflösung die DBV als alleinige Versicherung unter ihrem eigenen Namen weiterführte.

Da die 2. Variante wesentlich preiswerter war und die Bundesbahn selbst diese Variante ihrem Bediensteten anboten, entschieden sich die meisten dafür.

Gruß Apolon

Kommentar von DolphinPB ,

Danke, manchmal kann man doch was von Ihnen lernen :-)

Kommentar von DerHans ,

Das ändert aber nichts daran, dass er sich die Beiträge eben gespart hat. Dann müsste er das Geld doch irgendwo haben.

Soll jetzt das Sozialamt für einen Beamten aufkommen, der 20.000,00 € Pension bekommt?

Kommentar von Apolon ,

Soll jetzt das Sozialamt für einen Beamten aufkommen, der 20.000,00 € Pension bekommt?

Wenn Beamte so hohe Einkünfte hätten, würden sie bestimmt ständig Luftsprünge machen.

Kommentar von DerHans ,

Angeblich (lt. Fragesteller) sind 5.000 ein Viertel seines Jahreseinkommens

Kommentar von Zumverzweifeln ,

@Apolon: Ich hoffe, dass das mittlerweile nicht mehr möglich ist? Eigentlich sollte der AG doch für eine Absicherung seiner Bediensteten sorgen - unvorstellbar!!!!

Kommentar von Apolon ,

@zumverzweifeln,

ein Beamter hat aber keinen AG, also kann dieser auch nicht für seine Absicherung sorgen.

Kommentar von DerHans ,

Ein Beamter hat einen Dienstherrn. Dieser wäre schon aus Fürsorge verpflichtet, auf eine ordnungsgemäße Absicherung zu bestehen.

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