Frage von searcher2, 94

Gewichtszunahme bei Seroquel 25 mg?

Ich leide unter schrecklichen Stimmungsschwankungen, depressiven Phasen und emotionalen Spannungszuständen, die manchmal so unerträglich sind, dass ich am liebsten aus dem Leben scheiden würde. Es ist eine Gefühlsachterbahn des Grauens, aus der es kein aussteigen gibt. In mir tobt dann ein Sturm der Gefühle, den ich nicht mehr bändigen kann. Ich weine dann den ganzen Tag, schimpfe aufs schlimmste, laufe nachts zum Krankenhaus, rufe ständig die TSS an und oder lasse mich aufgrund von starken Gefühlen zu impulsiven Verhalten hinreißen, mache also Dinge die ich im Nachhinein bereue. Nichts hilft dann mehr, kein Sport, keine Gespräche, kein schneiden, einfach nichts. Doch nehme ich 25 mg oder 50 mg Seroquel hört der ganze Spuk auf einmal auf. Gefühle und Gedanken die mich vorher quälten, mein Leben unlebenswert erscheinen ließen, sind aufeinmal verschwunden, es tritt wieder Ruhe ein und ich kann wieder ein halbwegs normales Leben führen. Seroquel rettet mir also mein Leben, besonders in akuten Phasen ist es unverzichtbar, es wirkt bei mir einfach Stimmungsstabilisierend. Doch leider ist Seroquel für seine extreme Gewichtszunahme bekannt, was für mich ein großes Problem darstellt. Doch was will ich machen, wenn ich anders gar nicht mehr überlebensfähig bin, da muss ich das Medikament doch einnehmen, sonst ist es doch nur noch eine Quälerei.

Schön wäre es wenn mir jemand sagen könnte ob ich durch 25 mg oder 50 mg zunehme? Ich meine wenn ich mich gesund ernähre und nicht über mein Kalorienbedarf liege, dürfte ich doch nicht zu nehmen, oder?

Antwort
von xAphroditex, 84

Hallo, da ich mich leider mit diesem Medikament nicht auskennen, habe ich mich eben mal etwas eingelesen. Unter anderem habe ich mir den Beipackzettel und ein paar Erfahrungen durchgelesen. Die Gewichtszunahme ist einer der möglichen Nebenwirkungen. Viele Patienten berichten darüber, dass sie durch plötzliche Heißhungerattacken zugenommen haben. Seroquel verlangsamt wohl auch den Stoffwechsel. Je höher die Dosis ist, desto größer ist die Gefahr der Gewichtszunahme. Ich denke aber, dass du durch eine gesunde Ernährung und viel Bewegung nicht zunehmen wirst. Vielleicht übst du eine Sportart aus, die dir große Freude bereitet und dich nicht nur fit hält, sondern auch gegen deine depressiven Phasen wirkt. Falls dich wieder das Gefühl überkommt, dass du nicht sein möchtest, dann denk bitte daran, dass dich viele Menschen lieben und ohne dich ganz traurig wären. Nach jedem Regen kommt auch wieder Sonnenschein :)

Kommentar von searcher2 ,

Danke, das ist lieb von dir! Ich möchte auch nicht sterben, schließlich ist das Leben ein Geschenk, aber so ganz ohne Partnerin und Freunde erscheint mir das Leben in letzter Zeit einfach nicht mehr lebenswert, da ist mein Sero echt ein Segen (aber auch ein Fluch zugleich aufgrund der Nebenwirkungen), denn es stabilisiert mich ungemein. Ich weiß eigentlich bräuchte ich Menschen die mich lieben (und keine Chemie), aber diese fliegen mir nicht einfach so zu, dafür muss ich immer wieder unter Menschen gehen, doch das schaffe ich nicht, weil mir meine Krankheit im Weg steht, komme einfach nicht aus der Wohnung. Schon traurig, aber so ist es leider.

Von der Gewichtszunahme ist immer wieder zu lesen, besonders in hohen Dosierungen. Aber 25 bis 50 mg sind doch wirkliche eine geringe Dosis, und wenn ich mich gesund ernähre und meine Kalorien nicht überschreite, dürfte eine Gewichtszunahme nicht allzu krass ausfallen. Sero ist halt ein guter Downer, es pusht mich nicht auf wie andere Neuroleptika, sondern sediert mich auf eine angenehme Weise, wenn da nur nicht die heftige Gewichtszunahme wäre. Doch wenn ich diszipliniert bin und mich weiterhin vernünftig ernähre sehe ich da nicht allzu schwarz.

Kommentar von xAphroditex ,

Das sehe ich genauso. Du solltest dich gesund ernähren und dich viel bewegen, dann solltest du nicht an Gewicht zu legen. Und deine Dosis ist nicht so hoch. Ich habe in Erfahrungsberichten gelesen, dass manche 800 verabreicht bekommen. In der Hinsicht solltest du dir nicht all zu viele Gedanken machen und dir unnötig Angst machen.

Natürlich ist es traurig, wenn einem die Krankheit den Weg versperrt. Ich kann dich sehr gut verstehen. Du solltest dich aber nicht aufgrund deiner Krankheit verschließen oder sogar dich selbst aufgeben. Ich würde dir raten, schrittweise zu versuchen, neue Kontakte zu suchen. Es ist nicht gesund auf Dauer allein zu sein. Dadurch können sich die depressiven Phasen intensivieren. Du musst dich nicht direkt in Menschenmassen stürzen. Probier in kleinen Schritten auf Menschen zuzugehen und neue Kontakte zu knüpfen. Du wirst dann sicher Freunde finden und auch eine Partnerin. Setzt dich aber bloß nicht unter Druck. Sowas muss sich langsam entwickeln. Wichtig ist, dass du dein Leben, trotz deiner Krankheit, genießt :)

Kommentar von searcher2 ,

Stimmt, Sero kann man ziemlich hoch dosieren, glaube in Akutphasen bis auf 1200 mg. Solche Megadosierungen bekommen meistens Patienten verordnet die unter Psychosen leiden, da Sero im antipsychotischen Bereich ziemlich hoch dosiert werden muss, um  effektiv eine Wirkung zu erzielen. Da ich unter keinerlei psychotischen Symptomen leide, sondern mehr unter Stimmungsschwankungen, depressiven Zuständen und Kontrollverlusten, reicht bei mir eine niedrigere Dosis vollkommen aus, die mich einfach nur in meiner Stimmung stabilisiert. Dennoch Sero wirkt zwar stabilisierend, ist eine Stütze, aber eben nicht alles. Zudem schränkt mich Sero in meinen Affekten ziemlich ein, macht mich lethargisch und träge (was widerum die Interaktion mit meinen Mitmenschen beeinträchtigt), so hat alles leider seinen Preis. 

Sehe das genauso wie du. Durch die Isolation kommen ja erst diese schwermütigen und negativen Gedanken, die letztendlich wieder diese unterträglichen Gefühlswellen auslösen. Mit der Zeit rede ich mir bedingt durch die depressiven Phasen auch schon Sachen ein, die gar nicht mehr der Realität entsprechen, die mich richtig lebensmüde machen, einfach weil ich mich so isoliere, keine sozialen Kontakte mehr pflege. Die Leuchtturmwärter auf Helgoland Strategie geht also nicht mehr auf, meine Seele will einfach nicht mehr alleine sein. Ich muss endlich raus aus diesem Hamsterrad, am Leben teilnehmen, denn Dienstleister wie Ärzte und Telefonseelsorge brauche ich nicht, sondern soziale Kontakte.

Kommentar von xAphroditex ,

Das ist doch schon etwas Positives, dass die Dosierung nicht so hoch angesetzt wurde. Und das du keine Psychosen hast, ist doch auch super. Vielleicht brauchst du dieses Medikament auch nicht mehr, wenn du es schaffst dich zu überwinden und dich unter Leute zu mischen. Ich drücke dir jedenfalls ganz doll die Daumen. Auch wenn alles nicht immer so ist, wie wir es wollen, müssen wir das Beste daraus machen. In diesem Sinne, viel Erfolg im weiteren Leben :)

Antwort
von BamBambii, 17

Ja ich hatte auch eine gewichtszunahme bei 25mg seroquel, allerdings pendelt sich das bei längerer Einnahme irgendwann ein

Kommentar von searcher2 ,

Danke für die Antwort!

Ich nehme Sero Pro 50 mg jetzt wieder seit 1 Monat ein und habe in der Zeit kein Kilo zugenommen. Im Gegenteil, mein Appetit hat sogar abgenommen. Auch esse ich nun weniger und kontrolliert, als in Zeiten wo ich das Medikament nicht nahm, was wahrscheinlich daran liegt, dass ich jetzt nicht mehr so unter Stress stehe, definitiv ruhiger geworden bin. Glaube aber wenn ich die Dosis wieder erhöhen würde, auch wieder an Gewicht zulegen würde, da ich momentan aber nur 50 mg zu mir nehme, schlägt sich das zum Glück nicht auf mein Gewicht nieder. Das kann aber von Fall zu Fall aber verschieden sein.

Die Retard Variante von Sero vertrage ich übrigens besser als das normale Sero, weil der Wirkungstoff Quetiapin bei Sero Pro nur in Intervalen abgeben wird, was deutlich angenehmer ist, als bei dem normalen Sero, bei dem ich schon nach einer halben Stunde total groggi bin, mich wie in eine Art Wachkomazustand versetzt fühle, was sich einfach ätzend anfühlt.

Dank Sero Pro hat sich meine Stimmung endlich wieder stabilisiert. Das ganze destruktive und kranke Geschreibsel hier, war letztendlich nur auf mein instabiles Gefühlsleben sowie meiner Impulsivität zurück zuführen. Ständig kippte meine Stimmung, egal ob mir ein quälender Flashback durch den Kopf schoss, ich eine Daily Soap sah oder in dem Supermarkt ging, überall waren Spannungsfelder, die mich emotional immer wieder aus der Bahn geworfen haben. Dann diese ewigen Stimmungsschwankungen die einer wilden Achterbahn glichen, meine unkontrollierten Gefühlsausbrüche, dass ständige aneinanderraten mit meinen Mitmenschen (auch wenn es nie zu gewaltätigem Verhalten kam), die mit meiner überdrehten und impulsiven Art vollkommen überfordert waren (Wechselwikung läßt grüßen), dass war kein Leben mehr, sondern eine einzige Quälerei, nur die Tabletten haben mich aus diesem Alptraum befreit.

Sero ist kein Wundermittel, aber es macht mein Leben um einiges erträglicher, gibt mir eine Menge Lebensqualität zurück. Sicher haben Psychopharmka ihre Nebenwirkungen, schränken mich in vielerlei Hinsicht ein, aber ich musste halt abwegen was mir lieber ist.  Entweder ich lebe mit einem starkem Gefühlsleben und Impulsivität, mit all den daraus folgenden Konsequenzen oder ich laufe leicht sediert wie in Watte gepackt durch die Gegend. Ganz klar, da nehme ich doch lieber das letztere Übel in Kauf.  

Dann noch was: Von dieser Psychopharmka-Hetze halte ich gar nichts, denn es gibt auch Menschen für die sind diese Medis unverzichtbar. Klaro haben die viele Nebenwirkungen (wie z.B Spätdyskinesien, Gewichtszunahmen und Akathisie etc.), aber die atypischen Neuroleptikas von heute haben deutlich weniger Nebenwirkungen als der ganze Schund von damals, der wohl eher in die Kategorie Körperverletzung fällt (sag nur die Beton-Spritzen wie Haldol), als eine Linderung der Symptomatik herbeiführt. Nichtsdestotrotz sind Psychopharmka keine Smarties, das Zeug hat schon seine Nebenwirkungen, dass steht ganz außer Frage, aber sie haben ganz klar ihre Berechtigung. Dennoch bekämpfen sie nur die Symptome, nicht die Ursache, sie sollten eine Art Stütze sein, um eine schwere Phase besser durchstehen zu können, parallel sollte man zusätzlich zu der medikamentösen Behandlung zudem noch eine Therapie machen.

Zu guter Letzt: Lasst euch nie von irgendwelchen Laien in eure Medikation reinreden. Denn das ist eine Sache zwischen euch und eurem behandelnden Arzt. Doch verspührt ihr quälende Nebenwirkungen, zögert nicht euren Arzt diese mitzuteilen, der kann euch dann nämlich auf ein anderes Medikament umstellen kann. Und solltet ihr die Medis wiklich mal absetzen wollen dann nur unter Absprache mit eurem Arzt, nie eigenhändig, dass kann fatal sein. Solltet ihr die Tabellten also nicht mehr nehmen wollen, besprecht das bitte vorher mit eurem Arzt. Das ausschleichen der Tabletten sollte wennn überhaupt, sich über Wochen oder Monate erstrecken, nie solltet ihr sie von heute auf morgen absetzen. 

Antwort
von Aengstlicher, 78

Es ist möglich-am besten Beipackzettel lesen oder Infos von der Herstellerfirma einholen. Auch der Hausarzt weiß mehr.

Kommentar von searcher2 ,

Zwar steht im Beipackzettel das es zu einer Gewichtszunahme kommen kann, aber ich weiß nicht wie es sich bei 25 bis 50 mg verhält (insb. bei regelmäßiger Einnahme). Da müsste eine Gewichtszunahme doch eher marginal ausfallen wenn ich jetzt auf meine Kalorien achte. Wäre echt schön wenn mir jemand über seine Erfahrungen mit 25 oder 50 mg Sero berichten könnte.

Mein Hausarzt sollte ich in dem Fall lieber nicht konsultieren, der hält von Psychopharmka nämlich gar nichts. Zudem gefalle ich ihm ohne Sero besser, aber davon habe ich ja nichts, wenn ich suizidale Phantasien entwickel. Momentan ist meine Psychiaterin im Urlaub, doch sobald sie zurück ist werde ich sie mal zu Rate ziehen.

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