Frage von Pogonasepp23, 176

Getrennt Lebendes Ehepaar Hartz4 oder Sozialhilfe?

Ich hab mich von meiner Frau vor 2 Wochen getrennt und da ich mich seid fast 4 Jahren um unsere beiden Kinder kümmere, wohnen sie jetzt bei mir. Ich bin bei meinem Vater wieder eingezogen.

Eine Scheidung steht nicht im Raum.

Da mein kleiner Sohn jetzt 2 Jahre erst alt ist bleibe ich noch ein Jahr zuhause.

Meine Frage ist kann ich Hartz4 oder Sozialhilfe beantragen, obwohl meine Frau Vollzeit arbeitet?

zweite Frage ist, welche Auswirkungen hat solch ein Antrag für meine Frau?

Gruss Peter

Antwort
von Franziskal997, 94

Hallo :) Ich bin noch etwas Jung kann dir aber Trotzdem Tipps geben.

Sie müssten mal persönlich sich beim Amt beraten lassen. Die ganze Situation erklären. Da wird die oder der Sachbearbeiter schon eine Lösung finden. Es könnte sein das die sagen der Antrag wird abgeleht. Die wollen nämlich immer erst wissen was Sie mal gearbeitet haben wie lange Sie angestellt waren welche Verdienste Sie hatten. Und alle Daten. Dann wird zunächst die Frage gestellt ob Sie und Ihre "Frau" ein Konto haben oder getrennte Konten. Es könnte sein das die Sachbearbeiter alle Daten auf von Ihrer Frau haben wollen. Wenn Sie aber nicht mehr bei Ihrer Frau wohnen (gemeldet sind) sondern bei ihrem Vater. Werden die Daten von Ihrem Vater und Kindern benötigt da müsste das glaube ich kein Problem geben. Das Amt ist aber grundsätzlich so dass Sie immer das bekommen was besser für Sie und Ihre Kinder ist. 

Am Besten ist einfach hingehen alles schildern und beraten lassen. Das Amt lässt Sie nicht mit 2 Kindern ohne Geld. :)

Antwort
von GerdausBerlin, 110

SGB II § 7 Absatz 3 schreibt dazu:

"(3) Zur Bedarfsgemeinschaft gehören

1. die erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (...) [also du; Gerd]

3. als Partnerin oder Partner der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten

a) die nicht dauernd getrennt lebende Ehegattin oder der nicht dauernd getrennt lebende Ehegatte (...) [also eventuell deine Gattin, falls sie nur mal eben weg ist; Gerd]

4. die dem Haushalt angehörenden unverheirateten Kinder der in den Nummern 1 bis 3 genannten Personen (...) [also derzeit eure beiden Kinder, da sie bei dir wohnen; Gerd]"

Es kommt also darauf an, ob ihr "dauernd getrennt" lebt! Ob ihr das tut, ist nicht so leicht zu entscheiden, wenn ihr noch keine Schritte zur Scheidung eingeleitet habt.

Falls ihr dauernd getrennt lebt, gilt deine Gattin nicht als Mitglied eurer Bedarfsgemeinschaft (BG).

Das hat zur Folge, dass ihr Einkommen und ihr Vermögen nicht angerechnet wird auf den Bedarf eurer BG, wenn ihr ALG II/Hartz IV bekommt.

Angerechnet wird aber euer Anspruch auf Unterhalt, auch gegenüber der Gattin und Kindsmutter! Dieser Anspruch geht auf das Jobcenter über, soweit die Frau nicht freiwillig zahlt, siehe § 33 SGB II.

Wie hoch dein Anspruch auf Ehegatten-Unterhalt ist, das entscheidet im Streitfall ein angerufenes Familiengericht - ebenso, wie hoch der Anspruch der beiden Kinder auf Kindes-Unterhalt ist.

Klagen kann dort auch das Jobcenter, wenn es der Ansicht ist, die Frau zahlt weniger Unterhalt als sie müsste und könnte, s. § 33 SGB II.

Ihr drei kriegt aber auf jeden Fall erst einmal volles ALG II, soweit euch kein Unterhalt von irgendwem zufließt.

Gruß aus Berlin, Gerd

Kommentar von Pogonasepp23 ,

Super Antwort vielen Dank, unterm Strich sollte ich mir einen Termin geben lassen und meinen Fall schildern, dann wird mir gleich gesagt was ich bekomme, und wie es dann meinen Frau betrifft.

Kommentar von GerdausBerlin ,

Mit oder ohne Termin: Ein Antrag, der noch im Dezember gestellt wird, bewirkt, dass der Bedarf des ganzen Monats berücksichtigt wird: http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_2/__37.html

Ein Antrag im Januar aber nicht, der wirkt rückwirkend nur bis zum 1. 1. zurück. Ein Antrag kann auch formlos gestellt und in den Briefkasten des Jobcenters eingeworfen werden. Dies wirkt fristwahrend - Details können auch noch später geklärt werden, etwa durch zusätzliche Angaben oder in einem Gespräch bei einem Termin.

Oder man holt sich beim Amt ein Antragsformular oder lädt es sich bei der Agentur für Arbeit.

Zur Haushaltsgemeinschaft mit Verwandten (hier: mit dem Vater/Großvater) lese man noch die Hinweise der BA zu SGB II § 9 Absatz 5: https://www.arbeitsagentur.de/web/wcm/idc/groups/public/documents/webdatei/mdaw/...

Gruß aus Berlin, Gerd

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community