Frage von 05Sunny1794, 43

Gezielte Ruhepausen schon mit Anfang 20?

Ich bin jetzt Anfang 20 und brauche in letzter Zeit immer häufiger gezielte Ruhepausen (PMR, Meditation, Achtsamkeitsübungen oder einfach nur schlafen) weil ich mich sonst mit der Bewältigung des Alltags echt schwer tun würde. Ich muss dazusagen, dass ich Migräne- und Spannungskopfschmerzpatientin bin und wegen privaten bzw. familiären Problemen in Therapie (psychoanalytisch und tiefenpsychologisch) bin. Aktuell bin ich zudem im letzten Teil meiner Ausbildung und stehe dadurch auch etwas unter Stress. Allerdings brauche ich diese Pausen in letzter Zeit immer häufiger und habe auch immer wieder mit leichten Panikattacken zu kämpfen und das beunruhigt mich schon etwas. Hat vllt. jemand ähnliche "Probleme"?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Emelina, Community-Experte für Kopf, Kopfschmerzen, Kopfweh, ..., 23

Hallo Sunny,

gerade für Migränepatienten - gleich welchen Alters - ist es besonders wichtig sich regelmäßige Ruhepausen zu nehmen. Ich habe auch Migräne sowie auch meine Tochter, die in deinem Alter ist. Man muss dem Stress (so weit es geht) entgegenwirken, denn ganz vermeiden kann man ihn nicht immer. Dafür sind deine gezielten Ruhepausen, so wie du sie beschreibst, sehr gut geeignet.

Die Homepage der Migräne-Schmerzklinik Kiel enthält sehr viel wissenswertes über Migräne. In den „10 Hauptregeln für Migränepatienten“ ist, unter anderem, auch zu lesen:

"Lernen Sie „nein“ zu sagen. Lassen Sie sich nicht zu Dingen drängen, die den von Ihnen vorgegebenen gleichmäßigen Rhythmus außer Takt bringen – es kommt schließlich auf Sie an! […und:] Entwickeln Sie eine größere Distanz zu den scheinbar unabänderlichen Dingen des Alltags und werden Sie gelassener. Sie können sich zwar über alles ärgern, Sie sind jedoch nicht dazu verpflichtet. Gut geplante, regelmäßige Pausen sind der Geheimtipp für einen produktiven Tag."

http://www.schmerzklinik.de/service-fuer-patienten/migraene-wissen/verhalten/hau...

Als Mensch mit Migräne „funktioniert“ man nun mal nicht genauso, wie ein Mensch, der diese Krankheit nicht hat und der deshalb auch nicht die (damit verbundenen) Einschränkungen eines Migränepatienten wirklich nachvollziehen kann.

Mein Rat: Nimm dir deine Pausen und mache weiterhin PMR, Meditation und Achtsamkeitsübungen. Ich mache das auch und seit dem habe ich weniger Stress und damit auch weniger Migräneattacken. Tagsüber zu schlafen kann aber leider wiederum Migräneanfälle auslösen, deshalb vermeide ich es. Ein regelmäßiger Schlaf- / Wachrhythmus ist für Migränepatienten ganz besonders wichtig (zur Vorbeugung).

LG Emelina


Kommentar von Emelina ,

Übrigens, Panikattacken treten bei Migränepatienten mit zu viel Stress häufig auf. Dagegen hilft die Vermeidung von Stress: Ruhepausen mit Entspannungsübungen. Auch regelmäßiger, leichter Ausdauersport (Schwimmen, Joggen, Radfahren,...) hilft Stress abzubauen. LG

Kommentar von Emelina ,

Gerade habe ich deinen Kommentar unter einer anderen Antwort gelesen:

"Zuhause ist es aber so dass ich oft belächelt werde wenn ich mich wie im Moment häufiger zurückziehe und einfach nur meine Ruhe möchte und muss mir dann unter anderem auch anhören dass ich das in meinem Alter doch noch nicht brauche (muss aber dazusagen, dass nur meine Mutter von der Therapie weiß)"

Deine Ruhe brauchst du, weil du die Krankheit Migräne hast.
Von deiner Therapie muss kein weiteres Familienmitglied erfahren. Migräne können sogar auch schon Kinder bekommen. Die brauchen dann auch ihre Ruhepausen.

Wenn du nicht belächelt werden möchtest und du dir diese Kommentare von deiner Familie nicht anhören möchtest, dann informiere sie über die Krankheit Migräne, damit sie Verständniss für dich haben können. LG Emelina

Kommentar von Emelina ,

Danke für den Stern :-)

Antwort
von Stellwerk, 25

Bei einer Vorbelastung wie Du sie beschreibst, halte ich das altersunabängig für völlig normal, dass unter erhöhtem Stress diese Symptome auftreten. Unabhängig von Migräne etc. ist jeder Mensch unterschiedlich anfällig für Stressreaktionen.

Hast Du es mal in der Therapie oder mit Deinem Arzt besprochen?

Kommentar von 05Sunny1794 ,

Ja mein Therapeut weiß darüber Bescheid und ich bekomme in der Therapie auch Unterstützung mir diese Pausen zuzugestehen. 

Zuhause ist es aber so dass ich oft belächelt werde wenn ich mich wie im Moment häufiger zurückziehe und einfach nur meine Ruhe möchte und muss mir dann unter anderem auch anhören dass ich das in meinem Alter doch noch nicht brauche (muss aber dazusagen, dass nur meine Mutter von der Therapie weiß)

Kommentar von Stellwerk ,

Verstehe. Dann gibt es mehrere Optionen: Du erklärst den anderen Deine Hintergründe. Wenn Du das - verständlicherweise - nicht möchtest, dann kannst Du auch einfach erklären, dass Du aufgrund der Migräne vorsichtiger und schonender mit Dir umgehend musst. Oder Du lässt die Erkrankungen komplett raus und sagst klipp und klar, dass jeder Mensch anders tickt. Oder, falls Du das schaffst, Du legst Dir eine dickere Haut zu, lässt sie reden und zeigst ihnen gedanklich den Mittelfinger ;-).

Wichtig ist, dass Du auf DICH und DEINE Bedürfnisse hörst. Lass Dir nichts von anderen einreden. Du brauchst mehr Ruhe? Dann sorg dafür, dass Du sie bekommst. Und achte darauf, Dich nicht selbst in so eine Stressspirale zu schießen, nach dem Motto: "Ich brauch Ruhe, aber ich sollte doch eigentlich gar keine Ruhe brauchen ..." - damit erhöhst Du nur massiv den Druck (aber das wirst Du in der Therapie wahrscheinlich ähnlich hören).

Es ist, wie es ist. Du bist, wie Du bist. Du hast die Werkzeuge, um mit Deinen Schwierigkeiten umzugehen, Du hast aktiv Hilfe für Deine Problem gesucht - das kann auch nicht jeder und bedeutet viel Kraft. Sei freundlich zu Dir selbst. Du musst Dich niemandem gegenüber rechtfertigen!

Gute Besserung und alles Gute für's neue Jahr!

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