Frage von muckaveli, 39

Gewinne aus Kredit-finanziertem Unternehmen ausschütten und in zweites Unternehmen stecken, dann Privatinsolvenz anmelden um der Kredit-Rückzahlung zu entgehen?

Hallo zusammen, dass hier ist nur eine theoretische Frage um den BWL-Stoff besser zu verstehen.

Angenommen PersonX nimmt einen privaten Gründerkredit bei der Bank, mit der üblichen Laufzeit von 10 Jahren, auf. Das Unternehmen erwirtschaftet innerhalb der ersten 5 Jahren große Gewinne und anstatt damit den Gründerkredit vorzeitig zu tilgen, schüttet PersonX einen Großteil davon an sich selbst aus.

Mit dem ausgeschütteten Geld gründet PersonX ein zweites Unternehmen. Im sechsten Jahr geht das erste Unternehmen wider Erwarten bankrott. Die Bank möchte sich ihr Geld zurückholen. PersonX verfügt aber kaum über privates Vermögen, da ihr gesamtes Kapital bereits im zweiten Unternehmen steckt. Kann PersonX jetzt in die Privatinsolvenz gehen und die Kreditrückzahlung legal ausfallen lassen?

Das private Vermögen von PersonX steckt ja nun im zweiten Unternehmen und dann kann die Bank nicht ran, oder?

Antwort
von wfwbinder, 16

Wem gehören denn die Anteile an dem zweiten Unternehmen?

Wenn das erste Unternehmen Insolvenz anmeldet, werden die Ausschüttungen auch untersucht werden.

Ausserdem würden die Anteile an dem zweiten Unternehmen, wenn sie der Person gehren, natürlich in das Insolvenzverfahren als Vermögen einbezogen werden.

Wenn Du planst Leute zu betrügen, musst Du nicht versuchen mit Tricks zu arbeiten, die schon vor über 20 Jahren nur noch eine Lachnummer waren.

Expertenantwort
von Dirk-D. Hansmann, Unternehmensberater, 8

Vieles geht natürlich darum ob Dinge absehbar sind.

Also prüft man die Sache ab dem Anfang. Ein Eingehungsbetrug ist wohl nicht zu befürchten.

Bei den Ausschüttungen ist die Frage: Wurde die Insolvenz dadurch (mit) verursacht? Und war das für einen ordentlichen Kaufmann ersichtlich.

Ein Gericht wird beispielsweise die LiquidätsVORschau sehen wollen. Dazu die Frage nach Wirtschaftlichkeit betrachten. Aus Sicht des Unternehmens ist es aber nicht sinnvoll.

Schließlich und endlich steht für mich (ohne Spezialist zu sein) zu erwarten: Das Gericht würde eine Insolvenzstraftat erkennen.

Die Straftat würde dann dazu führen, dass die Ausschüttungen zurück an Unternehmen A müssen.

Bei der Insolvenz geht es ohnehin um das gesamte Vermögen. Da jetzt die Rückforderung der Ausschüttungen käme, würde ein Insolvenzverwalter beide Unternehmen schlachten.

Alle Schulden zurück führen und die Unternehmen wegen negativer Fortführungsprognose löschen.

Selbst wer in so einer Situation in der Privatinsolvenz ist, der verliert jegliche Verfügungsmacht über das eigene Vermögen. Dafür hätte man den Pfändungsschutz. Der aber in so einem Fall nichts bringt - Der Insolvenzverwalter würde ja alles verwerten.

Dazu gehört auch das Eigentum an Unternehmen B.

Eine Vorurteilung wegen Insolvenzbetrugs führt gleichzeitig dazu, dass auf Antrag der Beteiligten eine Restschuldbefreiung versagt wird. In so einem Fall wird wohl kein Gericht diesen Antrag ablehnen.

Also könnte man höchstens durch die Insolvenz durch gehen. Und 10 Jahre nach dem ersten Antrag einen weiteren Antrag auf Insolvenz stellen. Am Ende dieses Zeitraumes könnte es dann passieren, dass eine Restschuldbefreiung erfolgt.

Der Schutz der Gläubiger ist durch die Insolvenzordnung gegeben. Eigentlich könnte man sagen: Wer Geld verleiht und sich nicht ausreichend abgesichert hat bekommt ein Problem.

Ach ja, dann wäre da noch die Kreditvergabepraxis. Auch Darlehen werden nur gegen mehrfache Besicherung erteilt. Das gilt auch für Förderdarlehen - Die werden nach banküblichen Vorschriften vergeben.

Da werden die Gewinne wenn überhaupt nur ganz nachrangig akzeptiert. Also müssen ja noch andere Werte da sein, die die Bank als Sicherheit verwerten würde.

Also: Wenn es so einfach wäre, dann bräuchte niemand mehr Kredite geben, sondern könnte das Geld gleich verschenken.

Übrigens: Die Insolvenzordnung wurde zwar geschaffen, damit unverschuldete Personen aus dem ewigen Kreislauf der Überschuldung/Zahlungsunfähigkeit raus kommen.

Wer allerdings - selbst ohne Versuch der eigenen Bereicherung - als Straftäter verurteilt wird, der steht ganz schnell schutzlos da.

Und als Sahnehäubchen gibt ein Insolvenzbetrug immer noch eine Zugabe: Fünf Jahre nämlich, in denen weder ein Gewerbe angemeldet werden kann. In dieser Zeit darf man nicht einmal einen Vorstands- oder Geschäftsführerposten bekleiden. Dieses wird versagt und wird auch im Gewerbezentralregister vermerkt.

Auf Kosten anderer reich werden funktioniert. Aber nicht auf diesem Weg. Geldgeber sind davor doppelt geschützt. Durch die Tätigkeit des Insolvenzverwalters und der eigenen Rechte.

Kommentar von wfwbinder ,

Sehr ausführlich und Kompetent. Top.

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Danke. Ich hoffe ja, dass an solchen Beispielen Lernende auch tatsächlich was lernen: Nämlich das sie zwar viel Einzelwissen in Schule oder Hochschule erwerben, dass dann aber noch immer die Gesamtschau fehlt.

Man also schnell denkt: Ich kenne alles. Aber in der Praxis reicht es dann noch lange nicht. Dazu braucht man eben noch die Verknüpfung. Die dann erst mit Berufserfahrung erworben wird.

Wenn ich das so schreibe, dann merke ich allerdings auch: Das ist vermutlich zu viel erwartet. Wer soll aus einer Zusammenstellung erkennen: Ich muss alles anwenden... Shit, aber noch aufwendiger will ich auch nicht erklären... Sonst kommt man ja in zeitliche Bereiche, die ich hier auch nicht liegen lassen will...

Daher noch ein Dank - Für diese Erkenntnis, dass ich augenscheinlich nicht zu Ende gedacht habe :-(

Antwort
von Traveller24, 6

Naja, das zweite UNternehmen ist ja das Vermögen der PersonX. Wenn PersonX also in Privatinsolvenz geht, dann muss er ja seine Vermögensverhältnisse offenlegen. Und die Beteiligung am Unternehmen2 würde dann gepfändet werden. Das macht dem Unternehmen2 gar nichts aus, das arbeitet wie bisher weiter, es gehört aber nicht mehr PersonX sondern der Bank.

Prinzipiell ist es dasselbe, als ob PersonX Aktien besitzen würde. Die würden ihm dann ja auch gepfändet werden.

Antwort
von Tronje2, 10

Na bitte, danke für die Anleitung zum Kreditbetrug!

Ich würde mich mal mit dem Strafrecht befassen, dort kannst du dann auch was dazu lernen.

Frohe Ostern MfG

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