Frage von Flok3r, 47

Gelten Forderungen (Erstattung nach Widerruf) nach Insolvenz des Unternehmens auch beim aufkaufenden Unternehmen?

Mein Fall ist folgender: Ich habe bei hardwareversand.de Ware bestellt, geliefert bekommen und wegen eines Defekts retourniert. Seit dem Rückversand in Januar 2016 warte ich auf eine Erstattung. Mittlerweile leitet die Website des Shops zum Unternehmen K&M Computer weiter, das hardwareversand.de wohl aufgekauft hat. Etliche Anfragen über diverse Kommunikationswege erbrachten nichts. Ist es nun sinnvoll, einen Anwalt einzuschalten? eine Mahnung an K&M Computer zu schicken? Besteht überhaupt eine Chance, mein Geld wiederzubekommen?

Antwort
von TheMentaIist, 38

Schriftlich via Einschreiben/Rückschein 14-tages Frist setzen. Dannach Mahnbescheid (geht auch online) beantragen. Wird dem nicht widersprochen, hast du einen Vollstreckungsbescheid und kannst dann auch den Gerichtsvollzieher beauftragen.

Anwalt ist jetzt nur rausgeschmissenes Geld.

LG ~TheMentalist

Kommentar von Flok3r ,

Das impliziert ja schon mal, dass die Forderung auch beim neuen Unternehmen geltend gemacht werden kann, richtig?

Kommentar von TheMentaIist ,

Eigentlich schon ja. Sie sollten die Forderungen mitgekauft haben.

Kommentar von mepeisen ,

Drei Klarstellungen:

1. Hardwareversand.de war nie insolvent. Stattdessen war es wohl das Mutter-Unternehmen (Atelco). Hardwareversand.de wurde zunächst weitergeführt. Im Februar wurde dann aber wohl hier auch der Laden dicht gemacht wegen Verkaufs.

2. Normalerweise wäre damit die Forderung des TE eine Insolvenz-Forderung. Egal ob jemand dann Teile der Marke übernimmt o.ä. hätte die Forderung dann beim Insolvenzverwalter angemeldet werden müssen.

3. Nun gibt es aber hier wohl keine Liquidierung (Verramschen der Firma), sondern tatsächlich ein Übernahme, die der Insolvenzverwalter erreicht hat. Siehe http://www.computerbase.de/2016-02/atelco-computer-k-und-m-uebernimmt-8-filialen...

Insofern gibt es hier nun also eine Ausnahme von der Regel. Ich würde mir das auch ausdrucken, denn die Stellungnahme der K&M-Betreiber, dass man auch das Inventar übernommen habe und dementsprechend sich auch für offene Bestellungen und Gewährleistungen verantwortlich fühlt, ist wichtig. Denn daraus würde ich dann die Haftung ableiten und insofern die Rückforderung.

Wichtig ist, dass man hier nicht argumentiert, dass man einfach nur das Geld zurück will, sondern man argumentiert über die Firmenübernahme und die öffentliche Erklärung, dass die offene Bestellungen erfüllen wollen, dass es eine neue Forderung gibt und diese will man ausgeglichen sehen.

Für den Mahnbescheid ist das alles erst mal irrelevant. Denn da muss man ja keinerlei Begründungen für seine Forderung liefern. Das wäre nur relevant, wenn K&M dem Mahnbescheid widerspricht und man dann (ggf. mit Anwalt) die Forderung einklagen muss.

Ich würde ansonsten vorab mal zum Telefonhörer greifen und K&M anrufen. Die haben genug Filialen usw. Denn ggf. dauert es nur, bis die reagieren und man kann sich nochmal telefonisch vergewissern, ob die sich weigern oder ob sie sich wirklich für deine Bestellung verantwortlich fühlen und sie erfüllen wollen.

Kommentar von mepeisen ,

Nachtrag: Die K&M sagen sogar ausdrücklich, dass sie Gewährleistungsansprüche erfüllen wollen. Bei dir (defekter Artikel) handelt es sich auch ausgerechnet um einen solchen Fall. Man unabhängig von möglichen Garantieansprüchen haben sie sich also dir gegenüber verpflichtet, für funktionierenden und gleichwertigen Ersatz zu sorgen. Darauf würde ich als erstes mal beim Telefonat bestehen. Dann umgehst du vielleicht sogar das Problem, eine Geldforderung am Ende begründen zu müssen :-)

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