Frage von JanSant, 22

Gesundheitsschutz im handwerklichen Betrieb, wie kann ich den Arbeitgeber dazu bringen?

Guten Morgen lebe Community,

heute brauche ich einmal Eure Hilfe und Euer Wissen im Bereich "Gesundheits- und Arbeitsschutz". Schön wäre es, wenn sich hierzu jemand meldet, der von folgender Thematik Ahnung hat und eine "professionelle" Antwort geben kann.

Angestellt bin ich in einem handwerklichen Betrieb (Schlosserei, Metall - und Stahlbau). Unsere Halle hat eine Fläche von rund 1000qm und wir haben folgende Probleme:

Wir haben eine Heizungsanlage, die nicht digital steuerbar ist und von Hand ein und ausgeschaltet werden muss, dies macht sich einer von unseren Chefs gerne zu nutze und schaltet die Heizung einfach ab ( Ist ja warm genug hier, so seine Aussage) Auch das Thermostat, der die Heizung bei Erreichen einer Wunschtemperatur automatisch abschaltet wird von ihm immer auf quasi 0°C gedreht. Dazu befindet sich dieser Regler in einem mit Vorhängeschloss gesicherten Kasten.

Gerade jetzt im Winter ist es Alltag, das wir die Arbeit bei Temperaturen zwischen 2°C und 8°C in der Werkstatt beginnen. Der Rekord im letzten Winter lag bei -4 °C Auf gute Zuredungen und Kritik kommt vom Chef keine Reaktion. Frei dem Motto :"Es ist wie es ist".

Zweites Problem:

Durch Trenn- , Schleif- und Schweißarbeiten entstehen in der Halle Dämpfe, Stäube und Rauche, die nicht gesund sein können. Wir haben Keine Bellüftungs (RLT) Anlage und somit ist es nicht selten, dass wir gegen MIttag eine in 2m Höhe beginnende Nebelwand im Betrieb haben.

Jetzt haben wir noch Ventilatioren unter der Decke, die die Warmluft wieder nach unten bringen sollen. Wie sich jeder Normaldenkende jetzt vorstellen kann, wird dadurch auch die "Nebelwand" wieder in Kopfhöhe hinunter gebracht.

Meine Frage ist jetzt, wie können wir als Belegschaft unseren Chef dazu bringen an diesen genannten Situationen etwas zu ändern? Die Hinweise auf geltende Gesetzestexte wie die Arbeitsstättenverordnung o.ä. zeigen keinerlei Wirkung.

Ich danke Euch im Voraus und freue mich auf Eure Antworten, Tipps und vielleicht auch Eure Erfahrungen

Expertenantwort
von Hexle2, Community-Experte für Arbeitsrecht, 5

Ihr solltet Euch mal an die zuständige Berufsgenossenschaft wenden und die "Zustände" schildern.

Ansprechen solltet Ihr auch das Gewerbeaufsichtsamt. Das geht auch anonym.

Wenn von diesen Institutionen dann jemand im Betrieb vorbeikommt und die Missstände feststellt, kann Euer Chef das nicht mehr ignorieren, da die dann folgenden Anweisungen auf ihre Umsetzung kontrolliert werden.

Antwort
von phoenix69x, 3

Der richtige Ansprechpartner ist da wohl die zuständige Arbeitsschutzbehörde (Gewerbeaufsicht). Diese kümmert sich um das staatliche Arbeitsschutzrecht. Die Berufsgenossenschaften sind lediglich für die Durchsetzung der Unfallverhütungsvorschriften und die entsprechende Prävention zuständig.

Ich gehe mal davon aus, dass es im Betrieb weder eine Fachkraft für Arbeitssicherheit noch einen Betriebsrat gibt, der sich der Sache annehmen können. Im besten Fall praktiziert die Firma das Unternehmermodell. Nachteil, dein Ansprechpartner ist wieder der Unternehmer selbst.

Das Problem ist, dein Chef betreibt eine Gewinnmaximierung auf Kosten der Arbeitnehmer und kommt gleichzeitig seiner Fürsogepflicht nicht nach. Erfahrungsgemäß sind diese Unternehmer echt harte Nüsse, denen kommst du selbst von Seiten der Arbeitsschutzbehörde nur sehr schwer bei.

Die von dir geschilderten Punkte sind für einen Gewerbeaufsichtsbeamten bei einem unangekündigten Betriebsrevision nicht unbedingt offensichtlich (z.B. Heizungsregelung). Es ist deshalb empfehlenswert mit dem zuständigen technischen Aufsichtbeamten (TAB) Kontakt aufzunehmen und die Sache offen zu besprechen. So kann man als Arbeitnehmer den TAB auf betriebliche Besonderheiten (z.B. Größe und Struktur der Firma/Abteilung) hinweisen. Für den TAB ist es dann leichter eine Strategie für den Besuch vor Ort im Vorfeld festzulegen. Der TAB ist dabei verpflichtet deine Beschwerde gegenüber dem Arbeitgeber anonym zu behandeln.

Du solltest allerdings realistisch bleiben, wenn dein Chef gegenüber der Behörde nicht mitspielt und diese Verwaltungszwang einsetzen muss, kann sich die Abhilfe ziemlich in die Länge ziehen. Ich gehe davon aus, dass zuerst eine Arbeitssicherheitsorganisation (SiFa, Betreibsarzt bzw. Unternehmermodell) etabliert wird und dann über die gesetzlich vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilungen geredet wird. Mit der Gefährdungsbeurteilung solten dann die von dir genannten Punkte erfasst werden.


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