Gehört voreheliches Vermögen bei Heirat dann zur Erbmasse?

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7 Antworten

dabei bin ich der Meinung, dass Vermögen, dass in eine Ehe eingebracht wird, nicht zur Erbmasse gehört, die Tochter wird also immer Alleinerbin bleiben. Und der Zugewinn ist nicht nennenswert. Denke ich da richtig?

Nein. Der Nachlass deines Ehemannes ergäbe sich aus dessen Vermögen abzgl. (auch seiner Hälfte eurer gemeinsamen Verbindlichkeiten, etwa Möbelratenzahlungsvertrag oder Fahrzeugleasing) und seiner Bestattungskosten mit Wertstellung Todestag.

Daran wären im Erbfall seine Tochter zu 1/2, du als seine Gattin/Witwe zu 1/4 zzgl. pauschlierten Zugewinn in gleicher Höhe, mithin ebenso zu 1/2 erbberechtigt, §§ 1924 (1), 1931 (1) 1, 1371 (1) BGB.

Ausnahme bildet der sog. Voraus gem. § 1932 (1) BGB, der allein dir gehört, das sind "die zum ehelichen Haushalt gehörenden Gegenstände, soweit sie nicht Zubehör eines Grundstücks sind" und sämtliche Geschenke, soweit sie einer sittlichen Pflicht (Verlobungsring, Perlenkette zum Zehnjährigen, Feiertags- und Geburtstagsgeschenke) entsprangen und gemessen an den Einkünften verhältnismäßig waren (für den einen sind 5.000 EUR für Schmuck an seine Liebste peanuts, für den anderen vier Monatsrenten!).

Insofern stimmen die Befürchtungen seine Tochter: Mit dir als Schwiegermutter verlöre sie gut die Hälfte ihres gesetzlichen Erbrechts am väterlichen Reinnachlass :-(

Dein Lebesgefährte könnte dir gleichwohl (idealerweise in einem notariellen Erbvertrag!) ein Vermächtnis n. § 1939 BGB zusprechen, dass maximal 1/2 seines Reinnachlasses betragen dürfte, um von der Erbin unmittelbar erfüllt, genauer gesagt gerichtlich sogar herausbeansprucht werden könnte :-)

Etwa die Immobilie plus Voraus für dich und alles andere nahezu wertgleiche seiner Tochter.

Denn ihr Mindestanspruch besteht lediglich in dem zu ihrem Erbe hälftigen Pflichtteil in Geld.

Was dein Mann als Vater darüber denkt oder über deine Absicherung und Vermächtniseinsetzung oder Heiratspläne, musst du allerdings ihm überlassen. 

G imager761

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Ja natürlich.

Die Erbmasse bildet das Vermögen des Erblassers zum Zeitpunkt des Erbfalls ( Todeszeitpunkt). Die Ehe in Zugewinngemeinschaft hat auf die Erbmasse keinen Einfluss, da sich durch die Ehe nichts an den Eigentumsverhältnissen der Ehegatten ändert. Ehegatten haben grundsätzlich getrennte Vermögen. Nur der Zugewinn wird ausgeglichen. Im Falle der Beendigung durch Tod dadurch, das sich der gesetzliche Erbteil des überlebenenden Ehegatten um 1/4 erhöhrt. Außerdem erbt die Ehefrau neben Erben der 1. Ordnung zu 1/4.

Somit ergibt sich bei einen Kind eine gesetzliche Verteilung von 1/2 Kind und 1/2 Ehefrau.

Sofern es keinen Erbvertrag und kein gemeinsames Testament mit einem vorverstorbenen Ehegatten gibt, kann der Erblasser aber Testamentarisch andere Regelungen treffen. Hierbei gibt es aber Anspruch auf den Pflichtteil.
Der Beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Bei einer komplett Enterbung der Ehefrau entsteht dabei nur Anspruch auf den kleinen Pflichtteil, d.h. 1/2 von 1/4 und Anspruch auf den realen Zugewinnausgleich.

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Das Vermögen des Lebensgefährten kommt praktisch nicht mehr in den Zugewinn.

Aber die Ehefrau erbt neben einer Tochter die Hälfte.

Selbst wenn die Tochter als Alleinerbin eingesetzt wird, bekommt die Ehefrau ein Viertel des Erbes plus ein weiteres Viertel als pauschalen Zugewinnausgleich, = wieder die Hälfte.

Mit der Heirat verliert sie also die Hälfte des erwarteten Erbes !

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Kommentar von AuroraBorealis1
03.09.2016, 16:33

Aber die Ehefrau erbt neben einer Tochter die Hälfte.


wenn kein Testament vorhanden ist, steht die ehefrau an erster stelle und die Tochter bekommt nur einen pflichtteil ?!


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Kommentar von imager761
04.09.2016, 10:10

Unter Lebensgefährten gibt es gar keinen Zgewinn: Jeder hat sein eigenes Vermögen und vererbt es gem. gesetzl. oder gewillkürter Erbfolge.

Derzeit erbt die Fragestellerin nichts, die Tochter des LG alles.

Duch Verheiratung (der der LG zunächst einmal zustimmen müsste), beerbt sie ihren Mann zur Hälfte n. §§ 1931, 1937 BGB.

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Da denkst du in der Tat falsch. Möglichkeiten gibt es da viele. Dazu müsstet ihr nicht einmal zwingend heiraten (würde deine Stellung aber natürlich deutlich verbessern). Um den Pflichtteil für die Tochter kommt ihr aber nicht drumherum.

Sieh dir zum Beispiel mal § 1931 (Erbrecht des Ehegatten) und in Verbindung dazu den § 1371 BGB (Zugewinnausgleich im Todesfall) an. Welche Konstellation für dich aber jetzt letztlich am günstigsten wäre lässt sich so jetzt nicht einfach sagen. Das müsste man berechnen. Dazu solltest du dich an einen Fachmann wenden.

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Die Vermögen der Ehegatten bleiben auch bei einer Heirat getrennt und werden vererbt. Eine Ausnahme besteht, wenn Gütergemeinschaft vereinbart wird, aber auch dann ist die Gütergemeinschaft entweder mit dem Tod beendet oder wird mit den Erben fortgesetzt. Einen Pflichtteilsanspruch hat die Tochter ohnehin.

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Aber er könnte dir doch sein Vermögen und auch die Immobilien bei Heirat per Testament überschreiben.

Der Tochter steht dann nur ein Pflichtteil zu. Geht mal zum Notar und lasst Euch beraten.

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Hallo,

die  Erbmasse ist das Vermögen des Erblassers zum Zeitpunkt des Todes. Die Eigentumsverhältnisse ändern sich durch die Zugewinngemeinschaft nicht.

Gesetzliche Erbfolge: wurde kein Testament verfasst oder ein Erbvertrag geschlossen, gilt die gesetzliche Erbfolge. Hierbei sind sowohl die Ehefrau als auch die Abkömmlinge des Erblassers als Erben erster Ordnung erbberechtigt. Erben erster Ordnung erben grundsätzlich zu einer Quote von 1/4. 

Ehegatte: Wurde zwischen dem Erblassern und dem anderen Ehegatten keine ehevertragliche Vereinbarung geschlossen, leben diese im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Also erfolgt im Todesfall ein Zugewinnausgleich. Daher erbt der Ehegatte zu seinem Viertel ein weiteres Viertel als pauschalierter Zugewinnausgleich. Im gesetzlichen Güterstand erbt der Ehegatte also zu 1/2. 

Kinder: Die Kinder erben zu 1/4. Hat der Erblasser nur ein Kind, erbt dieses im skizzierten Beispiel auch zu 1/2.

Testament: Hat der Erblasser mit seinem Ehegatten kein gemeinschaftliches Testament oder einen Erbvertrag geschlossen, das ihn bindet, kann er anderweitige letztwillige Verfügungen treffen. Hierbei wäre dann gegebenfalls das Pflichtteilsrecht zu berücksichtigen. 

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