Frage von HaettMalneFrage, 45

Gewinnauschüttungen im Steuerrecht?

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich hätte eine Frage die mich zum Verzweifeln bring, da ich kommende Woche eine Steuerklausur schreibe. Folgendes: Es ist doch so, wenn eine Kapitalgesellschaft Gewinne ausschüttet, dann kommt es drauf an, ob es sich bei der Person welche die Gewinnausschüttung erhält eine natürliche Person ist und ob der Gewinn im Privatvermögen bleibt oder im Betriebsvermögen. Wenn er im Privatvermögen bleibt, dann ist mir klar, dass dieser Gewinn bei dem zu versteuernden Einkommen nicht mehr berücksichtigt werden muss da er abgegolten wurden (mit 25%). Wenn es im Betriebsvermögen bleibt, dann handelt es sich um Einkünfte aus Gewerbebetrieb und wird zu 60% besteuert.

In einer mir vorliegenden Aufgabe hat eine natürliche Person Kommanditanteile an einer KG mit Gewinnanteil von 25.000 Euro. Diese 25.000 Euro werden in der Lösung zu dem zu versteuernden Einkommen hinzugerechnet. Und das verstehe ich nicht. Wenn die Person doch Einkünfte aus Gewerbebetrieb hat dann bedeutet das doch dass sich der Gewinn (die Gewinnausschüttung bzw der Gewinnanteil) im Betriebsvermögen befindet, warum werden die 25.000 dann einfach hinzugerechnet und nicht nur zu 60 % ?

Vielen Dank im Voraus! Ich hoffe mir antwortet jemand, zwecks meiner anstehenden Klausur.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Steuerbaer, 34

eine KG ist keine Kapitalgesellschaft, sondern eine Personengesellschaft. Anders als bei Kapitalgesellschaften wird bei Personengesellschaften der Gewinn nicht der Gesellschaft - sondern direkt den Gesellschaftern zugeordnet. Demzufolge handelt es sich um Einkünfte i.S. § 15 EStG, welche ganz normal dem zu versteuernden Einkommen zugerechnet werden.

Kommentar von HaettMalneFrage ,

Oh Gott bin ich blöd, es liegt auf der Hand und ich zerbrech mir da 1 Stunde lang den Kopf. VIELN DANK!

Ist die Gewinnausschüttung eigentlich nur ein anderes Wort für Gewinnbeteiligung,Dividende,Gewinnanteil ?

Ich hätte noch eine Frage. Man muss entscheiden ob die Aussage richtig oder falsch ist :

Das zu versteuernde Einkommen einer Kapitalgesellschaft ist grundsätzlich nicht identisch mit dem Gewinn, der sich aus der Steuerbilanz der Kapitalgesellschaft ergibt. 

(die Antwort ist bestimmt wieder total logisch, aber mein Brett vor dem Kopf ist gerade einfach viel zu groß)

Kommentar von Steuerbaer ,

das zu versteuernde Einkommen einer Kapitalgesellschaft entspricht nicht dem Gewinn lt. Steuerbilanz. Man kann sich das an folgendem Schema verdeutlichen.

Jahresüberschuss nach HGB (als Grundlage § 5 EStG Maßgeblichkeitsprinzip)

+- Korrekturen nach EStG (z.B. nicht abzugsfähige Betriebsausgaben (§ 4 (5) EStG)

= Gewinn nach Steuerbilanz

+- Korrekturen nach KStG

= zu versteuendes Einkommen nach KStG

Es werden vom Gewinn laut Steuerbilanz noch körperschaftsteuerechtliche Korrekturen vorgenommen (z.B. Hinzurechnung von 50% der Aufsichtsratsvergütungen, verdeckte Gewinnausschüttungen, Steuerfreiheit von Kapitalerträgen, wenn eine Kapitalgesellschaft Anteile im Betriebsvermöge einer anderen Kapitalgesellschaft hält [aber Hinzurechnung von 5 %], ...). Als Ergebnis dieser Korrekturen erhält man das zu versteuernde Einkommen der Kapitalgesellschaft. Auf dieses wird dann der Steuersatz von 15 % angewenset (+ 5,5 % Soli).

Kommentar von Bakaroo1976 ,

Oh menno - doch nicht immer gleich die Komplettlösung (und die ist hier nicht mal richtig) hinlegen. Da lernt der Fragesteller doch viel weniger, als wenn er nur einen Fingerzeig bekommt und selbst ein bischen nachdenken muss :(

Kommentar von Bakaroo1976 ,

Zu Deiner zweiten Frage möchte ich Dich bitten zu überlegen, wie der steuerrechtliche Gewinn ermittelt wird. Kleiner Tipp - drei Stufen - Handelsbilanzgewinn - Steuerbilanzgewinn - steuerrechtlicher Gewinn.

Gibt es vielleicht einige steuerliche Normen, die nur außerbilanziell anzuwenden sind?

Antwort
von HaettMalneFrage, 8

Danke nochmals!

Aber wenn ich doch keine Korrekturen vornehmen muss (z.B keine offene/verdeckte Gewinnausschüttung, keine Investitionszulage, keine nichtabzugsfähigen Aufwendungen wie Bußgeld, Geschenke etc, etc.) - dann bleibt der Gewinn nach steuerlicher Buchhaltung gleich dem zu versteuernden Einkommen? 

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