Frage von Deskar, 47

Gewicht Extrakt in mg eigentlicher Masse umrechnen (Homöopathie / Pharmazie)?

Nehmen wir an es gibt ein homöopathisches Mittel aus dessen Pflanzenbestandteilen ein Extrakt erstellt wird. Und zwar ein 70% ethanolisches alkaloidfreies Extrakt. Kann man nun anhand dieser Prozentzahl grob schätzen wie viel mg getrocknete Pflanzenbestandteile einem mg des Extraktes entsprechen?

Antwort
von uteausmuenchen, 30

Hallo Deskar,

Du hast da ganz falsche Vorstellungen von einem homöopathischen Mittel.

Erstens stammen nicht alle in der Homöopathie verwendeten Grundstoffe von Pflanzen. Die verwenden auch Tierisches (Rotz einer Kuh, Kundemilch, zerriebene ganze Biene,...), Giftstoffe (Arsen, Nitroglycerin, Thallium,... z.B.), oder von Anfang an Unplausibles (magnetischer Nordpol, Antimaterie, Licht des Polarsterns,...)

Zweitens bedeuten die in der Homöopathie aufgedruckten Zahlen beizeiten absurde Verdünnungsgrade. Die D-Potenzen bedeuten Verdünnungen in Schritten von1:10, die C-Potenzen in Schritten von 1:100. Eine

D1 ist 1x im Verhältnis von 1:10 verdünnt = 1:10
D2 ist 2x im Verhältnis von 1:10 verdünnt = 1:100.
...
D12 ist 12x im Verhältnis von 1:10 verdünnt = 1:1 000 000 000 000

C1 ist 1x im Verhältnis von 1:100 verdünnt = 1:100
C2 ist 2x im Verhältnis von 1:100 verdünnt = 1:10 000.
...
C12 ist 12x im Verhältnis von 1:100 verdünnt = 1:1 000 000 000 000
000 000 000 000

Bei allen Verdünnungen von mehr als C12 bzw. D24 ist im ganzen Homöopathikum kein einziges Molekül des Wirkstoffes mehr enthalten. Dabei sind das noch recht niedrige Verdünnungsgrade.

Um von einer handelsüblichen D30 ein Molekül des Wirkstoffes zu erwerben, müsstest Du etwa eine Million Globuli-Fläschchen dieses Präparats kaufen.

Ein "Zuckerkügelchen", das einer Verdünnung von C30 = 1:1 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 entspricht, müsste einen Durchmesser haben, der etwa dem der Erdumlaufbahn entspricht - sonst bekommst Du nicht genugend Zucker zusammen, um das eine einzige Wirkstoffmolekül in dieser Verdünnung zumischen zu dürfen.

Ich denke, es leuchtet unmittelbar ein, dass man aus handelsüblichen Homöopathika kein Extrakt herstellen kann. Wo nichts drin ist, kann man auch nichts extrahieren. Das geht einfach nicht.


Grüße



Kommentar von mgausmann ,

Noch dabei zu erwähnen, dass man bei den genannten Verdünnungen weit mehr Dreckmoleküle als Wirkstoffmoleküle erwirbt. Denn auch super-destilliertes Wasser ist nicht vollkommen frei von anderen Molekülen.

Kommentar von TomRichter ,

Es geht nicht darum, aus Kügelchen irgendwas zu extrahieren (Milchzucker könnte man da ganz gut extrahieren), Sondern darum, aus einer Pflanze etwas zu extrahieren. Die Urtinktur, falls wirklich Homöopathika gemeint sind - ich vermute aber, dass der FragestellerIn zwar Homöopathika schreibt, aber Phytopharmaka meint.

Kommentar von Karl37 ,

Dein erwähntes Nitroglycerin ist aber in der Medizin ein anerkanntes gefäßerweiterndes Mittel und wird bei Angina pectoris angewandt. Es hat nichts mit Homöopathie zu tun.

Kommentar von uteausmuenchen ,

Hallo Karl37,

klar hat Nitroglycerin in pharmakologisch wirksamer Dosis auch eine gezielte Wirksamkeit auf unseren Körper.

Homöopathie verwendet durchaus Stoffe, die - WENN man sie denn tatsächlich einnähme(!) - medizinische Wirkung entfalten können. Arsen oder Tollkirsche wären dafür ja auch Beispiele.

Aber eben nicht in deren Abwesenheit.

Wenn Du Glonoinum C30 (https://www.aponeo.de/08011180-glonoinum-c30.html?a=1&src=ggl.pla) einnimmst, passiert gar nüscht. Wie auch: Es enthält eben KEIN Nitroglycerin mehr. Und Kein Nitroglycerin besitzt eben auch keine gezielte Wirksamkeit mehr.

Da ändert dann auch der lateinische Name nichts - er verwirrt aber viele Anwender, die dann oft gar nicht wissen, was sie da - nicht - einnehmen. ;-)

Antwort
von Karl37, 6

Die angegebene Prozentzahl bezieht sich nur auf das Lösemittel. Es wurde ein Gemisch aus Ethanol/Wasser mit 70% V/V verwendet. Wieviel Wirkstoff darin enthalten sind, geht aus der Prozentangabe nicht hervor.

In der Darreichungsform der Liquida wird man alkoholische Lösungen immer soweit verdünnen, das noch kein Wirkstoff ausfällt und beim Patienten kein Brennen im Rachenraum entsteht.

Expertenantwort
von TomRichter, Community-Experte für Chemie, 47

Nein, kann man nicht.

Wenn es sich um ein Homöopathikum handelt, kannst Du die Herstellungsvorschrift im HAB nachlesen.

Ansonsten im Beipackzettel, da sollte nicht nur "Extrakt" stehen, sondern auch ein Verhältnis wie 1:4

Kommentar von Deskar ,

Und welche Verhältnisse sind in der Regel so üblich? Mir ist kein Verhältnis bekannt, nur dass es sich um ein 70% ethanolisches Extrakt handelt, wobei ich auch nicht weiß was das bedeuten soll

Kommentar von TomRichter ,

Gebräuchlich sind Werte von 1 Teil Pflanze auf 3 bis 10 Teile Lösungsmittel. Mal frische Pflanze, mal getrocknete, was natürlich einen gewaltigen Unterschied macht.

Ebenso wird im Arzneimittel mal der Extrakt flüssig und mal der getrocknete Extrakt eingesetzt.

Das einzig eindeutige an den Dir vorliegenden Angaben: Als Extraktionsmittel wird 70%-iger Alkohol verwendet. Bei Alkohol sind Volumen-% üblich, sowohl beim Schnapsbrennen als auch in Chemie und Pharmazie.

Kommentar von Deskar ,

Achso ich dachet das Extrakt wäre stärker konzentriert als die frische Pflanze also das zB bei einem Verhältnis von 1:4 1mg Extrakt 4mg der frischen pflanze ergeben würden. Ist es dann umgekehrt? Wenn man nun Tabletten oder Pillen eines solchen Pflanzenextrakt hat und die Angabe zB 500mg ist. Sind damit dann die reinen Pflanzenanteile gemeint oder die Pflanzenanteile samt der Verdünnung (alkohol). Das alles ist ziemliches Neuland für mich. Ich bin nur immer sehr wissensdurstig wenn mich spontan etwas interessiert. :)

Kommentar von Deskar ,

Wir gehen jetzt mal von der getrockneten Pflanzenvariante aus :)

Kommentar von TomRichter ,

Wie ich bereits schrieb:

> mal der Extrakt flüssig und mal der getrocknete Extrakt eingesetzt.

Dumm, wenn das nicht angegeben wird. Aber damit sind wir auch nicht mehr bei den Arzneimitteln.

Der flüssige Extrakt ist natürlich weniger konzentriert als die ganze Pflanze. In einem kg frisch gebrühten Kamillentees (auch das ist ein Extrakt!) ist schließlich auch weniger Wirkstoff als in 1 kg frisch geernteter Kamillenblüten.

In 1 g getrockneten Extrakts sind natürlich mehr Wirkstoffe als in 1 g getrockneter Pflanze. Schließlich sind im Extrakt nur die Wirkstoffe, in der Pflanze noch jede Menge anderer Stoffe. Wobei ich jetzt einfach mal voraussetze, dass beim Extrahieren auch tatsächlich die Wirkstoffe - manchmal auch nur einer von mehreren - extrahiert werden.

Ein Anreicherungsverhältnis lässt sich nicht angeben. Es gibt Pflanzan mit hohem und mit niederem Gehalt, und bei manchen Pflanzen schwankt der Gehalt (Digitalis purpurea mit 0,1% bis 1% Glycoside)

Kommentar von TomRichter ,

Ein Flüssigextrakt 1:5 wurde hergestellt, indem 1 Teil Pflanze mit 5 Teilen Alkohol (oder andere Extraktionsmittel) extrahiert wurde.

Ein Trockenextrakt 5:1 besagt, dass aus 5 Teilen Pflanze mit unbekannter Menge Alkohol extrahiert  wurde und nach dem Trocknen 1 Teil Trockenextrakt übrig blieb.

In beiden Fällen ist nicht bekannt, ob alle oder nur manche Wirkstoffe extrahiert wurden, und ob diese weitgehend vollständig oder nur teilweise extrahiert wurden.

Immerhin kann man mit Sicherheit sagen, dass der Extrakt nicht mehr Wirkstoff enthält als die Menge Pflanze, aus der er hergestellt wurde. Ein 5:1 Trockenextrakt also maximal die 5-fache Wirkstoffkonzentration hat.

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