Frage von Nudelkopf123, 67

Gibt es auch eine multiple Persönlichkeitsstörung, bei der die einzelnen Persönlichkeiten miteinander sprechen können oder ordnet man das anders ein?

Antwort
von Dahika, 14

Es gibt (immer mehr) Fachleute, und denen schließe ich mich an, die sagen, dass es die multiple Persönlichkeit gar nicht gibt. Das ist Kintop, oder aber eine therapieinduzierte Form der Hysterie.

LOL...

Es gibt einen Film mit Richard Gere und Andrew Norton.

Der Film handelt davon, dass Norton jemanden umgebracht hat, aber nichts davon weiß, weil er eine multiple Persönlichkeit ist. Richard Gere kann das dann Gericht dramatisch "beweisen." Und der junge Mann wird freigesprochen. Seine Hauptpersönlichkeit wusste nichts von dem Mord.

Ich fand den Film ganz spannend, schüttelte aber immer wieder den Kopf und dachte: "Wat´n Schwachsinn. Es gibt keine multiple Persönlichkeit."

Na ja, am Ende sprach dann nochmal Richard Gere mitNorton  und es stellte sich heraus, dass Norton die multiple Persönlichkeit nur genial gespielt hatte und auf die Art das Gericht, die Geschworenen und Richard Gere, seinen Verteidiger, genial reingelegt hatte.

Ich war höchst zufrieden, und dachte, dass der Scriptauthor immerhin die neueren Forschungen zur angeblichen Multiplen Persönlichkeit gelesen hatte.

Antwort
von Filou2110, 32

Ich fand dieses Thema in der Ausbildung auch immer etwas verwirrend.  Ich habe es wie folgt gelernt: Es kann immer nur eine Persönlichkeit anwesend sein, also nein, sie sprechen wohl nicht miteinander. (Viele haben wohl auch Probleme diese Erkrankung überhaupt wahrzunehmen)Bei einer Schizophrenie, kann es vorkommen das Patienten mit ihren Gedanken oder Halluzinationen sprechen (logischerweise). So habe ich es gelernt, was noch lange nicht heißen muss das es richtig ist. :)

Kommentar von Seanna ,

Das ist nicht korrekt. Es können auch mehrere "vorne" sein. Es kann sogar dazu kommen, dass ein Bein nach links, das andere nach rechts will oder so ein Chaos im Hirn ist, dass man sich nicht mehr bewegt, weil jeder in ne andere Richtung will.

Was korrekt ist: in den meisten Fällen gibt es vorrangig "volle" Switches dh von einem Anteil zum anderen. Aber es gibt auch Systeme die anders funktionieren und Situationen, wo mehrere "vorne" sind. 

Das Stimmenhören im Kopf (miteinander reden) hat aber nicht unbedingt damit zu tun wer "vorne" ist. Die kann man trotzdem innen wahrnehmen.

Korrekt ist auch, dass dissoziative Störungen idr erst 7 Jahre nach Erstkontakt zur Psychiatrie erkannt werden. Dies liegt an der unzureichenden Diagnostik und der Tatsache dass Patienten dissoziative Symptome idr nicht von sich aus ansprechen und sie aktiv erfragt werden müssten.

Des weiteren gibt es das Phänomen der Dissoziation für die Dissoziation. Das heisst, Betroffenen fehlt Zeit (Amnesie) sie wissen und bemerken aber nicht dass ihnen Zeit fehlt (Amnesie dafür). 

So gehen Betroffene oft Jahre durchs Leben mit etlichen Folgen der Dissoziation (ua Kontaktabbruch durch nicht erinnertes Fehlverhalten usw) ohne es zu bemerken - nur dass etwas nicht stimmt, merken die meisten, können es aber nicht benennen.  Und oft wird von innen auch das Bewusstsein dafür "weggemacht" dass ihr Leben nicht so normal ist und ganz viel fehlt.

Oft denken sie auch selbst sie sind einfach schusselig weil sie so viel vergessen... Andere halten sie aufgrund des plötzlich anderen verhaltens vielleicht nur für "seltsam" oder auch "flippig"... 

Kommentar von Filou2110 ,

Okay, wie gesagt, ich fand das immer etwas verwirrend und hatte auch nicht das Gefühl dass das eines der lieblibgsthemen unserer Dozentin war. :) ich war mal zusammen in Therapie mit einer erkrankten, und hab das nicht begriffen. Das einzige was ich merkwürdig fand, war das sie zwischendurch geraucht hat, obwohl sie vorher sagte, das dies total eklig sei. Habe mich leider nie getraut weiter nachzufragen, da ich nicht wusste ob  sie da gerne drüber spricht oder eher nicht. 

Kommentar von Seanna ,

Dozenten und selbst Professoren drücken sich da leider sehr drum, vor allem weil sie die Diskussion um die Diagnose scheuen... Dabei ist genau das katastrophal und höchst kontraproduktiv... Und trägt nicht Grade zur Aufklärung hinsichtlich der Traumafolgestörungen bei. Denn da gibt es ja noch viel mehr als die umstrittene DIS und die weit bekannte PTBS. Wird in der Lehre leider völlig außer Acht gelassen - sehr viele Psychotherapeuten wissen sogar so wenig darüber, dass sie einen Patienten mit einer solchen Störung nicht mal erkennen würden, wenn sie mit ihm sprechen würden - denn das ist weder Thema im Studium noch in der Ausbildung. Und wozu Menschen nicht verpflichtet werden, wird sehr häufig übergangen... Während Schizophrenie in aller Form lang und breit diskutiert wird... Meiner Meinung nach eine Katastrophe im Curriculum.

Antwort
von Seanna, 49

Das ist der Normalfall bei der dissoziativen identitätsstörung!

(..Die früher Multiple Persönlichkeitsstörung genannt wurde)

Kommentar von ellibelli333 ,

Aber sprechen denn die verschiedenen Persönlichkeiten wirklich MITEINANDER? Und ich habe mal gelernt, dass diese Diagnose bzw. Krankheit ziemlich umstritten ist und man sich gar nicht einig ist, ob die Krankheit so überhaupt existiert, vor allem weil oft wenn es im Gericht zu Verhandlungen kommt usw. Nutzen manche das um eine verminderte Strafe zu erhalten und man könnte es ja auch "vorspielen"... Was sagt du dazu @Seanna?

Kommentar von ThomasV20 ,

Naja geben tut es sie ganz offensichtlich schon aber im welchen Ausmaß sie existiert ist eine andere frage. 

Ich glaube das du mit sprechen auch wirklich das sprechen über die Stimmbänder meinst und nicht das es eine Stimme in deinem Kopf gebot die dir komische Sachen sagt. Ich denke mal sowas wird es auch geben.

Ich halte es nicht für ausgeschlossen das man so etwas Vorspielen kann, aber vor Gericht wird das dann doch etwas komplizierter da man ein Gutachten von ärtzten braucht damit so eine Krankheit vor Gericht Wirkung hat.

Kommentar von Seanna ,

Miteinander, gegeneinander, aneinander vorbei, gar nicht miteinander... Gibt es alles in dissoziativen Systemen.

Auf die Glaubensfrage möchte ich mich hier nicht einlassen, das führt zu weit. Korrekt ist jedoch, dass die Diagnose in der Fachwelt umstritten ist. Es entspricht aber der menschlichen Natur, nur die Beweise für die eigene These zu sehen und anzuerkennen, alles andere abzulehnen. Insofern ist eine reale ergebnisoffene Diskussion - insbesondere bei den heiklen gesellschaftlichen Implikationen die das mit sich brächte - kaum möglich. Die Emotionalität ist dabei auch nicht außer Acht zu lassen.

Was das absichtliche simulieren angeht, taucht das fast ausschließlich im Strafrechts-Kontext auf, dort ist man darauf vorbereitet und erkennt Simulanten sehr zuverlässig, zumal es unmöglich ist, die Simulation konsistent über Monate aufrecht zu erhalten und die Simulanten auch idr zu wenig Kenntnisse haben, um zuverlässig zu simulieren. 

Es gibt auch etliche Kriterien, anhand derer man Simulation erkennen kann bzw unterscheiden.

Und nicht zuletzt reicht das Vorliegen einer DIS nicht per se aus um das Strafmaß zu mindern.

Der zweite Kontext ist Aufmerksamkeit- kommt vor allem bei der histrionischen PS und teils auch bei Borderline vor. Auch hier gibt es zuverlässige Kriterien zur Unterscheidung durch Experten. 

Kommentar von Dahika ,

GEnau so ist es.

Antwort
von Dxmklvw, 16

Dazu bedarf es gar keiner Persönlichkeitsstörung.

Jeder Mensch hat so etwas mehr oder weniger in sich, wenn er sich z. B. in Gedanken mit anderen Personen beschäftigt bzw. mit Gesprächsführungen mit anderen Personen, dabei verschiedene Möglichkeiten durchkaluliert und in diesen Vorstellungen auch der darin auftretenden eignen Person eine geänderte Persönlichkeit zuschiebt.

Findet solches Denken etwas intensiver statt, kann es sich auch als Selbstgespräch äußern, und in ganz krasser Form kann es auch Trugwahrnehmungen oder wechselnde krasse Verhaltensschwankungen verursachen, die dann aber auf jeden Falls als Persönlichkeitsstörung definiert werden müssen.

Die Übergänge sind fließend. Die Trennung in "multiple Persönlichkeiten in einer Person" erfolgt mehr dadurch, daß Menschen auch in der Lage sind, recht sprunghaft von einer Wesensart in eine andere zu wechseln, wobei die verschiedenen Wesensarten so wenig miteinander kompatibel sind, daß sie als "getrennt" erlebt werden.

Wenn bei so etwas nicht gewollte Automatismen entstehen, dann trifft die Bezeichnung "Erkrankung" voll zu, und wenn solche verschiedenartigen Persönlichkeiten teilweise miteinander kompatibel sind, dann können sie (in Form gedanklicher Auseinandersetzung) auch miteinander kommunizieren.

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