Frage von LukkWer, 74

Gestörter Bezug zur Familie/ Familie sehr fremd?

Ich habe ein sehr gestörtes Familienverhältnis. Meine Eltern sind getrennt. Gestern war Geburtstagsfeier bei meinem Vater und meine Tanten waren auch da. Da habe ich dann gemerkt, wie wenig Bezug ich eigentlich zu ihnen und auch zu meinen Cousins habe. Die sagen mir nichtmal Hallo und die Tanten wissen auch nicht was sie mit mir reden sollen (meine eine Tante lebt in Amerika, das heißt ich sehe sie sehr selten. Ich war sogar vor 4 Jahren einmal für drei Monate bei ihr und habe bei ihr gewohnt und es nichtmal in dieser Zeit geschafft irgendwie ein Verhältnis herzustellen. Ich rede glaube ich einfach zu wenig. Wenn sie jetzt da ist und wir uns sehen, was aufgrund ihres Wohnortes natürlich sehr sehr selten ist, ist es wirklich fast so als würden wir uns nichtmal kennen. das macht traurig und nachdenklich) . Genauso meine 2 Halbgeschwister väterlicher-seits (Sohn und Tochter meines Vaters mit seiner neuen Frau), mit denen rede ich auch kein Wort. Auf Seite meiner Mutter ist alles ein wenig besser, jedoch habe ich zu meiner Halbschwester (Tochter meiner Mutter) auch gar keinen Kontakt. Wenn ich zuhause bin (eigentlich wohne ich alleine) grüße ich meine Schwester nur mit Hallo und das wars dann. Ich bin 22, männlich, sie ist 16 jetzt. Zu meinem kleinen Bruder (11J.) habe ich ein viel besseres Verhältnis. Ich "traue" mich auch einfach nicht mit meiner Schwester wieder anzufangen normal zu reden, weil ich das Gefühl habe dass sie gar kein Interesse daran hat. Die Situation ist nunmehr seit ca. 4 Jahren so, davor hatten wir ein super Verhältnis - dann bin ich ausgezogen und seit dem sind wir wie 2 fremde Personen. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Tipps wie ich damit umgehen soll oder auch Tipps wie sich das Ganze ändern lässt?

Expertenantwort
von Buddhishi, Community-Experte für Psychologie, 37

Hallo LukkWer,

das entwickelt sich manchmal von selbst so. Und ich habe eher den Eindruck aus Deinen Erläuterungen, dass es Dich eher überrascht als stört. Man wird so erzogen, dass 'man' dieses oder jenes tut oder läßt, dass Kontakt zur Familie wichtig ist, auch wenn das für einen selbst irgendwann gar nicht mehr so ist. Und dann stellt sich ein schlechtes Gewissen ein.

Ein guter Spruch sagt: "Familie hat man, Freunde kann man sich aussuchen." Klar, ist es schön, Rückhalt in der Familie zu haben. Aber es gibt nunmal auch Familien, in denen das nicht der Fall ist, und dann sollte man lernen, dass es für einen selbst halt in dieser Form normal und okay ist. Und seinen eigenen Weg gehen.

Irgendwann erledigt sich dann auch das schlechte Gewissen und man freut sich über die Unabhängigkeit und darüber, den eigenen Weg gegangen zu sein.

Alles Gute

Kommentar von LukkWer ,

ziemlich gut erkannt, ja. Ich habe einfach das Gefühl dass es in kaum einer anderen Familie so ist und deswegen schiebe ich die Schuld irgendwie auf mich selbst. Ich denke dann, mit mir stimmt irgendwas nicht, weil mein Verhältnis zur Familie so schlecht ist, oder ich an einem Tisch mit allen sitze und nicht weiß was ich mit ihnen reden soll. Aber vlt. hast du recht und ich sollte einfach nicht denken, dass das Verhältnis zu allen in der Familie gut sein muss, nur weil es in anderen Familien diesen Anschein macht. Danke dir!

Kommentar von Buddhishi ,

Danke für Deinen Kommentar. Glaube mir, die meisten Familien tragen nur den Schein einer heilen Welt nach außen und trauen sich nur nicht, ehrlich zuzugeben, dass man sich auseinander entwickelt hat. Ihnen fehlt nur der Mut, es zuzugeben. Aber: MUT TUT GUT!

Vielleicht wirst Du, wie ich, mit der Zeit feststellen, dass es ganz viele Menchen gibt, die, wenn überhaupt, nur noch auf Small Talk Ebene oder gar nicht bzw. maximal bei Familienfeiern mit ihrer Familie Kontakt haben.

Bei mir ist es die Null-Ebene und das war die beste Entscheidung meines Lebens :-)

LG

Antwort
von Dahika, 11

Ich finde das völlig normal. Als erwachsener Mensch trennt man sich mehr oder weniger von seiner Herkunftsfamilie, lebt sein eigenes Leben und gründet eine neue Familie.

Ich habe grundsätzlich ein gutes Verhältnis zu meiner Herkunftsfamilie, aber meine Freunde stehen mir dennoch viel näher.

Antwort
von silberwind58, 40

Irgendwie habt Ihr alle angst davor,aufeinander zu zugehen! Da muss ja mal einer den Anfang machen. Ich weis,ist schwer,wenn man sich so fremd geworden ist! Versuch Du einen Anfang zu machen,lade die mal alle zu Dir ein,ein Grillen oder Kaffee wäre doch möglich,oder? Schade ist es,wenn man innerhalb der Familie so fremd mit einander umgeht. ich finde,Fami,lie ist wichtig,ist ein Rückhalt und sollte vertraut und harmonisch sein.

Kommentar von LukkWer ,

habe ja wirklich gar nichts mit denen zu tun. und sie dann auf ein grillfest einzuladen, dazu habe ich nicht den mut :-P

Kommentar von silberwind58 ,

Dann versuch das mit Deiner Mutter zusammen zu machen,macht mal ein Familienfest auf dem sich jeder mal mit jedem unterhält!

Antwort
von Australia23, 5

Hallo, erst mal eine Frage: Aus deiner Fragestellung scheint es mir als würdest du gerne ein besseres Verhältnis zu deiner Familie aufbauen. Nach deinem Kommentar zur Antwort von Buddhishi jedoch, scheint es dich nicht besonders zu stören. Welches trifft  zu?

Macht natürlich einen unterschied, wie du diese Sache angehen sollst...

Aber doch mal kurz davon ausgegangen, dass du etwas ändern möchtest:

"Ich denke dann, mit mir stimmt irgendwas nicht (...)"

Mit dir läuft nichts falsch! Und es ist auch nicht dein Fehler... Das ist ganz normal, es gibt Menschen, denen fällt es super leicht Gespräche zu führen und Kontakte zu pflegen und anderen fällt es schwerer... Aber man kann das üben!

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