Frage von Froz3nForc3, 69

Gesellschaftlicher Aspekt vom Angeln?

Hey Leute ich wollte mal paar Nichtangler fragen was sie vom Angeln halten....ist es für euch verständlich oder ist es schon Tierquälerei ?

Antwort
von Zellerbue, 30

Als Angler habe ich schon so manchen Fisch am Haken gehabt. Bislang ist mir noch keiner vor Begeisterung in den Kescher gesprungen.

Ob es nun Schmerzen im klassischen Sinne sind oder aber Instinkte, die den Fisch zur Flucht veranlassen, das sei mal dahin gestellt. Definitiv versetzen wir den Fisch in eine Stress-Situation, die ihm körperlich nicht gut tut. Graskarpfen sterben ab und an im Drill aus Stress. Wenn dann noch unsachgemäßes Anlanden dazu kommt, wenn die Fische nicht abgeschlagen, sondern einfach in einen Eimer geworfen werden oder ihnen eine eledig lange Fotosession zugemutet wird, dann ist in meinen Augen die Grenze zur Tierquälerei definitiv überschritten.

Wenn ich Angeln gehe, dann tue ich das aus zwei Gründen: Freizeitgestaltung und Nahrungsbeschaffung. Wobei Punkt 2 eher ein positiver Nebenaspekt ist. Ich käme billiger davon, wenn ich den Fisch im Laden kaufen würde. Also ist dann doch die Freizeitgestaltung im Vordergrund.

Ist das gesellschaftlich vertretbar?   - Warum nicht? Auch wenn die Fische da anders drüber Denken, ich sehe durchaus gesellschaftliche und ökologische Vorteile, denn über die Fischereiabgaben, Gebühren, Lizenzen und so weiter, finanziere ich die Fischbrutanstalten, den Neubesatz mit Jungfischen und andere Maßnahmen, die dem Gewässererhalt und Schutz dienen. Es ist kein Argument, das ein Neubesatz mit Fischen nicht nötig wäre, wenn es keine Angler gäbe, der Fischbestand in meinem Hausgewässer (Bodensee) wird durch die Angler kaum beeinflusst, es sind vielmehr veränderte Umweltbedingungen und gerade die Berufsfischerei, die hier nachhaltig den Fischbestand beeinflussen. Demnach leisten die Angler durchaus einen positiven Beitrag.

Wichtig ist dabei jedoch immer, Mass zu halten und den Respekt vor der Kreatur nicht zu verlieren. Das Naturerlebnis sollte im Vordergrund stehen. Ich freue mich mehr über einen Eisvogel, den ich auf einem Baum sehe, als über einen Brachsen im Kescher.

Kommentar von Aratinga ,

Sehr schön formuliert. DH

Kommentar von OldAndy ,

Gefällt mir sehr gut! Leider denken und vor allem handeln viel zu wenig Zeitgenossen in diesem Sinne! Man könnte stundenlang diskutieren und schreiben; leider kommt zumeist zu wenig bei denen an, dies es im besonderen angeht!

Antwort
von Aratinga, 28

Ich gehe auch angeln. :) Ich finde es wichtig, dass man als omnivor lebender Mensch den "Mumm" hat ein Tier, welches man verzehren möchte, selbst auch tötet. Wenn man "richtig" angelt, kann man die Schmerzen und Leiden deutlich reduzieren. Ich finde, dass wenn man selbst angelt, es fairer ist als sich ein Stück Wurst oder Fleisch aus dem Supermarkt zu holen und guten Gewissens behaupten, dass das Tier nicht gelitten hat (das ist leider nicht so). Wir stopfen alles nur in uns hinein. Durch ein selbst getötetes Tier verändert sich das Bewusstsein beim Essen. Dadurch landet weniger Essen in der Mülltonne.

Antwort
von OldAndy, 32

Auf diesem Angler-Forum wirst du wohl kaum Nicht-Angler finden! Zum Thema Tierquälerei: es ist hochwissenschaftlich erwiesen, dass Fische keine Schmerzwahrnehmungen haben, da ihnen die dafür "zuständigen" Reizleitungen und Nerven in der Großhirnrinde fehlen (googel mal unter Nozizeption). Ihnen fehlt nämlich die Wahrnehmungsmöglichkeit über das limbische System in den Frontallappen der Großhirnrinde. Siehe hierzu auch ROSE (2002) zur aktuellen Schmerzdefinition der "International Association for the Study of Pain" (WALL 1999).

Kommentar von Aratinga ,

Ich halte von Studien relativ wenig. Diese kann ein anderer Student/Wissenschaftler mit einer anderen Theorie widerlegen.

Zum Thema "Tierquälerei" gehören aus meiner Sicht dreierlei Dinge, welche im ersten Paragraphen des Tierschutzgesetzes klar definiert sind:

Tierschutzgesetz
§ 1 

Zweck dieses
Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf  einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.

Nun kann man, laut deiner Antwort, das Schmerzempfinden ausschließen. Was ist aber mit Leiden und Schäden? Diese müsste man ohne einem vernünftigen Grund als Tierquälerei ansehen.

Wenn ich nun einen Fisch mit einer Angel fange um diesen zu verzehren, so halte ich das Zufügen von Leiden und Schäden für vertretbar.  Ich finde diese Diskussion sehr interessant und möchte dich damit absolut nicht angreifen. Ich gehe selbst hin und wieder angeln und distanziere mich ganz klar von Ansichten diverser amerikanischer Tierschutzunternehmen (nur damit kein falsches Bild entsteht). :)

Kommentar von OldAndy ,

Komme leider erst jetzt dazu. Diese Studie, von denen es im übrigen mehrere gleichlautende gibt, ist keine Theorie sondern basiert auf Fakten, so wie 3x3 = 9 ist; das würde nicht mal Herr Einstein widerlegen können. Der von Dir zitierte Paragraph steht (oder sollte zumindest stehen!) bei allen Anglern an oberster Stelle und wird bei allen Lehrgängen und Prüfungen regelrecht eingebleut. Jeder Angler unterwirft sich den diesbezüglichen Bestimmungen, die jeder Angler kennt (leider aber auch des öfteren missachtet; Ignoranten und Straftäter gibt es zu jedem Gesetz. Beispiel: Diebstähle, Steuerhinterziehungen und, und, und...!). Nein, ich fühle mich in keinster Weise angegriffen, da ich gerne Kritik äussere, aber auch gut vertragen kann - zumal ich ja durchaus in vielen Teilbereichen Deine Meinung teile. Ich persönlich bin ausschliesslich "Kochtopf"- bzw. "Bratpfannen"-Angler, im Gegensatz zu erschreckend vielen anderen Anglern, die uns und unser schönes Hobby schändlich in Verruf bringen! 

Antwort
von MeinHobbie, 40

Ich habe einen Fischereischein und möchte gerne erwähnen ,dass man lernt einen fisch zu Fangen ohne ihn zu Quälen.

Die einzigen Tierquäler sind die Leute, die ohne Fischereischein  angeln.

Kommentar von Aratinga ,

Das habe ich mal überhört. Ich selbst habe keinen Schein, aber ich kann sagen, dass ich einen Fisch tier-/waidgerecht töte. ....und wenn ich an einem Forellenteich einem Angler beim Keschern eines gefangenen Fisches helfe, diesen betäube und danach mit Herzstich töte und dieser meint, dass ich ihn nicht abstechen soll (wegen der "Sauerei"), dann weiß ich nicht weiter. Dieser Angler hatte einen Schein. Es kommt nicht darauf an ob man einen Schein oder keinen Schein hat. Vielmehr kommt es auf den Charakter des Einzelnen an. Schau mal auf Youtube diese dämlichen Catch&Release-Videos an. Das sind Leute mit Schein - und sie quälen die Tiere damit sie Spaß haben. Solchen Leuten sollte man den Schein abnehmen, weil sie ihn nicht verdient haben, bzw. nachweislich gegen das Tierschutzgesetz verstoßen.

Kommentar von MeinHobbie ,

ich glaube nicht ,dass das so schlimm für den fisch ist ....es ist zwar stressig aber nicht schmerzhaft.(wenn man es richtig macht)

den fisch bloß zu betäuben und dann ersticken zu lassen ist naturlich auch nicht richtig .

okay dann denk dir den letzten Satz weg 

Kommentar von Aratinga ,

Und nur weil du glaubst, dass das "nicht so schlimm für den Fisch ist", sei Catch&Release vertretbar? Soweit ich mich erinnern kann wird auf dem Vorbereitungskurs zum Fischereischein auch vermittelt, dass Catch&Release gesetzeswidrig ist. Da spielt deine Meinung eine eher untergeordnete Rolle. Auch Fische sind Wirbeltiere und müssen dementsprechend behandelt werden.... und ich gehe davon aus, dass die Tiere, wenn sie gehakt sind, einer enormen Stresssituation ausgesetzt sind.... sonst würden sie sich nicht so wehren.

Kommentar von MeinHobbie ,

also ich denke meine Meinung spielt schon eine rolle, weil danach gefragt wurde.

Kommentar von Phelsuma137 ,

Gesetzeswidrig bei uns in Deutschland...und das meiner Meinung nach in vielen Fällen zu unrecht. Ich darf einen großen Karpfen fangen, ihn töten und danach wegwerfen, weil ich ihn nicht brauchen kann, weil zu groß oder einfach nicht der "geplante Zielfisch"...das kanns nicht sein und ist nicht nur dumm, sondern allerunterste Schublade. Fange ich einen Karpfen und lasse diesen frei und lege den Köder exakt auf den gleichen Platz, kann es durchaus passieren, daß ich 30 Minuten später den selben Fisch wieder fange...am gleichen Platz und mit dem gleichen Köder...was lernen wir daraus? So traumatisch kann es für den Fisch nicht gewesen sein. Man sollte Lebewesen mit Respekt behandeln und nicht als Ware oder Gegenstände geringen Wertes. Das schließt für mich C&R in vielen Fällen ein, ich schone damit den Bestand und töte nicht wahllos, nur weil ein Gestz mich dazu zwingt.

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