Frage von Pepitaa, 36

Geht es eigentlich um mich oder bin ich nur ein Platzhalter?

Die Ex meines Freundes ist gestorben und mein Freund leidet stark darunter. Sie waren 20 Jahre verheiratet und haben 2 Kinder. Seit sie ihn vor 3 Jahren verlassen hat, hatten sie nahezu ausschließlich telefonischen Kontakt, und auch nur wegen der Kinder (Unterhalt, Versicherungen etc.).

Ich kann wirklich verstehen, dass er trauert, und dass viel Unverarbeitetes hoch kommt. Aber er scheint ihn in eine Krise zu stürzen, in der ich seine erste Ansprechpartnerin bin was mich total überfordert. Ich bin nur noch Kümmerin, mit Partnerschaft hat es nichts mehr zu tun.

Dazu kommt das grundsätzliche Gefühl, dass er einfach nur nicht allein sein will. Wir sind erst knapp ein halbes Jahr zusammen und er hat sich ziemlich schnell so verhalten als ob wir schon jahrelang zusammen wären.

Schon nach kurzer Zeit hat er gesagt, dass er mich liebt (und braucht), und dass ich zu ihm ziehen soll. Da schrillten bei mir erste Alarmglocken.

Ich weiß einfach nicht, ob es ihm überhaupt um mich als Person geht und wie ich mich verhalten soll. Die Situation tut mir nicht gut, aber ich will ihn auch nicht im Stich lassen.

Antwort
von Seanna, 36

Ich kann deine Bedenken verstehen. Und wenn du dich überfordert fühlst - was angesichts der Situation legitim ist - sollte er sich mit seiner Trauer an einen Psychotherapeuten wenden und dich nicht dafür missbrauchen. Du bist seine Partnerin, NICHT seine Therapeutin und auch kein Ersatz dafür.

Kommentar von Pepitaa ,

Erst mal ein Danke an alle, die sich die Mühe gemacht haben mir zu antworten.... ich merke, wie schwer es ist die Situation ausreichend zu beschreiben. Meine Grundhaltung bzw. mein Grundverständnis einer Beziehung ist, dass man TEILT. Gutes und Schlechtes, sich gegenseitig unterstützt, ehrlich zueinander ist. Ich bin auch der Meinung, dass eine gute Partnerschaft aushalten sollte, dass die Freundschaft in bestimmten Situationen im Vordergrund steht und man seine eigenen Bedürfnisse hintenanstellt. Es ist nur so, dass ein halbes Jahr Beziehung recht wenig Zeit ist. Es ist die Zeit, in der sich erst langsam zeigt, ob aus Verliebtheit Liebe entsteht. Jedenfalls ist meine Erfahrung so. Ich weiß, dass ich sauer auf die Umstände bin, und dass das Quatsch ist, denn Umstände kann man sich nicht aussuchen. Und trotzdem: ich will Partnerin sein und nicht hauptsächlich Kümmerin. Ich habe Angst eine wunderbare Chance auf eine schöne Beziehung zu vertun...und ich habe Angst mit Haut und Haaren gefressen zu werden, von jemandem, dem es gar nicht um mich geht, sondern nur darum im Allgemeinen wieder eine Beziehung zu haben und im Besonderen mit jemandem, der tendentiell Verständnis für so ziemlich alles hat. Er hat übrigens schon länger einen Therapeuten (alle paar Wochen eine Sitzung), mit dem er sich aber nicht so wohl fühlt, und außerdem bräuchte er ja auch keinen, denn er hat ja mich...

Antwort
von realistir, 12

kennst du den Unterschied von Optimisten und Pessimisten? Als was würdest du dich bezeichnen wollen?

Ich war auch ungefähr so lange verheiratet und habe als Optimist die schönen Erinnerungen behalten, die unschönen sinngemäß vergessen ;-)
Es gibt in Beziehungen nicht nur schöne Zeiten, es bleibt aber jeder Person selbst überlassen an was man sich erinnern will und an was nicht.

Interessant ist deine "Selbstbeschreibung", das was man aus deinen Zeilen lesen kann. Mal angenommen, ich wäre dein Partner und würde auf deinen gerade eben gelesenen Satz sagen, ich brauche dich nicht unbedingt, wenn du nicht mehr willst, kannst du gehen. Schrillen dann wieder deine Alarmglocken, oder nur, wenn du deine eigene besondere Auslegung mancher Dinge tust?

Witzfrau, ich hätte als Partner von Dir auch keine Probleme bezüglich kurzem Zusammenleben. Hatte vorher ja schon längere Zeit zusammen gelebt, also ist das nichts neues mehr, was mir Angst machen müsste oder andere Bedenken aufkommen lassen müsste. Deshalb verstehe ich dein Argument und deinen unüberlegten Vorwurf an ihn nicht, bezüglich ziemlich schnell so verhalten als ob...

Wie gesagt, du dürftest auch ziemlich schnell gehen, dich trennen, wenn du meinst es tun zu müssen. Partnerschaften sollen keine Gefängnisse sein.

Antwort
von kokomi, 25

hier beweist sich wahre liebe - denk drüber nach

Antwort
von brennspiritus, 29

Wer soll denn sonst seine erste Ansprechpartnerin sein?

Ich versteh es richtig, dass ihr schon vor dem Tod der Exfrau zusammen gekommen seid? 

Sein halbes Leben hat er mit dieser Frau verbracht, vermutlich verarbeitet er grad mehr als nur den Tod. Du hast jetzt die Wahl, ob du eine gute Partnerin sein wilst oder ob es doch nicht der richtige Mann für dich ist. Wenn die Gefühle stimmen, dann unterstütze ihn. 

Kenne übrigens eine ganze Menge Leute, die sehr schnell zusammenziehen...

Kommentar von Pepitaa ,

Ja, wir waren schon zusammen. Nach ca. 3 Monaten hat er von ihrer Erkrankung erfahren. Er hat die Trennung ganz offensichtlich nicht verarbeitet, und auch das gestörte Verhältnis zu seinen Kindern nicht. Er sieht sich als trauender Witwer, der sich nun um seine Kinder kümmern will (die das nicht wollen, da er viel vergeigt hat). Eigentlich will er, dass seine Kinder (20 + 16 Jahre alt) sich um ihn kümmern. Seine Eltern, sein Umfeld sagen/sagt auch zu ihm, dass er sein Leid nicht bei mir abladen soll, weil das zu viel für mich wird. Es sind einfach alles ungünstige Umstände, ich selbst bin noch im Trauerprozess um den Tod meiner Mutter, weshalb mir das Thema eh sehr nah geht. Ich unterstütze ihn wo ich kann, obwohl ich nicht weiß ob die Gefühle stimmen. Das macht ja auch etwas mit mir, wenn er mich ranzieht und wegstößt wie es ihm gerade passt. Auch vor dieser Situation war es schon so, dass er die Streicheleinheiten bekommt und ich nicht.

Kommentar von brennspiritus ,

Klingt schon wieder ganz anders. Du musst die Karten auf den Tisch legen.

Trauernde sind meist sehr egoistisch (nicht im negativsten Sinne des Wortes) und bemerken nicht, was mit den Menschen um sie herum passiert. Nach der ersten Trauerphase muss man sich wieder aufrappeln. Das dauert unterschiedlich lange, man muss aber an sich arbeiten, sonst hängt man in einer Endlosschleife.

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