Frage von Inka2016, 64

Gerechtes Strafmaß gesucht: Schüler F provoziert Schüler M verbal massiv, Schüler M greift F mit spitzem Knüppel an. Wer braucht welche Strafe/Konsequenz?

Das ganze war auf der Klassenfahrt 1. Die Schüler haben vorher geschnitzt, der Schüler M hätte (wie alle) den Stock in seinen Koffer packen sollen. Lehrerin hat Gefahr erklärt (Waffe). 2. Der Stock eignet sich zum Töten (Holzpflock, wie man ihn aus Vampirfilmen kennt). 3. Schüler M vermisst seine Mutter, Schüler F beleidigt seine Mutter derbe unterhalb der Gürtellinie, macht also einen saudummen Proletenspruch. 4. Schüler M springt auf die Provokation an, greift seinen Holzpflock und geht auf Schüler F los. Beide sind etwa gleich stark. F geht mit seinen Händen dem angreifenden Arm mit Holzpflock entgegen und so trifft Schüler M nicht Schüler F (sondern den Boden?). 5. Schüler L geht helfend dazwischen, pflückt Schüler M von Schüler F. Niemand ist körperlich verletzt.

Wenn Schüler M mit 50 Sozialstunden bestraft wird, wieviele muss dann Schüler F kriegen, damit beide Strafen gerecht sind?

Expertenantwort
von Nadelwald75, Community-Experte für Schule, 15

Hallo Inka2016,

die Schule ist innerhalb der demokratischen Gewaltenteilung (Legislative, Exekutive, Jurisdiktion) der Exekutive zuzuordnen. Sie straft überhaupt nicht, sondern führt Erziehungsmaßnahmen und/oder Ordnungsmaßnahmen durch. Dazu wählt der Lehrer/die Lehrerin das Mittel, das er für pädagogisch am sinnvollsten sieht.

Was ich hier vorschlagen würde: Beide Schüler haben etwas verkehrt gemacht. Wenn ein Schaden entstanden ist, muss jeder für den Schaden aufkommen, den er angerichtet hat.

Als erzieherische Maßnahme: Die Sache wird zunächst mit der gesamten Lerngruppe besprochen. Beide werden verpflichtet (nach Rücksprache mit den Beteiligten und deren Eltern!), auf längere Zeit gemeinsam miteinander an verschiedenen Dingen zu arbeiten.

Antwort
von PolluxHH, 22

"Sozialstunden" sind hier wohl weniger gerichtlich als schulisch zu verstehen (Sozialstunden im eigentlichen Sinn können nur vom Gericht per Urteil verfügt werden), wobei auch angenommen wird, daß solche Maßnahmen durch Landesgesetze vorgesehen sind (was nicht für jedes Bundesland gilt).

Als Tatbestände hätten wir einmal Beleidigung und zum zweiten eine versuchte schwere Körperverletzung im "Affekt". Allerdings ist hier Affekt nur allenfalls geringfügig strafmindernd anzusetzen, da aktiv nach dem Pflock gegriffen wurde, man also wissentlich und willentlich nach einer lebensgefährlichen Waffe griff, was von einer Situation zu unterscheiden ist, in der man den Pfahl in der Hand hielt.

Alleine der Umstand der Aufklärung im direkten Vorfeld darüber, daß es sich um eine tödliche Waffe handeln könnte, verbunden mit dem vorsätzlichen Griff nach dem Pflock, ließe hier auch § 227 StGB andenken, da eine hinreichende Kenntnis um die Gefährlichkeit des Angriffs (hohe Wahrscheinlichkeit einer Todesfolge bei Erfolg) bei dann Vorliegen eines Verbrechenstatbestandes bedeutete, also ein Versuch implizit strafbar wäre, also hier auch auf eine versuchte Körperverletzung mit Todesfolge geprüft werden müßte.

Auch wenn Beleidigung ebenfalls einen Straftatbestand realisiert, handelt es sich um ein Antragsdelikt mit - jeweils nach StGB, nicht unter Berücksichtigung von Jugendstrafrecht, da hier nur als Maßstab angedacht - einem Strafmaß bis 1 Jahr oder Geldstrafe, versuchte gefährliche Körperverletzung aber mit Freiheitsstrafen von 3 Monaten bis 5 Jahren, versuchte Körperverletzung mit Todesfolge in einem minder schweren Fall mit einer Freiheitsstrafe von 1 Jahr bis 10 Jahren.

Damit ist der Angriff mit dem Pflock weit höher anzusetzen, auch wenn F massiv provoziert hat. Allerdings sehe ich es hier weit notwendiger an, hinsichtlich Schüler M eine psychiatrische Behandlung anzusetzen, als Sozialstunden. Hier würde ich, bei den Sozialstunden wohl auch schon so erforderlich, die Eltern einbeziehen und ggf. Sozialstunden reduzieren, wenn man sich bereit erklärt, das Kind psychologisch betreuen zu lassen. Gewaltbereitschaft ist angelegt (Griff nach dem Pflock) und angesichts der gering ausgeprägten Toleranz gegenüber Provokationen ist das ein Zeichen für eine tickende Zeitbombe.

Da Prol-Sprüche eher an der Tagesordnung sind, würde ich das Thema (bis auf die Psychiatrie) in der Klasse zur Diskussion stellen und die Klasse "entscheiden" lassen unter Vorgabe der 50 Stunden für M, denn dadurch hätte man wirklich auch einen didaktischen Effekt. Es ist auch zu beachten, daß hier M ggf. schon längerfristig gemobbt worden sein dürfte, denn solche Reaktionen sind oft kumulativ zu verstehen. Vielleicht könnte man, wenn ich damit Recht haben sollte, daraus auch eine Mobbing-Diskussion werden lassen.


Kommentar von PolluxHH ,

Was ich vergessen hatte zu erwähnen ist § 213 StGB [Minder schwerer Fall des Totschlags]

War der Totschläger ohne eigene Schuld durch eine ihm oder einem Angehörigen zugefügte Mißhandlung oder schwere Beleidigung von dem getöteten Menschen zum Zorn gereizt und hierdurch auf der Stelle zur Tat hingerissen worden oder liegt sonst ein minder schwerer Fall vor, so ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren.

Auch hier wäre es ein Verbrechen bei impliziter Strafbarkeit des Versuchs nach § 23 Abs. 1 StGB. Angesichts dessen sei mir erlaubt, einige Beiträge als recht euphemisierend zu erachten, soweit es M betrifft.

Expertenantwort
von goali356, Community-Experte für Schule, 21


Wenn Schüler M mit 50 Sozialstunden bestraft wird, wieviele muss dann Schüler F kriegen, damit beide Strafen gerecht sind?

Es ist schwierig da eine konkrete Zahl zu nennen. Für eine heftige Beleidigung kann es schon nen paar Sozialstunden geben wenn Schüler F wegen der Beleidigung angezeigt wird. Ich denke dass er weniger erhällt als Schüler M.

Wieviele hängt auch davon ab wie sich die Beteiligten nach der Tat geben, ob sie sich einsichtig zeigen oder nicht etc.. Warum hat Schüler F ihn überhaupt beleidigt/provoziert?

Eine andere Möglichkeit wäre auch den Konflikt zwichen beiden z.B. durch einen Täter Opfer Augleich zu klären. Hierbei kann eine Konfliktschlichtungstelle auf die beiden eingehen und beide können einander ihre Beweggründe für ihre Taten erklären und Möglichkeiten zur "Wiedergutmachung" finden. Hierdurch können sich beide auf Dauer vlt. wieder vertragen. Im übrigen steht die Strafe hier meist im direkten zusammenhang zur begangenden Tat was bei Sozialstunden nicht unbedingt immer der Fall ist.

Antwort
von Rosalielife, 30

So eine aufgeheizte Situation tut hinterher allen Beteiligten in der Regel Leid. Der stock wurde nur benutzt, weil er gerade verfügbar war, dahinter stand keine Absicht oder gar ein Vorsatz zur Verletzung. Die Worte des anderen waren jedoch gezielt gewählt um zu provozieren, und somit trägt er auch Schuld an dem folgenden Geschehen.

Worte können ebenso weh tun wie Verletzungen durch Gegenstände, ja sogar Jahre später noch erinnert werden und wieder weh tun.

Die Beteiligten sollten sich an einen Tisch setzen und die Sache ausdiskutieren, sich gegenseitig entschuldigen und das reicht, wenn alle einsichtig sind, völlig aus.

Antwort
von Delveng, 24

@Inka2016,

meine Meinung ist diese.

Der provozierende Schüler F ist der einzige Mensch, der gezielt und mit Vorbedacht seinen Mitschüler verbal schwer verletzt hat. Wenn eine Strafe ausgesprochen wird, sollte sie einzig den Schüler F treffen.

Kommentar von goali356 ,

Der provozierende Schüler F ist der einzige Mensch, der gezielt und mit
Vorbedacht seinen Mitschüler verbal schwer verletzt hat. Wenn eine
Strafe ausgesprochen wird, sollte sie einzig den Schüler F treffen.

Es ist aber auch keineswegs in Ordnung sich derart provozieren zulassen. Sicherlich geschieht die Tat von M im Affekt, aber dennoch muss eine Sanktion her, damit er lernt dass es so nicht geht und in Zukunft anders mit Provokationen umgeht.

Kommentar von PolluxHH ,

Er griff nach dem Pflock, womit es schon wieder sehr fraglich wird, von Affekt zu sprechen, denn Affekt bedeutet auch eine Beschränkung der Wahrnehmung, insbesondere die Unfähigkeit zur Selbstkontrolle. Den Pflock als Waffe zu identifizieren, diesen zu ergreifen und als Waffe gegen F zu führen hat wenig von einer Affekthandlung. Es ist auch nicht aus der Erzählung heraus auszuschließen, daß der Pflock bewußt für einen solchen Fall entgegen der Anweisung außerhalb der Tasche gelassen wurde, also möglicherweise schon vor der Provokation eine Nutzung des Pflocks als Waffe als Option angedacht hätte gewesen sein können.

Insgesamt sehe ich wohl das Verhalten von M weit kritischer als Du, denn auch dann, wenn man die evtl. vorsätzlich herbeigeführte Griffbereitschaft des Pflocks unberücksichtigt ließe, ist der vorsätzliche Griff zum Pflock aus der Situation heraus m.E. durchaus ein Alarmsignal, das man nicht apriorisch auf eine kleine, alltägliche Rangelei zwischen Jugendlichen reduzieren darf. Es wäre eher vergleichbar damit, daß F M provozierte und M sofort zu seinem (Butterfly)Messer gegriffen und damit F attackiert hätte. Hier ließe sich eine Analogie zulässig herstellen.

Bei dem "Umgang mit Provokationen" ist es ähnlich wie bei einer nahezu fehlenden Frustrationstoleranz: Sanktionen bewirken hier regelmäßig nicht das geringste, bei Sanktionen geht es didaktisch hier eher um die Außenwirkung.

Antwort
von anonymos987654, 9

Zunächstmal sollte man die Lehrerin fragen, was sie sich eigentlich dabei denkt, auf einer Klassenfahrt Waffen zu schnitzen. Sie müsste soviel Interesse an ihren Schülern haben, dass sie von jedem eine ungefähre Einschätzung hat, wie reif er ist.

Statt zu strafen, sollte miteinander geredet und die Situation aufgearbeitet werden. Schüler F ist eindeutig der Mobber, aber er ist noch unreif und hat selber Probleme, welche er durch Mobben in den Griff zu bekommen sucht.

Schüler M ist in mehrfacher Hinsicht Opfer. Erst wird er seelisch verletzt, so dass er sich nicht mehr kontrollieren kann, hinterher will man ihn für seine falsche Reaktion auch noch bestrafen. Ein Kind (oder Jugendlicher), der seine Mutter während einer kurzen Klassenfahrt vermisst, zeigt allein damit schon, dass ihm innerlich etwas fehlt, was ihm genug Halt gibt, die Zeit ohne  seine Mutter überbrücken zu können.

Bei so viel seelischer Not bei beiden Kindern finde ich es furchtbar, wenn Erwachsene ständig nur bequem an's Strafen denken, statt sich für ihre Schüler ehrlich zu interessieren und zu schauen, was ihnen wirklich hilft.

Antwort
von LuckSub, 31

Er hat 50< verdient.

Er hat ihn vielleicht nicht körperlich angegriffen, aber jede Person mit Gefühlen weiß, dass Worte mehr schmerzen können, als die schärfste Klinge der Welt.

Nur meine Meinung^^

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