Frage von Him6eere, 62

Gelassener im Job werden?

Hallöchen,

ich bin im Job eigentlich konstant auf 180. Ich fühle mich immer gestresst, mein Puls fühlt sich immer zu schnell an.

Ich will immer alles fertig bekommen, will schnell sein, will keine Fehler machen.

Wenn zu viel Arbeit auf meinem Tisch liegt, fange ich an zu zittern, werde wütend oder verzweifelt obwohl ich es im Endeffekt doch immer irgendwie erledige.

Gerade wieder bekomme ich von meinem Chef einen Besprechungstermin am späten Nachmittag, sodass ich heute wieder mal Überstunden machen muss. Ich denke mir dann: Er ist den ganzen Tag hier, warum geht's nicht mal eher?

Ich empfinde es als unfair, wenn bei mir die Arbeit abgeladen wird und andere Zeit zum Quatschen haben und könnte vor Wut manchmal fast heulen.

Geht euch das auch so?

Ich will gelassener werden.

Ich will Überstunden machen können, ohne, dass ich einen Wutanfall bekomme.

Ich will Emails oder Anrufe bekommen und sie nacheinander abarbeiten, ohne, dass mein Herz wie verrückt schlägt, aus Angst, dass ich es nicht hinkriege.

Ich will nicht immer alles persönlich nehmen und unfair finden. So ist ein Job.

Ich will belastbarer werden.

Was macht ihr, um Ruhe zu bewahren und gelassener zu werden?

Bin über jeden Tipp dankbar!

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von EinNarr, 20

All deine Wünsche, dein Willen, strebt in die Richtung noch besser arbeiten zu können.

Wenn der Stress auf arbeit größer wird und man sich selbst ebenfalls so "formen" möchte, dass man noch effektiver, produktiver, effizienter und lukrativer wird, dann ist der Weg richtig Burn-Out geebnet. Dein Körper signalisiert dir über seine Reaktionen wie Zittern, Herzrasen und das Bedürfnis zu heulen, dass er anfängt an die Grenzen seiner Belastbarkeit zu kommen und den Arbeitsanforderungen zusammen mit deinen persönlichen Anforderungen nicht mehr gerecht werden kann.

Dein Wille und dein Ziel sollte jetzt in deiner psychischen Gesundheit liegen, denn diese leidet mit der Zeit stark unter dem Stress.

"Ich will nicht immer alles persönlich nehmen und unfair finden. So ist ein Job."

Ist ein gutes Beispiel dafür. Der Wille, nicht "alles persönlich [zu]nehmen und unfair zu finden", existiert nicht, um deine Gesundheit zu schonen und dir mehr Lebensqualität zu ermöglichen, sondern schlicht, um deine Arbeitskraft zu steigern. Auch in all deinen anderen Sätzen ist es immer nur eine Motivation: Ich will eine bessere Arbeitskraft sein.

Versuche an der Stelle deine Energie nicht dafür aufzuwenden, deine Arbeitskraft weiter auszubauen und dich selbst zu perfektionieren. Vorerst sollte im Vordergrund stehen, dass du zur Ruhe kommst und deinem Körper, wie auch deiner Psyche, Entspannung zukommen lässt.

Natürlich ist die Arbeit wichtig - schließlich verdient man dort das Geld, mit dem man sein Leben finanziert. Jedoch darf ein Job langfristig nicht zum primären Lebensinhalt werden, der über allem stehen. Deine Gesundheit steht immer im Vordergrund, denn krank geht es dir nicht gut auch für deinen Arbeitgeber ist das kein erstrebenswertes Ziel, seine Mitarbeiter krank werden zu lassen.

Weiterhin darf der Job auch nicht zur zentralen Teilstück der Selbstdefinition. Klar, stolz auf seine Arbeit zu sein ist völlig legitim aber seinen Wert als Mensch nur darüber zu definieren, ist vollkommen destruktiv. Es gibt noch weitaus mehr als die Arbeit die man macht und darunter ist vieles, sehr viel wichtiger.

Du bist mehr, als nur die Summe deiner Arbeit. 

Kurzum - Konzentriere dich mehr auf dich und reduziere deinen Stress, indem du dein Streben nach der "perfekten Arbeitskraft" abmilderst. Es ist wichtig für dich und deinen Job, dass du langfristig auch gesund bist und eben diese Gesundheit leidet unter deinem jetzigen Willen und Streben.

Ich wünsche dir alles Gute und hoffe du findest bald die Ruhe, die du suchst.

Liebe Grüße.

Kommentar von Him6eere ,

Ich danke Dir sehr für deinen hilfreichen und klasse geschriebenen Kommentar. Das bringt mich wirklich zum Nachdenken...

Kommentar von EinNarr ,

Danke für das Feedback, es freut mich sehr, dass dir der Betrag gefallen hat.

Liebe Grüße.

Antwort
von Kitharea, 17

Mach dir selbst nicht so viel Druck. Ich kenne solches Verhalten zb. nur von Menschen, die denken in ihrer Arbeit unersetzbar zu sein. Und ich kann dir garantieren - niemand ist das. Solltest du krank werden wird die Firma kaum zusperren und wenn du so weitermachst wirst du das irgendwann.
Nimm dir nicht zu viel vor und sag dem Chef auch mal dass du heute keine Überstunden machen kannst.
Denk in der Freizeit - sobald du das Gebäude verlässt - nicht mehr an Arbeit. Dein Kopf arbeitet dann auch wieder besser wenn du dort bist.
Mach die kleinen Dinge zuerst und lass dir bei den größeren Zeit. Die kleineren Dinge sorgen für etwas Abwechslung und kleine Erfolgserlebnisse. Die größeren sind ohnehin selten so gut planbar, sodass es nicht sonderlich auffällt wenn sie "etwas" später fertigwerden weil du zwischendrin die "Kleinigkeiten" machst. Das ist ein Tipp den ich mal bekommen habe und der bewährt sich bis heute.
Und nimm dich selbst wie gesagt nicht zu wichtig. Wenn du jetzt arbeitest wie ein Tier wird es umso mehr auffallen, wenn es dir irgendwann zu viel wird und du zusammenklappst. Die Welt dreht sich weiter - auch wenn mal was bis morgen liegt.
Ansonsten würde ich - deiner Gesundheit willen sagen - such dir was Anderes.

Antwort
von Marakowsky, 20

Das Problem hast du gut erkannt, du bist derjenige, der diesen Anspruch an sich selbst hat. Den habe ich auch und war lange Jahre in einer ähnlichen Situation. Das Problem ist, dass man keine Grenzen setzt. Und wenn man es doch versucht 1000 Gründe für Ausnahmen findet. Die Lösung musst du selbst finden. Ich habe den AG gewechselt und beim neuen von Beginn an deutliche Grenzen gesetzt. Jetzt habe ich Zeit meine Arbeit in Ruhe zu erledigen, Dinge auch mal zu überdenken und kann somit meinen eigenen Qualitätsanspruch erfüllen. Das wiederum hat mir die Freiheit gebracht nicht mehr gegen mich selbst abkämpfen zu müssen.
Ich wünsch dir alles gute und vor allem jede Menge Selbstdisziplin.

Kommentar von Him6eere ,

Vielen Dank für deine hilfreiche Antwort.

Ich werde versuchen, meine eigenen Ansprüche und Prioritäten zu ändern.

Kommentar von Marakowsky ,

Hey, gerne! Ich weiß genau, wie furchtbar das ist immer am Rande eines Nervenzusammenbruchs zu arbeiten...
Dennoch, glaube ich nicht, dass man sich selbst bzw. die eigentlich guten Ansprüche, die man an sich hat, so leicht ändern kann. Wenn man einen AG fragt, würde er den 100% Mitarbeiter immer dem "ist mir doch egal"-Mitarbeiter vorziehen. Insofern halte ich es eher für besser die Konditionen zu ändern. Sprich, die Arbeitszeit (Überstunden), Arbeitsaufkommen, etc.
so dass man eben genug Zeit hat, seine Arbeit auch gut zu machen.
Wenn das im vielleicht zu eingefahrenem Arbeitsverhältnis nicht geht, hilft nur der Wechsel.

Antwort
von CounterMonkey, 26

Ist jetzt nicht ganz naheliegend, aber darf ich fragen wie Deine Ernährung aussieht und ob Du Sport treibst oder Meditation machst?

Ich war immer extrem angespannt, nervös, gestress und hatte Angstzustände, die so schlimm wurden dass ich mehrmals in Behandlung war. Ich hab dann meine Ernährung radikal umgestellt und bin seitdem wirklich wie ausgewechselt, ausgeglichen, ruhig und Stress prallt an mir ab, auch in turbulenten Zeiten. Ich habe Kaffee/Koffein und Zucker komplett aus meiner Ernährung gestrichen. Vor allem permanenter Zuckerkonsum führt durch den schwankenden Blutzuckerspiegel zu Stimmungsschwankungen, und jedesmal wenn er fällt schüttet man Adrenalin aus, was Dich noch mehr stresst und negative Gefühle und Angstzustände begünstigt. Ich habe nach 1-2 Wochen gemerkt wie ich wirklich ruhiger, gelassener und konzentrierter war als jemals zuvor.

Zudem ist ein guter Ausgleich in der Freizeit wichtig, durch Entspannungsübungen, Meditation und Sport. Wenn man sich regelmäßig richtig auspowert hat man die ganze überschüssige Energie sinnvoll genutzt und ist dann im Alltag automatisch ruhiger.

Was unfaire Vorgänge an Deinem Arbeitzsplatz ausmachst so solltest Du das mal ansprechen, so wie spontane Überstunden, die man Dir auch rechtzeitiger hätte mitteilen können.

Kommentar von CounterMonkey ,

angeht nicht ausmachst... argh ^^

Antwort
von 5432112345, 10

Indem du dir klar machst, dass du arbeitest um Geld zu verdienen um ein schönes Leben zu haben. Du arbeitest nicht um arbeiten zu dürfen.

Du musst dir angewöhnen, dass mal Arbeit liegen bleibt. Dann wartet halt jemand einen Tag auf die Erledigung.

Antwort
von bastidunkel, 32

Du machst dir diesen Druck doch selber. Ich glaube kaum, dass irgend jemand deiner Kollegen oder dein Chef dir diesen Druck machen. 

Du scheinst ein übersteigertes Geltungsbedürfnis zu haben, wenn du dir einbildest, allen etwas beweisen zu müssen, wie toll du bist, wie fleißig und wie schnell du bist. 

Wenn du dich nicht immer so überheblich darstellen würdest, hättest du auch weniger Stress. Das ist alles hausgemacht und nur du alleine kannst den Stress reduzieren. 

Antwort
von Spot1978, 17

Oh Mann du hast ein echtes Problem Ernie ;-) Das wird nicht mehr lange dauern bis zum Burnout. Solltest Dir mal in Ruhe Stromberg im Fernsehen anschauen und den täglichen Wahnsinn im Büro als das erkennen was er ist.
Mach doch wie ich es gemacht habe: Häng deinen Bürojob an den Nagel und mach was eigenes wo Du Spaß dran hast. Alles andere macht einen auf Dauer kaputt. Und anfangen würde ich damit meinem Chef mal Bescheid zu sagen was diese späten Besprechungstermin angeht. Oder einfach mal um 16h den Stift fallen lassen und Feierabend machen. Am Ende hast noch Bluthockdruck oder einen Herzinfarkt...

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