Frage von GingerBreadmen,

Gewalt, Handgreiflichkeit ...

In welchen Situationen ist es rechtlich legitim handgreiflich zu werden ? Wird eine solche handgreiflichkeit nach schwere behandelt ? - also .. wenn es begründet wäre - aus welchem grund auch immer. gibt da unterschiede zwischen ... wegstoßen ... zuschlagen ... oder zu boden schlagen oder so ?

mfg

GB

Antwort von Lavendelelf,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Straffrei bleibt nur Notwehr:

Notwehr ist ein Begriff der Rechtssprache und bezeichnet – ungeachtet bestimmter konzeptioneller Unterschiede in den einzelnen Rechtsordnungen – die strafrechtliche und zivilrechtliche Unbedenklichkeit von schädigenden Handlungen, wenn sie zur Abwehr eines Angriffs erfolgen und gegen den Angreifer beziehungsweise einen Dritten gerichtet sind.

Das Notwehrrecht leitet sich seit alters her aus dem römischen Rechtsgrundsatz Vim vi repellere licet ab [1] (Gewalt darf mit Gewalt erwidert werden), im modernen Sprachgebrauch wird oft die Grundsatzformel „Das Recht braucht dem Unrecht nicht zu weichen“ (auch Rechtsbewährungsprinzip genannt) gebraucht. Damit soll einerseits das Notwehrrecht überhaupt begründet werden. Es ist aber auch bereits ein erster Grundsatz festgehalten: Es ist einem Angegriffenen grundsätzlich gestattet, sich mit Gewalt zu wehren, auch wenn ihm eine Flucht als „mildestes Mittel“ der „Notwehr“ möglich wäre; er kann sich also wehren und braucht nicht zu weichen.

Kommentar von Irubis,

...beziehungsweise einen Dritten gerichtet sind...

kannst du mir bitte erläutern, wie man mit der Notwehr Rechtsgutverletzungen eines Dritten rechtfertigen kann?

Kommentar von Lavendelelf,

Das muss dir dann wohl mal ein Richter oder Anwalt ... erklären. Denn so lautet es im Gesetz.

Kommentar von Irubis,

Ich vermute, dass du etwas falsch verstanden hast; die Notwehr kannst du anwenden, um einen Angriff von dir oder einem Dritten abzuwehren.

Rechtsgutverletzungen Dritter sind nur durch Notstandshandlungen, nicht aber Notwehrhandlungen zu rechtfertigen.

Kommentar von Mikkey,

Ich vermute, statt

Angriffs erfolgen und gegen den Angreifer beziehungsweise einen Dritten gerichtet sind

muss es heißen

Angriffs erfolgen, der gegen den Angreifer beziehungsweise einen Dritten gerichtet ist

In der Tat heißt es

Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden

Antwort von Irubis,

Wenn du angegriffen wirst oder ein Angriff unmittelbar bevor steht, kannst du dich auf Grundlage des § 32 StGB wehren. Die Notwehr kennt keine Rechtsgüterabwägung, d.h. du kannst relativ leichte Angriffe mit harter Verteidigung abwehren (solange diese erforderlich ist).

Ein Schubsen stellt schon einen Angriff auf deine Rechtsgüter dar, vielleicht ist er sogar das "Vorspiel" zu einem größeren Angriff. Eine Verteidigung wäre also auch schon beim bloßen Schubsen möglich. Man muss nicht auf den ersten Schlag warten, um sich zu verteidigen.

Antwort von Mikkey,

Um einmal für etwas Vollständigkeit zu sorgen...

§34 StGB:

Wer in einer gegenwärtigen, nicht anders abwendbaren Gefahr für Leben, Leib, Freiheit, Ehre, Eigentum oder ein anderes Rechtsgut eine Tat begeht, um die Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden, handelt nicht rechtswidrig, wenn bei Abwägung der widerstreitenden Interessen, namentlich der betroffenen Rechtsgüter und des Grades der ihnen drohenden Gefahren, das geschützte Interesse das beeinträchtigte wesentlich überwiegt. Dies gilt jedoch nur, soweit die Tat ein angemessenes Mittel ist, die Gefahr abzuwenden.

Das ist nicht nur die Situation, die gemeinhin als Notwehr bezeichnet wird.

  • jemand, der sich unberechtigt in einer Wohnung befindet, darf mit Gewalt hinausbefördert werden.

  • jemand, der sich mit gestohlenem Gut versucht sich zu entfernen darf mit Gewalt daran gehindert werden

  • Jemand, der auf frischer Tat ertappt wird, darf durch "jedermann" festgenommen werden, nochfalls auch mit Gewalt (zusätzlich gedeckt durch §127 StPO)

Die Schwere der Gewaltausübung muss - wie in §34 geschrieben - angemessen sein.

Kommentar von Irubis,

Hallo Mikkey,

du hast den § 34 StGB, den Notstand, aufgeführt, der m.E. für die Abwehr von gegenwärtigen Angriffen und deine Beispiele nicht anwendbar ist. Insbesondere gibt es keine Angemessensheitsprüfung, sondern nur eine Erforderlichkeitsprüfung bei der Notwehr, sprich: Notwehr muss nicht verhältnismäßig sein.

Kommentar von Mikkey,

Mit Notwehr haben sich bereits die übrigen Beiträge zur Genüge befasst. Auf die Beispiele ist er selbstverständlich anwendbar, in allen drei Fällen sind die Bedingungen von §34 erfüllt (Natürlich nur, wenn der Störer sein Verhalten nicht freiwillig aufgibt).

Soweit die Gegenwehr angemessen ist, "reicht" der §34 für die Straffreiheit bei Notwehr bereits aus.

Antwort von gumball3000,

ich sag nur Chi Sao...

Mahlzeit!!!

Antwort von MdaPro,

Ausnahmen gibts bei Notwehr. Wenn du angegriffen wirst, oder jemand angegriffen wird, so das du einschreiten musst,sofern es die Situation zulaesst. Ansonsten waere es unterlassene Hilfeleistung. Handgreiflich werden darfst du auch um einen Taeter festzunehnen, bis Polizei kommt. Ebenso um Straftaeter an der Ausfuehrung ihrer Tat zu hindern. Handgreifkichkeit waere schlimmsten Fall leichte Koerperverleztzung in Tateinheit mit Noetigung.

Antwort von Israel4ever,

Generell gilt immer der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit.

Selbst mit einer Handgreiflichkeit zu beginnen, ist NIEMALS legitim.

Im Rahmen einer akuten Notwehr ist es so, dass Du nur Maßnahmen anwenden darfst, die einen Angriff auf Deine Person (Gefahr für Leib oder Leben) unterbinden, hier muss aber das mildeste aller möglichen Mittel gewählt werden.

In allen anderen Fällen würdest Du Dich selbst strafbar machen.

Die beste Gewaltprävention ist ein zurückhaltendes Auftreten und die Kunst des Wortes.

Kommentar von Irubis,

Generell gilt immer der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit.

Nein, das stimmt nicht.

hier muss aber das mildeste aller möglichen Mittel gewählt werden.

Das stimmt nur soweit, dass es das mildeste der erforderlichen Mittels sein muss. Durch die Wahl eines zu milden Mittels könnte man sich auf einen Kampf mit ungewissem Ausgang einlassen, das aber keinem zugemutet werden kann.

Antwort von Erb1tux,

Kleinere sachen wie Wegstoßen werden eigentlich nicht geahndet. Wenn du zuschlägst hängt es davon ab wie doll, oft & vor allem was deinem Gegenüber passiert. Wenn du ihm nicht mal einen Blauen Fleck verpasst kommst du rechtlich gesehen wahrscheinlich auch mit einem Blauen Auge davon. Aber wenn du ihn ins Krankenhaus prügelst dann kann schon ein Saftiges Schmerzensgeld fällig werden bis hin zu einer Freiheitsstrafe.

Wirklich legitim ist es nach dem Gesetz nur wenn es sich dabei um Selbstverteidigung handelt. Aber auch Kavalierhandlugen werden gemildert bestraft. Bei Selbstverteidigung entfällt die Strafe, selbst wenn dadurch der gegenüber stark verletzt wird.

Kommentar von GingerBreadmen,

Und wenn mich mein gegenüber nun bei einem Streit schubst wäre es legitim ihn stark zu verletzen ? Oo

Kommentar von Israel4ever,

Und wenn mich mein gegenüber nun bei einem Streit schubst wäre es legitim ihn stark zu verletzen ? Oo

Nein, dann machst Du Dich strafbar.

Kommentar von GingerBreadmen,

danke ^__^

Kommentar von Irubis,

wenn es zur Abwehr eines unmittelbar bevorstehenden Angriffs erforderlich wäre - ja.

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