Frage von bitterblue01, 45

Gesellschaftliche Strukturen in der Epoche des Sturm und Drang?

Ich brauche für die Schule ein Handout zum Thema gesellschaftliche Strukturen in der Epoche des Sturm und Drang. Leider finde ich im Internet nicht/fast nichts dazu. Kann jemand helfen? Danke schon mal im Voraus

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Haldor, 8

Gesellschaftliche Strukturen in der Zeit des Sturm und
Drangs (um 1780):

Man befand sich noch immer in der feudalen Gesellschaft (feudum = das Lehen, in der Regel Territorien, Land, Güter, gegeben an Adlige).

Das herrschaftliche Territorium mit Schloss, bei kleinerem Adel das Rittergut mit viel Land waren die Grundlage des herrschenden Adels.

Die Bauern waren in der Regel unfrei, arbeiteten auf den Gütern der Adligen in der sog. Erbuntertänigkeit (= milde Form der Leibeigenschaft). Frondienste für den adligen Herrn mussten geleistet werden (Straßenbau, Arbeiten am Schloss u. ä., die aber oft gerne ausgeführt wurden, da die Bauern dabei verköstigt wurden); Heiraten war nur mit Erlaubnis des adligen Herrn möglich; wer als Knecht oder zweiter Sohn des Bauern in die Stadt zog, war binnen eines Jahres frei, wenn der Adlige ihn nicht zurückforderte. Der adlige Herr musste bei Krankheit für die Bauern sorgen. Außerdem leisteten die Bauern Abgaben an den Adligen und an die Kirche den „Zehnten“.

Deutschland (Hl. Röm. Reich) bestand aus 300 Einzelstaaten und 1400 Kleinstterritorien (Reichsritterschaften); außerdem aus zahlreichen freien Reichsstädten.

Die Fürsten bildeten immer die Spitze der Gesellschaftspyramide und waren die Landherren. Ihr Lebensstil glich dem französischen Vorbild, sie herrschten autokratisch über ihren Staat, wobei sie meistens nur ihren eigenen Nutzen in den Vordergrund schoben.

Der Adel hielt in der Pyramide den zweiten Rang inne; sie
selber sahen sich auch als etwas Besseres als der Rest der Bevölkerung. Sie hoben sich durch ihre rechtliche Stellung und durch Landbesitz von den unteren Ständen ab.

Die Bürger waren Menschen mit verschiedenen Berufen, wie z.B. Kaufleute, Manufakturbesitzer, Beamte, Handwerker, Pfarrer, Schulmeister oder Ärzte. Ihre ordentliche Lebensführung wurde von Genügsamkeit und Sparsamkeit geprägt, sodass sie sich dem Adel gegenüber moralisch überlegen fühlten. Die Tugenden der Bürger waren Bescheidenheit, Ehrlichkeit und Fleiß, mit denen sie gegen Ende des 18. Jahrhundert an Bedeutung und Macht gewannen.

Die Bauern bildeten die unterste Schicht in der Pyramide und waren daher auch meistens vom Adel abhängig (s.o.)

Die Städte unterstanden in der Regel nicht den adligen und geistlichen Herrschaften, denen die Bevölkerung des platten Landes Gehorsam, Dienste und Abgaben schuldete. Die Städte besaßen meistens verbriefte Privilegien und Freiheiten gegenüber den adligen oder geistlichen Landesherren. Die Bürger entwickelten eine nicht-adlige, nicht-geistliche, nicht-bäuerliche: eben städtische Kultur mit gemeinsamen Normen, Ehrvorstellungen und Symbolen.
Stadtbürgerliches Leben war stark von Herkommen und Brauchtum geprägt, Arbeit und Leistung zählten in der Kultur des Stadtbürgertums mehr als in der des Adels.


Expertenantwort
von chog77, Community-Experte für Schule, 11



"Kleinstaaterei: Zwar wurde Deutschland schon als Deutsches Reich bezeichnet, doch bildete diese Bezeichnung lediglich einen Rahmen. Tatsache ist, dass Deutschland sich in zahlreiche Kleinstaaten und Reichstädte aufteilte und regelrecht zersplittert war.

Konfession: Die Grenzen der einzelnen Kleinstaaten bedeuteten auch häufig konfessionelle Unterschiede. Als Konfession bezeichnet man eine Untergruppe einer Religion, die sich in Lehre, Organisation oder Praxis von anderen Untergruppen unterscheidet.

Verwaltung: Dennoch wurden die einzelnen Staaten zunehmend zentralisiert regiert, was einen starken Ausbau des Verwaltungsapparat bedeutete. An diesem Ausbau war das Bürgertum maßgeblich beteiligt und übernahm selbst Aufgaben der Verwaltung.

Industrialisierung: Aber auch in wirtschaftlichen Bereichen kam das starke deutsche Bürgertum zum Einsatz und musste die aufkeimende Industrialisierung nahezu im Alleingang tragen.

Bürgertum: Industrialisierung und Verwaltung sind mit Sicherheit nur kleine Aspekte hierbei. Dennoch sorgte die zunehmende Aufgabenverteilung an das Bürgertum zu einem wachsenden Selbstbewusstsein dieser Schicht, was sich unmittelbar auf die Literatur auswirken sollte."

Quelle: http://wortwuchs.net/literaturepochen/sturm-und-drang/ (15.11.16)

Kommentar von bitterblue01 ,

vielen dank!!!

Kommentar von Haldor ,

Deutschland hieß immer noch Heiliges Römisches Reich deutscher Nation  (bis 1806). Die Industrialisierung begann in Deutschland erst im 19. Jahrhundert; du verwechselst das mit England. Der Sturm und Drang war aber spätestens 1785 zu Ende.

Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte, 4

In dieser Zeit bestand die Gesellschaft i. d. R. aus:

  • Adel
  • Geistlichen
  • Bürgertum
  • Bauern
  • Unterschichten

MfG

Arnold

Antwort
von voayager, 2

Nun, es war eine Feudalgesellschaft, also eine, in der die Aristokratie herrschte.

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