Frage von Hassliebe, 83

Gewaltverhalten?

Hey :)
Vor circa einer Woche habe ich ein langes Gespräch mit meinem Freund geführt. Dabei meinte er das, er früher sehr aggressiv gewesen ist. Aber jetzt ist er der liebevollste Mensch den ich je kennen lernen durfte. ‏
Dann sind wir auf das Thema gekommen dass es ja so etwas wie einen Blutrausch gibt.
Meine Frage an euch wäre was genau ist ein Blutrausch und was versteht man darunter bei Jugendlichen ?
Vielen Dank für euere Hilfe schon mal

Antwort
von Realisti, 24

Blutrausch ist ein Begriff aus dem Nahkampf. Es ist einer der ältesten Begriffe aus der Erlebniswelt von Kriegern.

Im Kampf Mann gegen Mann geht es um das nackte Überleben. Auch in starken Männern steckt eine instinktive Angst vor Gewalt und Sterben. Diese Hemmung muß für den Kampf überwunden werden. Dabei schalten viele Kämpfer ihren Kopf quasi auf einen anderen Sender und blenden die Realität aus. Ohne Rücksicht auf Verluste schlagen sie blind darauf los und hoffen am Ende einer derer zu  sein, die noch leben bzw. stehen. Oft hören sie erst auf, wenn kein Gegner mehr da ist, oder sie völlig erschöpft keinen Arm mehr heben können.

Diese Reaktion fällt verschieden je nach Erfahrungswelt und Persönlichkeit des Kämpfers aus. Bei erfahrenen Kämpfern kommt diese instinktive Reaktion gemäßigter vor (oder auch gar nicht), als bei jungen Männern, die noch keine voll entwickelte Impulskontrolle haben.

Nach Kämpfen erlebt man oft, dass die Beteiligten abgebrochene Zähne haben. Das ist nicht durch Schläge passiert, sondern durch den eigenen Kieferndruck. (Zähne zusammenbeißen und durch...). So starkt ist die Anspannung unter der sie dabei sind. Ungeahnte Instinkte und Hormone werden dabei ausgelöst und Kräfte freigesetzt, die sich ihren Weg suchen.

Kommentar von Hassliebe ,

Danke für die lange Erklärung :)
Jetzt nur noch eine Frage weißt du wie man So etwas verhindern kann ?

Kommentar von Realisti ,

Das ist eine Frage der Frust- und Agressionsbewältigung. Wer nie gelernt hat Frust auszuhalten oder mit seiner Agression oder seinen Ängsten um zugehen, der ist eher anfällig dafür.

In unserer "nomalen" Welt ohne Kämpfe regelt sich dieses mit dem Einpendeln des Hormonhaushaltes nach der Pubertät und durch Lebenserfahrung. Es verwächst sich meistens einfach.

Blutrausch ist eher in Ausnahmesituationen zu erleben. Wenn man also nicht ständig im Kämpfe verwickelt wird oder in Krisengebieten lebt kommt er eher selten vor.

Kommentar von Realisti ,

Schlag ihm vor z.B. Judo zu erlernen. In einer guten Ausbildung lernt man sich unter Kontrolle zu halten.

Kommentar von Aleqasina ,

Wichtig wäre, ihn aus Cliquen und Banden herauszuhalten, in denen Gewalt, Kraftmeierei und Gepöbel üblich sind.

So wie Gewaltverhalten "eingeübt" werden kann, so kann es auch verlernt werden.

Wichtig ist, andere Felder der Selbstbestätigung zu entdecken.

Antwort
von Aleqasina, 11

"Blutrausch" ist bei menschlichem Verhalten der falsche Ausdruck. "Enthemmung" wäre richtiger. Es hat seinen Ursprung in der Frühgeschichte der Menschheit.

Es gibt in Bedrohungssituationen (mindestens) zwei Phasen. In der ersten Phase spürt der Mensch seine Angst. Erwägt zwischen Flucht, Kampf und, bei menschlichen Gegenern, Verhandlung ab.

Bei der unmittelbaren Konfrontation mit dem Gegner gibt es zwei Möglichkeiten:

  • panische Angst, die entweder zur Flucht oder zu willenloser Unterwerfung führt,
  • extreme Kampfbereitschaft, bei der die Angst, aber auch die Tötungshemmung, oft auch die Realisierung der eigenen Unterlegenheit ausgeschaltet werden.

Beide Varianten dienten evolutionsbedingt dem Überleben. Die bei diesen Vorgängen im Körper ausgestoßenen Stoffe (Adrenalin, Endorphine) können auch bei einem Sieg oft nicht schnell genug abgebaut werden, so dass es zu Gewaltexzessen gegenüber Besiegten, Unbeteiligten und sogar Leichen kommen kann.

Die extreme Kampfeswut tritt häufig in einer Entfernung von 20 bis 40 Metern (Steinwurfweite)  vom Gegner auf. Sie wird im Gruppenverhalten  durch Stimulierung der Spiegelneuronen (Aufpeitschen durch Anführer, Kampfgeschrei usw) gefördert, ist also von Führerpersönlichkeiten lenkbar.

Außerhalb solcher Situationen können die Beteiligten total friedfertig sein. Aber die Neigung zu Gewalt kann auch durch häufige Auseinandersetzungen eingeübt werden und Suchtcharakter bekommen.

Kommentar von Hassliebe ,

Wir haben so in dem Thema drüber gesprochen , wenn es um die Verteidigung eines geliebten Menschen geht . Wo es ja eigentlich nicht böse gemeint ist sondern man so aufgebracht wird dass man dann nicht mehr aufhören kann . So Situationen kommen ja selten vor , aber was macht man dann ?

Kommentar von Aleqasina ,

Am Besten bringt man sich gar nicht erst in Situationen, wo jemand verteidigt werden muss.

Das kann man sich zwar nicht immer aussuchen. Aber es gibt Menschen, die konfliktsuchendes Verhalten so eingeübt haben, dass sie in jedem schrägen Blick und jeder blöden Bemerkung einen Angriff sehen. Wenn nicht auf Leib und Leben, dann eben auf die "Ehre".

Mann muss dann dem gewaltbereiten Menschen beibringen, das "die Ehre" nur ein Phantom ist. Bzw. etwas, was ein anderer gar nicht verletzten kann.

Antwort
von Centario, 22

Erstmal ist es gut das dein Freund durch seine Einsicht zu einer guten Ansicht gekommen ist. Ein (B)Rausch ist die fortführung einer Tat obwohl keine Notwendigkeit mehr besteht. Ungefähr so wenn du aus Notwehr jemanden weiter zu setzt obwohl keine Gefahr mehr von ihm ausgeht. Man sagt dann er war berauscht an seiner Tat


Kommentar von Hassliebe ,

Okay vielen Dank weißt du auch wie man so etwas verhindern kann ?

Kommentar von Centario ,

Wenn überhaupt durch Training der Selbstbeherrschung und eben sich durch information ein anderes denken aneignen

Antwort
von violatedsoul, 36

Dass immer weiter auf jemanden eingeschlagen und eingetreten wird, obwohl sich das Opfer schon nicht mehr rührt.

Wer so handelt, sollte für immer weggesperrt werden, egal wie alt er ist!

Kommentar von Hassliebe ,

Kann man das mit einer psychischen Krankheit vergleichen ?

Kommentar von violatedsoul ,

Nein! Wer sich so verhält, ist nicht krank. Das wird nur immer wieder gern als Ausrede benutzt und im Strafmaß gern als strafmildernd eingesetzt, von wegen "schwere Kindheit, bablabla".

Wer (immer wieder und immer weiter) zuschlägt, weiß ganz genau, was er tut. Das weiß jeder Täter. Keiner steht dabei so neben sich, dass er das nicht weiß.

Kommentar von apophis ,

Nein, eher als Reaktion auf eine bestimmte Situation, aber auch als Nebenwirkung(oder Symptom) einer psychischen Krankheit.

Eine psychischer Erkrankung selber ist es aber nicht.

Kommentar von Hassliebe ,

Okay ich danke dir

Antwort
von PillePalleAbisZ, 25

Blutrausch bedeutet, auch bei Jugendlichen, egal wer dir vor die Fäuste läuft bekommt eine oder ein paar geballert... Entweder bis man sich beruhigt oder selber am Boden liegt...

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