Frage von MineHome, 52

Was muss ich bei einer Gewerbeanmeldung beachten?

Hallo,
Ich möchte die Tage ein Gewerbe anmelden. Was muss ich dabei beachten? Welche Steuern können anfallen? Bin ich möglicherweise bei diesen Steuern bis zu einem bestimmten Betrag befreit? Oder bin ich nur eine gewisse Zeit befreit?
Das Bundesland ist Hessen, falls das etwas nützt.

Vielen Dank!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Dirk-D. Hansmann, 28

Hi MineHome,

ich bitte Dich erst einmal meinen Beitrag an Plotz zu lesen. Denn mit diesen Fragen wirst Du nicht glücklich werden. Die steuerlichen Auswirkungen sind absolut nachrangig.

Schließlich bezahlt man nur, wenn man auch Einnahmen hat und von den Einnahmen nach den Betriebsausgaben was über bleibt.

Wenn Du Dich mit der Materie Existenzgründung/Unternehmensgründung eingehend beschäftigt hättest, dann würden Deine Fragen lauten:

Ich will Häuser bauen, habe die und die Voraussetzungen. Folgende Gewerke werde ich übernehmen. Kann ich dann diese oder jene Gewerbeanmeldung abgeben?

Zu den Steuern würdest Du fragen müssen: Ich erwarte pro Jahr einen Umsatz von 4,6 Mio Euro. Meine Personalkosten liegen bei und ansonsten kommen noch folgende Ausgaben auf mich zu...

Was bedeutet dieses für mich an steuerlicher Belastung? Ich habe derzeitig als Einzelunternehmer geplant, kann man durch Steuergestaltung hier noch was machen?

Eine vernünftige Businessplanung besteht aus inhaltlicher Vorbereitung und der Planung der eigenen Handhabung. Also was gilt für mich und was werde ich wie davon machen.

Welche Chancen und Risiken begegnen mir? Wie kann ich die Risiken minimieren? Reichen die Chancen aus um auch wirklich die minimierten Risiken gehen zu können?

Das ganze ist auch keine pauschale Veranstaltung, die man mal in ein paar Stunden erledigen kann. Wer sich von einem Trainer programmiert (also nicht mit so einem Businessplanprogramm, wie sie im Internet x-fach laufen) wirklich auf die eigene Situation und was man braucht vorbereiten will, hat sich ein Arbeitspensum von etwa sechs Wochen á 40 Wochenstunden an Land gezogen.

Allerdings Baugewerbe kann sehr komplexe Entscheidungen von Dir erfordern und auch eigenen Abstimmungen rechtlicher wie technischer Art, schlage lieber noch mal drei vier Tage oben drauf.

Du hast unabhängig von Deinen Kenntnissen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen Haufen nötigen Wissens zur Zeit noch nicht zur Kenntnis genommen.

Verschiebe die Anmeldung. 80 - 90% melden ihr Gewerbe wieder ab. Da ist verschieben das kleinere Übel.

Kommentar von MineHome ,

Naja, es ist nur ein kleines Gewerbe wo ich auf keinen Fall einen Umsatz über 17.000€ erwarte. Nur ein kleiner Nebenverdienst als Student. Ausgaben habe ich faktisch keine (6,50€/Monat), da ich nur selbstgemachte Software verkaufen möchte.

Kommentar von wurzlsepp668 ,

wenn ich den Quatsch schon wieder lese: Ausgaben habe ich faktisch keine ....

ich bin seit 1986 im steuerlichen Bereich tätig, ich habe noch kein einziges Gewerbe oder freiberufliche Arbeit ohne Betriebsausgaben gefunden ...

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Naja, kommt vor, aber ganz selten - Hängt dann aber auch mit Null Erträgen zusammen. Also ganz direkte Abhängigkeit.

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Erstens - Jetzt werde mal nicht so kleinlaut. Denn es ist egal wie groß ein Unternehmen startet oder geplant wird. Die Funktionen, Verantwortungen, was zu machen ist, dass bleibt alles gleich.

Und die Kosten sind ja nicht der Rechner, den Du schon für das Studium brauchst. Denke nur mal an vernünftige Werbung. Wie willst Du da die Kosten auf Null bringen?

Ich verstecke mich an einer Stelle immer hinter den Volksbanken. Die haben ganz gutes Material, eine Art Geheimwaffe für mich. Im Schnitt kannst Du von einem anfänglichen Finanzbedarf von 5.000 Euro ausgehen.

Das Geld kann auch über einen etwas gestreckten Zeitraum aufgebracht werden, aber man wird die brauchen.

Bei den 17.000 da geht es schon wieder um eine der zeitlich gesehen aller letzten Entscheidungen. Umsatzsteuer oder nicht Umsatzsteuer. Das hängt aber auch davon ab, wer Deine Kunden werden sollen.

Da ist auch die Frage, ob Du jedem gleich sagen willst 'Hi, ich komme aus dem Amateurlager'.

Es kann sogar noch ganz andere Gründe geben. Weil wenn man sich für Umsatzsteuer entscheidet, dann gilt das auf fünf Jahre. Auch für andere Tätigkeiten als Unternehmer. Da muss man einfach Deine Planungen betrachten.

Dann kommt natürlich bei Dir als Student die wichtige Frage nach den Auswirkungen in der Krankenversicherung. Da aber einfach vorbei gehen und beraten lassen. Die sind in aller Regel gut!

Unter dem Strich bleibt mir nur zu sagen: Egal wie klein das Unternehmen werden soll, um dieses zu erreichen braucht man eine professionelle Planung. 80 -90% aller Gewerbe werden noch vor dem Ende der Gründungsphase abgemeldet.

Dies bedeutet in der Regel Totalverlust. Wenn ich also nicht sicher bin, dass ich 1.500 Euro im Monat Umsatz habe oder 1.300 ist egal, starte ich gar nicht erst.

Eine mögliche Variante das zu verschieben, also mit der Planung: Suche Dir einen Kunden, der Dir eine monatliche Grundsicherung bringt. Also was Umsatz angeht. 200 oder 400 Euro, dass ist sogar im Bereich der Aushilfe.

Und mache dann die Planung. Aber nicht anders.

Allerdings darf man eines nicht vergessen: Unternehmer ist man ab der Entscheidung 'Ich bin Unternehmer'. Und nicht erst, wenn man 300 Kunden hat. Man kann also Unternehmer sein und hat gar keinen Kunden. Daher auch die Pflicht zur Anmeldung.

Steuern bezahlt man nur, wenn man auch was verdient. Erträge abzüglich Aufwand. Aber die zu schätzen ist Aufgabe der Vorbereitung. Da hat man alle Zahlen auf einem Haufen, mit denen kann man dann mit Elster oder irgendwo im Internet die steuerliche Belastung ausrechnen.

Antwort
von Bitterkraut, 35

Durch die Gewerbeanmeldung an sich fallen erst mal keine Steuern an. Die fallen dann an, wenn du Umsätze und Einkommen erzielst

Such dir einen Steuerberater. Oder mach einen Gründerkurs.

Kommentar von Plotz ,

Steuerberater kosten grundsätzlich mehr als sie bringen.

Und in Gründerkursen trifft man auf zwei Sorten Belehrer:

1. die Ahnungslosen
2. die Haie

Kommentar von Bitterkraut ,

Und, was hast du für Tipps für Anfänger?

Daß sie alle ne U´msatzsteuerbefreiung anstreben sollten ungeachtet dessen, ob die sinnvoll ist?

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Solche Pauschalurteile sind unter aller Sau!

Wenn ich allein eine Buchführungsgebühr sehe und ein Steuerpflichtiger erledigt die selber - von der Qualität mal ganz zu schweigen und das hat auch mit Risiken zu tun.

Macht jemand seine Buchführung vollständig selber, dann hat er sich über die Gesetzgebung und die Rechtsprechung laufend informiert zu halten. Vollumfänglich. Also nicht mal ein Newsletter.

Und dann hat er die Pflicht das auch zu lesen. Wie lange brauchst Du mit Deinen Kenntnissen um Dich auf dem Stand der Gesetzgebung zu halten? Was gibst Du im Monat so für Fachliteratur aus?

Wie viel Zeit wendest Du für Deine steuerliche Betreuung auf? Was würdest Du in dieser Zeit an Umsätzen machen? Was kostet in Deinem Fall die steuerliche Beratung durch einen Steuerberater?

Du hast mit Deiner Aussage nur gezeigt, dass Du keine Ahnung hast, davon aber jede Menge.

Bei Gründerkursen ist das Problem - auch davon hast Du keine Ahnung - die Leute kommen mit den unterschiedlichsten Grundkenntnissen.

Man muss also erst einmal ein paar grundlegende Dinge erklären. Die für Einkaufsservice, Schlachterei und Blumengeschäft so etwa funktionieren.

Eine individuelle Beratung kann so ein Seminar nicht leisten. Darum ist es aber auch ein Seminar und keine Beratung.

Wer da das Selbe erwartet, der hat auch wieder klar gemacht keinen Funken einer Ahnung zu haben.

Es stimmt allerdings, dass man überall auf ahnungslose Dozenten und um Deinen Begriff zu verwenden Haie treffen kann. Allerdings: Wer das vorher nicht beurteilen konnte, der kann auch dieses nicht korrekt feststellen.

Dazu kommt ein weiteres: Die Leute bringen ihre Autos in Fachwerkstätten. Da kostet die Facharbeiterstunde wohl so 80 Euro. Das ist ein Tagessatz von 8 x 80 also 640 Euro zzgl. der Umsatzsteuer.

Ich glaube nicht, dass die Facharbeiter dies nicht wirklich auch leisten. Aber ebenso bin ich überzeugt, dass Berater durchaus auch Leistungen erbringen. Und ob die 400 Euro oder 4.000 Euro am Tag verlangen: Am Ende wird der Kunde entscheiden ob sich das gelohnt hat.

Leider gilt aber auch hier: Die Kunden, die die 4.000 Euro bezahlen, die sollten in der Lage sein eine Beurteilung zwischen Beratungsleistung und Kosten abzugeben.

Kunden in den unteren Segmenten merken häufig gar nicht, was sie für einen Spottpreis für eine herausragende Leistung bezahlt haben.

80 oder 90% der Gründungen laufen nicht. Warum? Weil die schlecht beraten waren? Nö. Weil sie eben nicht beraten waren. Aber fragen wir doch mal die GewerbeanmelderInnen: Wie siehst Du Deine Chancen? Da sind keine 80 oder 90% die da stehen und sagen: Wir wohl nichts werden...

Lasse also beleidigende Aussagen weg und versuche erst einmal eine qualifizierte Sicht auf Dinge zu bekommen, bevor Du solche Behauptungen aufstellst.

Kommentar von wurzlsepp668 ,

@plotz:

echt?

dummerweise habe ich einen Fall auf dem Tisch, der bisher seine Angelegenheiten selber erledigt hat.

Durch meine Tätigkeit ergibt sich eine (wesentlich) höhere Erstattung, ohne dass sich irgend etwas am Sachverhalt verändert hat ..... (da der Steuerpflichtige bisher keinerlei Ahnung hatte, dass er gewisse Werbungskosten absetzen kann ....)

Aber hauptsächlich, über Steuerberater ablästern .....

Antwort
von Plotz, 41

Die IHK gibt Dir Auskunft, reichlich Broschüren hier:
http://www.friedberg-hessen.de/index\_main.php?unid=2698

Steuerberatung gibts hier nicht, aber erst mal wirst Du wohl wegen der Kleinunternehmer-Regelung in §19 UStG von der USt befreit sein können.


Kommentar von Bitterkraut ,

Ob die Befreiung von der Umsatzsteuer überhaupt Sinn macht, hängt auch von der Art des Gewerbes ab. Das hat nix mit Anfänger oder nicht Anfänger zu tun.

Kommentar von Plotz ,

Nee, mit dem Umsatz.

Und mit der Überlegung, ob man sich bei zukünftigen Kunden eher unbeliebt macht, wenn man

1. keine USt ausweist und
2. später seine Preise erhöhen muss, wenn man USt-pflichtig wird.

Kommentar von Bitterkraut ,

Und wenn ich ein Geschäft betreibe, bei dem ich z.B. durch Mateiraleinkäufe hohe Vorsteuern habe? Vielleicht solltest du auch dazu sagen, daß man mit der Kleinunternehmerregelug auch auf die Vorsteuerabzugsberechtigung verzichte? Was für viele auch ein Nachteil sein kann. Ih glaub nicht, daß du besonders viel Ahnung hast. Eben deshalb hab ich einen Steuerberater empfohlen.

Kommentar von Plotz ,

Und wenn ich ein Geschäft betreibe, bei dem ich z.B. durch Mateiraleinkäufe hohe Vorsteuern habe?

Wer von der USt befreit ist hat keine Vorsteuern.

Vielleicht solltest du auch dazu sagen, daß man mit der
Kleinunternehmerregelug auch auf die Vorsteuerabzugsberechtigung
verzichte?

Wieso? Das ist Dir doch bewußt, wie man sieht.

Nur was das bedeutet, spielt man am Besten an einem simplen Rechenbeispiel und den dazugehörigen Buchungssätzen praktisch durch, damit klar wird was hängen bleibt und was nicht.

Es gibt in der Praxis diverse Trugschlüsse bei dem Thema.

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